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Fortschritte in der Konkurrenz der Kapitalisten:

Die Digitalisierung des Kapitalkreislaufs

 

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Den Feind kennen

III. Der Kapitalvorschuss und seine Rendite

Der Vorspann nimmt Bezug auf das vorherrschende Selbstbild von IT-lern aus dem Silicon Valley und anderswo. Ihr Erfolgsrezept setzt sich aus zwei Elementen zusammen: Der rasante Erfolg ihrer Unternehmungen, abzulesen an ihren fulminanten Börsenwerten, ist Resultat davon, dass hier die „besten Köpfe“ am Werk sind in Kombination mit potenten Mäzenen, die diese Arbeit finanzieren. Dieses Selbstbild will der Artikel in den folgenden Punkten polit-ökonomisch zurechtrücken.

1. Staatliche Vorleistungen: Schutz des geistigen Eigentums und eine Menge Infrastruktur

   — Dieser Erfolg unterstellt etwas ganz Anderes als nur ein paar geniale Köpfe, eine Garage und Einsatz von Wagniskapital: nämlich einen erheblichen Einsatz von Staatsgewalt, der in diesen Vorstellungen wie selbstverständlich unterstellt ist und zugleich überhaupt nicht angesprochen wird. Der Staat stellt eine elementare Voraussetzung dieses Geschäftserfolgs dar. Die IT-ler sind stolz auf ihre geistigen Leistungen, die polit-ökonomische Wahrheit davon ist aber, diese müssen Eigentum sein. Geistiges Eigentum heißt, ein Stück Wissen wird durch den Staat zum exklusiven Verfügungsrecht Einzelner gemacht und nur darüber wird aus Wissen überhaupt ein Geschäftsartikel.

   — Damit die IT-Firmen auf dem Weltmarkt, der ihre Heimat ist, erfolgreich sein können, ist es erforderlich, dass geistiges Eigentum nicht nur im nationalen Hoheitsbereich Gültigkeit hat, sondern auch international. Das unterstellt eine Macht, die die Potenzen hat, die Geltung nationalen Rechts auf der ganzen Welt durchsetzen und sicherstellen zu können.

Diese Voraussetzung ist bedingt durch die Eigenart des Geschäftsartikels dieser Branche: Sie machen ihr Geschäft nicht mit der Produktion und dem Verkauf von materiellen Gütern, sondern mit Computerprogrammen, also geistigen Produkten. Das erfordert, dass diese einem exklusiven Verfügungsrecht unterstellt sind, wenn man sie verkaufen können will.

Insofern wird auch gegen ein weiteres Moment dieses Selbstbildes polemisiert. Sie propagieren ja ihre Denkleistungen als Beitrag dazu, aus der Welt „a better place“ zu machen. Hier wurde festgehalten, dass diese Geschäftssphäre wegen ihrer Eigenarten von vornherein auf den gesamten Weltmarkt bezogen und monopolistischer Natur ist. Das erfordert eine Recht setzende Gewalt, die an allen Ecken und Enden der Welt ihr Eigentum schützt und dass das möglich ist, unterstellen die IT-ler als das Selbstverständlichste auf der Welt. Dass die imperialistischen Staaten ihre Gewalt in den Dienst dieses Geschäfts stellen, ist also die Voraussetzung dafür, dass aus ihren genialen Ideen überhaupt ein Geschäft wird.

Die andere staatliche Leistung ist ebenfalls kein Rätsel: Das Internet muss es erst mal geben und die weitere Infrastruktur dafür auch. Das haben die It-Firmen nicht selber hingestellt und auch das nehmen sie als selbstverständliche Voraussetzung und Gratisgabe für ihr Geschäft in Anspruch.

   — Dafür gibt es gerade ein aktuelles Beispiel: die Einführung des 5G-Netzes durch den deutschen Staat. Die Regierung reagiert auf den zunehmenden Bedarf an IT-Infrastruktur für die Ausdehnungsbedürfnisse dieses Sektors und stellt diese als Gratisgabe zur Verfügung.

In diesem Fall sieht man, dass diese Geschäftssphäre inzwischen soweit gediehen ist, dass sich aus der Netzinfrastruktur selber ein kapitalistisches Geschäft machen lässt und der Staat aus den versteigerten Lizenzen Einnahmen in Milliardenhöhe verbuchen kann. Und der besondere Gesichtspunkt, dass dieses Netz lückenlos und flächendeckend auf seinem Territorium hergestellt wird, ist dem Staat einen eigenen Zusatzaufwand wert, das er dem Geschäft gegenwärtig nicht aufzwingen will, weil das zusätzliche, nicht unbedingt lohnende Kosten für die Firmen darstellt.

   — Bei der Versteigerung der 5G-Lizenzen hat der Staat versucht, seine Bedingungen in Hinblick auf eine flächendeckende Versorgung einzubringen. Das war eine Lehre aus der vergangenen Lizenzversteigerung, in deren Folge in Deutschland Versorgungslücken aufgetreten sind.

Auch da merkt man den besonderen Charakter dieser Geschäftssphäre: All diese Anwendungen, Vermittlungsdienste, Plattformen etc. haben ihre Wucht darin, dass sie ein Angebot sind, das man immer und überall in Anspruch nehmen kann, dass für alle erreichbar ist. Umgekehrt lebt dieses Geschäft davon, dass es von allen benutzt wird, und das setzt eine entsprechende Infrastruktur voraus. Und wenn die durch das Geschäft nicht aus sich heraus zustande gebracht wird, kommt der Staat ins Spiel.

   — Neben dem staatlichen Schutz des geistigen Eigentums und der Errichtung einer für das Internet nötigen Infrastruktur kommen weitere Erfordernisse auf das staatliche Bildungswesen zu: Den „klugen Köpfen“ muss ja erst mal das Know-how vermittelt werden, bis hin zur staatlichen Förderung von Computern in den Schulen usw.

 

2. Spekulative Finanzblasen als Geburtshelfer

Was für ein Bedarf ergibt sich aus der Eigenart des IT-Geschäfts in Bezug auf dessen Finanzierung?

   — Die Dienstleistungen, die die IT-Firmen entwickeln und verkaufen, sind welche für den gehobenen Bedarf der Kapitalisten in aller Welt. Sie haben in mehrfacher Hinsicht einiges zu leisten: Sie müssen unterschiedliche Dienstleistungen für verschiedene Unternehmen entwickeln, sie müssen weltweit präsent und verfügbar sein und das rund um die Uhr. Das erfordert einen großen Kapitalaufwand. Es wird ja nicht einfach ein Produkt hergestellt, sondern eine kontinuierliche Dienstleistung.

   — Die Vermarktung ihrer Dienste für die Beschleunigung der Kapitalkreisläufe enthält für die IT-Firmen den Widerspruch, dass ihre Attraktivität für ihre Kundschaft von ihrer weltweiten Präsenz und Reichweite abhängt. Das aber können sie erst mit der erfolgreichen Akquisition der weltweiten Kundschaft. Dieser Zirkel ist von den IT-Firmen zu bewerkstelligen. Was ist mit der Formulierung „möglichst komplette Abdeckung der Masse möglicher Interessenten“ gemeint? Sie müssen nützlich sein für alle möglichen Interessen ihrer potentiellen Kunden, diese Dienste also abdecken. Das macht die „Monopolisierung des Geschäftsinteresses, das der jeweilige Dienstleister zu bedienen gedenkt“ erforderlich und das heißt, es muss ihnen gelingen, alle an dieser Dienstleistung potenziell Interessierten zu ihren Kunden zu machen.

   — Das ist die Auflösung des Widerspruchs: Sie brauchen weltweit alle Kunden, über die sie gleichzeitig noch gar nicht verfügen, das will hergestellt sein. Daraus resultiert der spezielle Kapitalbedarf dieser Firmen. Sie müssen bereits eine enorme Größe haben, weltweit präsent sein, um alle möglichen Kapitaldienstleistungen anbieten zu können, und zwar, bevor sie überhaupt zahlende Kundschaft bekommen.

Der Reihe nach: Zunächst braucht es einen immensen Kapitalvorschuss, um diese Dienstleistungsangebote zu entwickeln und dann kommt es darauf an, dieses spezielle Produkt möglichst an alle infrage kommenden Interessenten auf der Welt zu verscherbeln, also enorme Werbeanstrengungen zu unternehmen, was wiederum eine Erhöhung des Vorschusses zur Folge hat.

Damit steht fest, dass der benötigte Kapitalvorschuss nicht aus ihrem eigenen Wachstum resultieren kann. Das ist ein Unterschied zu Bierbrauern, die mit dem Verkauf ihrer ersten Hektoliter Geld einnehmen und so nach und nach wachsen.

   — Auch der Kredit hat hier eine andere Bestimmung. Das ist mit „Wagniskapital“ ausgedrückt. Mit dieser Sorte Kreditbedarf kann man nicht zur Stadtsparkasse gehen.

Wenn man sich an den Ausgangspunkt unserer Debatte über Amazon erinnert: Dessen Dienstleistung besteht darin, allen Verkäufern die Vermarktung ihrer Waren auf ihrer Plattform anzubieten. Ein Geschäft wird das für Amazon &Co. nur dann und dadurch, dass diese Plattform von möglichst vielen Anbietern in Anspruch genommen wird. Dafür betreibt die Firma einen Riesenaufwand. Sie muss für alle Verkäufer erreichbar sein, muss deren Warenangebote verwalten, ihnen Speicherplatz zur Verfügung stellen und in der Lage sein, alle Käuferanfragen zu bearbeiten usw. Dieser Aufwand rechnet sich nur, wenn möglichst viele Warenanbieter auf dieser Plattform vertreten sind. Andererseits ist dieses Angebot für die Warenanbieter nur dann attraktiv, wenn sie die Gewissheit haben, dass Käufer in großer Anzahl diese Plattform zum Einkauf benutzen. Auch das muss durchgesetzt sein, dass jeder Kaufwillige hier nach allen möglichen Waren sucht. Nur wenn das erreicht ist, Amazon sich als universelles Schaufenster etabliert hat, dann ist diese Dienstleistung für die Warenanbieter unentbehrlich für ihren Warenabsatz, weil dort die weltweite Kundschaft versammelt ist. Insofern ist es durchaus ungewiss, ob ein IT-Dienstleister mit einer zündenden Idee es schafft, für alle Kunden zur unentbehrlichen Plattform zu werden.

Der Kapitalvorschuss muss also so groß sein, dass eine Firma dieses Wachstum jenseits seines eigenen Wachstums finanzieren kann. Eine sehr lange Zeit verbrauchen diese Firmen Kapital, ohne welches zu verdienen. Wenn sie dann eine bestimmte Größe erreicht haben, dreht sich dieses Verhältnis um: Es fließen ihnen kontinuierlich Einkünfte zu, ohne dafür noch nennenswerte Vorschüsse tätigen zu müssen, weil dasselbe Produkt immerfort mit minimalen Kosten an neue Kunden verkauft wird. So entsteht für Kapitalanleger die schöne Kombination von jahrelangem Risiko und Aussicht auf riesige Gewinne am Ende.

Diese Art Geschäft kann natürlich auch an Konkurrenten scheitern oder eben daran, dass es nicht in dem nötigen Umfang gekauft wird. Man kann viele Apps erfinden und die werden nie zu einem geschäftlichen Erfolg.

Mit ‚Wagniskapital‘ ist also eine spezielle ökonomische Bestimmung dieser Sphäre angesprochen: Diese Spekulation richtet sich auf eine Sorte Geschäft, das sich nicht auf ein bereits gelaufenes Geschäft stützt, sondern überhaupt erst die Erfolgsbedingungen dafür herstellen muss. Die Dienstleistungen müssen überall präsent, jederzeit abrufbar sein und zwar so, dass sie der Tendenz nach ein Monopol auf diese Geschäftssphäre haben, also alle anderen Anbieter ausschließen.

   – Also braucht es auf der anderen Seite einen Zustand des Kapitals, das, weil es nach der Finanzkrise zwar gerettet, aber seiner klassischen Anlageformen beraubt worden ist, diese Sorte spekulativer Anlage als eine Sphäre nimmt, in der es sich in ausreichendem Maß betätigen kann.

   — Das setzt nicht nur ein Finanzkapital voraus, das krisenbedingt vermehrt Anlagegelegenheiten sucht. Es setzt generell Kapital voraus, das sich nicht abschrecken lässt von der Durststrecke bis zum Erfolg, sondern von vornherein darauf setzt, dass aus dieser Möglichkeit Realität wird. Es ist keine historische Besonderheit, sondern diese Seite der Spekulation ist ein notwendiger Geburtshelfer dieser Sorte von Geschäft.

Das passt doch gut zusammen.

   — Diese Konkretisierung verdeutlicht, dass die Finanzkrise keine notwendige Bedingung dafür ist, dass es diese Geschäftssphäre überhaupt gibt.

Was jetzt deutlich gemacht wurde ist, worauf da jetzt spekuliert wird. Das andere Argument ist, warum jetzt für die Spekulation massenhaft Geld zur Verfügung steht.

   — Das, worauf vom Finanzgewerbe spekuliert wird, steht in keinem Zusammenhang mit einem bereits existierenden Geschäft. Wenn es dann heißt, spekulative Finanzblasen sind der Geburtshelfer dieses Geschäfts, soll nicht gesagt sein, ohne ginge es nicht. Der riesige Kapitalvorschuss erscheint dem Finanzkapital als eine lohnende Anlagemöglichkeit und das hat mit dessen Lage zu tun.

Die Lage des Finanzkapitals ist dabei nicht das Entscheidende. Auf der einen Seite ist das Geschäft noch keines, so dass man da erst mal ganz viel Geld reinstecken muss, damit überhaupt eine erfolgreiche Plattform, ein Vermittlerdienst o.ä. etabliert wird. Die andere Seite davon ist, dass das, woran der Anbieter verdient, für den jeweiligen Nutzer notwendigerweise geringe Beträge sind, sonst ist es kein Beitrag zur Verbilligung der Kosten der Nutzer. Also ist das Geschäftsmodell auch nach der Seite hin immer darauf berechnet, dass bei einem möglichst geringen Preis für die erbrachte Dienstleistung trotzdem ein Geschäft gemacht wird, wenn man nur die genügend große Anzahl von Kunden hat. Das ist positiv der Inhalt, worauf da spekuliert wird: Dass dann am Ende ein Bombengeschäft daraus wird, das den Kapitalvorschuss enorm lohnend macht. Diese Aussicht im Verhältnis zum Risiko ist entscheidend und nicht einfach, dass den Anlegern sonst nichts einfällt.

   — Der Text sagt, dass es Geschäfte sind, die ein Renner werden könnten, aber mindestens genauso wahrscheinlich gar nichts taugen. Das ist die andere Seite, dahin gehört der Zustand des Finanzkapitals.

   — Der Zustand des Finanzkapitals findet sich noch in einem anderen Argument: Der Staat hat in der Krise schon mal rettend eingegriffen. Das ist für Spekulanten von ‚Wagniskapital‘ ein zusätzliches Argument, in diese Art Geschäft einzusteigen.

   — Mir leuchtet der Zusammenhang nicht ein, da gehöre jetzt das Finanzkapital und dessen Krisen hin. Es wurde schon auch ausgeführt, dass es eine Notwendigkeit ist für diese Dienstleistungsanbieter, dass sie ein weltweites Monopol erreichen. Sonst amortisiert sich der hohe Kapitaleinsatz nicht, wenn nicht über den niedrigen Preis für ihre angebotenen Dienstleistungen diese massenhaft in Anspruch genommen werden. Und genau dieses Verhältnis beinhaltet, dass die meisten mit ihrem Dienstleistungsangebot Pleite gehen.

   — So war es gedacht: Der Kapitalist hat einen riesigen Kapitalbedarf, hat ein Bombengeschäft in Aussicht, das aber mit überwiegender Wahrscheinlichkeit nicht klappt. Für diesen Anspruch ist tatsächlich das Geld da. Warum? Die Argumente sind: Zustand des Finanzmarktes, Finanzkrise …

   — Was mir einleuchtet, ist ausschließlich das Argument, dass die Kreditgeber sich auf ihre jeweiligen Staaten verlassen, dass die ihnen – vielleicht wie neulich – unter die Arme greifen. Mir leuchtet nicht ein, dass das Geld deswegen da sei, weil das Finanzkapital zwar vom Staat gerettet, aber um Anlagemöglichkeiten verlegen ist.

So wird das Argument auch zu absolut genommen. Dass die Digitalsphäre für viele Finanzanleger in den Horizont ihrer Anlagemöglichkeiten kommt, dafür gibt es eine Reihe von Argumenten, die aus der Bewältigung der letzten Krise durch die Staaten stammen. Das heißt aber nicht, dass es kein Wagniskapital gegeben hätte, bevor Krise war.

   — Die sind doch der „normalen“ finanzkapitalistischen Vorgänge enthoben, den Kredit, mit dem sie dann Krise aufblasen, erst schaffen zu müssen – mit der Rettung des Finanzkapitals macht das der Staat für sie in einem Umfang, dass die dreifache Dollar-Zeichen in die Augen kriegen. Die Leichtigkeit und Billigkeit, über neues Kapital, also über Kredit zu verfügen, hätten sich die vorher nicht träumen lassen. Das ist eine Ausnahmesituation in Sachen Flüssigkeit und Billigkeit von Kredit.

Der Artikel macht auch ein quantitatives Verhältnis auf: außerordentlich viel Finanzkapital – außerordentlich wenige Anlagemöglichkeiten.

   — Der Absatz geht los damit: Denn Geld dafür ist da. Es ist deswegen da, weil sie zunächst Pleiten hingelegt haben. Dann hat sie der Staat gerettet und mit viel Geld versorgt, für das sie wegen ihrer schiefgegangenen Spekulationsgeschäfte wenig Verwendungsmöglichkeiten haben. Dabei leuchtet nicht ein, dass Geld für diese neue Sache nur deswegen da wäre, weil das alles passiert ist.

Ein Hinweis ist schon gefallen: Es steht da (S.63), dass auch in Zeiten eines wunderbar funktionierenden Kapitalismus das Finanzkapital mit großer Risikofreude eine Dotcom-Blase produziert haben, die auch geplatzt ist. Dann heißt es „Und eine Krise später verfügt die dort engagierte Gemeinde einerseits über außerordentlich viele anzulegende Finanzmittel, findet andererseits außerordentlich wenige Anlagemöglichkeiten.“ Gesagt ist nicht, es ist nur Geld da, weil Krise war, sondern es ist ein Zustand charakterisiert, in dem sich jetzt das Finanzkapital der Welt wegen der staatlichen Rettungspolitik befindet. Von da aus kommen die Übergänge dazu, was diese Sphäre noch extra attraktiv macht und nicht nur überhaupt. Was hier weiter in Zusammenhang gestellt ist: Eine Rettung von verliehenen Krediten rettet zwar die Vermögen, aber nimmt ihnen die Kapitalqualität. Gleichzeitig gehen die Interventionen der Notenbanken davon aus, dass das Leihgeschäft wie die Anleihenmärkte für das Finanzkapital unattraktiv sind, so dass die mit der staatlich hergestellten Liquidität nach etwas anderem suchen, was sie insbesondere auch auf diesen Risikomärkten finden. Dann kommt das letzte Argument: Das ist flankiert davon, dass sie sich darauf verlassen, dass bei der permanenten Krisenpolitik, die es gibt, sie jedes Risiko eingehen können, denn die nächste Rettung kommt genau so bestimmt. Das erhöht noch mal die denen in ihre DNA eingewachsene Risikofreude.

   — Das Argument soll dann nur noch sein, dass dem Finanzkapital das in dieser Lage ein besonders attraktives Angebot ist.

Immer vergleichsweise attraktiv.

   — Aus den zwei Gründen: Erstens kann dort viel anlegen, also viel Gewinn machen und zweitens hat man den Staat in der Hinterhand.

Ein Argument fehlt: Wegen der Rettung verfügen sie über Vermögen ohne Kapitalqualität. Das macht den Anlagebedarf in gewisser Weise dringlich.

   — Das soll nicht heißen, dass jeder fehlgeschlagene Kauf von Facebook vom Staat aufgekauft wird.

Einen Schritt zurück: Im Ausgangspunkt wurde beschrieben, um welche Art Spekulation es hier geht. Ob die aufgeht, ist nicht ausgemacht, weswegen es ‚Risiko‘ heißt. Die andere Seite: Es steht ein Bombengewinn in Aussicht, wenn die Spekulation aufgeht. Das ist der Grund, dass es genug Spekulanten gibt, die bereit sind, ihr Geld darauf zu werfen. Das zweite Argument: Sie haben auch dieses Geld. Nicht, weil es billig zu haben ist, sondern sie haben das Geld für diese Spekulation, weil es der ganzen Finanzbranche an Alternativen der Anlage fehlt. Sie nennen es ja selbst Anlagenotstand.

Es ist nicht so, dass sie sich das Geld erst beschaffen müssen. Es ist umgekehrt: Das Geld, das da ist, wird immer nicht ordnungsgemäß verwendet als Kredit zur Ausdehnung der Produktion oder anderen Geschäften, sondern es ist auf der Suche nach Anlagemöglichkeit und wirft sich dann auf diese spekulative Sphäre.

   — Im Unterschied zu anderen Anlagesphären, wo das Geld dafür da ist, weil sie sich ein Geschäft versprechen, ist jetzt tatsächlich die Lage, dass das Geld da ist ohne die entsprechenden Geschäftsaussichten.

Das wird hier als Krisenpolitik gekennzeichnet: Vermögen wurde gerettet durch eine Betätigung der Politik, die das normale Geldgeschäft kaputt macht – Stichwort Null-Zins-Politik oder Strafzins-Politik. Dazu wurde schon gesagt, dass sich die Finanzkapitalisten mit ihrer Investitions- oder Anlagepolitik ins Recht gesetzt sehen, weil dahinter der Staat steht, der sagt, dass es das braucht und er für die notwendige Liquidität sorgt. Er betätigt sich sogar als einer, der Wagniskapital für diese Sphäre mobilisieren will.

Der letzte Schritt ist, dass es Firmen wie Uber oder Tesla gibt, die genug Kapitalgeber bei denen finden und wo die Spekulation auf einen möglichen Gewinn die Börsenkurse in einem Maße hochtreibt, dass das schon der erste Erfolg der Spekulation ist. Dann stellt so manches von diesen IT-Unternehmen, ohne einen Cent Gewinn gemacht zu haben, beim Börsenwert locker altgediente Industriekonzerne in den Schatten.

Wenn so eine Firma erstmal an der Börse ist, muss ja ein Kapitalgeber gar nicht auf die künftigen Gewinne spekulieren, sondern kann gleich auf die Kursentwicklung spekulieren und in einem halben Jahr seinen Reibach machen.

 

IV. v: Der Gebrauch des Faktors Arbeit.

Wie gibt es das Ideal der Fabrik ohne Arbeiter?

   — Es gibt das Ideal und einen realistischen Kern. Das Kapital hat die Tendenz, die Rationalisierung voranzutreiben und dabei immer weniger Arbeiter anzustellen. Das Ideal wäre: Das Ziel ist Null. Hier wird darauf hingewiesen, dass dieses Ideal eine handfeste Grundlage hat.

   — Selbst wenn dem Kapital die Qualifikation seiner Arbeiter eine Abhängigkeit ist, die es loswerden will und deren Kost etwas ist, was immer kleiner sein soll, ist es so, dass die Kost für Arbeit im Kapitalismus nie gegen Null geht. Denn Kapitalismus ohne Lohnarbeit ist keiner mehr.

Vom Ausgangspunkt her: Im Moment sind die Zeitungen voll davon, dass Digitalisierung unbedingt sein muss und dass man sich deswegen darauf einrichten muss, dass massenhaft Leute freigesetzt werden. In Aussicht gestellt werden vollautomatisierte Fabriken, in denen kaum noch Menschen rumlaufen. Das Ideal existiert also erstens in dieser Beschwörung, dass man es demnächst mit menschenleeren Fabriken zu tun hätte. Zweitens ist dieses Ideal nicht aus der Luft gegriffen, weil die Unternehmen ohnehin damit beschäftigt sind, aus ihren guten Gründen Arbeiter überflüssig zu machen. Die Vorstellung menschenleerer Fabriken bezieht sich darauf, dass das Kapital dauernd Leute überflüssig macht. Und darauf, dass es an seinen Beschäftigten immer zwei Mängel bemerkt: Sie kosten und sind im Zweifelsfall unwillig bzw. nicht so leistungsfähig, wie man sie gerne hätte, nämlich rund um die Uhr und sonntags auch.

Was man in der öffentlichen Debatte und dem Ideal vor sich hat, sind befürchtete Wirkungen. Es ist zu klären, wovon das Entlassungswesen, das es gibt, die Wirkung ist. Also wie Kapitalisten, wenn sie sich über die Abhängigkeit von ihren Lohnarbeitern in Sachen Qualifikation und Arbeitswilligkeit beschweren, deren Einsatz kalkulieren mit der Folge von Entlassungen.

   — Ich verstehe das Argument nicht so, dass möglicherweise unwillige oder schlecht ausgebildete Arbeitnehmer beklagt werden. Es sind die Kosten, die eingespart werden. Denn in der Fabrik sind den Arbeitern die Maßstäbe ihrer Tätigkeit vorgegeben und dafür sind sie normalerweise entsprechend qualifiziert.

   — Das nimmt nichts davon zurück, dass sich der Wille der Arbeiter auf etwas Anderes richtet als auf das, worauf sich der des Kapitalisten richtet. Dessen Wille richtet sich auf Ableistung der Arbeit, die ihm Einkommen bringen soll. Bei aller Subsumtion, Anhängsel zu sein etc., ändert sich nichts daran, dass ihr Wille bleibt, der sich auf etwas anderes richtet als das, was der Kapitalist von ihnen will. Der Gegensatz ist nicht weg.

Jetzt ist daran erinnert, dass die IT-Konzerne mit ihrer Digitalisierung diesem Interesse mit ihren Dienstleistungen ein Angebot machen. Nicht aus der Digitalisierung abstrakt drohen Gefahren. Wenn welche drohen, dann als Resultat des Geschäfts, für das die Digitalisierung und ihre Dienstleistungen ein Angebot sind.

   — Wobei das Geschäft ein eindeutiges Kriterium hat, die automatisierten Produktionsmittel anzuwenden, nämlich, dass durch diese digitalisierten Produktionsmittel ein Überschuss über den Vorschuss rauskommt, also dass die Anschaffungskosten geringer sind als das, was man über die Dauer ihrer Anwendung einspart an Lohnkosten.

   — Das Angebot der IT-Branche geht in die Kalkulation ein. Das Kriterium der Kapitalisten ist nicht die Eliminierung der Arbeit aus den Fabriken, sondern die Frage, wie man Arbeit einsparen kann und was die dafür notwendigen Investitionen kosten.

   — Sie vergleichen Geldgrößen: Der Lohn für den Arbeiter, der die Maschine bedient, und die Kosten für ein digitalisiertes Programm, das den Arbeiter ersetzt, werden zueinander ins Verhältnis gesetzt.

Die Anwendung dieses Kriteriums hat etwas anderes zur Folge als menschenleere Fabriken. Das Kapital macht sich in dem Sinn unabhängig von Arbeitskräften: Eine Abteilung wird entlassen (und stört nicht mehr mit ihrem spezifischen Interesse an Leistung und Lohn) und die verbliebene Abteilung arbeitet produktiver. Einfache, durch den Produktionsprozess vorgegebenen Arbeitsschritte, die der Mensch als Anhängsel der automatisierten Produktion besser und billiger erledigt als der Roboter, werden weiterhin von Arbeitern ausgeführt, solange sie den Gewinn vergrößern.

   — Der Kapitalist bezahlt die Arbeit, die in seinem Betrieb als Quelle seines Reichtums fungiert. Wenn er sich unabhängig macht vom Umfang und der Qualifikation der zur Verfügung stehenden Arbeitskräfte, wird dieses Kriterium nicht außer Kraft gesetzt.

   — Die Betonung liegt hier darauf, was der Kapitalist der Arbeit abverlangt. Die Arbeit muss, damit der Kapitalist sie einsetzt, einen Überschuss produzieren im Verhältnis zum gesamten Vorschuss. Produktionsmittel und Arbeit werden als Geldgrößen gleichgesetzt. Er vergleicht die anfallenden Kosten für neue Programme und die bisherigen Lohnzahlungen in Bezug auf den Überschuss, den sie schaffen. Der Witz ist, dass der Kapitalist Arbeit und Produktionsmittel gerade nicht unterscheidet bezüglich der spezifischen Rolle, die sie im Produktionsprozess haben, dass er die Arbeit nicht als Quelle des Überschusses betrachtet.

Nichtsdestotrotz muss die gesteigerte Produktivität der Arbeit eine gesteigerte Kapitalrendite erbringen, also wird auch von den verbliebenen Arbeitern diese Leistung verlangt.

Alle Lohnkosten müssen sich, bezogen auf das ganze Ensemble des Vorschusses, als lohnend erweisen.

  — Warum steht hier, dass der Kapitalist auf den Willen des Arbeiters angewiesen ist? Welchen Stellenwert hat der Hinweis auf das entgegengesetzte Interesse des Arbeiters bzw. Kapitalisten an der Arbeit, wenn die kapitalistische Rechnung sich ausschließlich darauf bezieht, ob mit der neuen arbeitssparenden Technologie mehr Überschuss erzielt werden kann als mit der bisherigen Art des Produzierens?

Der Hinweis auf den Willen verweist auf den prinzipiellen Gegensatz des Kapitalisten zum Lohnarbeiter. Der Text (S.65) erläutert den Inhalt dieses Gegensatzes unter Berücksichtigung der Dienstleistungen der IT-Branche und endet mit der Kalkulation, unter welchen Bedingungen Arbeiter beschäftigt werden. Der Gegensatz besteht nicht darin, dass der Kapitalist die Lohnarbeiter eliminieren will, sondern darin, dass er sie benutzen will und zwar entsprechend seiner Kalkulation, die auf Geldgrößen basiert. Die Kapitalisten führen also den Kampf untereinander und nicht gegen die Lohnarbeiter, allerdings auf deren Kosten.

   — Der Kapitalist entscheidet sich auf Basis seiner Kalkulation für oder gegen die Einführung einer neuen Software, die mit Entlassungen verbunden ist. Er vergleicht die Kosten für Löhne mit denen für eine neue Technologie und berechnet die jeweilige Produktivitäts- und Gewinnsteigerung. Eines ist allerdings klar: Wenn er sich mit einer IT-Leistung eine Produktivitätssteigerung einkauft, dann entlässt er einen Teil der Arbeiter und die, die er noch beschäftigt, sind dadurch dequalifiziert. Das ist gleichbedeutend mit einer Lohnsenkung. So macht sich der Kapitalist unabhängig vom Können und vom Wollen derer, die mit der Alternative Entlassung oder Lohnsenkung erpresst werden.

   — Der Kapitalist hat die Freiheit zu entscheiden, ob ihm die Benutzung einer bestimmten Qualifikation zu teuer ist und kann gleichzeitig von den noch beschäftigten Arbeitern mehr Leistung verlangen. Da stehen sich nicht zwei entgegengesetzte Willen gegenüber. Der Kapitalist entscheidet auf Basis der Kostenrechnung über Lohn und Leistung.

Der Kapitalist will weniger zahlen und mehr Leistung, der Arbeiter will mehr Lohn für seine Leistung. Das ist der Inhalt des gegensätzlichen Interesses. Das Entscheidende hier ist, dass der Kapitalist sein Interesse durchsetzt: geringere Kosten und mehr Leistung mit dem Resultat mehr Überschuss. Dafür hat die IT-Branche ein Angebot. Die IT-Firma stellt gegen Zahlung Leistungen zur Verfügung, die der kapitalistischen Rechnungsweise genügen. Wenn durch die Digitalisierung Arbeit eingespart und die verbleibende Arbeit produktiver wird, dann lohnt sich die Anschaffung der neuen Technologie. Das Argument ist hier nicht, dass der Kapitalist sich unabhängig macht vom Arbeiter, sondern dass er mit Hilfe von IT am Arbeiter Kosteneinsparung und Leistungssteigerung zwecks Erhöhung der Profitrate durchsetzt.

Wenn sich der Kapitalist vom Willen und Können der Arbeiter unabhängig machen will, bedeutet dies, dass er ein anderes Verhältnis von Kosten und Leistung durchsetzen will. Wenn die Arbeit stupider wird und nicht mehr auf Fachkenntnissen beruht, ist die Abhängigkeit vom Können beseitigt, wenn die Arbeiter in einen automatisierten Produktionsprozess eingebunden sind, hat die eventuell fehlende Bereitschaft, sich voll zu verausgaben, keine Konsequenzen mehr für die verlangte Leistung. Darüber hinaus gibt es Elemente der Überwachung, die herausfinden, wo noch gebummelt wird, wo Pausen gestrichen werden können und auch diese Missstände können mit Hilfe der IT abgeschafft werden. So macht sich der Kapitalist unabhängig vom Willen der Arbeiter, die ihrerseits nicht den Zweck verfolgen, die Rendite der Unternehmer ins Unermessliche zu steigern, sondern möglichst viel Geld für ihre Leistung wollen, ohne sich komplett zu vernutzen.

Bei der Kalkulation, die dann ansteht, wie man die Angebote der IT-Branche in Anspruch nimmt, werden nicht einfach die Kosten für die bisher anfallende Arbeit dem Aufwand für die neue Technologie gegenübergestellt. Die Formulierung, die Maschine sei billiger als der Arbeiter, ist daher nicht richtig. Die Einführung moderner Maschinerie verursacht ja erst mal große Kosten. Es kommt auf das Verhältnis der Kosten zu der über die gesamte Nutzungsdauer erbrachten Leistung an. Auf der einen Seite stehen alle alternativ anstehenden Ausgaben für Maschinen, Lohn, IT-Dienstleistungen etc., auf der anderen der Überschuss, der erreicht werden muss, damit die neue Technik eingeführt wird. Der Aufwand lohnt sich nur, wenn über die Dauer der Funktionstüchtigkeit mehr Lohn eingespart bzw. aus den bezahlten Arbeitskräften mehr geldwerte Leistung herausgeholt werden kann, als für die Anschaffung bezahlt wurde. „Das ist das entscheidende Kriterium für den kapitalistischen Gebrauch von Lohnarbeit überhaupt und deswegen auch für jede Maßnahme mit dem Ziel, den Zwang zur Lohnzahlung zu mindern.“(S.65) Am Verhältnis des gesamten Kapitalvorschusses zum erzielten Profit, an einer gesteigerten Profitrate, zeigt sich für den Unternehmer, ob seine Kalkulation aufgegangen ist und nur dafür bezahlt er die Arbeit bzw. ersetzt sie durch neue Technologien.

   — Auf Grundlage der prinzipiellen Erpressung gibt es die technologische Alternative zur Arbeit als zusätzliches Druckmittel für die verbliebene Belegschaft.

Das ist ein Beispiel dafür, wie der Kampf als Erpressung geführt wird. Entweder akzeptieren die Arbeiter die Lohnsenkung oder man muss sie entlassen und die Menschen durch eine Maschine ersetzen. Das Kriterium ist immer, ob die Löhne billig genug sind, damit sie „als Faktor der Bereicherung fungieren oder ob die Arbeit mit Gewinn durch totes Gerät zu ersetzen ist.“(S.65)

   — Wenn man den Überschuss, den der Einsatz neuer Technik erbringt, ohne Mehrkosten mit Arbeit erzielen kann, entscheidet sich der Kapitalist eventuell für diese Lösung. Mit dem Angebot der IT-Dienste hat er die Entscheidungsfreiheit und die Möglichkeit, den Lohn zu senken.

Hier ist etwas Anderes gemeint. Die Kalkulation für oder gegen Maschinerie ist unterstellt. Sowohl die Arbeitsplätze, die es noch gibt als auch die wegen der neuen Maschinen entstandenen sind „Lückenbüßer“ in einem automatisierten Produktionsprozess. Das Argument, dass es sich um einfache Tätigkeiten handelt, die nicht die gesamten menschlichen Kapazitäten fordern, und dass sie deshalb weniger wert sind, wird vom Kapital immer für Lohndrückerei benutzt. Der Grund für die Lohnsenkung liegt also nicht darin, dass die Kapitalisten sie wegen der massenhaften, der Digitalisierung geschuldeten Entlassungen besonders gut durchsetzen können. Das ist eine günstige Bedingung. Der Grund für die schlechtere Bezahlung dieser Lücken im Produktionsprozess ist das Interesse des Kapitals, Tätigkeiten, die den Charakter der einfachen Handreichung haben, besonders schlecht zu entlohnen.

   — Der letzte Abschnitt auf S.65 beginnt mit dem Satz „Mit diesem berechnenden Gebrauch von Arbeit und Technik konkurrieren die kapitalistischen Unternehmer gegeneinander“. Soll damit gekennzeichnet werden, welche Qualität die Konkurrenz der Kapitalisten durch das Angebot der IT-Branche erhält?

   — Da steht auch „Mit ihren technologischen Fortschritten und den entsprechend teuren Investitionen führen sie einen zunehmend härteren Kampf…. gegen ihresgleichen, machen einander den ökonomischen Erfolg streitig und am Ende das Überleben schwer.“ Mit dem Einsatz von IT kämpfen die Kapitalisten nicht gegen die Arbeiterklasse, sondern innerhalb ihrer Klasse gegen ihre Konkurrenten.

Es ist eine Kalkulation mit der Arbeit auf Kosten der Arbeiter. Die Kapitalisten kämpfen nicht gegen die Arbeiter, sondern machen sich gegenseitig den beabsichtigten Erfolg streitig. Dafür sind die Arbeiter Kampfmittel.

   — Dann ist das der Gehalt der Konkurrenz, dass sie einander den Erfolg streitig machen.

   — Nicht nur den Erfolg streitig machen, sondern genauer, mit dem Einsatz ihrer Mittel entwerten sie beim Konkurrenten dessen Investitionen. Das ist das Kampfmittel an dieser Stelle, ihr moralischer Verschleiß.

Es geht hier nicht um den Kampf gegen die Arbeiter, sondern um die Konkurrenz der Kapitalisten gegeneinander. Hier wird noch einmal gesagt, dass diese Investitionen auf Kosten der Arbeiter gehen, aber dies ist nicht das Movens dessen, was sie da treiben. Dem Inhalt nach ist es dies zwar ständig, aber bei den Kapitalisten kommt es auf die Tagesordnung, weil sie sich in der Konkurrenz gegen Ihresgleichen durchsetzen wollen und dafür leistet die Digitalisierung ihre Dienste.

Zum Exkurs, ob der Kapitalismus demnächst vollautomatisch funktioniert

Der Exkurs stellt eine Behauptung auf und nennt zwei Gründe dafür, dass sie stimmt. Die Behauptung ist, dass der arbeitssparende Fortschritt der Sache nach eine Fortentwicklung des Regimes über die Arbeit ist. Das soll bewiesen werden.

Diese Behauptung bezieht sich schon auf die Vorstellung, dass sich der Kapitalismus mit fortschreitender Automatisierung quasi selber abschaffen würde, in dem Sinn, dass keine Arbeiter mehr ausgebeutet werden. Bezogen auf diese Vorstellung, die auch ein Angriff auf linkes Gedankengut (Ausbeutung als Quelle des Reichtums im Kapitalismus) ist, wird hier gesagt, dass das nicht zu befürchten ist. Die hier besprochene Automatisierung ist kombiniert mit einer eigenartigen Benutzung der Arbeit. Dafür gibt es zwei Gründe, warum im Kapitalismus notwendigerweise beides stattfindet: Automatisierung und die Kombination mit der Inanspruchnahme der Arbeit in einer Form, die, wie es hier heißt, überwiegend ein stupider und armselig bezahlter Arbeitsdienst ist.

   — Der Exkurs macht sich von dem Konstrukt frei, wie immer man es sich ausmalen mag, dass durch die Automatisierung der Menschheit die Arbeit ausgeht. Dies wird als Stoff genommen. Mit den beiden Argumenten, dass erstens Waren Eigentum sind und dass zweitens Eigentum zugleich ein Produktionsverhältnis ist, wird etwas Grundsätzlicheres gesagt. Damit sind dann alle möglichen Ideologien miterledigt.

Warum braucht es im Kapitalismus Arbeit?

   — Wie in jeder Gesellschaft schafft Arbeit nützliche Güter, über die sich die Gesellschaft reproduziert. In der kapitalistischen Gesellschaft schafft sie zugleich das Eigentümliche, dass das gesellschaftliche Verhältnis aus Privateigentum besteht, aus lauter sich gegenseitig ausschließendem Verfügen über die Dinge. Dessen Form liegt im Geld vor.

Anders gesagt: Der Absatz beginnt damit, dass in dieser Gesellschaft gerade nicht einfach die Sachen als Reichtum gelten, sondern der eigentliche Reichtum in dem Geld besteht. Auf das kommt es an. Die Auskunft dazu ist, dass dieses Geld, auf das es ankommt, Resultat von Arbeit ist, die Eigentum schafft. Da ist ein ganzes gesellschaftliches Verhältnis unterstellt, dass die Arbeit nicht nur in einer Sache resultiert, sondern zugleich denjenigen, der die Sache produziert hat (bzw. unter dessen Regime sie produziert wurde), mit der Qualität versieht, darüber exklusiv als sein privates Eigentum verfügen zu können. Das befähigt ihn, die produzierte Sache zu Geld zu machen und sich auf diese Art und Weise die Zugriffsmacht auf den sachlichen Reichtum der Gesellschaft zu verschaffen.

   — Im ersten angeführten Grund kommt die Arbeit noch nicht vor als eingekaufte Quelle der Vermehrung. Hier treten sich Kapitalisten und Arbeiter eigentümlich gegenüber. Dem Kapitalisten kommt es darauf an, dass das, was er produziert, sich in Geld verwandelt. Umgekehrt wird gesagt, dass für den Arbeiter wesentlich ist, sich durch die Arbeit ein Stück Zugriffsmacht anzueignen. Ihr Verhältnis ist bestimmt dadurch, dass durch den stattfindenden Tausch beide Seiten die im Geld wirksame Verfügungsmacht gegeneinander geltend machen.

In dem ersten Grund ist weder von Arbeitern noch von Kapitalisten die Rede. Geld ist die Form des Reichtums, aber um Geld zu haben, muss man arbeiten. Produzenten sind hier alle.

Hier ist nicht nur von Kaufen und Verkaufen die Rede, sondern es geht darum, wie die Arbeit in das gesellschaftliche Verhältnis eingebettet ist; nämlich so, dass, wenn Geld tatsächlich der Reichtum dieser Gesellschaft ist, es auch das Produkt der gesellschaftlichen Arbeit ist. Dies in der Art und Weise, dass die, mit allem, was sie schafft, Eigentum schafft, das im Geld seine selbstständige Gestalt hat. Mit diesem Eigentum bekommt man den Zugriff auf Geld und die Verfügung über alles andere in dieser Gesellschaft. So gibt es die Arbeit in dieser Gesellschaft, und deswegen folgt der zweite Akt. Dieses Verhältnis findet man nämlich so nicht. Die gesellschaftliche Realität, dass alle Arbeit Geld produziert, gibt es, weil es das Verhältnis von denen gibt, die über die Mittel der Produktion des Reichtums verfügen, gegenüber denen, die zur Arbeit imstande sind, aber nichts haben.

   — Im ersten Grund wird noch nicht der Unterschied von Kapital und Arbeit zum Gegenstand. Die Arbeit erfüllt in dieser Gesellschaft das Doppelte: Sie produziert alle Gegenstände, allen sachlichen Reichtum, und produziert diesen Reichtum zugleich in Form einer ausschließlichen privaten Verfügung über die Gegenstände. In dieser Elementarform kommt jeder selber nur über das Arbeiten an ein Produkt, das er einem anderen abtritt, weil er die private Verfügung darüber hat.

Die Arbeit wird im Kapitalismus nicht abgeschafft, weil sie eine ganz bestimmte Rolle in dieser Gesellschaft spielt. Diese Rolle wird im ersten Grund erklärt, wie es nämlich auf die Arbeit im Kapitalismus ankommt. In einer Gesellschaft, in der sich alles ums Geld dreht, braucht man dieses Geld. Geld ist private Zugriffsmacht. Man ist damit konfrontiert, dass das, was es gibt, jemandem anderen gehört. Deswegen braucht es dieses Mittel, um auf das Eigentum eines anderen zuzugreifen. Wie kommt man nun zu dieser privaten Zugriffsmacht? Sie ist Resultat von Arbeit, weil der Staat dem Resultat der Arbeit, egal unter welcher Aufsicht sie geleistet wird, prinzipiell private Verfügungsmacht zuerkennt. Die Sache gehört jemandem, und weil man eine private Verfügungsmacht über sie hat, kann man sie auch verkaufen und kommt so an das Geld.

Dieser erste Punkt drückt den Doppelcharakter der Arbeit in der Form aus, dass er festhält, die Arbeit schafft den Reichtum und dieser hat die Form von Privateigentum. Also schafft die Arbeit Produkte und sie schafft Geldwert. So schaut der Reichtum in dieser Gesellschaft aus; und Geld ist die Zugriffsmacht auf den Reichtum, die von der Arbeit geschaffen wird. Das ist eine allgemeine Bestimmung der kapitalistischen Produktionsweise. Dieser Ausschluss von Produkten der Arbeit anderer und die Erfordernis, an die Zugriffsmacht mittels Geld zu kommen, um an die benötigten Produkte zu gelangen, gilt hier für alle, sie sind alle Eigentümer, das ist der existierende Gegensatz.

   — Diese hier noch vorliegende Gleichheit, dass alle Privateigentümer sind, funktioniert nur über die Ungleichheit, die darin besteht, dass die Produktionsmittel selber Gegenstand von Besitz, Eigentum sind. Damit ist man beim zweiten Grund.