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Den Feind kennen

Jour fixe vom 09.12.2019

  1. Die Digitalisierung des Kapitalkreislaufs, GS 3-19, Fortsetzung und

Nachträge zum Exkurs, ob der Kapitalismus demnächst vollautomatisch funktioniert

Die heiße Frage, ob der Kapitalismus demnächst vollautomatisch funktioniert, ist Gegenstand der öffentlichen Debatte. Da wird thematisiert, dass der aktuelle technologische Umbruch logischerweise ganz viele Leute freisetzt und es in diesen modernen hoch digitalisierten Fabriken eigentlich überhaupt keine Menschen mehr braucht. Es wird in diversen Variationen problematisiert, ob das gut gehen kann, welche Aufgaben sich stellen u.Ä. mehr. Nie wird thematisiert, dass sich die Menschheit demnächst aufgrund der erhöhten Produktivität in Freizeit und Müßiggang ergehen könnte. Dass mit den digitalisierten Fabriken keine fröhlichen Zeiten anbrechen, sondern einerseits hochmoderne Fabriken existieren, in denen kaum Leute rumlaufen und es anderseits weiterhin eine Menge Arbeitsplätze mit miesen Arbeitsbedingungen und geringen Löhnen gibt, ist der Ausgangspunkt des Exkurses. Der Exkurs will erklären, wo dasherkommt. Es geht nicht darum, eine Spekulation darüber aufzumachen, ob eine gesellschaftliche Produktion ohne Menschen geht. Es geht um die Klärung dieser eigentümlichen Kombination von hochmodernen Fabriken und beschissenen Arbeitsplätzen.

Als erster Grundwird der besondere gesellschaftliche Reichtum angegeben, der hierzulande gilt. Der existiert nicht einfach in einer Menge von Konsumgütern, sondern im Geld. Das ist der Reichtum, auf den es ankommt, den jeder braucht. Das unterstellt eine Produktion, bei der es am wenigsten interessiert, was die Sache ist, die da als Produkt herauskommt. Zentral und wichtig ist vielmehr, dass sie einem gehört, man exklusiv über das verfügt, was man produziert hat. Dieses Eigentum ist die Voraussetzung dafür, dass das, was der Produzent produziert hat, von ihm in Geld verwandelt werden kann. Das erworbene Geld ist dann das Mittel, mit dem er auf den materiellen Reichtum zugreifen kann, der sich bei anderen Privateigentümern befindet. Die Arbeit hierzulande muss sich als Mittel des Geldverdienens bewähren, weil Geld das allgemeine Zugriffsmittel auf den materiellen Reichtum dieser Gesellschaft ist.

Aus dem Umstand, dass das Geld so unbedingt und allgemein gilt, ergibt sich das nächste Argument: Die gesellschaftliche Beziehung der Leute existiert im wechselseitigen Kauf und Verkauf. Dass diese über das Geld vermittelte gesellschaftliche Beziehung so universell gilt, liegt daran, dass die Elementarform – jeder ist Produzent, verkauft eigenes und kauft fremdes Eigentum – wiederum so nicht existiert. Das Entscheidende ist nämlich, dass die Produktionsmittel in dieser Gesellschaft ebenfalls privates Eigentum sind. Deswegen ergibt sich etwas ganz anderes, als dass jeder Produzent und somit Eigentümer von Produkten ist, die er verkauft.

   — Für die, die keine Produktionsmittel besitzen, bedeutet es, dass sie sich, um an Geld zu kommen, bei denen verdingen müssen, die Produktionsmittel haben. Die Eigentümer von Produktionsmitteln haben die Macht, diese fremde Arbeit für sich einzusetzen. Dieses Prinzip gilt gesellschaftlich.

Wenn es aufs Geld ankommt, weil es das Zugriffsmittel auf den materiellen Reichtum der Gesellschaft ist, dann steht man schlecht da, wenn man keine Mittel für die Produktion von Eigentum hat, das sich verkaufen lässt. Die einzige Alternative, um an Geld zu kommen, ist, sich von jemandem benutzen zu lassen, der dafür Lohn zahlt.

   — Das Produkt ist dann nicht das Eigentum des Arbeiters, sondern gehört dem Eigner der Produktionsmittel. Der gilt als Produzent dieses Eigentums.

Der Eigentumslose, der seine Arbeitskraft verkaufen muss, produziert Eigentum für einen anderen, weil die Arbeitskraft bereits dem anderen gehört, bevor sie arbeitet und Eigentum schafft – eben „v", ein variabler Kapitalbestandteil. Es ist ja nicht Arbeitskraft für den Arbeiter, sondern für den Eigentümer. Sich in einer Welt mit diesen Eigentumsverhältnissen behaupten zu müssen, hat die an und für sich absurde Not, Arbeit zu brauchen und die Sorge, ob „uns“ die Arbeit nicht ausgeht, zur Folge.

Das ist die eigentliche Arbeitsteilung auf die es ankommt. Auf der einen
Seite gibt es Kapitaleigner, die sich als käuflichen Bestandteil für ihr Anlagevermögen Arbeitskräfte mit einem Lohn verfügbar machen und auf diese Weise neues Eigentum produzieren lassen. Auf der anderen Seite gibt es Eigentumslose, die sich in den Dienst fremden Eigentums stellen müssen, um Geld zu haben. Das Resultat ihrer Arbeit ist nicht ihr Eigentum, sondern das Eigentum derer, die ihn dafür bezahlen.

Das Geld bekommt für die Kapitaleigner eine ganz neue Qualität. Sie kaufen damit auf dem Markt nicht nur gewollte Dinge, sondern fremde Arbeit, die ihnen beständig neues Eigentum schafft. Geld in ihren Händen hat jetzt die Funktion, mehr Geld zu machen. Das Geld bewährt sich als Geldquelle, indem sie damit Waren produzieren lassen, die man auf dem Markt verkauft und darüber wieder über weiteres Geld verfügt und diesen Prozess von neuem beginnen kann. Die Vorstellung, mit dem Produzieren aufzuhören, weil es irgendwie reicht, ist von daher absurd. Denn dann versiegt die Geldquelle.

   — Weil mit der Arbeit fortwährend fremdes Eigentum in der Hand des Kapitaleigners produziert wird, perpetuiert sich auch die Macht des Kapitaleigners. Und der Arbeiter bleibt existentiell davon abhängig, dass er von einem Kapitaleigner verwendet wird.

Wenn das Klassenverhältnis geklärt ist, geht es darum, wie Kapitaleigner mit ihrem Regime über die Arbeit ihr Eigentum vermehren. Die Digitalisierung ist dann eine Dienstleistung, die in diesem Verhältnis den Fortschritt ausmacht.

   — Auf S. 67 oben wird eine Entgegensetzung gemacht zwischen: In den Händen des „kapitalistischen Veranstalters“ bewährt sich das Geld als „Zugriffsmacht nicht auf einen Gegenwert, der damit gemacht wird, sondern auf eine eigentumslose menschliche Geldquelle.“ Da müsste doch ein „und“ stehen, weil beides zutrifft.

Der Kapitalist hat sich die Verfügung, das Kommando über die fremde Arbeit gekauft. Das erst noch zu schaffende Eigentum gehört ihm. Die Arbeitskraft ist Produktionsmittel und Eigentum des Eigentümers. Die Produktivität des Einsatzes von Maschinen und Arbeitskraft liegt ganz auf der Seite des Eigentümers. Wie produktiv die Arbeit ist, liegt in der Macht dessen, der sie anwendet und nicht in der Hand derer, die sie zu verrichten haben. Die Wahrheit ist also, die Produktivität der Arbeit ist getrennt von der Arbeit.

In dem Satz wird auf den Unterschied zwischen Gegenwert und Geldquelle hingewiesen. Der Kapitalist hat sich die Quelle seines Reichtums gekauft. Das ist kein Äquivalententausch wie der zwischen zwei Waren, die Transaktion, die da stattfindet, zielt nicht darauf ab, dass da einfach „Besitz“ stattfindet, sondern eine Produktion in die Wege geleitet wird, die neues Eigentum schafft.

   — Der Kapitalist ist nicht auf ein Äquivalent für sein Geld aus, das er da als Lohn in die Produktion steckt, sondern darauf,dass sich die eingesetzte Arbeit als Geldquelle für ihn bewährt. Das ist der Grund, warum er modernisiert, rationalisiert und digitalisiert, nämlich um die Arbeit für ihn produktiver, und nicht um die Fabriken menschenleer zu machen.

Entscheidend für den Kapitalisten ist, dass neues Eigentum geschaffen wird. Daraus ergibt sich, dass das neue Eigentum mehr wert sein muss als das, was ihn die Herstellung gekostet hat. Deswegen wird beständig an der Art und Weise herumgebastelt, wie die Kosten der Produktion gesenkt werden können. Hier gilt es jedoch zunächst festzuhalten, dass Arbeit im Kapitalismus Eigentum für Fremde produziert und Reichtum in der Form schafft, auf die es hier ankommt: Geld.

*

Zu der Zuschrift (siehe Anhang) ist folgendes anzumerken: Man sollte nicht damit argumentieren, dass die Arbeit Wert schafft, sondern in diesem Exkurs wird dargelegt, dass sie Eigentum schafft. Diese Qualität der Arbeit trifft zu, egal, ob in Bangladesch mit Hunderten von Leuten etwas genäht wird oder ob in Deutschland in einer hochmodernen Fabrik, in der kaum noch Leute herumlaufen, Autos hergestellt werden. In beiden Fällen wird Geld dafür bezahlt, dass neues Eigentum produziert wird; das ist das Resultat der Produktion, egal, ob sie mit vielen Arbeitern auf niedrigem technischen Niveau stattfindet oder hochproduktiv mit wenigen Leuten. Das Resultat ist immer das Gleiche: es kommt am Ende ein Warenberg zustande, der demjenigen gehört, der ihn hat produzieren lassen, der Arbeiter dafür bezahlt hat, dass sie für ihn eigenes, für sie fremdes Eigentum herstellen.

   — Diese Zuschrift hat das Problem, dass sie neues Eigentum schaffen falsch versteht als neue Produkte. Es geht aber um ein Mehr an neuem Eigentum. Sonst hat der Kapitalist „c“ bezahlt und bekommt durch die Produkte das „c“ (also nur seinen Vorschuss) wieder heraus.

Die Schwierigkeit ist, dass damit in der Diskussion eine ganz neue Fragestellung von „c“ und „v“ aufgemacht wird, die ja auch in der Zuschrift steckt. Im „Kapital“ wird erklärt, dass es „c“ und „v“ gibt und dass nur die Arbeit Quelle von Reichtum ist und Wert schafft. Hier ist man auf einer anderen Ebene, wenn gesagt wird: nur die menschliche Arbeitskraft schafft neues Eigentum. Die Überlegung des „Kapital“, wo der Wert herkommt, ist hier nicht Gegenstand und der Unterschied von „c“ und „v“ soll hier nicht erklärt werden.

   — Aber die Fragestellung ist: warum braucht es Arbeit, um mehr Eigentum zu schaffen? Im Exkurs wird nur gesagt, dass es Arbeit braucht, um Reichtum zu produzieren, aber es wird nicht gesagt, warum es nur mit Arbeit geht.

   — Die Aussage dazu (S. 66, o.) ist, dass auch diese Gesellschaft, die als Kapitalismus mit Geld funktioniert, sich reproduziert mit Gütern, die permanent hergestellt werden müssen und ein Produkt von Arbeit sind.

Die ausführliche Fassung ist das, worüber gesprochen wurde. Wenn man sich den Reichtum dieser Gesellschaft anschaut, sieht man, dass die Arbeit diesem Reichtum subsumiert ist, dass die Arbeit als Mittel dafür vorkommt. Man kann sich deshalb nicht fragen, geht dieses Produktionsverhältnis auch ohne Arbeit, wenn die Arbeit das Mittel ist, mit dem es geht. Der Exkurs will keine Antwort darauf geben, warum es Arbeit braucht. Ob Arbeit stattfindet, ob sie sachlich notwendig ist, ist im Kapitalismus keine Frage, sondern es ist einzig und allein die Frage, ob sie Geld bringt oder nicht.

   — Die Frage, die hier beantwortet wird, ist: um den Zweck, Geld zu vermehren, zu realisieren, braucht es Arbeiter, die ausgebeutet werden. Der Konter (s. BWL und VWL) ist, es braucht aber auch Maschinerie, Arbeiter und Maschinerie sind Produktionsfaktoren, die zusammen das Mehr an Wert bilden, das herauskommt. Der Titel des Exkurses macht die Frage vorstellig, ob ohne das Zutun von Lohnarbeit Geld vermehrt werden könnte. D.h. man müsste begründen, warum Arbeit in der Fabrik sein muss, damit das passiert. Diese Frage wird im Exkurs nicht beantwortet.

Wenn aber die kapitalistische Produktion eine Kombination von Produktionsmitteln und Arbeitskräften ist, kann man nicht fragen: Geht die Produktion auch nur mit der einen Hälfte?Implizit ist die Frage mit der Auskunft beantwortet, dass der Kapitalismus ein Regime über die Arbeit ist, d.h. ohne Arbeit geht es nicht.

   — Es geht deshalb nicht ohne Arbeit, weil die Arbeit eine Geldquelle ist, die dem Kapitalisten wie naturgegeben zur Verfügung steht.

Das stimmt, wird aber konfrontiert mit der Vorstellung, die Produktionsmittel könnten für sich eine Quelle von Wert sein.

   — Hier wird nicht die Frage aufgemacht, gibt es eine vollautomatische Fabrik, sondern – wie schon am Anfang gesagt – gefragt, wieso existiert im Kapitalismus diese vollautomatische Produktion gleichzeitig mit den widerlichsten Arbeitsverhältnissen? Die Antwort ist, dass die Arbeit die Geldquelle ist.

Der Exkurs beginnt, dass eine Fabrik ohne Arbeitsstress toll wäre, aber dann ist die Auskunft: „Ein Kapitalismus ohne Lohnarbeit wäre keiner.“ (S. 66, o.) Für den Kapitalismus ist Arbeit zentral, weil es darauf ankommt, dass privates Eigentum geschaffen wird. Ein Kapitalismus ohne Arbeit ist keiner, weil dann kein Eigentum geschaffen wird.

   — Das ist tautologisch: das, was zu erklären wäre, warum es die Arbeit bräuchte, wird unterstellt. Man unterstellt, dass Arbeit gebraucht wird, deshalb ist ein Kapitalismus ohne Arbeit kein Kapitalismus. Man muss sagen, warum die Arbeit die Geldquelle ist.

Es ist nicht unterstellt, dass die Arbeit gebraucht wird, sondern es wird gesagt, wofür sie gebraucht wird. Es geht um eine Geldrechnung im Kapitalismus, nicht um die Frage, wie viel Arbeit notwendig ist. Welche Arbeit lohnt sich, ist die Frage, die darüber entscheidet, ob gearbeitet wird, und die Geldrechnung, die der Kapitalist anstellt, ist ein Vergleich zwischen dem Geld, das er zahlt, und dem, das er verlangen kann. Nur wenn der Kapitalist eine Geldquelle einkaufen kann, gibt es eine Differenz zwischen seinem Vorschuss und dem Erlös aus dem Verkauf seiner Waren. Warum die Arbeit die Geldquelle ist, kann man an der Tatsache in dieser (wirklichen) Welt erkennen, die nicht bewiesen werden muss: So geht kapitalistisches Geschäft.

   — Ein Kapitalist sagt, ich mache mein Geschäft, weil ich meine Rohstoffe, meine Maschinerie und meine Arbeitskräfte günstig einkaufe. Für ihn ist alles gleich, der kennt keinen Unterschied.

Auf S.67 oben steht: „In dessen (des kapitalistischen Veranstalters) Händen bewährt sich das Geld also als Zugriffsmacht nicht auf einen Gegenwert, der damit bezahlt wird, sondern auf eine eigentumslose menschliche Geldquelle“, das Geld bewährt sich also als Zugriffsmacht auf etwas, was es noch nicht gibt, was geschaffen wird. Damit hat man auch den Unterschied zu den Produktionsmitteln, die der Kapitalist kauft.

Die Kalkulation des Kapitalisten (mit dem Einsatz neuer Maschinerie und der Arbeit) wurde im vorigen Punkt besprochen (vgl. S. 65), aber der Exkurs argumentiert anders. Der Satz: auch im Kapitalismus lebt man „nicht von der Kreditkarte, sondern von materiellen Gütern, von Gebrauchswerten, die beständig reproduziert werden müssen“ (S. 66 o.), ist insofern eine Antwort, als es auch im Kapitalismus auf den materiellen Reichtum ankommt, die Leute leben von dem, was produziert worden ist. Und es geht nicht darum, ob man das mit viel oder wenig Arbeit herstellen kann, sondern darum, dass der produzierte Reichtum nicht jedem zur Verfügung steht, sondern jemandem gehört. Das ist hier das Argument: die Arbeit interessiert nur unter dem Gesichtspunkt, dass sie dieses gesellschaftliche Verhältnis herstellt, dass am Ende des Produktionsprozesses jemand die exklusive Verfügung über das Hergestellte hat und deswegen Geld herausschlagen kann. So kommt es auf die Arbeit im Kapitalismus an, das ist ihre entscheidende Qualität und das hat zur Folge, dass es neben hochmodernen bis halbautomatischen Fabriken viele miese Arbeitsplätze gibt, an denen viel zu tun ist und wenig verdient wird. Beides genügt dem Kriterium, dass am Ende des Produktionsprozesses ein verkäuflicher Warenberg steht, der demjenigen gehört, der die Fabrik hingestellt und die Produktion bezahlt hat.

Ökonomie, also die Produktion und die Konsumtion und alles, was dazwischen liegt, geht mit Arbeit, der Mensch produziert und reproduziert sich durch Arbeit. Das Schwierige am Kapitalismus ist nicht diese Tatsache, die man nicht beweisen muss. Als Marx nach so einem Beweis gefragt wurde, sagte er: dann hört doch auf zu arbeiten, dann werdet ihr es ja sehen. Das Schwierige ist, welche eigentümliche Form dieser banale Sachverhalt unter kapitalistischen Eigentumsverhältnissen annimmt. Da kommen so Verdrehungen heraus, dass die Produktivität der Arbeit steigt, aber sich keiner freut, die Kapitalisten sind permanent weiter unzufrieden und die Arbeiter fürchten um ihre Arbeitsplätze. Die Arbeiter haben auf einmal das Bedürfnis nach Arbeit. Arbeit befriedigt kein Bedürfnis, sie ist die leidige Notwendigkeit, die man erledigen muss, um seine Bedürfnisse befriedigt zu bekommen. Hierzulande geht es anders zu: die Arbeit selbst wird zum Bedürfnis. Wie erklärt sich das? Das sind die Rätsel, nicht die Frage, ob der Mensch von Arbeit lebt.

Von dem absurden Zweck, immer mehr Geld zu verdienen, ist alle materielle Reproduktion abhängig gemacht, dem ist sie untergeordnet, das ist der Gehalt des bürgerlichen Eigentums, die Betätigung der Arbeit zum Monopol des Kapitals und seines Zwecks zu machen. Darin besteht Eigentum, nicht nur darin, dass sich die Leute ausschließen.

   — Die Frage ist, wie man – wenn man nicht auf die Werttheorie zurückgreifen will – jemand überzeugen kann, dass, wenn einer eine vollautomatische Fabrik hinstellt und damit Waren herstellt, die verkauft werden können, diese Erzeugnisse keinen Profit abwerfen können? Wie erklärt man das jemand, ohne zu erläutern, dass der Wert von „c“ nur übertragen wird.

Wie entsteht in einer (weitgehend) vollautomatischen Fabrik Profit? Die Antwort, die hier gegeben ist, heißt, es wird Eigentum hergestellt, das Resultat dieser Produktion gehört demjenigen, der die Produktion veranstaltet hat, er hat die exklusive Verfügungsmacht darüber und kann es deswegen zu Geld machen. Für ihn geht die Rechnung auf, wenn das, was er für die Produktion bezahlt hat, und das, was er durch die Versilberung des da geschaffenen Eigentums erlöst, zu seinen Gunsten ausgeht (er also mehr herausbekommt, als er vorgeschossen hat), dann hat er Profit gemacht. Daran arbeitet er sich ab: erstens sorgt er dafür, dass etwas an verkäuflichem Eigentum produziert wird, und zweitens (das war der Verweis auf die zugrundeliegende Kalkulation), dass ihm das mehr einbringt, als ihn die Produktion gekostet hat.

Nochmal die Bitte, sich auf die Argumentation des Exkurses einzulassen und zu prüfen, ob das einleuchtet, dass sich der Kapitalist so bereichert, dass er durch andere für sich Eigentum produzieren lässt, und dies die Antwort darauf ist, warum es immer beides gibt: moderne Fabriken und intensive Handarbeit. Man sollte nicht versuchen, was man durch das „Kapital“-Studium über Wert und Mehrwert und das Verhältnis von „c“ zu „v“ weiß, hier wiederzufinden. Auch wenn über den gleichen Gegenstand geredet wird, geht es hier darum, wie dieses gesellschaftliche Verhältnis im praktischen Leben auftaucht.

Angesichts dessen, wie es im wirklichen Leben zugeht, wird diese in der Öffentlichkeit gewälzte Frage im Artikel als absurd zurückgewiesen, weil es absurd ist, ein Regime über die Arbeit danach zu befragen, ob es auch ohne Arbeit ginge.

   — Ein paar Seiten vorher ist deshalb vom Ideal der menschenleeren Fabrik die Rede: “Es liegt in der Logik des Bemühens kapitalistischer Produzenten, sich vom Willen und Können ihrer angestellten Kräfte unabhängig zu machen“ (S.65). Die Wirklichkeit davon ist das permanente Einsparen von Lohnkosten, so dass beim Fortschritt mittels Digitalisierung der Arbeiter als der Lückenbüßer davon vorkommt.