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aktuelles Thema:

 Fachkräftemangel:

Das Unwort des Jahres

 

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(sommerpause)

 

 

 

Fachkräftemangel: Das Unwort des Jahres

Dass Deutschland unter einem ‚Fachkräftemangel‘ leidet, steht einfach fest. Man könnte meinen, das Schlagwort drückt aus, dass nicht genug ausgebildete Leute mit den erforderlichen Kenntnissen und Fertigkeiten für den gesellschaftlichen Bedarf vorhanden sind. Ungefähr so, als vorfindliches und durch die Demographie zukünftig verschärftes Missverhältnis, soll man sich die Sache offenbar auch vorstellen – und dabei auch gerne an eigene Unannehmlichkeiten denken: Den Fachkräftemangel „spürt jeder, der Wochen oder gar Monate auf einen Handwerker warten muss“ (FAZ, 10.11.17). Von wegen.

Fachkräftemangel 1: Arbeitskräfte könnten teurer sein als sonst

Wo von Fachkräftemangel die Rede ist, kommt erst einmal eine Sorge ganz anderer Art zur Sprache; die hört sich z.B. so an:

In wirtschaftsstarken Ballungsräumen sind die Arbeitsmärkte häufig leergefegt. Qualifizierte Bewerber können nicht nur dort unter zahlreichen Angeboten auswählen und den Arbeitgebern ihre Bedingungen diktieren – von üppigen Einstiegsgehältern bis zu flexiblen Arbeitszeiten. Viele Unternehmen spielen dabei mit, weil es sie wesentlich teurer zu stehen käme, könnten sie Aufträge mangels Personals nicht annehmen. Ein Ende dieser Entwicklung ist nicht in Sicht. Weil immer weniger Junge auf den Arbeitsmarkt nachrücken, sucht der Bäckermeister ebenso händeringend Nachwuchs wie der Seniorpartner der Anwaltskanzlei. Einzig die Einwanderung dämpft noch die Lohnentwicklung. Doch die Gehaltsspirale wird sich weiterdrehen. Rosige Aussichten für Arbeitnehmer.“ („Vollbeschäftigt und begehrt“, FAZ, 1.6.17)

Wenn schon der Umstand, dass Bewerber Arbeitgebern etwas mehr Geld und angenehmere Arbeitsbedingungen als sonst üblich abhandeln können, zur grotesken Ausmalung eines Arbeiterparadieses motiviert, in dem sich „das Kräfte­­verhältnis unter den Akteuren komplett verändert“(FAZ, 18.11.17) und die Bewerber um Arbeitsplätze den Arbeitgebern die Bedingungen allen Ernstes diktieren, dann lebt dieses Zerrbild ganz von der Normalität des Gegenteils. Umgekehrt ist man es gewohnt, umgekehrt gehört es sich auch; geradezu widernatürlich ist es, wenn Unternehmer nicht ihrerseits die Bedingungen diktieren – eine erfrischend ehrliche Auskunft darüber, wo das Problem eigentlich beginnt: dort, wo die Rekrutierung von Arbeitskraft für lohnende Aufträge die Unternehmen „teurer zu stehen“ kommt als gewohnt.

Die Wirklichkeit auf dem Arbeitsmarkt, so konstatieren dieselben Beobachter, sieht dabei ganz anders aus: Die vorausgesagten Wirkungen wollen sich einfach nicht einstellen, und die „traditionellen Modelle“ versagen in der Erklärung dieses „Mysteriums der lohnarmen Erholung“ (FAZ, 17.8.17), der „fehlenden Lohnanstiege“ bei sinkender Arbeitslosenquote.

Fachkräftemangel 2: Zu wenig Überzählige für den je aktuellen Bedarf

Einen ersten sachdienlichen Hinweis zur Aufklärung des „Mysteriums“ liefert da gleich das erste Beispiel, das die FAZ unter der paradoxen Überschrift „Die Bewerber sind die Chefs“ (FAZ, 18.11.17) mit dem ebenso paradoxen Untertitel „Die Geschäfte laufen glänzend, doch viele Unternehmen ächzen unter Personalnot“ augenscheinlich für repräsentativ hält:

Massenarbeitslosigkeit durch selbstfahrende Autos? Frank Appel schüttelt bei diesem Thema nur den Kopf. Ja, vielleicht würden in einigen Jahren tatsächlich viel weniger Fahrer und Chauffeure benötigt, weil in Klein- wie auch Lastwagen intelligente Fahrsysteme ihren Weg ans Ziel allein fänden. Derzeit könne davon aber noch keine Rede sein, sagte der Vorstandsvorsitzende der Deutschen Post. Im Gegenteil! Er würde aus dem Stand etliche Fahrer einstellen – allein er findet sie nicht in ausreichender Zahl. Denn Arbeit ist gerade genug da: Rund 10 000 zusätzliche Mitarbeiter will die Post-Tochtergesellschaft DHL für das Weihnachtsgeschäft haben, damit die vielen Päckchen und Pakete pünktlich unterm Tannenbaum liegen.“

Mangel an Fach-Paketzustellern besteht also dann, wenn DHL nicht Ende November ein Vorrat von 10 000 beschäftigungslosen Fahrern zur Verfügung steht, die anschließend nach Abarbeitung der vielen Retouren im Januar wieder auf dem Arbeitsmarkt landen und die nächste Sonderkonjunktur abwarten können. Diese Leistung gehört zu einem mängelfreien Arbeitsmarkt nach Maßgabe der Post jedenfalls solange dazu, bis, wie angekündigt, mitsamt der Reserve auch die aktuell beschäftigten Fahrer massenhaft durch Automaten überflüssig ge­­macht werden. Der konstatierte aktuelle Mangel selbst lässt bis auf Weiteres nicht die Post, sondern ihre Angestellten ächzen: Schließlich ist nicht bekannt geworden, dass DHL die Annahme auch nur eines Weihnachtspäckchens abgelehnt oder auf die Zeit nach Weihnachten verschoben hätte; umso mehr war von der Überbelastung der Paketboten im Weihnachtsgeschäft zu lesen. Und höhere Löhne zwecks Akquise zusätzlicher Fahrer kommen erst gar nicht in Betracht, die würden schließlich die glänzenden Geschäfte relativieren, für die die Leute nicht nur zu Weihnachten allein gebraucht werden.

Warum sollten die Unternehmer auch mehr zahlen, haben sie doch längst ein probates Mittel, ihren einschlägigen Bedarf auch ohne mehr Arbeitskräfte erledigen zu lassen.

Fachkräftemangel 3: „Wenn Fachkräfte fehlen“, hilft mehr Mehrarbeit

Bei der Handelskammer-Umfrage [in Bremen sagten] 67 Prozent der Unternehmen, dass fehlende Fachkräfte Mehrbelastung für die Belegschaft bedeuten. Die Mitarbeiter können sich wohl auf mehr Überstunden einstellen.“ (Weser Kurier, 29.11.17)

Die Erfindung der Überstunde verdankt sich zwar keineswegs der Bewältigung irgendeiner Not und auch nicht der Personalnot des Jahres 2018, sondern ist seit jeher und jährlich milliardenfach bewährtes Instrument der Bewirtschaftung von Belegschaften. Mehr davon macht gleichwohl die vorhandene und glücklicherweise frei verfügbare Belegschaft zum idealen Instrument dafür, jede Geschäftsgelegenheit unabhängig von der Frage auszunutzen, ob das Personal dafür auch verfügbar ist. Und wenn die fehlenden Fachkräfte sogar grammatisch zum Subjekt der Unvermeidlichkeit der Mehrbelastung gemacht werden, die die Arbeitgeber ihren Fachkräften zumuten, dann zeigt das, wie selbstverständlich die Freiheit der Wirtschaft gilt, mit ihren Belegschaften nach ihren Geschäftsbedürfnissen umzuspringen.

Fachkräftemangel 4: Durch Verschleiß erzeugt, durch mehr davon zu beheben

Als gesicherte Tatsache gilt der Fachkräftemangel in der Pflegebranche. Dort eilen zwar „die Ausbildungszahlen von einem Rekord zum nächsten“, reichen aber nicht aus, um einen Bedarf zu decken, über den unter der Überschrift „Immer am Limit“ (FAZ, 10.2.18) mitgeteilt wird, dass er von der „durchschnittlichen Verweildauer“ des Pflegepersonals bestimmt ist. Die beträgt je nach Studie zwischen fünf bis sieben, höchstens 8,4 Jahre – länger lassen sich die einschlägigen Arbeitsbedingungen einfach nicht aushalten. Während der Kassenverbandsvorstand Kiefer darin eine „Verschwendung von Ressourcen“(FAZ, 2.1.18) sieht undvon den Arbeitgebern bessere Bedingungen fordert, „um Fachkräfte länger zu binden“, haben die Vertreter der privaten Pflegebranche einen anderen Vorschlag,der Ursache und Lösung im Sinne des entscheidenden Kostenkalküls viel geradliniger verknüpft: Sie fordern, „die starren Vorgaben von Fachkräften je Patient zu lockern“, und stellen auf diese Weise klar, dass allein bestehende rechtliche Schranken sie daran hindern, mit noch intensiverer Vernutzung der vorhandenen Ar­­beitskräfte die Lücke auszufüllen, die deren intensive Vernutzung reißt.

Fachkräftemangel 5: Von Tschechen verschuldet, mit Rumänen geheilt

Die FAZ überschreibt eine ganze Seite mit dem Titel „Wen das Arbeitsmarktwunder in Tschechien beunruhigt“ (1.8.17) und hält es offenbar für das Normalste von der Welt, dass die darauffolgende Auskunft lautet: bayerische Hoteliers und nordrhein-westfälische Autozulieferer. Das erste Opfer, die bayerische Hotelbranche:

Die Betriebe wachsen baulich schneller als im Personal. Das bedeutet: Die Suche nach Mitarbeitern wird immer schwieriger. Und ein wichtiger Grund dafür liegt nur wenige Kilometer im Osten hinter der Grenze: in der Tschechischen Republik... Die Tschechen sind längst zu einem festen Bestandteil der Belegschaften in bayerischen Hotels und Gastrobetrieben geworden. Denn unter jungen Deutschen ist die Branche schon seit langem unbeliebt wegen der vergleichsweise niedrigen Löhne und der Arbeitszeiten. Die Nachbarn aus dem Osten hingegen kamen lange Zeit gern zur Arbeit nach Deutschland, wenn andere Freizeit machten. Doch das hat sich komplett geändert... ‚Bis vor drei Jahren kamen jeden Tag ein oder zwei Tschechen und haben gefragt, ob wir Arbeit für sie haben. Heute kommt nur noch einer alle vier Wochen.‘“

Im Klartext besteht also der Grund zur Beunruhigung darin, dass die Hoteliers für die Ausweitung ihres Geschäfts nicht mehr so bequem wie gewohnt aus Bewerbern auswählen können, die Schlange stehen für miese Jobs. Dem Vizepräsidenten des Branchenverbandes Brunner ist dieser Besitzstand offenbar derart zu Kopf gestiegen, dass er ernsthaft meint, die Tschechen seien früher „gern zur Arbeit“ gekommen und hätten nun ihren Lifestyle geändert:

„‚Die haben doch das Paradies vor der Haustür‘, sagt Brunner fast schon verzweifelt. Aber auch Tschechen strebten heute nach mehr Work-Life-Balance und wollten zu Hause sein, wenn ihre Kinder aus der Schule kommen. Deshalb er­­schließen die Bayern zunehmend neue Potenziale.“

Dass die Tschechen auch schon früher etwas für ihre Kinder und ein wenig Freizeit übrighatten und nur mangels Alternativen ins Kellnerparadies Deutschland gekommen sind, wird dem Mann andererseits auch klar sein; aber dieses Bedürfnis darf eben kein Grund sein, ihm nachzukommen, wie das bei den un­­willigen deutschen Arbeitsanwärtern der Fall ist. Der kurze Schluss von steigenden Ansprüchen der Hotelangestellten zu der Drangsal ihrer Chefs, alternative Quellen von Arbeitskräften anzuzapfen, besagt schließlich nichts anderes, als dass die entscheidenden ‚Fachqualifikationen‘ im Hotelleriegeschäft Billigkeit und Willigkeit sind.

Die Aufzählung von „jungen Spaniern“ über „Kroaten, Bulgaren“ und – „der Markt für Arbeitskräfte in Mittelosteuropa scheint zunehmend ausgeschöpft“ – siebenundachtzig ausgewählten und eigens vom Goethe-Institut geschulten Marokkanern belegt dann nicht etwa die Freiheit der Hoteliers, sich der entsprechend „qualifizierten“ Arbeitskraft zu versichern, sondern ist gemessen am Anspruch einer hindernislosen Verfügung „für Brunner ein Vorgeschmack, welche Klimmzüge die Branche künftig machen muss“. Aber auch das wird hinzukriegen sein, „die Österreicher, ... die machen es in ihren Skigebieten schon“ vor.

Auch das zweite repräsentative Opfer, der Automobilzulieferer Borgers, be­­weist seit 22 Jahren mit seiner Fabrik in Tschechien, dass der Vorzug tschechischer Facharbeiter gegenüber deutschen zuallererst ihr Preis ist, und muss nun mit ansehen, dass dieser Vorzug verlorengeht:

„‚Haben früher für den Lohn eines Facharbeiters in Deutschland hier in Tschechien noch fünf Mann gearbeitet, sind es heute noch drei.‘ Und diese Leute sind immer schwieriger zu finden.“

Ganz so schwierig ist das zwar einerseits nicht, Alternativen lassen sich auch hier bequem einkaufen. Für Borgers

arbeiten heute dauerhaft rund 1000 Leiharbeiter aus Rumänien und Bulgarien... Perso­­nalagenturen organisieren den gewaltigen Personaltransfer aus dem Südosten... Zudem rekrutiere man zunehmend Arbeitskräfte aus der Ukraine, sagt der Manager.“

Andererseits heißt das aber auch: „Sieben seiner Mitarbeiter seien nur mit der Integration von Mitarbeitern beschäftigt.“ Was sich für die Firma lohnt, bereitet ihr doch wirklich Kosten! Da trifft es sich gut, dass sie noch über ganz andere Hebel verfügt, ihren Arbeitskräftebedarf zu bewirtschaften:

Borgers führt in Rokycany derzeit gerade eine neue Produktionslinie ein. Wenn siefertig ist, wird hier noch ein Mitarbeiter beschäftigt sein und nicht mehr sechs, wie neben­­an in der alten Linie. Der Ausstoß je Stunde wird jedoch doppelt so hoch sein.“

Dann braucht die Firma also nur noch zwölfmal weniger Ukrainer, um die teuren Tschechen zu ersetzen.

Fachkräftemangel 6: Erzeugung und Bewältigung – einfach ununterscheidbar

Die kommenden Entwicklungen und erwarteten Engpässe am Arbeitsmarkt rücken auch die Digitalisierung in ein neues Licht. ‚In der Tat dürfte sie eher wohltuend sein angesichts des kommenden Fachkräftemangels‘, findet Volkswirt Feld. Allerdings seien im technologischen Wandel Qualifikation und Flexibilität erforderlich, um Ar­­beitslosigkeit zu verhindern.“ (FAZ, 18.11.17)

Wodurch die Digitalisierung ihre wohltuende Wirkung entfaltet, ist dabei unterstellt: Das von Firma Borgers exemplarisch vorgeführte unternehmerische Prinzip des ‚technischen Fortschritts‘, durch die Steigerung der Produktivität nicht den Beschäftigten Arbeit, sondern sich Arbeitskräfte und damit ihre Bezahlung zu ersparen, macht in seiner Gesamtheit, als „Digitalisierung“, Millionen Lohnabhängige arbeitslos und deren wie auch immer geartete Fachkompetenzen überflüssig. Eben diese überflüssig Gemachten und Dequalifizierten werden vorausschauend unter dem Titel ‚Fachkräftemangel‘ als demnächst vorhandene Ar­­beitskraftressource in den Blick genommen: „Rein rechnerisch könnte der Arbeitskräftemangel dadurch gedämpft werden, dass der Produktivitätsfortschritt in manchen Bereichen der alten Arbeitswelt Personal entbehrlich macht.“ Wäre da nicht ein Problem: „Allerdings ist damit noch nicht sichergestellt, dass ehe­­malige Verwaltungsfachangestellte den Anforderungen von Startupunternehmen in der digitalen Welt genügen.“ (FAZ, 31.8.17) Der extreme Kontrast des gewählten Beispiels dient dabei zur Verdeutlichung des Problems der „Passgenauigkeit von Kompetenzen“. Von einem Passungsproblem zweier gegebener Größen kann allerdings keine Rede sein, wenn die Fachkräfte der Zukunft „Qualifikation und Flexibilität“ gleichzeitig benötigen, um die eigene Arbeitslosigkeit abzuwenden und den durchdigitalisierten Betrieben Kosten und Kopfzerbrechen zu ersparen.

Zum einen sollen sie das Kunststück hinbringen, sich jetzt schon mal darauf einzustellen, dass sie demnächst arbeitslos und gezwungen sein werden, sich für irgendeinen neu definierten Arbeitsplatz zurechtmachen zu müssen. Wel­­chen – wer weiß:

Natürlich kann heute niemand genau wissen, wie sich die Digitalisierung auf den Arbeitsmarkt auswirkt. Doch in einem Punkt sind die Fachleute einig: Beschäftigte werden andere Qualifikationen benötigen, um Beschäftigte zu bleiben. Mag sein, dass die Optimisten recht behalten. Dann entstehen wie in früheren Technologiewellen neue Berufe, die Absolventen genauso offen stehen wie überflüssig Gewordenen. Doch beide Gruppen können nur einen (Arbeits-)Platz behalten, wenn sie anderes können als heute. Heute müssen Lehrer ihre Schüler auf Technologien vorbereiten, die erst noch erfunden werden müssen.“ (SZ, 27.12.17)

Angesichts der Vorstellung, dass sich das Heer der Arbeitskräfte friktionslos von der bornierten Bindung an einen Arbeitsplatz in die Bornierung irgendeines neuen künftigen ‚Berufsprofils‘ hineinmanövrieren lassen muss, kann die Sorge gar nicht ausbleiben, ob die Anforderungen der Zukunft nicht doch eher einen Mangel an „neuen Arbeitnehmern“ erzeugen, die ihnen genügen:

Das Zusammenwirken mit künstlicher Intelligenz, Algorithmen und automatisierter Fertigung erfordert neue Fähigkeiten. Schärfer gesagt: neue Arbeitnehmer.“ (Ebd.)

Zum andern weiß der öffentliche Sachverstand, dass angesichts der prognostizierten ständigen unternehmerischen Rationalisierungsoffensiven und deren Folgen von den ‚neuen Arbeitnehmern‘ künftig nicht nur passgenaue Qualifikation, sondern eine zweite Fähigkeit verlangt ist, die allerdings mit Kenntnissen und Fähigkeiten wenig zu tun hat: die „Fähigkeit“ nämlich, „sich immer wieder in neue Herausforderungen einzuarbeiten“ (SZ, 16./17.12.17). Die Perspektive, sich auf ein Arbeitsleben einstellen zu müssen, dem jede Festigkeit eines Ar­­beitsplatzes fehlt, wird als künftig unerlässliche „absolute Basiskompetenz“, mit laufend veränderten Anforderungen fertigzuwerden, vorstellig gemacht, die die Betroffenen erwerben müssen, um im Arbeitsleben zu bestehen. Fachkraft ist man heutzutage nicht mehr einfach, als Fachkraft hat man sich durch ein ‚lebenslanges Lernen‘ zu bewähren, also heute der Entwertung der Qualifikation von gestern durch Anpassung an die Anforderungen von übermorgen zuvorzukommen. In der Realität der Betriebe wird diese ‚Kompetenz‘, mit den wechselnden Anforderungen und Unsicherheiten eines ‚modernen Arbeitsplatzes‘ fertigzuwerden, ja auch jetzt schon überreichlich strapaziert.

 

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