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Fortschritte in der Konkurrenz der Kapitalisten:

Die Digitalisierung des Kapitalkreislaufs

 

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Den Feind kennen

Jour fixe vom 04.11.2019 – Die Digitalisierung des Kapitalkreislaufs GS 3-19;

   — Im letzten Protokoll, Kap. I werden die verschiedenen Etappen des Zirkulationsprozesses als logische Abfolge der daran beteiligten Firmen behauptet: Wenn die IT Branche sich zum weltweiten Schaufenster gemacht hat, dann ist der nächste Schritt das Handelshaus und danach das Endgerät. Diese Betonung ist nicht im Artikel vorhanden.

Die IT-Firmen stehen jeweils beispielhaft für ein Moment der Logik des Zirkulationsprozesses der Waren. Der erste Schritt (am Beispiel Facebook) ist, ein Interesse für die zum Verkauf anstehenden Waren zu wecken. Das bedeutet, man muss den potentiellen Kunden die Waren präsentieren und ihnen einen Zugang zu dieser Warenwelt schaffen. Im nächsten Schritt (Google) muss man dann dafür sorgen, dass er die Waren auch kaufen kann. Und schlussendlich müs­sen die Waren auch beim Käufer landen und die Zahlung abgewickelt werde (Amazon). In diesem Sinne ist der Zirku­lationsprozess eine Abfolge von einzelnen Schritten. Die einzelnen Dienstleistungen neuer Art werden an den einzelnen Stellen des Kapitalkreislaufs verortet.

   — Der Artikel erklärt, inwiefern diese Dienstleister dies als Geschäft organisieren. Die IT-Firmen machen den Han­dels- oder produktiven Kapitalisten an den verschiedenen Stellen das Angebot, die dafür notwendigen Funktionen kos­tengünstiger für sie zu erledigen. Die Reihenfolge der Dienstleistungen der einzelnen Firmen ist eine, die der GS-Arti­kel vornimmt, und verdankt sich keiner Überlegung der IT-Branche, wo sie im Kapitalkreislauf ansetzen müsste, um ein Geschäft zu machen.

Kap II: Die Unkosten des Regimes des Kapitals über die Produktion

  1. Kapitalistische Qualitätskontrolle

   — Das Kapitel steigt damit ein, dass das produktive Kapital die Dienste der IT-Branche zur Rationalisierung der Produktion an der alten Grundrechnungsart des Kapitalismus – ein Vorschuss muss einen Überschuss erzeugen – be­misst. Das ist als eine Extraaufgabe der „Qualitätskontrolle“ gekennzeichnet.

   — Kapitalistische Qualitätskontrolle heißt, dass der Einsatz der Produktionsmittel möglichst kosteneffizient gestaltet werden soll. Sie bezieht sich auf den Produktionsprozess mit dem Maßstab, er soll Verwertungsprozess sein, der stän­dig im Produktionsprozess durchgesetzt und verbessert werden muss. Diese kapitalistische Qualitätskontrolle ist eine eigene Aufgabe der Verwaltung und Betriebsleitung und dient der Steigerung der kapitalistischen Produktivität. Das ist das Allgemeine daran, bevor man bespricht, welchen Dienst die Digitalisierung daran leistet.

Die Einrichtung einer kapitalistischen Produktion ist einerseits eine organisatorisch-technische Aufgabe. Es ist anderer­seits nicht ausreichend, dass am Ende dieses Prozesses ein Produkt steht. Das Ganze unterliegt einem zweiten Prü­fungsdurchgang, in dem beständig darauf geachtet wird, dass zu Kosten produziert wird, die beim Verkauf Überschuss hervorbringen. Die kapitalistische Produktion existiert folglich doppelt: Nicht nur als technischer Vorgang, sondern mit einer eigenen Bürokratie im Unternehmen, die den technischen Vorgang der Produktion unter den Kostengesichtspunkt subsumiert. Kapita­listische Qualitätskontrolle hat mit der Qualität des Produkts nichts zu tun. Ihr Inhalt besteht einfach im Verhältnis von Vorschuss zu Überschuss. Das ist die Qualität, auf die es bei der technischen Organisation ankommt, und in dem Sinne ist sie einzurichten, ständig zu kontrollieren und buchungsmäßig zu verfolgen. Dafür gibt es eine eigenständige Abtei­lung, das ist die Aufgabe der Verwaltung und Leitung. Diese verursacht Kosten für das Unternehmen, die auch mög­lichst niedrig sein sollen, weil auch das die Rentabilität des Kapitals erhöht.

   — Dabei haben sie es schon ganz schön weit gebracht: Produktionsstraßen, smarte Büros, usw. Das kostet, und des­halb – und das ist jetzt der Fortschritt im Artikel – sind sie empfänglich für die neuen Angebote, die die IT-Branche ih­nen unterbreitet.

   — Sie haben die betrieblichen Ab­läufe bereits standardisiert, in Regelabläufe gepackt und sie als solche Computern überlassen. Diese steuern dann die Käufe, Verkäufe und Produktion.

Das ist das Erste: Eine Software mit Rechenprogrammen für die Aufgaben der Buchhaltung haben die Unternehmer schon lange. Die haben diesen Bereich bereits billiger gemacht.

   — Es geht es doch darum, dass dieser Widerspruch, ständig die Einheit von technischem Arbeits- und Verwertungsprozess zu erzwingen, ein bleibendes Charakteristikum dieser Produktionsweise ist. Das heißt, dass der kapitalistische Zweck der Produktion erst mal gar nicht der Zweck der Produktion ist, sondern Überschuss über die Kosten der Produktion hervorzubringen, ist der gesonderte, zusätzliche Zweck. Damit der Arbeitsprozess den Verwertungsprozess vollführt, ist diese Qualitätskontrolle immer notwendig. Das Schalten und Walten der Bürokratie erhält so die Aufgabe, die Produktion den kapitalistischen Anforderungen gemäß zu gestalten. Da ist die Digitalisierung ein Angebot, diese an sich zusätzliche Kost der Bürokratie zu verbilligen.

   — Die Unternehmen arbeiten ihre Bürokratie mit Computerprogrammen bereits seit langen ab. Hier ist die Rede davon, dass die IT-Branche das Angebot macht, es für sie zu machen.

   — Man muss nicht gegeneinander halten, dass diese regelhaften und standardisierten Abläufe der Bürokratie und Produktion bereits einen hohen Grad von Effektivierung schaffen. Was jetzt den großen Fortschritt bringen soll, ist die Übernahme dieser Tätigkeit.

   — Das hat etwas Generalisierendes, Allgemeines und dadurch kommt ein Widerspruch in die Welt. Vorher war der Widerspruch, dass die Effektivierung der Kapitalproduktivität Kosten mit sich bringt. Mit der externen Dienst­leistung der IT-Branche werden Programme angeboten, die gar nicht speziell nur für die eine Firma Gültigkeit haben, sondern ein allgemeines Angebot von allem, was an Mustern, Stereotypen herausgefiltert worden ist und in Rechenoperationen als käufliche Ware angeboten wird.

Dies als Widerspruch zu fassen, ist nicht der Punkt; hier geht es um zwei Seiten, die notwendig zusammen gehören. Die erste ist die technische und organisatorische Einrichtung des Produktionsprozesses, in dem es um die Herstellung von Gütern geht. Der wird unter dem Gesichtspunkt eingerichtet, dass das Produkt möglichst kostensparend hergestellt wird. Entsprechend sehen die Organisation und die verwendete Technik aus. Da gehört all das dazu, was man kennt: Da kann sowohl Technik nicht zum Einsatz kommen, wenn Menschen das billiger erledigen, als auch teure neue Technik gekauft wird, wenn dadurch genügend Arbeitslohn eingespart wird. Dafür ist zweitens eine unternehmenseigene Büro­kratie notwendig, die getrennt von dem technisch-organisatorischen Ablauf der Produktion beständig ein Auge darauf hat, ob sich die Produktion auch kostenmäßig rechnet. Weshalb jede Schraube nicht einfach nur als Schraube erfasst wird, sondern sie wird mit ihrem Preis erfasst und in das zu produzierende fertige Produkt einkalkuliert. Das ist die – neben der technischen Organisation der Produktion – notwendige Unternehmensbürokratie, die genau wie die Einrich­tung der Produktion dem Zweck verpflichtet ist, dass etwas produziert werden soll, was sich mit Überschuss auf dem Markt verkaufen lässt. Weshalb es neben dem technischen Produzieren auch der Kontrolle bedarf, ob Preise und Kosten eingehalten werden.

Diese Abteilung ist drittens ein erheblicher Kostenfaktor in der betrieblichen Kalkulation, weshalb alles gemacht wird, um diese Kosten zu mindern. Die Rationalisierung im Büro hat auch schon ganze Wellen hinter sich gebracht. Sekretä­rinnen, Buchhalter sind schon massenhaft freigesetzt worden, weil im Zeitalter des Computers Softwareprogramme das erledigen. Die Kosten dieser Abteilungen laufen unter Unkosten, weil sie zwar notwendig für den kapitalistischen Pro­duktionsprozess, aber selber kein Beitrag zur Herstellung einer Ware sind. Das sind Kosten, die für die Produkti­on von Waren aufzuwenden sind, die mit Gewinn veräußert werden sollen.

   — Warum soll diese Idiotie nicht mit dem Begriff „Widerspruch“ gekennzeichnet werden? Es sind Kosten, die aus­schließlich durch das Regime des Kapitals aus der Unterordnung der Produktion unter diesen Zweck entstehen.

Der Einwand galt der Aussage, die Kosten wären ein Widerspruch zur kapitalistischen Produktion.

   — Der Widerspruch bezog sich auf die Eintrittspforte der IT-Branche: Der von den Firmen bereits beständige Ein­satz von Computern, um die Kosten für die kapitalistische Produktion zu senken, kostet Geld. Für diesen kapitalisti­schen Zweck „Kostensenkung“ ist es ein „Widerspruch“, dass der Geld kostet. Dass sie die Sekretärinnen mittels Computerprogrammen ersetzen, erfolgt schon seit langer Zeit; der Haken ist, dass das immer wieder Geld kostet. Die Digitalisierungsfirmen erfinden diese Computerprogramme nicht unbedingt neu, sondern „sie erledigen das alles“. (S. 56)

   — Der andere „Widerspruch“ bezog sich auf das Zitat: „Das kapitalistische Regime über die Betriebsabläufe haben sie in die Form komplexer Gebrauchsanweisungen gebracht und diese zu Abfolgen selbsttätiger aufeinander aufbauen­der und einander kontrollierender Rechenoperationen verarbeitet: zu Computerprogrammen, die einerseits beliebig vielfach anzuwenden sind, andererseits auf besondere Bedürfnisse zugeschnitten werden können“ (S. 56). Somit liegt in dem Angebot etwas Verallgemeinertes, woraus sich daraus resultierende Widersprüche ergeben, die in Punkt II. 2. ausge­führt werden.

Dass die Programme von externen IT-Firmen im Gegensatz zu betriebsinternen Programmen, die auf die besonderen betrieblichen Bedürfnisse zugeschnitten sind, allgemein verwendbare Programme entwickeln und anbie­ten, ist kein Widerspruch zum Interesse der anwendenden Firmen. Die verallgemeinerten Programme von externen Dienstleistern, mit denen diese einen größeren Markt bedienen, haben für den Anwender den Vorteil, dass der nicht alles selber entwickeln muss. Er muss für Software und möglicherweise auch für die Hardware keinen Kapitalvorschuss leis­ten. Statt zu kaufen, mietet er den Service, der auf einer Plattform bereit steht. Der Kapitalvorschuss fällt jetzt bei der IT-Branche an. Für den Kunden dieser Dienstleistung wird die Sache billiger.

   — Um sich vorzustellen, was diese Anpassung an den Betrieb selber heißt, muss man gar nicht in die einzelnen Be­triebe schauen – bekannt ist ja, dass Bilanzierungsregeln (z.B. aus politischen Gründen) dauernd geändert werden, also müssen die entsprechenden Buchhaltungsprogramme auch geändert werden. Wenn die Bilanzierung ein IT-Anbie­ter macht, der die laufend anfallenden Änderungen immer fristgerecht vornimmt, bedeutet das eine Arbeitseinsparung für den Betrieb.

Die Regeln ändern sich für alle gleichermaßen, also muss die Softwarefirma das Programm nur einmal ändern und nicht für jede Firma extra. Wenn von Standards und Regeln die Rede ist – z.B. den Bilanzierungsvorschriften –, ist auch egal, was Betriebe herstellen (Küchenmaschinen, Autos oder Fahrräder). Alle arbeiten bei der Bilanzierung sehr ähnlich, weil es immer darum geht, alles, was der Betrieb einkauft (an Maschinen, Vorprodukten und Löhnen usw.), muss ordnungsgemäß erfasst sein, zusammengeführt, abgerechnet und am Schluss muss noch Steuer abgeführt werden. Das ist allen Betrieben gemeinsam, weil sie alle, unabhängig davon, worin der Gebrauchswert ihrer Produkte besteht, in ihrer unternehmenseigenen Bürokratie denselben Zweck verfolgen und ihn so handhabbar machen. Die ka­pitalistische Buchhaltung verfährt nach allgemeinen Regeln und ist deswegen durch automatisierte Prozesse, eben Computer, abzuarbeiten. Ob das jeder Betrieb für sich allein macht oder ob er da auf die IT-Branche zugreifen kann und sich bei ihr entsprechendes abholen kann, macht in der Fortsetzung den Unterschied aus.

   — In der schönen Abstraktion „Enterprise-Resource-Planning“ 1 (so heißen z. B. Programme, die es von SAP gibt) ist jeder konkrete Inhalt auch weg, weil es inhaltlich immer um die gleichen Vorgänge geht. Von irgendeinem konkreten Produkt ist da schon in der Namensgebung überhaupt nichts mehr vorhanden.

Dass sich daraus ein Geschäft für die IT-Firma machen lässt, heißt natürlich nicht, dass das den Gegensatz der Konkur­renten aus der Welt schafft. Natürlich muss der Anwender sorgfältig nachrechnen, ob sich das, was ihm der IT-Dienst­leister anbietet, für ihn lohnt, somit also tatsächlich eine Kostenersparnis für ihn ergibt, oder ob es bloß ein Geschäft für den anderen ist. D.h. der IT-Dienstleister muss zugleich seinem einzelnen Kunden attraktive, für ihn rentable Preise bieten. Damit der IT-Firma also der riesige Kapitalvorschuss einen Überschuss einspielt, braucht sie schon eine ganze Masse an Kundschaft.

   — Dieses Argument zieht sich durch den ganzen Artikel: Größe und das Streben zum Monopol gehören zum Ge­schäftscharakter in dieser Sphäre dazu. Größe ist hier kein Ergebnis der Konkurrenz, sondern hier liegt im Charakter dieser Dienstleistung selber das Streben nach Größe und Monopol. Größe und Ausschließlichkeit gehören da zum Ge­schäftsmodell, jeder versucht mit seiner Dienstleistung der einzige zu werden, weil das schon im Geschäft liegt.

Sie verdienen an ihrem „Beitrag zur Steigerung der Kapitalproduktivität ihrer Firmenkundschaft“ (S. 57), also der an­deren. So sind sie auf den Kapitalkreislauf ihrer Kunden (des produktiven oder Handels-Kapitals) bezogen und in ihn einbezogen (insofern ist auch eine Cloud überhaupt nichts „überirdisches“ [viertletzter Satz des Absatzes]).

2. Das Firmen-, Branchen- und Staatsgrenzen überschreitende Wertschöpfungsnetzwerk und sein Widerspruch

   — Man kann aus diesen fortschrittlichen Diensten der IT-Branche durchaus einen Widerspruch herleiten. Wenn diese Branche es nicht dabei belässt, nur die Betriebsabläufe im näheren Sinne zu betrachten, sondern auch mit einbezieht, wo es die Lieferanten für die Maschinen und Vorprodukte gibt und wo die Märkte für das Produkt, also eine Art von Vernetzung anbietet zwischen den Lieferanten, den Produzenten und den Absatzmärkten, dann besteht ja der Wi­derspruch darin, dass die Produzenten (die auf möglichst großen Gewinn aus sind) ihren Konkurrenzvorteil offenlegen müssen: z.B. wie sich ihre Produktion nach Qualität und Quantität bestimmt, wo sie günstig einkaufen, verkaufen, alle Mittel ihrer Konkurrenz sollen so allgemein zugänglich werden.

Da wird der Haken an der Sache vor irgendeinem Nutzen benannt. So allgemein – wenn man nach Lieferanten und Ab­nehmern schaut, dann handelt man sich einen ziemlichen Widerspruch ein – ist es ja nicht. Was ist das, was im Text heißt: die „Steuerung des Betriebsgeschehens durch Programme, die im Internet bereitliegen, schließt das Angebot ei­ner Vernetzung mit Lieferanten und Abnehmern in aller Welt ein“ (S. 57)? Was leisten diese Programme, wie geht das über die Betriebsgrenzen hinaus und worin besteht das Problem?

   — Von der Sache her schaffen die tatsächlich so etwas wie einen „integrierten Wertschöpfungsprozess“ (S. 58 oben). Was ist daran das Eigenartige; was ist im Kapitalismus ein integrierter Wertschöpfungsprozess, der über die Vernet­zung von Lieferanten und Abnehmern, also lauter Konkurrenten, so etwas wie ein gemeinsames Werk herstellt?

An der Stelle geht es nicht um Programme, die dafür da sind, (die lohnendsten) Lieferanten und Abnehmer zu suchen und zusammen zu bringen. Sondern das Angebot besteht in der Vernetzung bestehender Lieferanten- und Abnehmer-Beziehungen, in der Organisation der Kooperation zwischen ihnen. Diese Beziehungen werden digitalisiert und in ei­nem gewissen Umfang automatisiert. Das macht den integrierten Prozess aus, der in erster Linie noch gar nicht Wert­schöpfungsprozess ist, sondern erst einmal so etwas wie Kooperation; er beschert ihnen „im Idealfall per Saldo die Vorteile einer planmäßigen Arbeitsteilung über die Grenzen des eigenen Betriebs hinweg“ (S. 57, u.). Dann erst kommt der Punkt, dass es doch Konkurrenten sind, die da kooperieren.

   — Mit der Darstellung „erst einmal ist das eine Art Arbeitsteilung“ habe ich ein Problem: Wenn die digitalen Diens­te vom Standpunkt der Kostenersparnis im Verhältnis zur Gewinnerwirtschaftung aus agieren, also mit dem Zweck der Steigerung der Kapitalproduktivität – was ist von daher der „sich selbst regulierende integrierte Wertschöpfungspro­zess“ (S. 58, o.)? Die stattfindende Vernetzung dient dem Gesamtgewinn, der erwirtschaftet wird. Der Widerspruch ist nicht, dass in diesem Gemeinschaftswerk von dem kapitalistischen Zweck Gewinnproduktion abstrahiert wäre, sondern es ist ein Widerspruch, den kapitalistischen Zweck, den jede beteiligte Firma für sich verfolgt, als Gesamtwerk zu ver­folgen.

Um sich das klar zu machen, sollte man auseinanderhalten: In der Vernetzung der Kooperation der Firmen liegt die Ef­fektivierung der Kooperation dieser Firmen; das ist eine Kostenersparnis für sie. „Planmäßige Arbeitsteilung“ bedeutet z.B., dass mehrere Firmen nacheinander an einem Produkt arbeiten: Der Gesamtprozess zur Herstellung dieses Produkts passiert in vernetzter Form. Und das effektiviert den Zweck des Ganzen: den Wertschöpfungsprozess. Für die Wert­schöpfungskette insgesamt ist das eine insgesamt gesteigerte Kapitalrentabilität. Aber es sind hier Konkurrenten ver­netzt, unterschiedliche Firmen, die um ihre Kapitalrentabilität konkurrieren und zwar miteinander und mit dem, der ihre Vernetzung organisiert – das ist der Widerspruch.

   — Wer ist an dieser Stelle das Subjekt? Alles, was eine Firma an firmeninterner Bürokratie vornimmt, wird aus der Hand gegeben. Der Widerspruch liegt doch dann darin, dass mit dieser Auslagerung zum Zwecke der Effektivierung der Betrieb die Kontrolle des eigenen Prozesses aus der Hand gibt und die von künstlicher Intelligenz übernommen wird.

Es geht schon darum, dass der, der etwas aus der Hand gibt, die Kontrolle behält. Aber das wird dann ein Gegenstand der Konkurrenz zwischen den beiden. Der Punkt hier steigt damit ein, dass sich die Leistungen der IT-Branche für das produktive Kapital gar nicht nur auf die einzelnen Firmen richten (wie in Punkt II. 1), sondern auf die Beziehungen zwischen den Lieferanten und Kunden der Firma, inklusive aller Wartungsabteilungen und ähnlichem. Dieses Beziehungsgeflecht wird zum Gegenstand der Bemühungen um Kostenreduzierung. Das schließt z.B. ein, dass sich IT-Firmen darüber Gedanken machen, wie man die Bestellung von nötigen Rohstoffen oder Vorprodukten einrichtet. Oder eine automatisierte Lagerhaltung, so dass die Schrauben der Größe xy automatisch nachgeordert werden, wenn sie absehbar ausgehen. Und auf der anderen Seite, nach Fertigstellung des Produkts, automatisch rechtzeitig die Abholung oder Verschickung angeordnet wird – das ist hier erstmal gemeint mit dem „sich selbst regulierenden Wertschöpfungsprozess“. Diese Automatisierungen des Zu­sammenspiels der beteiligten Firmen sind für sich eine Effektivierung und damit Kostenminderung, weil man gerade nicht mehr darauf angewiesen ist, dass irgendein Lagerist rechtzeitig die Bestellung aufgibt.

Was ist eigentlich der Charakter des Angebots, das die IT-Branche den produzierenden Firmen macht? Im Text ist ausgeführt, dass der Automatisierungsfortschritt „ihr Geschäft von Umständlichkeiten und Behinderungen technischer und logistischer Art freisetzt“ – das ist der Witz an der Automatisierung und Selbstregulie­rung. Das erstreckt sich auch auf die dauernd nebenher laufende (von eigens dafür gemachten Program­men) automatische Überwachung von Maschinen, wann die z.B. in ein Verschleißstadium eintreten, wann Ersatz von was auch im­mer fällig ist. Alles das, was sie zum Gegenstand von Rechenoperationen machen, damit sich Teile der Produktion selbsttätig kontrollieren. Möglichst alle Schritte von der Bestellung bis zur Reparatur sollen selbsttätig gemeldet und veranlasst werden. Und zwar über die Unternehmensgrenzen hinweg. Das effektiviert für jeden Einzelnen den Kapital­umschlag, ist aber quasi ein Gesamtkunstwerk, wo der einzelne Betrieb nicht mehr Herr ist über das, was bei ihm pas­siert. Darum ist das hier als ein – (mit der Einschränkung) „tendenziell“ – tätiges Übersubjekt ausgedrückt.

   — Wenn der Produktionsprozess „sich selbst regulierend“ ist, ist nicht nur die Tat von Personen, sondern auch die Entscheidung(sfreiheit) weg. Es gibt keinen mehr, der letztlich entscheidet, die Schrauben bestellt dann der Computer.

Zweck der Entscheidung für diese sich selbst regulierende Vernetzung ist die vorher ausgeführte Effektivierung durch die Automatisierung. So kommen die Vorteile einer planvollen Arbeitsteilung zum Zuge. Grundlage dafür ist, dass es die IT-Firmen als übergeordnete Institute gibt, die sich das zum Gegenstand machen, die die Zusammenhänge in und zwischen den Betrieben technisch und sachlich herstellen. Den Firmen, mit denen man automatisch kooperiert, müssen dazu Daten, die man eigentlich als Betriebsgeheimnisse hütet und als sein eigenes Potential für Konkurrenzvorteile in Anschlag bringt, zugänglich gemacht werden.

Der Gegenstand der Konkurrenz der beteiligten Betriebe wird im Text als „Bestimmungsmacht über den Gesamtpro­zess“ (S. 58, m.) charakterisiert. Wenn man in einem Gesamtprozess integriert ist, dann hängt der Nutzen, den man sel­ber daraus ziehen kann, davon ab, wie viel Gestaltungsmacht über den Gesamtprozess man selber aufzubieten hat. Das ist dann ein neuer Gegenstand der Konkurrenz.

   — Der Text sagt, dass der explizite Zweck des Vernetzungsprozesses die Wertschöpfungist. Die geschilderte Verbes­serung der Arbeitsteilung, die Verbindung der verschiedenen Bestandteile dieses Prozesses, bewirkt erst mal eine enor­me Steigerung der Wertschöpfung. Der Haken liegt auf genau derselben Ebene: darin, dass die beteiligten Firmen um ihren Anteil an der so zustande gebrachten Wertschöpfung konkurrieren. Wie sie sich darin behaupten, hängt davon ab, welche Mittel sie in der Kontrolle des Prozesses aufzubieten haben. Es geht also nicht um Abgabe der Entscheidungs­hoheit über die Schraubenbestellung.

Die Betonung darauf, dass das einen enormen Wertschöpfungsprozess ermöglicht, ist so nicht richtig. Wertschöpfungs­prozess ist ja nicht die neue Bestimmung, sondern dass dieser Prozess betriebsübergreifend und selbstregulierend ist.

   — Die Schnittstellen der Firmen untereinander werden optimiert. Was im eigentlichen Produktionsprozess z.B. mit der Schraube passiert, bleibt Sache der Firma. In der Gesamtbetrachtung ergibt das eine Optimierung des gesamten Ergebnisses. Daraus ergibt sich erst die Frage der Zurechenbarkeit des Beitrags jedes Einzelnen zu dem Gesamter­trag.

   — Das ist aber kein Beitrag, sondern die Betriebe nehmen alle teil, weil jeder für sich Kosten sparen will, seinen An­teil an dem zustande kommenden Gewinn für sich im Verhältnis zu seinem Vorschuss erhöhen will.

   — Das ist kein theoretisches Problem dergestalt, dass man nicht mehr ermitteln kann, bei wem durch die Vernetzung mehr Ein- oder Verkäufer und Buchhalter eingespart wurden. Alle Seiten wollen möglichst viel dadurch einsparen. Die sagen, wenn wir das anwenden, sparen wir uns Kosten, das er­höht unsere Freiheit der Preiskalkulation. Wieviel er den Preis zu seinem Vorteil ändern kann, ist dann die Frage, wer es in der Hand hat, auf diesem automatisiert abgewickelten Markt seine Position am besten durchzusetzen.

Die immerzu stattfindenden Preisverhandlungen sind dafür ein Beispiel. Wenn die vernetzte Plattform eingerichtet ist, werden die benötigten Schrauben automatisch geliefert, aber die Preise werden ständig neu ausgehandelt.

Im 1. Absatz von II. 2. wird der Grund für die Beteiligung der einzelnen Firmen an dem integrierten Wertschöpfungs­prozess benannt: Jeder Betrieb setzt darauf, die eigenen Kosten zu reduzieren. Das Angebot der IT-Firmen ist die Ver­netzung. Der damit erreichte Fortschritt rationalisiert die Steuerung des Betriebsgeschehens, setzt das „Geschäft von Umständlichkeiten und Behinderungen technischer und logistischer Art frei, … beschert … per Saldo die Vorteile einer planmäßigen Arbeitsteilung … und steigert insoweit die Produktivität des eingesetzten Kapitals“ (S. 57/58). Im 2. Ab­satz wird darauf hingewiesen, dass die kooperierenden Firmen nach wie vor als Konkurrenten antreten, denen es aus­schließlich um die Steigerung der Produktivität ihres Kapitals geht. Sie konkurrieren mit „ihren kapitalistischen Poten­zen, ihrer Produktivität, der Wichtigkeit ihres Teilgeschäfts für den Gesamtprozess“ (S. 58), nicht nur innerhalb ihrer Branche, sondern gegen alle Beteiligten um einen größeren Anteil am Geschäft. Da sie aufeinander bezogen und ange­wiesen sind, ist die Freigabe von Daten, die die Konkurrenten zu ihrem Vorteil benutzen können, eine notwendige Bedingung. Ein Lieferant kann (z. B. wenn andere Zulieferer ausfallen) den Abnehmer unter Druck setzen und den Preis er­höhen. Auf der anderen Seite versucht der Abnehmer, wenn er mit mehreren Lieferanten vernetzt ist, Rabatte herauszu­schlagen oder Zugeständnisse auszuhandeln. Es kommt also auf die eigene Potenz an, die man in die vernetzte Wert­schöpfung einbringt.

Es ist also auch nicht so, dass sich wegen der in Kooperation hergestellten Kos­tensenkung bei jedem ein Nutzen in Form eines erhöhten Gewinns einstellt. Mit der Vereinbarung, dass die Arbeitsgänge integriert ablaufen, ist nicht entschieden, wer den Preisvorteil letztlich einstreicht, den die automatisierte Kooperation hervorbringt.

   — Fest steht, dass der (subjektlose) Gesamtprozess eine Kosteneinsparung hervorbringt. Das Kriterium für die Be­teiligung an diesem Prozess ist, um einen möglichst großen Anteil am geschaffenen G‘ zu konkurrieren.

Es geht also nicht um einen Beitrag, sondern um den Anteil, den der einzelne von dem in Kooperation geschaffenen Reichtum auf sich ziehen kann.

Es sind 3 Schritte: 1. Die Firmen lassen sich auf das Angebot der IT-Branche ein und werden Bestandteile eines inte­grierten Netzwerkes, weil Kosten durch überflüssig gemachte Umständlichkeiten entfallen, so steigt die Kapitalproduk­tivität. 2. D. h. nicht, dass alle schiedlich-friedlich zusammenarbeiten. Sie streiten sich vielmehr darum, wer am meis­ten von den eingesparten Kosten profitiert, also um die Anteile an der erreichten Kostensenkung. Dafür setzen sie 3. ihre Mittel ein. Es kommt darauf an, welchen Stellenwert, welches Potential der eingebrachte Beitrag innerhalb des Netzwerkes hat.

Das eine ist die objektive Auskunft über die Sache, die politökonomische Bestimmung: Es ist ein Kampf um den Anteil an den Effekten der Kosteneinsparung insgesamt. Das andere ist der Streit um die Ausgestaltung der Kooperation. Die Konkurrenz wird über die Preise ausgetragen. Man muss beides auseinanderhalten. Sie lassen sich auf einen integrier­ten Wertschöpfungsprozess ein, aber niemand verfolgt diesen als Zweck.

Der Dienstleister stellt die Vernetzung her und verkauft sie. Sein Angebot ist nicht der integrierte Wertschöpfungspro­zess.Über die Kostensenkung im Management dieser Kooperation steigt die Kapitalrentabilität. Bei wem sich welcher An­teil davon niederschlägt, ist ein Resultat der Konkurrenz, die (hauptsächlich) um Preise und Mengen ausgetragen wird und soweit nichts Neues darstellt. Neu ist, dass die Konkurrenz nicht nur zweiseitig zwischen Lieferant und Abnehmer stattfindet, es geht vielmehr darum, wer – zu seinem eigenen Vorteil – dem Gesamtprozess seine Gestalt aufprägt. We­gen dieser Besonderheit der Konkurrenz gibt es das Problem der Geschäftsgeheimnisse. Alle müssen Firmendaten of­fenlegen, damit die Vernetzung funktioniert. So konkurrieren die vernetzten Figuren untereinander. Im nächsten Punkt geht es um die Konkurrenz zwischen dieser Abteilung (den Vernetzten) und den IT-Unternehmen. Der Gedanke mit den Beiträgen ist ein Übergang zu dieser neuen Art der Konkurrenz, nämlich zwischen denen, die die Vernetzung organisie­ren und den Objekten der Vernetzung.

Und der Übergang arbeitet sich nicht daran ab, welchen Anteil am zustande gekommenen Wertschöpfungsprozess die einzelnen Beteiligten haben, sondern an dem eigentümlichen Kooperationszusammenhang. Kooperation unter Konkur­renten hat folgenden Widerspruch: Weil sie nur ihren Vorteil in der Kooperation suchen, achten sie darauf, dass nur sie einen Nutzen daraus ziehen und nicht die anderen; sie versuchen möglichst wenig eigenen Beitrag in die Kooperation einzubringen, aber möglichst viel von den anderen für die Kooperation zu fordern, um ohne entsprechende Gegenleis­tung möglichst viel Profit daraus zu ziehen.

*

   — Was ist mit Kräfteverhältnis gemeint? Bezieht es sich darauf, dass die IT-Branche auf Basis der zur Verfügung ge­stellten Daten ihre Dienste anbietet, die Vernetzung organisiert, maßgeblich durchsetzt und auf Kosten der Abnehmer ihren Profit macht? Ist es ein Streit um das Eigentum an Daten: Wer gibt sie raus, wer kann sie nutzen und wer macht damit Geld?

   — Wenn VW eine Vernetzung mit seinen Zulieferern betreibt, dann ist damit nicht nur der reibungslose Ablauf der Pro­duktion gesichert, sondern VW kann so seine Marktmacht gegenüber den Zulieferern in Anschlag bringen, sie zwingen, an dieser Plattform teilzunehmen und darüber für VW Kosteneinsparungen zu schaffen, weil die Lieferanten ohne VW als Endabnehmer nicht existieren könnten.

Im Artikel steht: „Es geht … ganz extra um das Kräfteverhältnis zwischen Unternehmen – meist solchen der IT-Bran­che, aber auch ‚klassische‘ Technologiefirmen mischen aktiv mit –, die die Vernetzung organisieren …“ (S. 58). Dafür steht das Beispiel. Wenn VW eine Plattform kreiert, die für alle, die an der Produktion der Autos beteiligt sind, unent­behrlich ist, dann übernimmt VW die Funktion des Vernetzers und stärkt so seine Macht gegenüber den Vernetzten.

   — Der Begriff Kräfteverhältnis bezieht sich auf die Sache, um die konkurriert wird. Auf der einen Seite stehen die, die Vernetzung organisieren und auf der anderen diejenigen, die von der Vernetzung profitieren, aber nicht auf ihre Verfü­gungsmacht verzichten wollen. Die Dienstleister verweisen auf ihre unverzichtbare Rolle bei dieser Kostenminderung und begründen damit ihren Anspruch auf Verfügungsgewalt. Darum geht die Konkurrenz.

Auch hier, bei der Konkurrenz um die Bestimmungsmacht über den Gesamtprozess, geht es um den eigenen Nutzen. Es konkurrieren zum einen Lieferanten und Abnehmer – und jeder dieser Firmen auch gegen die IT-Branche. Die Fir­men, die die Vernetzung organisieren und betreiben, machen ihr Geschäft mit einer Dienstleistung für die andere Abtei­lung. Dieser Dienst muss unverzichtbar sein, damit er zu entsprechenden Konditionen in Anspruch genommen wird. Eine Plattform ist so geschäftsträchtig wie ihr Kundenstamm. Die Kunden wiederum machen ihre Integration in ein Netzwerk davon abhängig, ob und inwieweit die Vernetzung ihnen Vorteile bringt. Sie sind wechselseitig aufeinander angewiesen und konkurrieren gegeneinander um die Bestimmungsmacht. Das ist hier mit Kräfteverhältnis ausgedrückt.

   — Mir ist noch nicht klar, was VW mittels einer Plattform organisiert.

VW organisiert hier die Vernetzung zwischen den Lieferanten der Automobilindustrie, die Konkurrenz der Zulieferer bei ihrem Vorhaben, VW beliefern zu dürfen.

Wir haben bisher von einer Sorte Vernetzung gesprochen, bei der ein IT-Unternehmen die normalen Lieferanten-, Pro­duzenten- und Kundenbeziehungen für viele Unternehmen vernetzt. An dieser Stelle im Text (S. 58 u.) geht es um die Daten, die gesammelt werden, weshalb das Beispiel (von VW) nicht passend ist. Wenn alles digitalisiert wird, gehört notwendigerweise dazu, dass die Daten, die der Computer verarbeiten soll, gesammelt, registriert und abgespeichert werden. In einem Auto wird z.B. registriert, wann wie viel gefahren, wie schnell, wie häufig gebremst worden ist, wie viel Sprit verbraucht wurde usw. Das sind Daten, die von den elektronisch aufgerüsteten Fahrzeugen geliefert werden, und der Streit geht darum, wem diese Daten gehören. Gehören sie VW, das die Autos so aufrüstet, oder der IT-Firma, die diese Daten sammelt, registriert und sortiert? Die Streitfrage ist z. B., wer der KFZ-Versicherung diese Daten ver­kaufen darf, damit diese Tarife für Schnellfahrende oder hart Bremsende ausrechnen kann.

   — Es ist also eine eigentumsrechtliche Frage über den Besitz von Firmendaten, die geschäftlich ausnutzbar sind.

Deshalb geht es hier auch darum, sich den Zugriff auf (noch unbestimmte) zukünftige Möglichkeiten sicherzustellen.

Wenn die Firmen Daten preisgeben, ist noch nicht ausgemacht, in welcher Form und ob sie das Eigentum daran aufge­ben. Was der Vernetzer von ihnen an Preisgabe verlangen kann und was er nur benutzen, aber eigentlich nicht wissen darf, ist eine Streitfrage.

   — Dieser Streit hat den Charakter eines Regimes der Dienstleister über die Produzenten und das Ideal des Dienst­leisters ist, alle Daten zur Verfügung zu haben und so die gesamte Wertschöpfung in seine Hand zu kriegen. Das Unternehmen, das die Dienstleistung in Anspruch nimmt, läuft Gefahr, dass es ihm ergeht wie dem Bauern unter dem Regime von Monsanto; wo der Dienstleister den Dienstnehmer zu einer ab­hängigen Figur macht, die nur noch der austauschbare Produzent von dem ist, was wertmäßig beim anderen landet. Das ist die Brisanz, die in der Konkurrenz zwischen Dienstleistern und Produzenten steckt.

(Es empfiehlt sich unbedingt, den Artikel über die „Industrie 4.0“ in Heft 2-16 nachzulesen, weil diese Fragen dort prin­zipiell und leserfreundlich abgehandelt werden.)

3. Die faux frais der Verwaltung des Gemeinwesens, oder: Die smarte Nation

In welchem Sinn ist der Staat hier (S. 59) als faux frais bestimmt?

   — Der Staat ist mit allem, was er leistet, notwendig, aber er ist Abzug vom Reichtum des Kapitals. Was der Staat aufbringt für die Verwaltung und das Florieren seines Gemeinwesens, sind Kosten, Unkosten für das Kapital, die durch die IT-Branche reduziert werden können.

Nicht nur die betriebliche Bürokratie belastet die Unternehmen, sondern auch der Staat. Es geht um Kosten, die aus der kapitalistischen Produktionsweise resultieren, zu der ein Staat gehört, der mit seiner Gewalt das Funktionieren dieser Produktionsweise regelt. Sie stellen eine Belastung für die Unternehmen darin Form von Steuern, Abgaben usw. Durch die Digitalisierung wird staatliches Handeln in den verschiedenen Abteilungen effektiviert, zum einen das, was unter dem Titel Daseinsfürsorge läuft (Wasserversorgung, Gesundheitsversorgung und Infrastruktur), und zum anderen das eigentlich herrschaftliche Handeln der Staatsgewalt (Verwaltung, Kontrolle und Überwachung seiner Bürger). Letzteres wird nicht nur kostenmäßig effektiviert, sondern mittels IT eröffnen sich für die staatliche Kontrolle und Überwachung ungeahnte Möglichkeiten.

   — Es geht im Artikel immer darum, an welcher Stelle des Kapitalkreislaufs die Digitalisierung die Kapitalproduktivi­tät fördert. Auch bei den Kosten, die für das Kapital notwendig sind, aber falsche Kosten sind, weil sie seine Produkti­vität nicht fördern, sondern die Infrastruktur zur Verfügung stellen, steigt die IT-Branche ein und leistet einen Dienst durch Kosteneinsparung. An welcher Stelle des Kapitalkreislaufs ist man beim Staat?

An der Stelle der Herrschaft, die notwendig ist, damit dieses Produktionsverhältnis überhaupt seinen Gang geht und sich das Regime des Kapitals als Privatmacht über die Arbeit entfalten kann. Wenn die Verwaltung etc. billiger zu haben ist, spielt das eine Rolle im Kapitalkreislauf!

Im Artikel wird darauf hingewiesen, dass nicht nur die Kapitalisten den Standpunkt haben, sie müssten zu viel Steuern zahlen und zu viel Geld an den Staat abdrücken, sondern dass der Staat selbst den Standpunkt hat, dass er als die In­stanz, die für das Wachstum des Kapitals alles tut, was notwendig ist, dem Kapital gegenüber nicht als Last auftreten will. Deswegen ist er so interessiert an den Leistungen der IT-Branche für die eigene Effektivierung, weil er damit sei­ne Leistungen für das Kapital mit ganz anderen Mitteln und weniger Kosten erbringen kann.

4. Der private Konsum als letzter Akt im kapitalistischen Produktionsprozess

   — Hier fragt man sich, was der private Konsum mit den Kosten des produktiven Kapitals zu tun hat? Die Geschäfts­welt ist auf die Idee gekommen, zwischen dem Verkauf einer stofflichen Ware und ihrer Benutzung zu trennen. Der Kon­sum soll den Verkauf der Ware befördern, etwa ein Kochfeld, das mit einer App verbunden ist, die erklärt, wie der Bra­ten zu machen ist, und die Garzeiten selbsttätig einhält. Das Kapital investiert in Software, die den Konsum und damit den letzten Schritt der Versilberung der Ware in Geld befördert.

Die Benutzung einer gekauften Sache wird zum Gegenstand einer Geschäftsidee. Die Menschheit wird mit lauter Apps versorgt, die die Benutzung des Gekauften erleichtert oder ihr sogar abnimmt. Dies geht nur auf der Grundlage, dass die damit beschäftigten Erfinder gemerkt haben, dass das, was sich in der Sphäre des Konsums abspielt, eine ziemlich einheitliche, stereotype Verhaltensweise ist. So kann man z.B. eine App entwickeln, die dafür sorgt, dass die Heizung rechtzeitig anspringt, damit es warm ist, wenn die Menschheit von der Arbeit kommt, oder der Kühlschrank beim Ein­zelhändler anruft, damit er nicht leer ist, wenn die Leute nach Hause kommen.

   — Dass jeder Mensch erfasst ist, ist die Grundlage dafür, einen neuen Geschäftsartikel zu entwickeln.

   — Warum sind das Unkosten des Regimes des Kapitals über die Produktion? Der Konsum beginnt doch dort, wo das Kapital seinen Kreislauf beendet hat, wo die Ware an den Mann gebracht wurde und es im Belieben des Konsumenten ist, was er damit anfängt. Hier besteht nicht wie bei der Qualitätskontrolle, der Vernetzung und den staatlichen faux frais, die Notwendigkeit für das Kapital, die Unkosten durch die Digitalisierung zu reduzieren, sondern hier geht der Ehrgeiz des Kapitals so weit, dass es sich am Konsum eine neue Geschäftssphäre eröffnet, indem es den Gegenstand des Konsums von seinem Gebrauch trennt.

Die sog. Sphäre der Freiheit, in der der Mensch sich mit seinem privaten Konsum herumtreibt, kann deshalb in dieser Weise beackert und smart gemacht werden, weil sie zum überwiegenden Teil aus lauter Notwendigkeiten besteht. Von wegen Freiheit, in dieser Sphäre muss man seine Reproduktion organisieren. Das gehört auch zu den Unkosten der ka­pitalistischen Produktionsweise, dass der Konsum so aussieht, dass er zu großen Teilen in nichts anderem besteht als der Erledigung von Reproduktionsnotwendigkeiten. Deshalb ist es ein Angebot, die Leute in der Früh mit kundengemäßen Staumeldungen zu versorgen, die Musiktitel einschlägig vorrätig zu haben, den Einkauf zu organisieren usw.

   — Den entscheidenden Fortschritt versprechen sich die Unternehmen von einer eigentümlichen Sorte Ware. Sie pla­nen, nicht nur ein Auto, sondern auch die Ortsveränderung damit als Ware zu verkaufen. Weil das Ärgernis für die Au­tokonzerne ist, dass wenn ein Kunde einmal ein Auto gekauft hat, er lange keines mehr kauft – dem wird abgeholfen.

Anders ausgedrückt: mit dem Autokauf ist das Geschäft fertig, aber wenn man dann die Funktion des verkauften Arti­kels dem Käufer als Abo noch darauf packen kann – so etwas nennt sich Monetarisierung –, ist das ein wunderbares Geschäftsmodell. Nur die stoffliche Ware zu verkaufen, stellt sich den Unternehmen so dar, als würden sie Zahlungsfä­higkeit brachliegen lassen, die sie eigentlich haben müssten.

   — Das ist der Witz auch beim Kühlschrank, den man kauft, dessen App die dauernden Nachbestellungen erledigt. Diese App zu verkaufen, ist das Dauergeschäft. Dabei gilt, eine App einmal entwickelt, wird x-mal installiert als spru­delnde Geldquelle.

Jeder Artikel, jeder Gebrauchswert, wird Vehikel des Verkaufs seiner Funktion, der permanent erneuert wird mit jedem Gebrauch.

   — Wie steht dieses neu erschlossene Geschäftsfeld zu dem Argument (s. o.), dass es durch die Verfügung des Kapitals über den Produktionsprozess in dieser Gesellschaft Verhältnisse der Reproduktion gibt, in denen die Digitalisierung der Konsumgüter ein Angebot ist, weil sie eine Hilfe für das Zurechtkommen im kapitalistischen Alltag ist?

Der Kapitalumschlag wird noch ein Stück fortgesetzt, an das verkaufte Auto ist noch ein Stück verkäufliches Ding dar­an gehängt. Und das Funktionieren der Lohnabhängigen in ihren Stereotypen lässt sich so geschäftlich ausnutzen.

Es geht hier nicht darum, dass diese Angebote die Produktivität des Kapitals erhöhen oder ihm Kosten ersparen, son­dern um die Unkosten, die durch die kapitalistische Produktionsweise und das Regime des Kapitals über die Produkti­on erwachsen. Da gehören die Kosten, die durch den Staat entstehen, dazu; eine andere Unkost besteht darin, dass der Konsum eine Schwierigkeit ist. Die Leute kaufen sich Dinge wie einen sprechenden Kühlschrank oder „Alexa“, was darauf verweist, dass unter dem Regime des Kapitals die Sphäre des Konsums aus der Bewältigung von lauter Notwendigkeiten besteht, weil der Mensch damit beschäftigt ist, seine Reproduktion zu organisieren und deshalb dankbar ist für eine App, die das Kochen erledigt. Grundlage dieser Apps ist, dass man Muster im Verhalten der Leute erkennt und sie damit steuerbar machen kann. (Siehe die Beispiele oben).

Im Prinzip ist das alles nichts Neues, aber hier gibt es Ansatzpunkte für die Digitalisierung.

1Aus Wikipedia: „Enterprise-Resource-Planning (ERP) bezeichnet die unternehmerische Aufgabe, Ressourcen wie Kapital, Personal, Betriebsmittel, Material und Informations- und Kommunikationstechnik im Sinne des Unternehmenszwecks rechtzeitig und bedarfsgerecht zu planen und zu steuern. Gewährleistet werden sollen ein effizienter betrieblicher Wertschöpfungsprozess und eine stetig optimierte Steuerung der unternehmerischen und betrieblichen Abläufe.“