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Den Feind kennen

Jour fixe vom 08.04.13 – Arbeit und Reichtum, III. 3. und Beginn IV.


Der letzte Absatz in III. 2. sagt, dass große Geldsummen über einen längeren Zeitraum durch die Investition für neue Maschinerie gebunden sind. Kaum eingeführt, entdecken Kapitalisten an diesen festliegenden Auslagen das Drangsal, das sie sich damit eingehandelt haben. Wie bei allen Drangsalen, die sich die Kapitalisten in ihrer Konkurrenz wechselseitig bereiten, machen sie die Arbeit dafür haftbar. Wie die dann aussieht, davon handelt der Abschnitt III. 3 (S. 67). Die Folgen für die, die auf Arbeit angewiesen sind, zeigen sich in beiden Hinsichten: sowohl, wenn sie Arbeit haben, als auch, wenn sie keine mehr haben.
   — Von Kapitalseite aus argumentiert sind alle Maßnahmen zur Rentabilitätssteigerung dazu da, einerseits die Kosten für Arbeit zu senken und andererseits deren Ergiebigkeit zu steigern. Dies heißt für die Seite der Arbeiter, sie müssen mehr Reichtum schaffen, von dem sie weniger haben. Ihre Arbeit wird produktiver, sie produzieren pro Stunde und Kopf mehr und das Ganze hat nur zum Ergebnis, dass die Lohnstückkosten geringer werden. Das ist das, was sie anteilsmäßig von dem, was sie produziert haben, bekommen.
Das ist die erste Folge dessen, was dabei herauskommt: Von dem, was die Arbeiter an Reichtum produzieren, sind sie, je produktiver gearbeitet wird, umso mehr ausgeschlossen. Das ist der Einstieg. Und die weitere Folge ist, dass überhaupt weniger Arbeiter gebraucht werden. Dadurch ergibt sich die absurde ökonomische Figur des Arbeitslosen.
   — Es ist dieser Gesellschaft immanent, dass mit dem technischen Fortschritt der lohnarbeitenden Klasse beständig ihr Lebensunterhalt bestritten wird. Daraus ergibt sich die Notwendigkeit, einen Gegendruck zu erzeugen, um angesichts des Produktivitätsfortschritts überhaupt den eigenen Lebensstandard zu halten oder an dem Fortschritt teilzuhaben.
   — Woher weiß man das an dieser Stelle, wenn es heißt: „Sie müssen Druck machen und außerdem vom Staat Recht bekommen ...“ (S. 68)? Dass sie vom Staat Recht bekommen müssen, ist eine Aussage über die Reichweite des Drucks, den sie selber zu entfalten vermögen. Ergibt sich dies aus dem, was bisher über die Rolle der Lohnarbeit gesagt worden ist?
   — Die Notwendigkeit des Arbeitskampfes wird permanent reproduziert durch diese Produktionsweise. Diese Sorte der Auflehnung ist jedoch der staatlichen Gewalt untergeordnet: Soweit dies für den Erhalt der Arbeits-, Dienstfähigkeit taugt, bekommen sie Recht – siehe die Verrechtung des Arbeitskampfes.
Man darf sich dies nicht zu schwer machen, indem man sich fragt, inwieweit es an dieser Stelle eine Notwendigkeit gibt und woher dies hergeleitet wird. Man weiß doch, inzwischen hat sich der Staat zu dem Punkt hinbewegt, dass z. B. Stress und Burnout als neue Volks- und Berufskrankheiten anerkannt sind und dass man sich darum kümmert. An dieser Stelle ist kein kompliziertes Verhältnis von ökonomischem Kampf und seiner rechtmäßigen Grundlage erklärt, sondern gesagt, dass es absurd ist, dass ausgerechnet als Folge dessen, dass der Reichtum immer leichter und schneller herzustellen geht, das Zurechtkommen für die, die ihn herstellen und sich zudem allem beugen, eine Frage erstens des Druckmachens ist, damit sie nicht völlig ausgespielt werden, und zweitens daran hängt, dass auch die allzuständige Aufsichtsbehörde – die einen anderen Zweck hat, als einfach nur Gutes zu tun – sich dessen annimmt und dem einen oder anderen Anliegen Recht gibt. An solchen negativen Zusatzbedingungen und Zusatzanstrengungen hängt es, dass sie überhaupt etwas bekommen, und dies ausgerechnet, weil der sachliche Reichtum immer einfacher zu haben ist.
Auf die Frage, woher man das weiß, muss geantwortet werden: „Weil es so ist!“ Man weiß, es werden immer weniger Arbeiter gebraucht, immer mehr freigesetzt und sie sind in einer immer schlechteren Lage gegenüber dem Kapital, etwas durchzusetzen. Andererseits weiß man aber auch, dass es einen geregelten Arbeitskampf gibt. Aus dem "Kapital" weiß man nebenbei noch, dass es eine ziemlich lange Zeit gedauert hat, bis sich der Staat auf den Standpunkt gestellt hat, dass es die Arbeiterklasse braucht und er sie dazu ermächtigen muss, sich ihre Rechte zu erkämpfen. An dieser Stelle sind wir mit der Existenz der Gewerkschaften konfrontiert, die legitimiert sind, diesen Kampf zu führen. Darauf wird hier angespielt. Es muss nicht in dem Sinn abgeleitet werden, dass der Staat eingreifen muss. Darum geht es hier nicht. Dass es diese beiden Seiten braucht: den Druck und die Anerkennung durch den Staat, wirft ein Licht auf die Gesellschaft: Die Arbeiter sind selber machtlos und wenn sie nicht den Staat haben, der ihnen einen begrenzten Kampf um ihre Interessen erlaubt, sehen sie sowieso alt aus.
   — Und die überflüssig gemachten Arbeitslosen stehen dafür, dass der ganze Reichtum ohne ihren Dienst zustande gebracht wird. Sie sind von der Reduzierung der erforderlichen anzuwendenden Arbeit vollständig betroffen. Sie sind damit ihrer Lohneinkommensquelle verlustig.
Und nicht nur das, sie müssen auch zur Kenntnis nehmen, dass das ein Mangel ist, den sie selber verantworten müssen. Arbeitslosigkeit ist eben keine schöne Sache, wie man als erstes denken könnte, sondern gleich damit verbunden, dass der Mensch ohne Arbeit zugleich einkommenslos ist. Das wird ihm aber selber zum Problem gemacht; er hat sich darum zu kümmern, aus diesem Status wieder herauszukommen. Er muss sich anbieten in einer Situation, in der er gerade gar nicht gefragt ist.
   — Arbeitslosigkeit kommt immer als Problem vor, das zu bewältigen ist. An dieser Stelle hier muss man aber sagen, Arbeitslosigkeit ist Resultat des Erfolgs des Kapitals.
Es ist das Doppelte: Einerseits ist es Resultat des Erfolgs des Kapitals und andererseits ist es gleich wieder eine nutzbar zu machende Bedingung für kapitaldienliche Lohndrückerei.
   — Noch eine Frage zur Gewerkschaft. Ende des letzten Absatzes auf S. 68f. heißt es, dass die Arbeitnehmervertretung den Druck durch das Arbeitslosenheer zum sachzwangmäßigen Grund nimmt, sich bei den Forderungen um den Lohn zurückzuhalten. Es ist aber doch nicht so, dass sie eigentlich etwas durchsetzen wollten, dafür aber die Bedingungen immer schlechter werden. Sie betätigen sich sozialverträglich und nehmen den Gewinn des Unternehmens als Ausgangspunkt, von dem man überhaupt fordern darf. Es kommt mir eher vor wie eine Entschuldigung, wenn die Gewerkschaft sagt, sie könne nicht anders kämpfen, weil die Arbeitgeber ständig Mittel haben, ihre Leute hinauszuwerfen und andere einzustellen.
   — Opel in Bochum war eines der letzten Beispiele, bei dem die Arbeitnehmervertretung mögliche Lohnerhöhungen gegen Sicherung des Arbeitsplatzes für ein oder zwei Jahre gegenrechnete. Mit dem Argument, dass irgendwelche 500 Arbeitplätze für zwei Jahre erhalten werden, ist sie bereit, bei ihrer Forderung nach Lohnerhöhung Abstriche zu machen.
   — Das Gewerkschafts-Argument akzeptiert das Kalkül des Kapitals, dass, wenn es sich nicht lohnt, die Firma dicht gemacht wird. Dann gehen sie auf dieses Kalkül ein und nicht, weil die Arbeitslosen als Druckmittel wirken.
Das ist kein Gegensatz. Es ist nicht so, dass die Gewerkschaft eigentlich auf Seiten der Arbeitgeber stünde und nur ein entschuldigendes Argument für ihr Handeln vorschiebt. Die geht davon aus: „Innerhalb dieser Marktwirtschaft müssen wir die Interessen der Arbeiter vertreten und dabei stehen wir eben vor dem Problem, dass Arbeitsplätze erhalten werden müssen, und das geht nur, wenn man auf die Forderungen der Arbeitgeber nach Lohnzurückhaltung eingeht.“ Sie wollen in dieser Situation konstruktiv dazu beitragen, dass die Interessen der Arbeiter gewahrt bleiben, und dafür ist immer die Voraussetzung, dass die Unternehmer auf ihre Kosten kommen.
   — Es wird doch einerseits gesagt, weil es immer mehr Arbeitslose gibt und diese Arbeitlosen unter den Zwang gestellt werden, sich als verfügbares Angebot herzurichten, kommen die Unternehmer in eine extra starke Position bezüglich der Auseinandersetzung um den Lohn. Das ist ein Argument über die Lage. Und zugleich wird hier gesagt, dass das die Gewerkschaft so sieht und diese Lage praktisch in ihre Art des Forderns aufnimmt, ist eine andere Sache. Ich verstehe es so, es wäre verkehrt, das Vorgehen der Gewerkschaft nur mit der Lage allein zu erklären. Es ist eine eigene Erwähnung wert, dass die Gewerkschaft sich diese schlechte Lage  zu Herzen nimmt und als Basis ihres Forderns anerkennt.   
Man will der Gewerkschaft nicht nachsagen, sie täte, was sie kann, und stieße dabei objektiv an Grenzen. Sie nimmt die Situation vorweg, akzeptiert sie als Anspruchsgrundlage. Auf der Basis kann und will sie für ihre Leute wirken.  
   — Die Gewerkschaft hat auch früher (sogar in den Wiederaufbaujahren, wo es möglich war, höhere Löhne zu fordern), also ohne das besondere Druckmittel Massenarbeitslosigkeit, nicht das Kapital mit Forderungen überstrapaziert, sondern deren Ertragsansprüche mit in ihre Tarifverhandlungen einbezogen.
   — Die sachliche Grundlage jetzt ist aber, dass die Abhängigen immer mehr und ihre Lage prekärer wird und die andere Seite kann sich aus dem Heer der Arbeitslosen bedienen. Dazu kommt ein Standpunkt der Arbeiternehmervertretung, das als die gegebene Lage der arbeitenden Klasse anzuerkennen und mit dem Standpunkt anzutreten: In der heutigen Lage muss man alles dafür tun, dass man der eigenen Mannschaft einen Arbeitsplatz beschafft.
Auf S. 117 wird das als diese extreme Anpassungsbereitschaft der postmodernen Arbeitnehmerschaft und -vertretung zusammengefasst, die nicht die Alternative der Gegnerschaft will, sondern den Standpunkt einnimmt, das Interesse des Kapitals und das der Arbeitnehmer ist versöhnbar. Da kann die Gewerkschaft im Aufschwung keine ungebührlichen Forderungen stellen, sonst geht er kaputt. Und in Zeiten der Arbeitslosigkeit kann sie erst recht nur niedrige Löhne fordern, weil es um Erhaltung von Arbeitsplätzen geht.
Diese moderne Arbeitervertretung nimmt alle Lagen des Kapitals als Ausgangslage für ihre Gewerkschaftspolitik. Wenn die jetzt Niedriglöhner und Leiharbeiter zu Massen einstellen, dann ist das die neue Lage, um die sie sich modern kümmert.
   — Die neuen Streitfragen drehen sich um die Definition von Arbeitsplätzen, ob die zum Lebensunterhalt taugen müssen oder nicht.
   — Das Moderne liegt in der Sichtweise der Gewerkschaft, gerade angesichts dessen, dass so viele Arbeiter freigesetzt werden, Arbeitsplätze zu einem hohen Gut zu erklären. Die Versöhnung liegt inzwischen darin, dass das Kapital überhaupt Arbeitsplätze anbietet. Das ist schon das Höchste, was man als Arbeitervertretung verlangen kann.  
   — Die Verlaufsform ist, dass die Gewerkschaft inzwischen in den Tarifauseinandersetzungen Lohn gegen eine angebliche Arbeitsplatzsicherung rechnet. Sie tritt so als Vertreterin für die immer weniger werdenden 'Normalarbeitsplatz'-Besitzer auf, für die Billiglöhner klagt sie beim Staat eine Regelung ein.
Die moderne Arbeitsvertretung – die schon immer ihre Lohnforderungen mit dem Gewinninteresse des Kapitals kompatibel machen wollte – kommt angesichts der steigenden Arbeitslosigkeit auf die Idee, Arbeitsplätze gegen Lohnprozente aufzurechnen. Im nächsten Abschnitt wird hergeleitet, wieso der Staat, der die Arbeiter zum Arbeitskampf ermächtigt hat, als Sozialstaat, der sich um die Arbeitslosen kümmert, darauf kommt, einen Billiglohnsektor zu erfinden. Der Billiglohnsektor ist keine Erfindung der Gewerkschaft, sondern die geht damit wieder um. Das ist die Reihenfolge.
   — Die Gewerkschaft tritt als Interessenvertretung der Lohnabhängigen an, macht diese Abhängigkeit zu ihrem Ausgangs- und Zentralpunkt. Darüber wird sie zum Vermittler. Eigene Interessen gehen nur durchzusetzen, wenn man auf die Gegenseite Rücksicht nimmt. Sie will die Arbeiter als Lohnabhängige erhalten und findet von daher lauter Rücksichtsargumente.
Im Artikel wird dazu erklärt, wie vom Standpunkt des Kapitals aus die Arbeit vorkommt; welche Gemeinheiten und Absurditäten die mit der Arbeit veranstalten, darin gesellschaftlich Recht haben. Da reicht es zu sagen, dass eine moderne Arbeitnehmervertretung an diesem Verhältnis nichts auszusetzen hat, sondern alles nachvollzieht. Dass die das nicht kritisiert, ist hier die Gewerkschaftskritik.
   — An dieser Stelle, wo es um Produktivitätssteigerung und deren Folgen für die Arbeit geht, ist sie die Instanz, die das gegen die Arbeiter als deren Nachteil durchsetzt. Die bestehende Lage will ja noch "eingesehen" und durchgesetzt werden. Da ist die Gewerkschaft unentbehrlich.
Die Arbeitslosen als Resultat der kapitalistischen Produktivitätssteigerung haben zur Konsequenz, dass wegen des "toten Gewichts" der Reservearmee der Lohn gedrückt wird. Die vom Staat ins Recht gesetzten Gewerkschaften machen dabei mit. Nur, es geht hier nicht um die Erklärung der Gewerkschaft, sondern allgemein um die Folgen für die Arbeit aus Punkt III.
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   — Wie passt die Leiharbeit zum Punkt Flexibilität? Die Leiharbeit ist eine Reservearmee in Bereitschaft ohne die Beschränkungen, die noch in einem rechtlichen Arbeitsverhältnis liegen. Festangestellten muss noch gekündigt werden, die Arbeitszeit ist nicht beliebig verlängerbar, es müssen alle Formen von Flexibilität immer erst durchgesetzt und angekündigt werden. Jetzt gibt es eine Form der Arbeiterklasse, die steht im ständigen Bereitschaftsdienst für jeglichen aktuellen Bedarf zur Verfügung, ohne dass das Kapital dafür eine weitergehende rechtliche Verpflichtung hätte.
   — Neben den Lohnarbeitern gibt es eine besondere Sorte von Leiharbeitern, deren Beruf Flexibilität ist. Sie müssen nach Ort, Zeit, Inhalt, nach allem hauptsächlich flexibel sein.
   — Es geht hier aber nicht darum, welche rechtlichen Formen das annimmt. 'Glücklich' noch irgendwie beschäftigte Lohnarbeiter sind mit den entsprechenden Ansprüchen der Kapitalseite konfrontiert, die sich in ihrem Arbeitsalltag gegen sie geltend machen. Da ist Flexibilität der Gesichtspunkt, dass die Arbeitskraft in jeder Hinsicht der Renditeverwertung des Kapitals zur Verfügung zu stehen hat und Gesichtspunkte, was sie von der Lohnarbeit hat, keine Rolle spielen.
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   — Der 1. Abschnitt auf S. 69 führt aus, dass der Staat zwei Gründe für seinen Standpunkt hat, dass das Lohnniveau in seiner Nation zu hoch ist: 1. Die Unkosten, die daraus entstehen, dass immer mehr Arbeitslose irgendeine Form von Sozialleistung bekommen, sind der Sache nach so organisiert, dass sie vom Lohn abgezogen werden, was aber der Staat als Belastung seines Sozialaushalts rechnet. 2. Will der Staat, dass möglichst viel Arbeit auf seinem Standort rentabel beschäftigt wird. Beides zusammen heißt, der Staat stellt sich auf den Standpunkt, dass die Existenz von immer mehr Arbeitslosen beweist, dass deren Anwendung nicht lohnt. Das trägt er dann an ihnen aus.
So wird er in einer eigenen Weise zum praktischen Fundamentalisten der kapitaldienlichen Zuschneidung der Arbeiterklasse. Das Kapital wendet die Arbeiter in dem Maße und zu den Löhnen an, die für es rentabel sind. Die von ihm nicht Gebrauchten sind ihm egal. Das Problem mit dem Arbeitslosenheer hat in der Gesellschaft nur der Staat, im genannten doppelten Sinn: Er verbucht sie als Kosten und als seine nicht angewendete Ressource. So kommt er auf den Standpunkt, dass er was an ihnen tun muss und sie entsprechend herrichten muss, wozu er auch die Macht hat. Er verwandelt das Resultat der Kapital-Kalkulationen zielstrebig in eine Eigenschaft der überflüssig Gemachten. In eine Eigenschaft, die ihre Anwendung verhindert, aber auf die er einwirken kann, eben dadurch, dass er als Staat über große Teile des Lohns verfügt.
   — So sorgt er dafür, dass das nationale Lohnniveau sinkt (explizites Beispiel Schröders Agenda 2010).
   — Die andere Seite ist, dass der Sozialstaat mit seinen Sozialkassen sich auf die negativen Wirkungen bezieht, wie reduziert auch immer. Aber sie sind ein Beitrag, dass die Leute die immer beschisseneren Bedingungen, unter die sie gestellt sind, aushalten, dass sie sich brauchbar halten können unter den Verhältnissen, unter die sie vom Kapital gesetzt sind.
   — Aber jetzt war doch das Argument: Über seinen Sozialstaat hat der Staat den Hebel, dem Kapital ein Angebot zu machen, indem er die Arbeitslosen selbst dafür haftbar macht, dem Kriterium des Kapitals nicht zu entsprechen, nicht rentabel genug zu sein, weshalb er sie als Billigangebot herrichtet.
Das vorher Gesagte ist der bleibende Ausgangspunkt, dass ein Arbeitslosenheer auf den Lohn drückt. Dieser Effekt geht überhaupt nur, wenn die, die ausgestellt werden, nicht gleich vor die Hunde gehen. Die Reservearmee zu unterhalten, ist die erste Leistung des Sozialstaats fürs Kapital. Heutzutage sagt der Staat, das ist eigentlich Sozialstaatsdenken von gestern; Durchfüttern ohne Gegenleistung. Und benutzt seinen Zugriff auf den Lohn, sein Regelungsinstrumentarium und all die von ihm geschaffenen sozialstaatlichen Rechtscharaktere dafür, um Leute, die eigentlich von Sozialleistungen leben, auch noch dem Kapital zur Verfügung zu stellen. Dann gibt es einerseits die Figur des Aufstockers, auf der anderen Seite Kombilöhner etc.
   — Dass es noch immer eine Frage des Sozialstaates ist – auch in Zeiten, in denen er die Leute mit seinem "Fordern und Fördern" zu jeder Billigarbeit erpresst –, ist klar. Dabei ist die verlangte 'Tauglichkeit' in Bezug auf die Verfassung der Arbeitslosen nicht mehr die gleiche wie vor 30 Jahren. Die müssen sich mehr gefallen lassen und sind aktuellen Anforderungen, die das Kapital aufstellt, subsumiert. Auch im Billiglohnsektor und mit Minijobs, die auf neue Art und Weise ruinierend sind.
Um die Arbeitslosen als Reservearmee zu haben, gibt es die staatliche Arbeitslosenhilfe, inzwischen Hartz IV. Da geht es darum, Leute, die außer Brot gesetzt sind, als potentielle Arbeitskräfte in Schuss zu halten. Dass das ein festes Maß ist, wird von keinem behauptet. Daran arbeitet er ja dauernd. Dann kommt das nächste Argument: Das sind Kosten und für die macht er die Arbeitslosen selbst verantwortlich und verfügt, dass die sich als Billiglohnkräfte selbst versorgen. Und wo es nicht geht – das ist das Argument des Aufstockers –, hilft er, dass sie in ihrem Billiglohn noch als tauglich erhalten werden, macht wieder neue Regeln, wie das Leben auch unter härteren Bedingungen noch auszuhalten ist.
Inzwischen ist ein Charakteristikum des neuen Sozialstaats, dass er sozialstaatlich offiziell absegnet, dass im Prinzip Arbeitengehen und davon leben können überhaupt keine notwendige Verknüpfung mehr sein muss. Wo es früher hieß, im Prinzip gilt: wer arbeitet, hat damit irgendwie zurechtzukommen und das funktioniert auch so; er füttert dann die durch, die ausgestellt sind oder zwischendurch nicht können. Diese Grenze oder Unterscheidung – das sind die neueren Fortschritte – hat er offiziell außer Verkehr gezogen und damit im Prinzip für alle neu definiert, wovon man überhaupt zu leben hat.
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   — Wie ist das gemeint, dass die Arbeiter ihre eigene Leistungsfähigkeit nicht als Aufwand taxieren, sondern als belastbares Erwerbsmittel. (S. 70f.)? Sie nehmen einen Standpunkt zu ihrer eigenen Arbeitskraft ein, sich selbst schon als Ressource des Kapitals zu beurteilen?
   — Dass er es als selbstverständlich ansieht, sich anzupassen, herzurichten, alle verlangten Arbeiten zu erledigen – das tut er für sich, damit er seinen Job hat. Wie ein Selbstständiger, der für sich von morgens bis abends arbeitet, so geht auch der normale Arbeitnehmer mit sich um, wenn er allen Anforderungen gerecht werden will, weil er ihnen gerecht werden muss.
Diese Stellung der Leute zu sich ist unstrittig. Hier in diesem Kapitel wird aber doch gerade die Absurdität betont, die Gesellschaft kann mit immer weniger Aufwand immer mehr Reichtum schaffen. Das kommt aber nicht denen, die ihn schaffen, zugute. Die sind im Gegenteil erstens immer mehr vom Reichtum ausgeschlossen und zweitens wird ihnen immer mehr aufgehalst. Sie müssen für die Produktivität des Kapitals bei immer weniger Arbeitseinsatz dafür sorgen, dass sie flexibler sich den Anforderungen des Kapitals unterstellen. Dazu wird gesagt, dass sie selbst nicht mehr die Stellung dazu haben, dass das ein Aufwand ist, den sie treiben, sondern betrachten das von der anderen Seite her als etwas, was sie leisten können. Sie kommen umso mehr auf sich als das möglichst zu optimierende Mittel für den Erwerb zurück, je weniger sich das System der Arbeit als taugliches Mittel für sie erweist.
   — Der Aufwand ist fürs Kapital nur die aufgewendete Lohnzahlung. Aber auch die Arbeiter selbst betrachten ihre Arbeit nicht als Aufwand, sondern als einzusetzendes Mittel. Das, worum es sonst beim Arbeiten geht – Steht der Aufwand in einem vernünftigen Verhältnis zum Ertrag? –, ist hier keine Frage. Hier geht es um den Ertrag als Geldertrag und überall kürzt sich der Aufwand an Arbeit raus – der es aber bleibt. So ist die beiderseitige Rücksichtslosigkeit gegenüber dem Aufwand das Resultat.
   — Der Gedankengang im Artikel ist doch so: Das Kapital selbst – das wird dann ausgeführt – praktiziert einen Umgang mit der Arbeit, der den Tatbestand der Verachtung erfüllt. Die Diskussion darüber, dass diese Behandlung des Kapitals bei den Betroffenen auf Anpassungsfähigkeit stößt, schließt sich daran erst an. Die Stelle mit der Verachtung ist erst zu klären, weil ansonsten klingt das, dass die Arbeiter sich gegen ihre eigne Arbeitskraft nicht als Aufwand, sondern belastbares eigenes Erwerbsmittel stellen, nur wie eine absonderliche Einstellung.
   — Das ist doch mehr eine Zusammenfassung von dem vorher Besprochenen: In jeder Hinsicht verachtet das Kapital seine eigene Quelle, die Arbeit, reduziert sie zum strapazierfähigen Kostenfaktor und entledigt sich mit der Technik seiner Kosten, usw. Für die, die Arbeit leisten müssen, ist es eine desaströse ökonomische Lage. Jetzt geht es darum, welchen Standpunkt haben sie dazu, auf was stößt das Kapital, wenn es die Arbeiterklasse so behandelt? Es stößt auf Anpassungsbereitschaft, weil die Leute trotz dieser Absurdität, dass sich ihre Einkommensquelle als für sie total untauglich erweist, daran festhalten: es ist ihr Lebensmittel und es hängt daran, sich als dieses passive Abhängigkeitsanhängsel dafür herzurichten.
Dass sie dazu keine Alternative haben, ergibt ihren Standpunkt: Lohnarbeit ist meine ökonomische Quelle. Das halten sie gegen das, dass dieses Lebensmittel für sie in jeder Hinsicht untauglich ist. Und mit dem Standpunkt sind sie wunderbar tauglich für die andere Seite, weil die Herstellung ihrer Anpassungsfähigkeit und Dienstbereitschaft das Mittel des Kapitals ist. Es trifft auf eine lohnarbeitende Klasse, die alles andere im Sinn hat als das aufzukündigen, sondern bereitsteht, jeder Zeit auf jeden Arbeitsplatz zu schauen und sich darum zu kümmern. Das ist der Wahnsinn, auf den dieses Kapitel den Blick wirft.
   — Innerhalb dieses Standpunkts machen die Arbeiter gegen sich selbst ihre eigene Vernutzung zu einem: Das ist mein Mittel. Diese verrückte Stellung: Meine Vernutzung dient mir (wenn sie denn gebraucht wird). Die Bereitschaft dazu und die tätige Dienstbarkeit nach all den Maßstäben und Kriterien der Gegenseite, die mich Gesundheit, Lebensenergie und -zeit kosten, soll mein Mittel sein. So krieg ich meine Position und Stellung in der Gesellschaft.
Nur ist das Argument der Vernutzung etwas heikel, weil die Arbeiter nicht den Standpunkt haben, dass sie ihre Arbeitskraft zur Verfügung stellen und vernutzen, sondern den: Was muss ich tun, damit ich über ein taugliches Erwerbsmittel verfüge? Ich muss mich fit halten! Damit ich arbeiten kann und nicht: damit ich vernutzt werde. Die sagen, es kommt darauf an, dass ich mich bereithalte und die Anforderungen der Arbeitswelt durchstehe. Die andere Seite, die sie dabei vernutzt, ist ausgeblendet.
Es wurde schon gesagt, das sind die beiden komplementären Seiten: Wie das Kapital sich auf die Arbeit bezieht, dieser verächtliche Umgang, dem entspricht die Stellung der Arbeiter zu sich selbst; ist ihr Schluss aus dem Zwang.
Im nächsten Abschnitt ist im Anschluss an die Stellung der Arbeiter zu sich selbst zusammenfassend klargestellt, dass sie nichts in der Hand haben, sondern nur das Mittel des Kapitals sind, das völlige Freiheit hat, sie zu benutzen. Die Fähigkeit zur Benutzung ist mit dem, was das Kapital an Mitteln hat, gegeben. Dabei ist das, was es an Mitteln hat, gar nicht nur das Resultat dessen, was jeweils im Betrieb erarbeitet worden ist, sondern weit mehr. Das ist der Fortgang zum nächsten Punkt.
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IV. Arbeiten unter dem Kreditsystem: Immer mehr, immer rentabler, bis nichts mehr geht.
   — Im ersten Absatz sind die Umkehrungen schwer nachvollziehbar. Einerseits ist der Kredit ein Mittel für den Gewinn; weil er eine allgemeine Konkurrenzbedingung ist, ist die Größe von Bedeutung. Jetzt die Umkehrungen: also ist nicht mehr der Gewinn der Zweck, sondern die Kreditwürdigkeit und gleich im folgenden: also ist es zum Zweck geworden, an Kredit zu kommen.
   — Der erste Übergang ist: der Kredit ist ein Mittel und er ist notwendige Geschäftsbedingung. Er ist ein Mittel, weil er den Kapitalisten von den Schranken seines eigenen Vermögens befreit, dieser kann also fremdes Geldvermögen zur Effektivierung der Arbeit einsetzen. Insofern der Kredit das von allen Kapitalisten benutzte Mittel zur Freisetzung von ihren beschränkten Geldmitteln ist, ist er auch notwendige Geschäftsbedingung.
Erstmal ist der Kredit das Mittel, sich von den Schranken des eigenen Verdienstes frei zu machen. Wenn das aber allen zur Verfügung steht, wird es zur Notwendigkeit, dass man einen Kredit nimmt, also sein Kapital mit geliehenem Geld vergrößert. Das ist die erste Umkehrung. Und zweitens: Damit man das kann, muss man kreditwürdig sein, d.h., das Geschäft muss der Beurteilung durch die Bank standhalten.
Man darf also die Verschiebung von Kredit zu Kreditwürdigkeit nicht aus den Augen verlieren: Kredit ist das Mittel zur Entschränkung des eigenen Vermögens für den Zweck, den man als Kapitalist verfolgt. Und er ist dann nicht nur eine Option, die einem einen Vorsprung sichert, sondern, da allgemein benützt, wird er zur Bedingung sine qua non – ohne die es nicht geht. Es wird ja später ausgeführt, dass man ihn noch lange nicht einfach bekommt, bloß weil man ihn dringend braucht, sondern dass das von der Geschäftstätigkeit des eigenständig kalkulierenden Finanzkapitals abhängt, weswegen man an sich herstellen muss, dessen Kriterien zu genügen. Darauf sind die geschäftlichen Bemühungen der Kredit nehmenden Kapitalistenwelt gerichtet und insofern ist es der Zweck.
Es ist sinnvoller, bei dem Abschnitt 0 anzufangen und dann auf den dick gedruckten Einleitungsartikel zurückzukommen, weil dort sehr komprimiert steht, was in den nächsten Abschnitten erst entwickelt werden soll.
Es wird in diesem Abschnitt daran erinnert, dass es durchgesetzte Ansichten und Urteile über den Zusammenhang zwischen Finanzkapital und Realwirtschaft gibt (der Zusammenhang selbst ist noch nicht geklärt.), und zwar in Form von beliebig zitierbaren Wirkungsketten zwischen Realwirtschaft und Börse und vice versa, womit man dann auch schon zufrieden ist. Zum Beispiel die ‚Telebörse’: Wenn bei einschlägigen Ereignissen (Entlassungen, oder eine Regierung schafft es, eine Rentenkürzung durchzusetzen, was der Kreditausfallversicherung für die Verschuldung eines Staates zugute kommt) der Dax steigt, ist der Kommentar: Das mag paradox oder auch zynisch klingen, aber so funktioniert nun mal diese verrückte Welt der Börse. Der einzige Zusammenhang ist einer dieser blinden Wirkungen (wobei ‚Realwirtschaft’ so bekannter- wie fälschlicherweise als die Sphäre gefasst ist, die für Arbeitsplätze sorgt), so dass man eigentlich darauf stoßen könnte, dass es da in Zweck und Mittel einen Zusammenhang zwischen diesen beiden Sphären geben muss.
   — In 1. geht es drum, dass die Unternehmer den Kredit brauchen 1. für den Umschlag, für die kontinuierliche Produktion, 2. für Investitionen und Rationalisierungen; um auf einen größeren Umsatz zu spekulieren. Der Kredit befähigt sie, in der Konkurrenz zu bestehen und die Schranken ihres Vermögens zu ignorieren.
   — Es fehlt noch, dass, so wie das Eigentum mehr Reichtum bewerkstelligen will, es sich selbst eine Schranke ist; es ist zu klein, da hilft es nicht, dass es wächst. Es liegt fest und kann nicht für weiteres Wachstum eingesetzt werden. Und so geht es allen in der Konkurrenz.
Damit ist die Absurdität der Zwangslagen, über die der Kredit hinweghilft, angesprochen – in Formulierungen wie ‚die Kontinuität aufrechterhalten’ klingt so etwas wie ‚kontinuierliche Versorgung’ an und das ist ein Problem, das ein Kapitalist garantiert nicht hat.
   — Dass der Reichtum, über den der Unternehmer verfügt, unabhängig von seiner Größe und davon, dass er wächst, den Tatbestand erfüllt, per se zu klein zu sein – nämlich für das, wofür er da zu sein hat – ist die Bestimmung im ersten Absatz. Also nicht: bei manchen ist er genug, bei manchen zu klein.
Für den Kapitalisten ist es gleich schon wieder die Beschränkung des eigenen Zwecks, dass man Geld in Rohstoffe, Maschinerie und Arbeiter verauslagt hat, die sich an ihnen zu schaffen machen: das Kapital liegt gewissermaßen zweckwidrig fest.
   — Aus dem Zweck, wofür investiert wird – nämlich um die Kosten der Arbeit zu senken (s. Punkt III) – ergibt sich, dass immer weiter steigende Investitionen dafür nötig sind, der Aufwand also auf jeden Fall größer ist als das, was sich vom Ertrag abzweigen lässt.
Wie das Kapital seine Vermehrung betreibt, heißt, dass das, was es erwirtschaftet, immer zu klein ist, um das ‚mehr’ innerhalb der Konkurrenz zustande zu bringen. Das ist nicht einfach ‚Geldgier’, sondern es sind eben die Notwendigkeiten, die bei der Geldvermehrung anfallen und die es mit sich bringen, dass das Kapital immer über zu wenig Geld verfügt, um die Geldvermehrung gegen die Konkurrenz weiter zu betreiben.
   — Der Reichtum, über den es verfügt, ist also immer zu gering im Verhältnis zu der optimalen Konkurrenzbedingung, die man haben will?
Es genügt zu sagen: für das Bestehen in der Konkurrenz – also ohne ‚optimal’. Klar kann das, was ein Kapitalist einnimmt, auch mal ausreichend sein, dann trägt er es zur Bank und vermehrt es da. Aber prinzipiell stößt er immer über die Konkurrenz an die Schranken seines Eigentums: Wenn er eine neue Maschine anschaffen will, er aber das Geld aus dem Einsatz der alten Maschinerie noch nicht eingenommen hat, kann er sich keine neue leisten und fällt deshalb in der Konkurrenz zurück. Von daher reicht es prinzipiell nie, weil der Zweck immer ist, neue Maschinerie einzusetzen – u. a. der moralische Verschleiß sorgt dafür, dass neue Maschinerie (oder zumindest Verbesserungen an der alten) laufend notwendig ist. Und selbst wenn er über die Rückflüsse aus dem Produzieren mit der alten Maschinerie verfügt, können die nicht der Maßstab dafür sein, ob er sich neue kauft, sondern das, was die Konkurrenz erfolgreich unternimmt. In der Auseinandersetzung mit ihr stößt er immer wieder an die Schranken dessen, was er selbst erwirtschaftet hat.
Einsatz neuer Maschinerie ist nicht der einzige Fall, bei dem die Kreditaufnahme über die Schranken hinweghilft. Auch zwecks Erschließung neuer Märkte, oder wenn er eine Flaute aushalten muss oder die Rohstoffe teurer geworden sind, muss der Unternehmer Geld einsetzen, das er nicht aus dem normalen Kapitalkreislauf herausholt.
   —  Zum 1. Spiegelstrich: Wenn mit Zahlungsversprechen gekauft wird, dann heißt das ökonomisch, dass sich der Warenproduzent die Zeit für den Verkauf der Ware spart. Er verfügt also schon über den noch nicht realisierten Warenwert, kann den neu investieren; über den durch die Bank vermittelten Kredit des Käufers ist das Kapital wieder verfügbar.
Statt ‚neu investieren’ ist es genauer, zu sagen: die er wieder für seinen Produktionsprozess zur Verfügung hat, zu dem auch immer wieder mal zusätzliche Investitionen gehören.
Im 2. Spiegelstrich geht es um die weitere Verwendung des Kredits durch den Kapitalisten: Steigerung der Produktivkraft der Arbeit, Eröffnung neuer Geschäftszweige oder das Wechseln der Sphäre je nach den Verwertungsmöglichkeiten des Kapitals.
   — Da macht sich das Kapital also überhaupt frei vom aktuellen Geschäftsgang, verpfändet sozusagen zukünftige Geschäftserlöse dafür, dass es jetzt die Freiheit hat, sich unabhängig vom normalen Geschäftsgang zu betätigen. Die Freiheit hat aber ihren Preis und begründet ein Verhältnis zum Geldgeber.
   — Dem schuldet das Unternehmen einen Zins, der erstmal Abzug von seinem Ertrag ist und den es auf jeden Fall entrichten muss: egal, ob das Geschäft erfolgreich war oder nicht, die Zahlung des Zinses hat rechtlichen Vorrang.
   — Die Freiheit, die sie über diese zuschüssigen Mittel bekommen, stellt sich also als eine notwendige Bedingung für die  Kapitalisten heraus in ihrer Konkurrenz um die zahlungsfähige Nachfrage; und sie schlägt auch um in Notwendigkeit im Verhältnis zu der Geschäftsstelle, die ihnen diese Freiheit verschafft: Das Setzen auf zukünftige Erlöse macht Kreditaufnahme und -bezahlung bei der Bank zur permanenten Notwendigkeit.
   — Was vorher noch gefehlt hat, als die Konkurrenz das Thema war: In ihrer Konkurrenz zueinander nötigen sich die Kapitalisten gegenseitig ihr ureigenes  Interesse – das der „beschleunigten Bereicherung“ – auf. Es ist der ausschließliche Zweck des Kapitals, sich zu verwerten und es hat seinem Inhalt nach keine quantitative Schranke für sich. Diesen Zweck nötigen sie sich wechselseitig auf; das ist der Inhalt der Konkurrenz, die sie gegeneinander betreiben.
   — Aber das sind doch zwei Seiten des Gleichen: Das eine ist das eigene Interesse, das ihm andererseits in der Konkurrenz als Notwendigkeit gegenübersteht.
Und ihm auch ein Maß dafür setzt, was es heißt, dies Interesse zu verfolgen und auch verfolgen zu können (s. nächster Absatz). Die Freiheit ist keine, auf die man verzichten könnte, weil sie einen Preis hat, sondern es ist notwendig, dass man sich in die Lage versetzt, diesen Preis zahlen zu können.
Ihr Interesse ist das Bereichern und dies schlägt ihnen als Zwang der Konkurrenz zurück, weil jeder dieses Interesse verfolgt. Es wäre nicht richtig zu sagen, dass die Konkurrenz ihnen ihr Interesse aufherrscht.