Ihre Browserversion ist veraltet. Wir empfehlen, Ihren Browser auf die neueste Version zu aktualisieren.

aktuelles Thema:

Frankreich-Deutschland- Italien: Europas große Gründungsmächte konkurrieren um die Zukunft ihres Europa

 

 

Die nächsten Termine:

- Di., 23.04. (!)

- So., 28.04.

- So., 05.05.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Den Feind kennen

Arbeit und Reichtum, V. Der Weltmarkt (I.) (GS 4-12)

— Eine Frage zur S. 105. hier geht es darum, dass eine Erlösminderung erfolgt, wenn ein Kapital mit höherer Produktivität im internationalen Handel den Wert seiner verkauften Waren in einer Währung erlöst, die sich im Verhältnis zur eigenen Währung verschlechtert. Dann heißt es weiter, dass sich so im internationalen Warenhandel das absurde Gesetz des kapitalistischen Fortschritts geltend macht: dass die Methoden der Steigerung der Kapitalrendite die Kapitalrendite zugleich beschränken. Dieses Beschränken im internationalen Handel geht über die Schmälerung der Zahlungskraft des unproduktiveren importierenden Landes, in welches er doch seine Waren verkaufen will. Weiter wird ausgeführt, dass der Widerspruch sich so auf die einzelnen Länder aufteilt, dass in dem produktiveren Land die Zugriffsmacht des Geldes erhöht wird, weil das Geld mehr wert ist im Vergleich zum andern. Wie geht das zusammen, einmal beschränkt und gleichzeitig hat er dadurch eine größere Zugriffsmacht?

Die Frage bringt zwei Ebenen durcheinander. Der einzelne exportierende Kapitalist bekommt einen geringeren Erlös, wegen der Währungsrelation, wenn die Währung des Empfängerlandes sinkt. Im Ausgleich höhere Preise zu verlangen, geht nicht so einfach. Er erfährt also eine Einbuße. Etwas anderes ist es, wenn man von dem Standpunkt ausgeht, wie die heimische Währung zur anderen dasteht. Die steigt, und davon ist ersterer Kapitalist nicht unbedingt der Nutznießer. Es geht ums Verhältnis der Währungen zueinander. Da hat dann eben das stärkere Land mit seinem Geld in den Verliererländern eine größere Zugriffsmacht.

— Das kann dann für den einen Kapitalisten bedeuten, dass der sein Zeug gar nicht mehr verkaufen kann, weil die in seinem Land in Euro z. B. kalkulierten Preise anderswo nicht mehr konkurrenzfähig sind.

— Zu dem Punkt verstehe ich nicht, was im letzten Protokoll zum Jf vom 13.01.14, auf S. 6 steht: "Die erfolgreiche Konkurrenz mindert also gerade das, worum sie sich dreht, weil sie in zwei gegeneinander selbständigen Uniformen von Geldreichtum stattfindet, so dass sich die beiden Seiten des Widerspruchs auf die beiden Gelder und damit auf die beiden Nationen verteilen: Die eine wird durch die Konkurrenz reicher ..." Durch den Doppelpunkt und das "so dass" werden die zwei Subjekte nicht auseinander gehalten: der kapitalistische Exporteur mit seinem Widerspruch, dass sein im Ausland verdientes Geld im Wert gemindert wird, und die andere Seite der Nationen.

Es geht hier um das Geld der Nationen.

— Es geht beide Male darauf zu erklären: Dasselbe absurde Gesetz des Kapitalismus – die Methoden, die er anwendet, mindern den Reichtum – tritt in dem Verhältnis zwischen den Nationen als ein Verhältnis der ärmeren zur reicheren Nation auf. Da findet kein Wechsel vom Konkurrenzkapitalisten zur Nation statt.

Das heißt nicht, dass bei der Gewinnernation, deren Zugriffsmacht gewachsen ist, nur Freude herrscht: die merkt auch den Widerspruch. Wenn der Erfolg der Nation beim internationalen Handel darin besteht, dass sie sich an den anderen bereichert, fällt jetzt ihre Bereicherung damit zusammen, dass sie die anderen ärmer macht.

V. Weltmarkt (I), 2. Die eine Welt der Marktwirtschaft ...

— Der Fortgang ist, dass Unternehmen nicht nur über Import-Export-Geschäfte auswärtige Zahlungsfähigkeit beanspruchen, sondern in fremden Ländern selbst ihr Kapital anlegen, da der höhere Wechselkurs eine weiterreichende Zugriffsmacht auf andere Länder ermöglicht. Im Kap. 2 werden die Wirkungen dieses Zugriffs auf dergestalt verfasste Länder besprochen. Das Ergebnis der Betätigung der überlegenen Kapitalproduktivität an einem weniger entwickelten Standort sind die Unterscheidungen auf Seiten der Beschäftigten: Es gibt 1. eine Minderheit, die froh ist, zu welchen Bedingungen auch immer, beschäftigt zu werden, 2. Leute, die sich dann noch mit Tagelöhnerjobs über Wasser halten und 3. die große Abteilung der Unbrauchbaren, an der sich das kapitalistische Gesetz, dass der Reichtum auf der Lohnarbeit beruht, so auswirkt, dass sie nicht gebraucht werden und deswegen von jeglichen Lebensmitteln abgeschnitten sind.

— Von der Überschrift her geht es im Kapitel darum, dass sich das Kapital eine Welt geschaffen und sortiert hat. Die erfolgreichen Kapitale, die über Weltgeld verfügen, überall die möglichen Renditen vergleichen, schaffen so die Hierarchie der Nationen und ihrer Bevölkerung, unterscheiden die Menschen nach ihrer Benutzbarkeit. Was nicht so brauchbar ist, wird geeignet gemacht.

Hier ist das Argument: Was sich vom Standpunkt dieser Nation so darstellt, sie haben diese Konkurrenz zwischen den Nationen ziemlich verloren, gebiert fürs Kapital ein Standortplus; ist fürs Kapital ein eigenes Argument, da hinzugehen, weil das Geld so schön wenig wert ist. Wenn so eine Nation kapitalistisch wenig erfolgreich ist, heißt das gar nicht, dass sie zu nichts zu gebrauchen ist. Sondern gerade das stiftet eine eigene Sorte von kapitalistischem Gebrauch. Das ist das harte Argument.

— Das Ideal der Produktion, der Faktor Arbeit soll Null sein, ist dort fast der Fall; so dass für Multis dort die Kosten für die Arbeit zu vernachlässigen sind.

— Sie kaufen sich mit ihrer vergrößerten Zugriffsmacht dort ein, bringen zum Teil die heimische Produktivität ihrer hochproduktiven Autofabriken nach Brasilien mit oder sie benutzen die Arbeitskräfte

an ganz einfachen Nähmaschinen in Bangladesh; rund um die Uhr, ohne soziale Standards, ohne staatliche Beschränkungen und Aufsicht. Beides findet statt und ist rentable Arbeit.

— Und der große unbeschäftigte Rest der Bevölkerung dort ist genauso dem Zwang zur Lohnarbeit ausgesetzt, obwohl sie weit und breit keiner benutzen will, also hungern sie vor sich hin.

— Ihr Hunger ist Ergebnis der Gültigkeit dessen, was das Geld in dem Land zu vermehren hat. Privateigentum, ob inneres oder von außen kommend, ruiniert die traditionellen Existenzweisen, verpflichtet sie auf Geld, an das sie nicht rankommen, weil sie nicht nachgefragt werden. Die Überbevölkerung ist Produkt des Kapitals, das im Land ist, und nicht eine vergessene Größe.

Was ist im Weiteren das Argument im Absatz über die Schwellenländer (S. 109)? Die werden gerne als Beispiel dafür genommen, dass es soziale Mobilität nicht nur in einer Nation, sondern auch zwischen den Nationen gibt: Nationen sind gar nicht dazu verurteilt, immer arm und Verlierer zu bleiben, sie können auch aufsteigen.

— Das Argument heißt, es braucht eine Menge von ‚wenn’s, damit überhaupt der Übergang stattfindet: Wenn die Masse des Geschäfts dort groß genug ist; wenn das gelaufene Geschäft wieder dort investiert; wenn sie das auf eine Produktivkraft steigernde Weise tun; wenn darüber Weltmarktanteile an sich gezogen werden und wenn das die Geld- und Kredithändler dazu bringt, die Investition in so einem Land für interessant zu befinden – dann kann das Ergebnis sein, dass der Wert der Währung in diesem Land steigt und es den Übergang hinkriegt, zu einem Geld zu werden, das zu verdienen sich für die Geschäftemacher lohnt. Dann findet der Übergang zum Schwellenland statt.

All diese Konditionen braucht es. Damit ist der Aufstieg dieser Länder ein Fall der Scheidung, die das Kapital zwischen den Nationen macht, insofern auch ein Unterfall der Notwendigkeit der Scheidung der Nationen in Gewinner und Verlierer. Der Aufstieg erfolgt entlang der Maßgabe der kapitalistischen Kriterien.

Weiter ist zum Vergleich gesagt: dann kommen die dortigen Proletarier in den Status, dass sie nach Lohn und Leistung mit den Kollegen in den entwickelten Ländern verglichen werden. Was ist das für ein Vergleichsmaßstab, an dem sie gemessen werden? Ist der fix?

— In Schwellenländern ist es nicht nur die Bedingung für Investitionen, dass dort die Arbeit für fast nichts zu haben ist, sondern da hat sich ein Kapital etabliert, das von dort aus den Weltmarkt erobert und in der Produktivität mit den führenden Nationen mithalten kann. Insofern muss sich die Arbeitskraft auch daran messen lassen, inwiefern sie diese produktiven Arbeitsplätze rentabel macht. Das heißt auch etwas für die Leistung und Bezahlung.

— Es ist nicht ein feststehender Vergleichsmaßstab, der heißt, die kriegen 5 Cent o. Ä. weniger. Das internationale Kapital schlachtet die Unterschiede aus, spielt die Arbeiter gegeneinander aus in Bezug auf Leistung und Lohn. VW schreibt unter seinen Werken aus, wer das neue Modell billiger produziert, Brasilien oder Wolfsburg. Das ist das Argument gegen Lohn und Leistungsverhältnisse hier und umgekehrt. Auf beiden Seiten agiert das Kapital als Subjekt.

— Was vorher bei den unterentwickelten Ländern kam, bleibt hier auch. Nur bildet sich hier in gewissen Produktionszentren eine Arbeiterklasse heraus, die von ihrer Ausbildung und ihren Kenntnissen her mit der in industriellen Staaten zu vergleichen ist. Gleichzeitig ist dort ein Großteil der Leute von jeder Einkommensquelle abgeschnitten. Das dient als Druckmittel für die Löhne. Also in den Schwellenländern gibt es Zentren und die Armut neben Städten, die im kapitalistischen Sinn entwickelt sind.

— Wenn Länder in den Status von Schwellenländern transportiert sind, dann findet eine Veränderung der internationalen Konkurrenz statt. Das Kapital vergleicht die Arbeitskraft jetzt mit den Maßstäben der Rentabilität in seinen Zentren. Das ist eine Verschärfung der stattfindenden Konkurrenz. Die Arbeitskraft wird dem Maßstab unterworfen, ob sie mithalten kann bei dem Ausbeutungs-Maßstab der Metropolen. Die Firmen mit der höchsten Kapitalproduktivität setzen den Maßstab für die Länder, die sie zu Schwellenländern gemacht haben und die jetzt nicht mehr nur mit der absoluten Billigkeit ihrer Löhne antreten.

Der hier aufgeführte Zusammenhang ist: Wenn wirklich ein Land es mit all den genannten Wenn's zum Schwellenland geschafft hat, kann es sein, dass auch vor Ort in Betrieben, die dorthin ihre Produktion verlagert haben, die Arbeitskräfte etwas besser bezahlt werden. Im Wirtschaftsteil liest man, dass in der Türkei schon höhere Löhne bezahlt werden. Die Folge ist, dass eine Konkurrenz zwischen diesen Löhnen und denen in den Zentren existiert. Das heißt v. a. für die Lohnarbeiter in den Zentren etwas, nämlich, dass die sich immer mehr nach unten angleichen.

— Die Verschärfung der Konkurrenz wird im Artikel so ausgeführt: "Denn jetzt sind es die Firmen mit der weltweit höchsten Kapitalproduktivität, die überall mit der Macht ihres Geldes die Maßstäbe für einen rentablen Gebrauch der gesellschaftlichen Arbeit setzen." Also wenn Länder zu Schwellenländern werden, etabliert sich damit der hier benannte Maßstab, damit sind es die Firmen mit der weltweit höchsten Kapitalproduktivität, die jetzt die Maßstäbe setzen und daran die Länder vergleichen. Die Wirkungen nach beiden Seiten gehen bis dahin, dass der Arbeitskraft in den Metropolen vorgeworfen wird, im Verhältnis zu teuer zu sein.

Die Rückwirkung mag sein, nur geht die Argumentation einfacher: Mag sein, dass in den Schwellenländern Arbeitskräfte Anstellung finden in Betrieben, die etwas bessere Arbeitslöhne zahlen. Dann findet dauernd dieser Vergleich statt und der geht für beide Seiten zum Nachteil aus.

— Dass das Kapital alle Länder als Anlagesphäre sortiert, heißt für die Unterschiedliches: In den so genannten Billiglohnländern heißt rentabel produzieren, mit sehr billigen Löhnen zu produzieren; die Schwellenländer heißen so, weil nicht nur so ein Geschäft dort stattfindet, sondern weil auch eine gewisse Kapitalproduktivität dorthin exportiert wird. Und das Dritte sind die Weltwirtschafts- und entwickelten Nationen. Da wirkt sich die Freizügigkeit der Kapitalbewegung als Verschärfung der Konkurrenz aus. Weil die dort verglichen werden mit den absoluten Billiglöhnen, mit dem Verhältnis von Lohn und Leistung in den Schwellenländern, und sich daran messen lassen müssen, ob ihre hochproduktiven Arbeitsplätze nicht letztlich doch zu teuer sind. Das war der Fortschritt im Text: Dass das Kapital mit Hilfe des Kredits (das kommt als nächstes Argument) so mobil wird, dass die ganze Welt seine Anlagesphäre ist, bringt diese drei Abteilungen zustande.

Und das heißt nicht, dass der Export von Kapital in die ganze Welt der Export des hier erreichten Lebensstandards ist, sondern genau umgekehrt. Weil das Kapital sowieso grenzenlos mobil ist, und Geld – egal wie vergleichsweise schlecht – überall den Dienst des ausschließlichen Kommandomittels allemal noch erfüllt, deswegen ist das Prinzip, dass das Kapital überall mobil ist, das eines dauerhaften Zweifels, ob Arbeit da, wo sie bezahlt wird, nicht viel zu teuer bezahlt wird.

VI. Der Weltmarkt (2), Staatenkonkurrenz

— Ein Fortgang ist bemerkenswert: die Internationalisierung des Kapitals, diese beständige Vergleicherei von allen Ländern, unterstellt in einer Welt, die in Staaten aufgeteilt ist, dass die Staaten selbst ein Interesse daran haben. Welches dieses staatliche Interesse ist, ist jetzt der Gegenstand.

1. Vom Staatsziel Vollbeschäftigung zur Konkurrenz der Nationen um die rentabelste Arbeit der Welt

— Das Staatsziel Vollbeschäftigung heißt, er will flächendeckend Beschäftigung auf seinem Territorium haben. Davon lebt er, nicht nur wegen der Steuern, sondern auch wegen seiner Kreditwürdigkeit, er hat sich von der Finanzierung durch das Finanzkapital abhängig gemacht und die Voraussetzung für deren Zuspruch ist Wirtschaftswachstum. Der Staat will zwar auch nur rentable Arbeit, aber im Unterschied zum Kapital, geht es ihm darum, möglichst viel davon auf seinem Territorium zu haben. Damit gerät er in einen Zielkonflikt. Er unterstützt die Produktivkraftsteigerung, den technischen Fortschritt mit Forschungsgeldern und Gesetzen, denn das stärkt die Leistungskraft der Wirtschaft. Zugleich wird damit aber die Masse der Arbeit und die Quelle des Reichtums reduziert, so dass der Staat den Widerspruch zwischen Arbeitsproduktivität und Beschäftigung merkt.

Da fehlt noch ein Punkt dazwischen, der steht auf S. 115. Der Staat ist ja nicht nur für Beschäftigung um ihrer selbst willen. Wenn man den Unterschied zum Standpunkt des Kapitalisten rausstellen will, muss man sagen, was für ein Interesse der Staat vertritt, wenn er Vollbeschäftigung anstrebt.

Der Erfolg des Kapitals ist ja nicht identisch mit dem eines Einzelkapitals. Der Staat bezieht sich so auf seine Wirtschaft, dass er sagt, es soll möglichst viel Kapitalwachstum hier in seinem Land stattfinden. Das einzelne Kapital verfolgt seinen Erfolg auf Kosten der anderen und dann hat der Erfolg des einen zur Konsequenz den Ruin des anderen. Der Standpunkt des Staates ist zunächst mal, es soll möglichst viel Arbeit in seinem Land angewendet werden, darüber wachsen Einnahmen und Verschuldungsfähigkeit. Und dann kommt die Einschränkung: Natürlich ist dem Staat klar, dass nicht einfach Beschäftigung, sondern rentable Beschäftigung stattfinden soll.

Das Ziel Vollbeschäftigung ist dieser im Prinzip bornierte Standpunkt. Er will, dass alle Bürger Einkommen haben, egal was für welche. Die sind seine Quelle. Da ist er blind gegen die Unterschiede: Alle sind Einkommensbürger, und wer nicht arbeitet, hat kein Einkommen und entfällt damit als Beitragszahler. Zugleich, das ist dann auch schon der Widerspruch, weiß er: Einkommen gibt es solche und solche. Die einen sind der Reichtum und die anderen das Abfallprodukt davon, als Bezahlung für rentable Anwendung.

Kommen wir zum Widerspruch, S. 116 :

— Der Erfolg der Kapitale produziert gleichzeitig den Misserfolg anderer, was dann von Seiten des Staates nicht als Beitrag zum allgemeinen Wachstum gewürdigt werden kann. Wenn das Kapital den Standpunkt verfolgt, Arbeit zu reduzieren und freizusetzen, entspricht das nicht dem Standpunkt des Staates, der keine nicht gebrauchte Mannschaft bei sich beherbergen will. Das löst sich darüber, dass Wachstum des nationalen Kapitals auf anderen Märkten stattfinden soll.

Der Witz besteht doch darin: Der Staat erfährt, dass durch Produktivitätssteigerung und Lohnkostensenkung, so wie das einzelne Kapital seine Akkumulation betreibt, Arbeitskräfte freigesetzt werden, somit das, was der Staat erreichen will – möglichst viel Wachstum der Einkommen in seinem Land –, auch gleichzeitig geschmälert wird. Das war der Abschnitt S. 35/36. Was ist dann der Weg, wie er aus diesem Widerspruch rauskommen will? Hier steht mehr als: Das Kapital soll auf anderen Märkten Wachstum schaffen. Das Wachstum im Land findet ja statt durch den Handel mit anderen Ländern. Das

ist nicht einfach, das Kapital soll nach draußen gehen und da was verdienen, sondern das Wachstum des Kapitals im Land soll stattfinden auf Kosten der anderen Länder.

— Die produktiven Kapitale im Inland haben Probleme mit der Realisierung. Wie das läuft, ist hier ausgeführt: Es ist ein gegensätzliches Produzieren, sie schmeißen die Konkurrenten raus, es werden ständig Arbeitskräfte reduziert, sie produzieren produktiv und günstig, aber gleichzeitig beschränken sie mit ihrer Tätigkeit die Nachfrage auf dem Markt. Deshalb ist das Ideal, mit der Arbeit hier die Märkte anderswo zu erobern.

— Aber bevor man den Widerspruch sagt, muss man den Maßstab haben. Den habt ihr übersprungen auf S. 115 : Der Grund, warum der Staat nicht einfach das Geld einsammelt, das in seiner Gesellschaft zustande kommt, heißt, er braucht einen wachsenden Überschuss: Er braucht beständiges Wachstum, um die Anleihen zu beglaubigen, um seinen Haushalt zu finanzieren. Erst wenn man das hat, wird doch der Effekt der Konkurrenz der Kapitalisten zu einem Widerspruch dazu.

Das ist ein Moment davon. Dass der Widerspruch der Konkurrenz sein Widerspruch ist. Ein anderes Moment ist, wenn es hier heißt, das setzt immerzu Arbeitskräfte frei. Das ist eine Variante davon, dass gerade das erfolgreiche Wachstum, die erfolgreiche Konkurrenz mit den einschlägigen Methoden, ihm immerzu die Notwendigkeit sozialstaatlicher Betreuung der Unkosten aufnötigt.

— Die Arbeitslosen sind eine nicht genutzte Reichtumsquelle.

Man kann es so nach der Seite der Ressourcen ausdrücken. Ausgedrückt am Geld oder Haushalt, heißt das nicht nur immer größere Kosten der Betreuung des Wachstums; der Staat stellt auch fest, dass das Wachstum, also gerade die kapitalistische Anwendung der Quellen, die Quellen immerzu in verstärktem Maße brachlegt. Dabei hat er das Wachstum immer schon vorweggenommen. Die beständige staatliche Vorwegnahme des Wachstums (in der Staatsverschuldung) will dann gerechtfertigt sein. In das geht im Prinzip alles ein. Kapitalistisches Wachstum durch kapitalistische Konkurrenz, das ist sein Widerspruch. Wenn er von da aus drauf kommt, die sollen international agieren, dann ist der Ausgangspunkt gleich viel polemischer als nur: Wachstum ist gut und mehr davon ist besser. Sondern da soll das internationale Agieren seines Kapitals den Widerspruch ungeschehen machen, den das Wachstum hat. Diese selbst produzierte Schranke soll nicht fürs nationale Kapital produziert sein. Weil sie aber nicht wegfällt, heißt das: bei anderen den Widerspruch des eigenen Wachstums abladen.

Der Staat will, dass Wachstum in seinem Land stattfindet, obwohl die Form, wie das Wachstum betrieben wird, immer dazu führt, dass auch gleichzeitig die Einkommensquellen, die in seinem Land existieren, reduziert werden. Dennoch Wachstum im eigenen Land zu schaffen, geht darüber, dass heimische Kapitale konkurrenzfähiger sind als die im Ausland, um so Wachstum im eigenen Land auf Kosten der anderen Länder zu erreichen. Das ist mehr als einfach: Er geht nach draußen!

— Hier ist doch eine Adresse an andere Staaten gemacht, die heißt, ändert eure Zugangsbedingungen, so dass sie für mein Kapital günstig sind; öffnet euch. Da liegt die Betonung auf Zulassen, ist gleich polemisch gegen den anderen gerichtet und heißt nicht: ich fördere mein Kapital, damit seine Produktivität auswärtige Erfolge ermöglicht. Der Staat tritt als Wegbereitung für sein Kapital auf, der anderen Staates etwas abverlangt.

Die Öffnung besteht einerseits darin, dass sie den Ex- oder Import zulassen und sich gleichzeitig für kapitalistische und auch finanzkapitalistische Anlagen bereit erklären.

— Es ist ein Unterschied, ob ich sage, mein Kapital soll auch an anderen Ländern verdienen, oder ich will kompensieren, dass die Methoden, den Reichtum herzustellen, das Wachstum hier schädigen. Das Wachstum außerhalb soll das kompensieren, was im Inneren als Minus anfällt.

Der Fortgang – von den Überschriften her: Standortpolitik – ist etwas anderes als bloß: Ich will, dass irgendwelche Schranken von anderen Ländern abgebaut werden. Das Abbauen der Schranken ist notwendig, um den eigenen Standort zu stärken.

Dabei geht es nicht einfach um das Abstrakte: Wachstum ist schrankenlos. Das hat eine bestimmte Fassung. Als harte Fassung wurde gesagt: der Staat hat schon lange ein Maß an Wachstumsnotwendigkeit in seiner Verschuldung gesetzt. Damit hat er auch den Widerspruch gesetzt, sich immerzu mit seinem Kredit auf ein Wachstum zu beziehen, das notwendigerweise nicht in dem Maße wächst, wie Kredit vorgeschossen wird. Das ist der bestimmtere Ausgangspunkt für den Staatsstandpunkt: Wachstum muss schrankenlos sein.

— Das Wachstum, auf das es dem Staat ankommt, wird bewerkstelligt darüber, dass immer mehr Arbeit freigesetzt wird. Darauf zielt das Argument der Kompensation: dass noch mehr Wachstum stattfinden soll, damit noch mehr Ausdehnung der Beschäftigung stattfindet. Der Standpunkt des Staates in Sachen Vollbeschäftigung ist also: es soll Wachstum in einem Ausmaß zustande gebracht werden, dass das, was das Mittel des Wachstums ist – die Freisetzung von Leuten –, kompensiert wird. Und nicht nur das: Es soll darüber hinaus eine erweiterte Beschäftigung stattfinden; und für diesen Anspruch an das Wachstum ist der Ausgangspunkt nicht ‚scheitern’. Der Staat befördert erweitertes Wachstum über erweiterte Beschäftigung, indem er dafür sorgt, dass für das Wachstum des Kapitals nicht nur die Potenzen des eigenen Landes zur Verfügung stehen, sondern auch das Geschäft und die Zahlungsfähigkeit auswärts benutzt wird, denn je mehr im Ausland verkauft werden kann, desto mehr

Wachstum findet im eigenen Land statt. Eben deswegen ist das Setzen auf Wachstum als Mittel für mehr Beschäftigung eine total gegen das Ausland gerichtete Aktivität: „... nach außen tritt der Staat ...als konkurrierende Partei in Aktion“ (S.116); die eigenen Geschäftsleute sollen Geschäfte machen auf Kosten der dortigen.

Das ist dann die Konsequenz. Es gibt derzeit die Verhandlungen über ein Freihandelsabkommen zwischen den USA und Europa. Das Hauptargument ist da: mehr Handel zwischen den Nationen schafft mehr Arbeitsplätze. Das Hauptargument, Griechenland in der EU zu lassen, ist: Deutschland ist der Hauptprofiteur von Europa und die ‚Währung’ dieses Profitierens ist wieder: Arbeitsplätze. So wird also von den Staaten aus gerechnet.

Und noch mal: Dass das Wachstum seine eigenen Schranken produziert, ist was anderes als zu sagen, da sei Wachstum nicht erfolgt oder da müssten Wachstumsschwächen ausgeglichen werden. (als Grund für den Übergang nach außen). Für die Arbeit als Quelle des Wachstums heißt das: sie wird immerzu brachgelegt.

Übergang zu VI, 2. Standortpolitik (I)

— Es geht doch im Übergang um die Beantwortung der Frage, worum da konkurriert wird, wenn jede Nation versucht, die Liquidierung der Quellen des Wachstums, mit der dieses verbunden ist, auf die anderen Nationen abzuladen. Wodurch wird die „relative Größe“ des gesellschaftlichen Reichtums bestimmt bzw. worum dreht sich dann die Konkurrenz der Nationen? Der Fortgang ist: Gerade weil sie auf Kosten der anderen wachsen wollen, muss eine Gleichförmigkeit der Materiatur des Reichtums vorhanden sein, auf die sich alle beziehen – das ist der Übergang zur Konvertibilität der Währungen. Dass die Staaten übereinkommen, ihre nationalen Gelder als im Prinzip gleichartige Repräsentanten des gesellschaftlichen Reichtums anzuerkennen und ein Austauschverhältnis für sie zu finden.

— Die Nationen wollen aneinander Geld verdienen, dann ist die Frage, welches denn eigentlich? Schließlich handelt es sich um lauter verschiedene Gelder. Die Beantwortung der Frage, welches Geld da aneinander verdient wird, zieht einen Rattenschwanz an Regelungsbedarf nach sich; das ist dann der Gegenstand.

— Die Staaten gestehen den Währungen der anderen Staaten die Qualität von richtigem Geld zu und der Fortgang geht dann darüber, wie sie diese Gleichung relativieren, indem die Geldhändler die Konkurrenzerfolge der Nationen vergleichen und danach die Währungen gegeneinander bewerten.

Hier geht es nicht darum, die Notwendigkeit der Konvertibilität oder des Währungsvergleichs abzuleiten (dann wäre der Satz vorher, dass es verschiedene Gelder gibt, sehr schlampig). Der Ausgangspunkt ist: Die Staaten wollen aneinander Geld verdienen. Was bedeutet das, wo sie doch über verschiedene Gelder verfügen? Dann ist unterstellt: Diese Gelder sind doch schon längst in ein Verhältnis zueinander gesetzt und wenn ein Staat am anderen Geld verdient, achtet er darauf, dass das eigene Geld im Verhältnis zum anderen ein (möglichst) besseres Geld ist – das ist dann der Zweck. Die Ableitung der Notwendigkeit, die Währungen konvertibel zu machen, wird hier also unterstellt und daran erinnert, dass es so ist. Es geht an dem Punkt weiter, dass es der Standpunkt des Staates ist, an den anderen Geld zu verdienen und dann gibt es eben verschiedene Gelder – in welchem Verhältnis stehen die zueinander und was heißt das dann für den jeweiligen Staat, der an den anderen Geld verdienen will?

— Das Finanzkapital schaut auf die verschiedenen Staaten als Geldanlageobjekte, bzw. darauf, welche Währung nach seinen Kriterien die besten Anlage- und Renditemöglichkeit bringt. Unter diesem Blickwinkel investiert es oder zieht Gelder ab: das zwingt die Staaten ihrerseits, Standortpolitik zu betreiben.

Bevor man zu den Maßnahmen kommt, zu denen der Staat sich genötigt sieht – ist man sich einig darüber, was hier der Gegenstand ist und was er nicht ist, was unterstellt ist und abgerufen wird als: das kennt man, und was man ableiten muss?

— Die Logik wird doch durchgezogen an den zwei Relativitäten: Das Geld ist eine relative Größe, weil es nur in einem bestimmten Staat gilt, jeder Staat für sich definiert das Maß des gesellschaftlichen Reichtums, der Zugriffsmacht. Er kann damit nicht international handeln. Wenn er ins Ausland will, ist unterstellt – damit diese Qualität der Zugriffsmacht auch dort gelten soll –, dass sie sich ihre verschiedenen Gelder wechselseitig als im Prinzip Reichtum oder Geld anerkennen. Was jetzt dasselbe sein soll, nämlich prinzipielle Zugriffsmacht, besteht aber in verschiedenen Denominationen, und da gibt es eine zweite Relativität und die verlangt dann, festzustellen, in welchem Verhältnis die verschiedenen Gelder stehen, nämlich über ihr konkurrierendes Geschäft die Gleichungen zwischen den nationalen Geldern zu ermitteln.

Von dem Ausgangspunkt her: einer will Geld am Ausland verdienen, ist unterstellt, dass es unterschiedliche Gelder gibt; dass diese Gelder untereinander das Gleiche sein wollen, unterstellt auch, dass die in einem Maßverhältnis, das vom Geldhandel immer wieder aufs Neue festgestellt wird, zueinander stehen. Wenn das alles unterstellt ist, was heißt das für den Staat, womit hat er da zu tun und worum kümmert der sich dann?

— Jetzt geht es also darum, wie der Staat seine ökonomische Basis stärkt, damit möglichst viel Wachstum in seinem Land stattfindet, und zwar durch Geschäft auswärts. In welchem Verhältnis die

verschiedenen auswärtigen Gelder getauscht werden, produziert den Währungskurs, der bestimmt sich aus Angebot und Nachfrage, von den Devisenhändlern ermittelt. An der Stärke seiner Währung merkt der Staat, dass das, worauf es ihm ankommt, stattgefunden hat, dass es viel Interesse an der Benutzung seiner Währung gibt und viel Interesse an Geschäften in seinem Land. Dass eine Währung gut oder schlecht dasteht, ist also Ausweis dessen, wie viel Wachstum in diesem Land stattfindet.

Vom Ausgangspunkt her, wie der Staat hier eingeführt wurde – Stichwort Vollbeschäftigung –: Er hat ein Interesse an der Ökonomie, weil er von ihr lebt, sie ist die materielle Basis seiner Macht, und zwar über den Geldreichtum, den sie produziert – der Staat „regiert mit Geld“. Das hat so seine Widersprüche. Der „Königsweg“ ist, die Schranke, die das immer mitproduziert, dem Ausland aufzuhalsen, indem man am Ausland verdient, darüber mehr Wachstum als an seinem Standort hinkriegt, eben, indem man die Welt inklusive ihrer verschiedenen Währungen mit in das eigene Wachstum einbezieht. Wann hat man das erfolgreich hinbekommen, das Wachstum am Ausland und auf dessen Kosten zu betreiben? Wenn man die relative Zugriffsmacht des eigenen Geldes im Vergleich zu den anderen Geldern gestärkt hat. Das heißt jetzt also: die anderen Nationen dafür mit Beschlag zu belegen, dass man das Wachstum über die Schranken hinaus treiben will, die es selber produziert.

— Also das weltweite Geschäft soll so vonstatten gehen, dass bei ihm, an seinem Standort, immer mehr Kapitalakkumulation unter Benutzung von immer mehr Arbeitskräften stattfindet. Die Güte seines Geldes, wie es international dasteht, ist das Resultat erfolgreichen Wachstums an seinem Standort. Weil es ihm auf dieses Wachstum ankommt, sorgt er dafür, dass sein Geld gut dasteht, also für die internationale Finanzwelt von Interesse ist – ein Zirkel, „der seiner sorgfältigen Betreuung bedarf“(S. 38, o.)

Dass Wachstum zustande kommt, drückt sich also an der Attraktivität seines Geldes aus – da hat man die Identität: In seinem Geld ist gegenüber anderen Geldern eine größere Zugriffsmacht enthalten. Das ist überhaupt die staatliche Fassung des Weiß-warum von Wachstum: seine Geldmacht ist gewachsen.

„Bewertet wird die relative Zugriffsmacht des nationalen Geldes nach dem Kriterium der Stabilität“ (S. 119) Was ist hier mit Stabilität gemeint? Das ist etwas anderes, als wenn gesagt wird, dass der Staat sich um die Stabilität seiner Währung kümmert, wo es dann um geldpolitische Maßnahmen u. Ä. geht.

— Was als „Eigenschaft“ des nationalen Geldes ausgedrückt wird, nämlich inwieweit es stabil ist, bezeichnet ein Verhältnis, das die Spekulanten zu diesem Geld eingehen: Sie begutachten es nach dem Kriterium, ob sie ihm zutrauen, sich dauerhaft als Mittel ihrer Geldvermehrung zu eignen (oder eben auch noch nicht oder nicht mehr – das ist das ‚relative’ an der Stabilität). Auf deren Urteil beruht die Finanzmacht einer Staatsgewalt, nämlich, wie viel Kredit sie für ihre Zwecke mobilisieren kann; deshalb wird diese ein Gegenstand der Konkurrenz zwischen den Staaten. Und das heißt, die heimische Lohnarbeit und das heimische Kapital werden vom Staat in den Blick genommen als Mittel für diese Konkurrenz.

Dazwischen noch das Argument: Um diese Qualität des Geldes zu erhalten, benutzt der Staat das internationale Geschäft und die Voraussetzung dafür, darin erfolgreich zu sein, ist die Pflege des einheimischen Geschäftslebens. Dann geht es um die einzelnen Momente seiner Standortpolitik.