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Den Feind kennen

Jour fixe vom 24.06.13 - Arbeit und Reichtum, GS 3-12, Nachfrage zu III, Kapitel IV Ende 1, Anfang 2 a

   — Nachfrage zur letzten Sitzung, Punkt III, zu:"…Das Kapital verachtet seine Quelle und behandelt sie entsprechend." Auf S. 70 steht, dass die Alternativlosigkeit der Lohnarbeiter bzgl. ihrer Einkommensquelle deren Anpassung hervorruft. „Bei der dermaßen verächtlich behandelten Mehrheit der Gesellschaft trifft der Anpassungszwang … auf extrem viel Anpassungsbereitschaft.“ Weiter heißt es: auf S. 71: Auf der Seite der Lohnarbeiter wird die Vernutzung ihrer Lebenszeit „als belastbares eigenes Erwerbsmittel taxiert.“ Kann man das so fassen: Der Standpunkt, dass man Lohnarbeit als alternativlose ökonomische Einkommensquelle hat, hat notwendig die Konsequenz: Je untauglicher Lohnarbeit als Lebensmittel wird, desto mehr verbietet sich eine berechnende Stellung zu Aufwand und Ertrag. Umgekehrt: desto mehr gebietet sich von Seiten der Lohnarbeit die Anpassung an das Verlangte.

   — Die Bedingung ist natürlich, dass die Lohnarbeiterklasse diesen Standpunkt einnimmt. Denn davor steht ja: „…solange sie nicht ihren Status und damit das System der Geldwirtschaft insgesamt aufkündigen."

Das Prinzip ist klar, und es hat sogar Konjunkturen: Je mehr sich das Kapital von den Diensten der Arbeit emanzipiert, desto mehr werden die Arbeiter auf die Dienstbarkeit verpflichtet; desto weniger macht es sich in der Arbeit und am Lohn geltend, dass sie davon leben können. Nachgefragt wird der Satz: So stabilisiert die Untauglichkeit die Bereitschaft, diese Preis-Leistungs-Rechnung einzugehen. Der Arbeiter taxiert sich selber nicht als den, für den es ein Aufwand ist, die Arbeit zu leisten. Er taxiert sich selbst als das Mittel, das er anbieten kann. Diese umgedrehte, verrückte Stellung zu sich selbst soll hier objektiv ausgedrückt werden.

   — Da leisten sich die Arbeiter einen Fehler. Darin liegt ein Übergang vom Sachzwang zum falschen Bewusstsein. Dabei ist der Sachzwang der Definition nach kein Zwang der Sachen, sondern ein Zwang des Interesses, sich mit den Sachen so zu beschäftigen!

   — An der Stelle im Text ist der Inhalt thematisiert, in dem sich Sachzwang und Stellung des Arbeiters zu sich selber entspricht; das zur Sache passende falsche Bewusstsein. Da ist kein Übergang von Sachzwang zu falschem Bewusstsein.

   — Wenn das als Fehler bezeichnet wird, dann ist es das, dass aus der Abhängigkeit ein Argument gemacht wird: Ich schaffe das, mache es zum Gegenstand meines Willens.

Hier wird keinem Fehler nachgestiegen. Die ganze Kritik der Fehler, die eine Arbeiterschaft macht, die so was aushält, fällt in dem Artikel in die Kritik der Verhältnisse, die sie aushält. Es gibt die absurde Logik, aus Abhängigkeit ein Argument zu machen. Nur hier wird das nicht thematisiert. Hier wird nur gesagt: Solange sie diesen Laden nicht aufkündigen, haben sie diese Stellung. Und solange sie die haben, ist es kein Fehler, sondern eine üble Notwendigkeit, sich selbst als Erwerbsmittel zu betrachten und zu behandeln. Genau das soll man mal lassen – im Artikel I. bis VI. stehen dazu alle Argumente.

   — Das Irritierende an der Stelle ist doch: Wenn man merkt, was einen diese Abhängigkeit kostet, dann steigert das die Bereitschaft, sich die Zumutungen anzutun. Man möchte doch meinen, da sei eine Kündigung näher gerückt. Aber das wird gerade ausgeschlossen. Es wird gesagt, das ist das Objektive, die bringen das von ihnen Verlangte.

Das Ganze ist eine Auflösung: Was heißt hier eigentlich Sachzwang?! Es ist die gewalttätig durchgesetzte Gültigkeit des Interesses der Eigentümer an Produktionsmitteln. Darin liegt der Fehler des Systems. Das ist doch eine Kritik, sich daran anpassen zu wollen.

   — Wir haben das aber auch schon so aufgelöst, wie es am Anfang des Artikels steht: dass das System mit dem Willen derer rechnet, die an Geld kommen müssen. Da kann man nicht sagen: das ist nur Gewalt.

   — Der Ausgangspunkt ist, dass das Kapital auf die Lohnarbeiter Zwang ausübt. Im Text wird jetzt gesagt, welche Wirkung dieses mit Gewalt durchgesetzte Interesse, der Zwang des Kapitals auf die Lohnarbeiter hat. Es wird dadurch eine Einstellung, eben Anpassungsbereitschaft erzeugt. Man will ausdrücken, was das auf der Seite des Willens, der subjektiven Seite, der Lohnarbeiter bedeutet.

Und an der Stelle wird die Anpassungsbereitschaft über die Alternativlosigkeit, über den Zwang erklärt. Das System erzwingt sie – umso mehr, je weniger es für die taugt, von denen es sie erzwingt. Das ist doch Grund genug, das abzuschaffen.

   — Sie sind darauf verwiesen, sich immer mehr dem Angebot zu unterwerfen und ihre Kalkulationen darauf einzustellen. Diese Notwendigkeit liegt in den Fortschritten dieser Sorte Reichtumsproduktion. In der wird die Einkommensquelle derer, die davon leben wollen, immer fragwürdiger. Die Alternativlosigkeit der Unterwerfung unter alle Bedingungen, die das Kapital der Lohnarbeit setzt, hat ihre Notwendigkeit. Diese verrückte Konsequenz, dass die Reichtumsproduktion immer mehr den Standpunkt aufnötigt, von sich und dem eigenen Interesse immer mehr Abstand zu nehmen, hin zu: was kann ich alles anbieten, damit die andere Seite zufrieden ist.

Zur Behauptung „je schäbiger das System die Lohnarbeiter behandelt, desto mehr müssten sie sich dagegen wehren“, muss man sagen: Das sieht man nirgends – liegt also anscheinend gar nicht nahe. Den Standpunkt, dass man mangels Alternative vom Lohn im Prinzip schon irgendwie leben können muss, kann man anscheinend einfach behalten.

   — Das “je – mehr – desto“ oder „Zwang – Freiwilligkeit“ geht am Inhalt vorbei. Es ist ein Inhalt genannt, der eine Konsequenz der Verhältnisse ist. Reingesetzt und festgelegt auf eine Existenz innerhalb des Lohnarbeiterverhältnisses, wird hier darauf aufmerksam gemacht, dass der Mensch dann die Arbeit nicht nach der Anstrengung beurteilt, die sie für ihn bedeutet. Sondern er beurteilt sie danach, ob er sie aushalten kann, wie er das schafft, dass er den Arbeitsplatz bewältigt.

   — Wenn man nach dem Text-Abschnitt auf Seite 71 die Frage aufmacht: ist das ein Fehler oder eine Notwendigkeit, dann ist das verkehrt und sieht von allem ab, was drinsteht. Im Text steht der Maßstab, der den Arbeitern aufgemacht wird: Quelle des Reichtums zu sein, bringt ihnen Verachtung ein.

Ein purer Formalismus ist das nicht. Es wurden schon Inhalte gesagt. Die Kritik ist, dass sie den Anspruch an sich nachvollziehen.

   — Ich hab den Abschnitt so verstanden: Nachdem aufgezeigt wurde, dass die Arbeiterklasse vom Kapital als eine Manövriermasse unterstellt ist, kommt die Frage: Wieso macht die das mit? Dann wird gesagt: Deren große Anpassungsbereitschaft liegt daran, dass sie, solange sie das System nicht kippen, sich alternativlos innerhalb dieses Systems bewegen. Also: Je mehr die andere Seite mich unter Druck setzt, umso mehr gebe ich nach. Natürlich ist das eine Haltung, aber die Aussage soll erklären, dass die Leute sich erpressen lassen in dieser Alternativlosigkeit.

Zum formellen Streit zwischen Fehler und Notwendigkeit: Die Notwendigkeit muss benannt werden. Wenn man Fehler sagt, dann ist man verpflichtet zu sagen, inwiefern. Dann redet man darüber, dass sich einer bei der Anpassung irgendetwas denkt, dass er etwas kalkuliert, dass er einem Idealismus frönt, es könnte doch im Prinzip für ihn taugen. All das ist hier nicht Thema.

   — Der Textabschnitt – obwohl er über den subjektiven Faktor handelt – ist keine Kennzeichnung dessen, wie die Arbeiter wirklich darüber denken. Keiner sagt: Die Untauglichkeit des Lohnsystems ist mir gerade klar geworden und darauf reagiere ich so. Sondern das sind objektive Urteile von uns. Gesagt ist, objektiv zeigt sich die totale Untauglichkeit und so gehen die damit um. Der ganze Abschnitt ist eine einzige Kritik mit dem Inhalt, dass hier eine Anpassungsleistung auf eigene Kosten stattfindet, und zwar so, dass wegen der Alternativlosigkeit immer gesagt wird, das Opfer ist ein positives Mittel, in diesen Verhältnissen zurecht zu kommen.

Kein Arbeiter sagt, mein Mittel ist untauglich. Das wäre ein theoretisches, abschließendes Urteil. Dass die Arbeit schwer ist, unsicher usw., das sagen alle. Das kriegt man praktisch mit. Unser Agitationszweck geht hier darauf: All die Härten, die ihr merkt, die Niederlagen, die ihr einsteckt, dass das ganze Leben ein Kampf ist – das hat sein Prinzip darin, dass eure Einkommensquelle untauglich für euch ist. „Untauglich“ heißt unser theoretisches Urteil und ist die Beschimpfung dieser Sache. So denkt es keiner. Sonst wäre es verwunderlich, warum sie an etwas festhalten, das sie selbst für untauglich halten. Es ist auch nicht ihre praktische Erfahrung, sondern die ist: Arbeit ist schwer, bitter usw.

   — Die Schwierigkeit in der Debatte liegt noch wo anders. Es wird gesagt, die Lohnarbeiter ziehen einen falschen Schluss daraus. Es gibt noch etwas, das in der Debatte nicht richtig gefasst wird. Das ist im Artikel angesprochen mit: eine erzwungene praktische Haltung zu all dem Schrott, gefasst als – sie müssen Anpassungsbereitschaft erbringen. Das ist kein theoretischer Gedanke, sondern eine praktische Stellung, zu schauen, dass man zu Rande kommt, dass man es aushält.

Mehr noch, dass man sich selber so kalkuliert, dass man sagt: Was kann ich in meinem Interesse an mehr Lohn tun? Nämlich was kann ich an Belastungen auf mich nehmen, damit ich zu was komme. Die Kalkulation wird ihnen aufgedrängt. Das soll hier gesagt sein. Das ist die Verlängerung oder passend zu dem, was im Abschnitt vorher als Anforderung des Kapitals gesagt ist. Was kann ich den Anforderungen des Kapitals anbieten. Das ist ein Entsprechungsverhältnis. Wenn das Kapital diese Anforderungen stellt, dann hat der Mensch, der dem ausgesetzt ist, eben nur diese Kalkulation für sich. Es sei denn, er macht etwas anderes.

   — Diese Konsequenz ist hier festgehalten: Die Lohnarbeit hat ihren Gebrauchswert für das Kapital nur, wenn sie bedingungslos vernutzt und verschlissen wird. Diese Kalkulation der anderen Seite macht sich die Arbeitskraft zu eigen, stellt sich darauf ein und das ist ihr Umgang mit sich selbst.

Die Frage, ob das falsch oder notwendig ist, ist an der Stelle nicht aufgemacht. Es geht um das komplementäre Verhältnis der Anforderungen des Kapitals mit der Bereitschaft, nur noch die Kalkulationen anzustellen, wie man diesen Anforderungen entsprechen kann.

Diese Komplementarität ist nicht so, dass das Kapital mit seinen Ansprüchen auf die Anpassungsbereitschaft trifft, sondern es produziert die Anpassungsbereitschaft, es produziert die Alternativlosigkeit, sich diesen Ansprüchen gemäß aufzuführen.

Schon am Anfang des Artikels wird geklärt: Eigentum bewährt sich darin, dass es fremde Arbeit für sich arbeiten lässt. Das geht, indem es sich alle produktiven Momente der Arbeit aneignet, der Arbeit, die aber doch von Arbeitern verrichtet wird. Wie bekommt man das hin. Da war man bei Lohn. Der sorgt (getrennt von allen Ideologien, die er produziert, in Sachen Gerechtigkeit und Preis der Arbeit etc.) auf der Seite der Empfänger für den Willen, den verlangten Ansprüchen zu genügen, weil sie den Lohn – das Stück notwendiger Arbeit für sich – nur bekommen, wenn sie die Mehrarbeit für den Lohnzahler abliefern. Das erhebelt die Bereitschaft der Lohnempfänger zu Mehrleistung, Sonderleistung, Akkord usw. Der Lohn ist durch und durch von der Kalkulation derer, die ihn zahlen, bestimmt. Was er auf der anderen Seite erzeugt und erzeugen soll, ist die Bereitschaft, die in der aktiven Anpassung an die Ansprüche der anderen Seite besteht. Wenn man da feststellt, dass das von vorn bis hinten durchs Kapital und dessen Kalkulation bestimmt ist, dann ist der Einwand, man lasse weg, dass die Lohnarbeiter das schon noch machen müssen, fehl am Platz.

Natürlich redet man bei Anpassungsbereitschaft über eine praktische Stellung, die jemand einnehmen muss (das legt aber nicht die Frage nahe: die könnten nichts anderes tun, wenn sie denn wollten). Das Absurde an dieser Produktionsweise ist: Die ist nicht nur feindselig gegen die, die arbeiten, sondern beansprucht sie sogar in ihrer Stellung zu sich.

   — Wenn linke Gruppen auftreten und meinen zeigen zu müssen, dass man auch selbstverwaltete Betriebe machen könne, dass es auch Alternativen zu diesem System gäbe, muss man dagegen halten: Zur Feststellung, sie haben keine Alternative, gibt es nur die Alternative: kündigen, keine andere.

Das Aufzeigen von Alternativen ist keine gute Agitation, keine Kritik, weil es den sachzwangmäßigen Schein völlig unkritisiert lässt und ihm nur was zur Seite stellt, nämlich: man kann sich auch was anderes vorstellen. Kritik ist einerseits immer die Auflösung des "Sachzwangs" und andererseits von der Stellung, man könnt sich dann doch ganz gut in ihm einrichten. Nichts von diesen beiden Seiten ist überhaupt angesprochen, geschweige denn kritisiert, wenn man sagt: Es ist nicht alternativlos.

 

Weiter mit Punkt IV, 1., S. 75

   — Den Unternehmer kostet die erlangte Freiheit, sein Interesse mit geliehenem Geld zu verfolgen, Zins; Abzug vom Gewinn. Den muss das Unternehmen auf jeden Fall erwirtschaften, der muss bezahlt werden, auch wenn kein Geschäft damit zustande gekommen ist, er hat rechtlichen Vorrang auch vor dem Erfolg. Der Unternehmensertrag muss diese Vorwegnahme im Kredit rechtfertigen. Damit ist ein neues Erfolgskriterium ins kapitalistische Geschäftsleben eingezogen: Der Unternehmer muss die Banken von seiner Kreditwürdigkeit überzeugen, davon, dass sein Geschäft Erfolgsaussichten hat.

   — Das neue Erfolgskriterium bedeutet, dass die Unternehmen nachweisen müssen, dass sie mit ihrem Erfolg in der Produktion auch den Erfolg des Kreditgebers ermöglichen; so dass sich dessen verliehenes Geld auch tatsächlich als Geldkapital erweist.

Und ihm seinen Gewinn gewährleistet. Es taucht somit also ein zweites Subjekt auf. Es heißt nicht nur, dass der Unternehmer was von seinem Gewinn abgeben muss, sondern jetzt kommt der Geldkapitalist mit seinem Interesse auf den Plan, dem muss das Unternehmen Rechnung tragen.

   — Damit ist die Kalkulation des Unternehmens der Gläubigerkalkulation untergeordnet; das ist die Umkehrung, die in der Überschrift angesprochen ist. Er wird von Anfang an vom Gläubiger als aussichtsreicher geschäftlicher Anwender des Kredits eingeschätzt; nur, wenn er dieses Erfolgskriterium erfüllt, bekommt er den gewünschten Kredit.

   — Die Aussage: Er muss auch den Erfolg des Kreditgebers gewährleisten, ist zweideutig: einen sicheren Erfolg kann er nicht gewährleisten, es wird nur zukünftiger erwartet. Der spekulative Blick auf den gegenwärtigen Geschäftserfolg soll den Kredit für künftigen rechtfertigen. Der Erfolg ist nicht garantiert, bleibt Spekulation; aber er muss sich in seinem Geschäftsgebaren so aufführen, als sei die Kreditvergabe an ihn eine sichere Anlage.

   — Es ist deswegen eine Spekulation, weil auch die Konkurrenz um Kredit nachfragt. Dann muss der Unternehmer der Bank klarmachen, dass er und nicht sein Konkurrent den Kredit verdient, muss ein besseres Geschäftsmodell als die anderen vorlegen.

   — Was bisher der Zweck der Produktion war: den Gewinn zu machen, wird jetzt zum Mittel, um an Kredit zu kommen, damit wieder das Wachstum des Gewinns zu steigern. Diese Änderung des Verhältnisses tritt ein, das ist das 'neue Erfolgskriterium'.

   — Die Frage ist doch – was auch in der Überschrift angesprochen ist – inwiefern durch das Hinzutreten des Kredits tatsächlich eine Umdrehung des Verhältnisses stattfindet. Es ist nicht nur so, dass sie den Gewinn dem Finanzkapital anbieten, sondern die Aussage ist, der Gewinn wird tatsächlich zum Mittel des Finanzkapitals.

   — Das Neue ist: Die Bank stellt ihre eigenen Kalkulationen an. Ihr Geschäft muss mit dem industriellen bedient werden, dem ist das Kredit nehmende Unternehmen untergeordnet, diesem Erfolgskriterium muss es entsprechen. Das ist ein Kriterium, dem subsumieren die Banken die Unternehmen vergleichend. Dem Erfolgsanspruch muss er im Vergleich zu seinen Konkurrenten entsprechen.

   — Das Argument des Abschnitts ist, mit den Banken, die Kredit vergeben, zieht ein neuer Maßstab ins Geschäft ein. Das, was das Unternehmen macht, hat sich zu orientieren an etwas, was für die Banken tauglich ist. Wesentlich ist da das veränderte Verhältnis.

   — Es sind zwei Schritte. Als erstes das Verhältnis zum Kreditgeber, als denjenigen, der über das Mittel für den eigenen Konkurrenzkampf verfügt. Zu dem tritt man ins Verhältnis; und dessen Gesichtspunkt – die Rückzahlung des Kredits – tritt ins eigene Geschäftsleben als Kriterium ein. Weil das das Mittel der Konkurrenz ist und sich alle um den Kredit bemühen, tritt als zweites der Unternehmer über den Kredit auch ins Verhältnis zu seinen Konkurrenten, als Mitbewerber um das Mittel der Konkurrenz. Insofern ist es ein neues Erfolgskriterium, das muss sich bewähren, insofern es in Konkurrenz zu den anderen überhaupt erfolgreich Kredit an sich zieht und diesen dann auch rechtfertigt

   — Es wird hier ein neues Verhältnis aufgemacht, insofern das produktive Kapital einer Bewertung durch das Finanzkapital unterliegt. Es ist nicht mehr das Begehr des produktiven Kapitals, einen Gewinn zu erzielen, sondern die sachliche Notwendigkeit, die ihm aufgemacht wird, von der Bedingung, die für die Fortführung und Expansion seines Geschäftes unabdingbar ist.

Noch ein Zwischenschritt: Gesagt wird, dass der produktive Kapitalist darauf angewiesen ist, Kredit zu bekommen, um konkurrenzfähig zu sein. Wenn er Kredit haben will, muss sein Geschäft auch gleichzeitig die Grundlage für das Geschäft des Geldkapitals sein. Er muss den Gewinn des Geldkapitalisten sicherstellen. Insofern macht sich das Interesse des Kreditgebers in dem Geschäft des produktiven Kapitalisten geltend. Dem muss er Rechnung tragen, muss dafür sorgen, dass er die Kriterien für den Kreditgeber erfüllt. Dann hat sein Geschäft nicht nur den Zweck zu erfüllen, Gewinn abzuwerfen, sondern kreditwürdig zu sein, weil das die Bedingung für jegliches Gewinnmachen ist.

   — Dass der produktive Kapitalist der Betrachtungsweise auf Gedeih und Verderb unterworfen ist, ist dabei nicht die richtige Betonung. Es ist eine Aussage über den Zweck des produktiven Kapitalisten selber, weil er im Kredit das notwendige Mittel hat, um seinen Konkurrenzkampf an dem alles entscheidenden Kriterium Wachstum auszurichten. Aus diesem Grund wird die Tauglichkeit seines Gewinns für den Kredit zu seinem eigenen Kriterium.

   — Aber das produktive Kapital muss dem Verlangen des Finanzkapitals genügen. Es wird bewertet, wie weit es im Unterschied zu den anderen dazu in der Lage ist. Ein Urteil wird über es gefällt, dem es standhalten muss. Dem produktiven Kapital tritt jetzt mit dem Finanzkapital ein Maßstab gegenüber, den es so vorher nicht hatte.

Dagegen war vorher der Einwand, dass das dann auch sein eigener Zweck ist. Die Unterwerfung ist nur die eine Seite. Damit ist es auch der Zweck, den er erfüllt, und sein Mittel, in seinem Geschäft erfolgreich zu sein. Je kreditwürdiger er ist, desto erfolgreicher kann er sein.

Vielleicht sollte man noch mal überlegen, wofür nimmt der Kapitalist den Kredit und was ist das Erfolgskriterium? Das sind lauter Techniken, sich immerzu in der Ausbeutung der Arbeit von ihr zu emanzipieren, diesen Widerspruch aus Punkt III auf immer größerer Stufenleiter zu praktizieren. In dieser Konkurrenz – bei der der ganze Zweck, um den konkurriert wird, systematisch in einen Widerspruch zu dem Mittel tritt, mit dem konkurriert wird – wird dieser Widerspruch immer aufs Mittel abgeschoben. Diese Gemeinheit wird hier so weitergestrickt, dass die Kapitalisten von den Kreditgebern das Angebot bekommen, ihr könnt euch darin von eurem eigenen Eigentum emanzipieren. Ihr seid in der Konkurrenz um die rentabelste und gewinnträchtigste Ausbeutung von Arbeit nicht darauf angewiesen, wie viel Ausbeutungserfolg ihr schon habt. Nicht nur mit euerem Eigentum sondern auch mit meinem könnt ihr weitermachen. Mit dem "Preis für diese Freiheit" begibt sich der produktive Kapitalist in ein rechtliches Verpflichtungsverhältnis gegenüber dem, dessen Eigentum er zusätzlich benutzen darf. So tritt ihm das gegenüber, was er will: nämlich seine Arbeiter mit den besprochenen Mitteln zu immer besserer Produktivität zu treiben, sich einerseits immer mehr von bezahlter Arbeit befreien, um die noch angewendete Arbeit umso effektiver und intensiver heranzunehmen. Für den Zweck nimmt er den Kredit; dafür begibt er sich glatt in das Verhältnis einer rechtlichen Verpflichtung, aus der Masse des ausgebeuteten Mehrwerts den Kreditgeber auch noch zu bedienen. Und dieses Verpflichtungsverhältnis macht sich dadurch gleichzeitig frei von dem, woraus diese Verpflichtung bedient wird.

Mit dieser Verrücktheit – Reichtum ist das, was aus der Arbeit geholt wird, deswegen wird die Arbeit verachtet, sie soll es nicht sein, sondern ihre Einsparung – tritt jetzt ein neues Subjekt an, das gleich sagt, es kennt die Arbeit sowieso gar nicht mehr. Reichtum kommt aus der Verpflichtung der anderen Seite, ihm den Zins zu bedienen.

   — Man war ja am Ende von Punkt III an dem Punkt, dass das produktive Kapital und seine Vermehrung eine Frage des verfügbaren Geldes ist. Alle Faktoren des Prozesses sind dem Kapital subsumiert und die entscheidende Waffe in der Konkurrenz, die Produktivitätssteigerung der Arbeit, geschieht darüber, dass man dafür Kapital einsetzt. Jetzt ist man an dem Punkt: die Freiheit, sich von den Schranken seines Kapitals zu entgrenzen, gibt es sogar, nämlich das bieten die Kreditgeber an. Insofern tritt das produktive Kapital zum Geldkapital ins Verhältnis. Das ist sein Mittel zur Bereichung, umgekehrt macht so das Geldkapital das produktive Kapital zu seinem Mittel.

Dass Eigentum Kommando über Arbeit ist, dass die Arbeit überhaupt nur als Bestandteil von Kapital vorkommt – praktisch heißt das: Man eignet sie sich an und die Quelle macht man um so flüssiger, je mehr man sie austrocknet (das ist ja der verrückte Prozess zu dem das führt, dass Eigentum seine eigene Quelle ist) –, da ist die Herrschaft über die Arbeiter so sehr unterstellt, dass sie dann glatt den Standpunkt hinbekommen, dann ist es egal, wem das Eigentum gehört. Von dem, von dem man angefangen hat in I: Die wichtigste Eigenschaft von jeder Cola-Dose und Cola-Dosen-Fabrik ist, wem sie gehört, haben sie sich hier dahin vorgearbeitet, glatt Eigentum zu vergesellschaften. Dafür, dass man die Unterwerfung der Arbeit immer besser hinbekommt.

   — Eine Frage zu der 'Symbiose': Da steht: "… er (der Streit um den Kredit) steigert das Anspruchsniveau hinsichtlich der Kapitalproduktivität, um deren Maximierung es sowieso geht." (GS. S. 78). Die Bestimmung des Anspruchs ohne Kredit lag selbst schon in der Maximierung, ist also ein ziemlich schrankenloser Anspruch der Arbeit gegenüber. Es ist also von sich aus ein schrankenloser Anspruch, der noch einmal gesteigert wird?

   — Seine praktische Schranke lag in der Kapitalgröße. Es wird also nicht der Zweck, sondern die Wucht, mit der er den in die Gänge bringen kann, gesteigert.

   — Die Banken sind jetzt damit beschäftigt, eine Selektion zu treffen, welches Anspruchsniveau an Kapitalverwertung sie kreditieren und welches nicht. Wer keinen Kredit mehr kriegt, ist am gültigen Anspruchsniveau gescheitert.

   — Die Fortsetzung heißt: der Anspruch wird nicht mehr nur vom Einzelnen gestellt. Also steht nicht mehr nur das Eigentum einzelner Eigentümer, sondern die Symbiose, die das Privateigentum mit dem Kredit eingeht, dem Arbeiter gegenüber. Das heißt, die Qualität der Macht des Geldeigentums, das diesen Anspruch vertritt und vollstreckt, hat sich geändert. Das, womit die Arbeit es zu tun bekommt, ist nicht mehr das Eigentum einzelner, sondern die geballte Macht des Privateigentums mit der Macht des Kredits; die vergrößerte Kommandomacht über die Arbeit.

Das wird in der Überschrift expliziert. Klar ist, dass das Eigentum des produktiven Kapitalisten nicht mehr allein die Macht ist, dem die Arbeit unterworfen ist, sondern die um den Kreditgeber erweiterte Macht. Der einzelne Eigentümer ist erweitert um die Kreditmacht.

Es ist ein Widerspruch, wenn einer sagt: Gib mir dein Eigentum, ich kann was damit anfangen. Die Verlaufsform des Widerspruchs ist die des Streits um die entsprechende Leistung. Bleibt auf beiden Seiten das widersprüchliche Doppelverhältnis, auf der einen Seite ist es das von Freiheit und Sachzwang, auf der anderen das von Hoheit oder Vorrecht privilegierter Zahlungspflicht und dem, dass man davon abhängig ist. Die Logik in der dann der IVer seinen Fortgang findet und die des ganzen Artikels, ist, die Macht des Eigentums über die Arbeit zu entwickeln, die immer weniger von dem wissen will, worüber sie die Macht hat und worin die eigene Quelle besteht – und auf die Weise die Herrschaft über die Quelle immer weiter vollendet und sie das immer mehr spüren lässt. Der Eigentümer sagt, ich will in dem, wie ich meine Konkurrenz mit den Ausbeutungsleistungen und Methoden der Arbeit führe, nicht auf mein Eigentum beschränkt bleiben. Und siehe da, es finden sich andere Eigentümer, die ihm ein Angebot machen. Wenn alles an der Kapitalgröße hängt, dann ist das um das fremde Eigentum vergrößerte Kapital eine gesteigerte Potenz, aus der Arbeit das herauszuholen, was man in der Konkurrenz gegen die anderen Kapitalisten braucht. Wegen dieses systematischen Grundes, ist dieses Verhältnis dann auch nicht eine Ansammlung von bilateralen Additionen, sondern es kommt tatsächlich zur systematischen Vergesellschaftung vom Privateigentum – das kommt im nächsten Kapitel. Betont werden sollte, dass man über diesem neuen Kriterium nicht aus dem Auge verliert, was bleibender Ausgangspunkt und der ganze Zweck der Geschichte ist. Das Thema bleibt Arbeit und Reichtum.

   — Noch mal zu vorher: Das gesteigerte Anspruchsniveau hinsichtlich der Kapitalproduktivität hat jetzt sowohl den Gewinn des Unternehmers als auch das G' des Kredits, der dem Unternehmen gegeben wurde, ins Recht zu setzen.

   — Sie müssen bei dem gesteigerten Anspruchsniveau noch etwas mitbedienen: Weil sie in Konkurrenz zu anderen Bewerbern stehen, müssen sie als mögliche Geldanlage nachweisen können, dass sie besser sind als andere, das ist Kreditwürdigkeit.

   — Darauf zielt der Satz, wenn er eingeleitet wird mit "den kapitalistischen Unternehmenszweck ändert dieser Streit in genau einem Sinn…", also qualitativ überhaupt nicht, aber hinsichtlich des Anspruchsniveaus schon.

   — Die Macht, die sich jetzt der Arbeit bemächtigt, hat keinen anderen Zweck als die Steigerung der Arbeitsproduktivität. Auf die Ausweitung der Machtmittel kommt es an, weil sie ihrem Eigentümer die Vermehrung des Kapitals verschaffen sollen. Insofern ist Zweck wie Anspruch der Erweiterung der Mittel der Kapitalproduktivität gesteigert. Dem produktiven Kapitalisten werden alle Mittel zur Steigerung verschafft, mit denen entsprechend größere Ansprüche an die Produktivität verbunden sind.

   — Das ist eine neue Qualität, wenn jetzt Großkapitale dadurch zustande kommen, dass ein Kapitalmarkt geschaffen wird und im großen Stil große Produktionsanlagen zustande kommen und mit einer ganz anderen Produktivkraft produziert werden kann.

   — Der ohnehin grenzenlose Anspruch der Kapitalproduktivität gegenüber kriegt also dadurch ein neues Anspruchsniveau, dass er sich neue Mittel verschafft. Der Anspruch wird potenziert, wenn die Arbeitsproduktivität nicht nur dafür haftbar gemacht wird, den Gewinn des Unternehmers für seinen Konkurrenzkampf zu steigern, sondern zugleich den Kredit, mit dem das bewerkstelligt wird, zu verwerten.

Die zwei Seiten kommen aufs Gleiche raus. Einerseits ist es der größere Anspruch, weil mehr Kapital sich verwerten will, nicht nur das Eigentum des produktiven Kapitalisten, sondern alles, was über das Kreditwesen dranhängt. Andererseits verfügt er dann über erheblich größere Mittel.

Das ist der erste Inhalt von Kreditwürdigkeit. So wird das Unternehmen betrachtet, und mit dem Kredit kriegt es auch seinen Zweck besser hin. Der Kredit versetzt es in die Lage, mit gesteigerten Ausbeutungserfolgen seinen Gewinn und fremden Zins zu erwirtschaften. Da ist eingeschlossen, dass der Zinsanspruch des Kreditgebers, von dem nicht abgerückt wird, nicht ruinös ist, sondern damit einhergeht, dass er die Partizipation am Erfolg des Unternehmens ist.

   — Insofern erweitert der Kredit die Mittel wie die Ansprüche an das produktive Unternehmen. In beiden Hinsichten entschränkt sich das Kapital. Es verschafft sich die Mittel, um höhere Ansprüche zu bedienen.

Ja, oder umgekehrt, es lässt sich auf diese neuen Ansprüche ein, um sich das Mittel zu verschaffen. Es stimmt Beides.

Es ist ein Zusammenschluss, der für beide Seiten einen Widerspruch produziert, und es ist von einem Gegensatz die Rede und dem Streit, den sie beständig führen. Wenn dies alles so widersprüchlich ist, wieso lassen sie sich dann auf diesen Zusammenschluss ihres Eigentums ein? Die Antwort lautet: So geben beide Seiten das zu Protokoll, was man einem Kommunisten nie glaubt: Der Witz am Eigentum ist seine Verwendung für die Ausbeutung der Arbeit. Darin besteht der Begriff des Eigentums, dass es tätig ist als Macht über die Arbeit. Dass das der ökonomische Inhalt von Eigentum ist, ist an der Stelle viel wichtiger als das, dass das Eigentum Eigentum von jemandem ist. Dieses Zweite kann glatt für einige Zeit und mit viel Bedenken hinter das Eigentum in seinem ökonomischen Gehalt zurücktreten.

Zu IV. , 2.

   — Es geht weiter um die Eigenart des Finanzgeschäfts. Unter a) heißt es, das Finanzkapital verleiht Geld und macht dies so zu Kapital. Rein aus dem Wechsel der Hände, dem Verleihen bekommt es die vertraglich zugesicherte Vermehrung.

   — Das Finanzkapital macht also Geld ganz getrennt von jedem materiellen Verwertungsprozess zu seiner Geldquelle. Dies dadurch, dass das sein Rechtsanspruch gegenüber dem produktiven Kapital ist, das das Geld in seinem Produktionskreislauf zur Anwendung bringt. Dass das auf der Seite der Unternehmenswelt ein lohnender Vorschuss in eine produktive Anlage ist, ist die Grundlage und der Bezug des Geldkapitals. Oder anders gesagt: Wenn unterstellt ist, dass der ganze Produktionsprozess der Kapitalverwertung unterworfen ist, alle Arbeit in der Gesellschaft dafür in Dienst genommen ist, dann liegt darin die Macht für das Finanzkapital, indem es eben über das Mittel für den Vorschuss verfügt, aus seinem G ganz getrennt von dieser Sphäre ein G’ zu machen.

   — Ich habe den Abschnitt anders verstanden. Bisher wurde gesagt: Weil die Produktiven das Geld vermehren, deswegen kann das Finanzkapital diese Potenz zu einer verselbstständigten Form machen. Hier wird jedoch der Bezug zu den Produktiven anders gemacht. Bei den Produktiven existiert ja auch schon die Bewegung G – G’; auch für die ist schon ihr Vorschuss der ganze fertige Grund dafür, dass darüber ein Überschuss entsteht, darauf bezieht sich das Finanzgewerbe und macht das zu einer verselbstständigten Form.

   — Hier geht es um die Kapitalpotenz. Bei dem Verhältnis des Eigentums zur Arbeit ist die Arbeit völlig unter das Eigentum subsumiert. Die Quelle der Vermehrung des Eigentums ist das Eigentum selbst; die Arbeit als gekaufte und angewendete Quelle ist unter das Eigentum subsumiert. Diese Potenz existiert im Kredit, im Finanzkapital als selbstständige Größe, für die der Zwischenschritt G – W – G’ nicht nötig ist. Das ist die Qualität dieses Kredits.

   — Hier wird doch gerade die Analogie aufgezeigt: Sowohl bei den Produktiven gibt es die Verselbstständigung, der Vorschuss geht in die Produktion, um hinterher einen Überschuss zu bekommen, als auch fürs Finanzkapital ist das Geld seine eigene Quelle.

Identität und Besonderheit soll man hier nicht gegeneinander halten.

   — Die Bank gibt doch aber ihr Eigentum gar nicht aus der Hand, wenn sie Geld verleiht. Sie hat es doch weiterhin in Form eines verbrieften Rechtsanspruchs. Dagegen gibt der Kapitalist sein Geld aus der Hand, indem er es in produktives Kapital verwandelt. Dann existiert sein Eigentum in dieser neuen Form.

   — Der Finanzkapitalist gibt das Eigentum an seinem Kapital nicht auf, spaltet es aber auf in ein Nutzungsrecht und ein Anrecht auf einen garantierten Erfolg. Er gibt den Gebrauchswert aus der Hand und behält das Eigentum, um hinterher an dem Gebrauchswert zu partizipieren.

Auf diese Weise wird das Geld des Finanzkapitalisten zu Kapital, dadurch erwirbt er sich einen Anspruch auf Vermehrung. Das ist das Neue. Was es beim produktiven Kapitalisten als Wirkung des ökonomischen Einsatzes gibt, ist hier als Rechtsanspruch einklagbar. Das macht das Geld, das er weggibt, dessen Eigentum er aber nie aufgibt, für ihn zu Kapital. Die Kapitalpotenz besteht in dem Rechtsanspruch, den er durch das Verleihen erwirbt. Das beruht seinerseits darauf, dass sich die ganze Kapitalistenwelt einig ist und, solange die anderen auf keine Alternative kommen, damit auch Recht haben, dass Geldvermehrung bloß eine Frage des Geldes ist. Es muss bloß angewandt werden, dann ist Geld die Quelle seiner Vermehrung. Man muss nur über genug verfügen und dieses ‚genug’ besorgt der Kreditgeber für den Kreditnehmer und macht so für sich das ausgegebene Geld seinerseits zu Kapital. Das eine ist die Grundlage und das andere die neue Sache.

   — Die Gültigkeit muss die Staatsgewalt garantieren. Denn wenn es mit dem Kredit nicht klappt, gib es Kollisionen zwischen Kreditgeber und -nehmer.

Der Staat ist hier an jeder Stelle unterstellt. Er sorgt dafür, dass das Recht gilt und bleibt.

   — An einer Stelle heißt es, das Verleihen beruht auf dem Recht des Vorrangs der Bedienung des Kredits. Das ist auch ökonomisch zu verstehen, so funktioniert der Kredit, er baut sich pauschal als Forderung gegenüber dem Kreditnehmer auf.

Der Vorrang ist nur die Konsequenz aus dem, dass es der Rechtsanspruch ist. Der gilt unabhängig von dem, was der Kreditnehmer mit dem Geld anstellen konnte. Der ökonomische Inhalt dieses Kreditverhältnisses ist der Rechtsanspruch auf Vermehrung. Dass dies durch den Staat gültig gemacht werden muss, ist hier unterstellt.

Nächstes Mal weiter mit der Fußnote 29 auf S. 79