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Den Feind kennen

Jour fixe vom 04.03.13 – Arbeit und Reichtum, Nachtrag zu II Schluss und Anfang III, 1

Es sind zwei Einwände zum Protokoll vom letzten Mal eingegangen. Am Punkt über die Lohnfindung ist die Bemerkung moniert worden: "Das ist die praktische Erpressung, die darin liegt, und die (Lohnhöhe) ist natürlich überhaupt nichts Objektives, sondern damit wird festgesetzt, woran er (der Lohnempfänger) sich bewähren muss." (Zur anderen Nachfrage später) Das bezieht sich auf die Textstelle im Punkt II, 2: "Was als Preis der Arbeit deklariert und bezahlt wird, ist … seinem Bestimmungsgrund und seiner Höhe nach ein Streitobjekt zwischen gesellschaftlichen Parteien mit entgegengesetzten Geldinteressen, also eine Machtfrage." (S. 34) Dass es eine Machtfrage ist, ist im Protokoll mit 'nichts Objektives' zusammengefasst. Die Nachfrage heißt: "Was meint hier 'praktisch', 'nichts Objektives' und 'wird festgesetzt'?"

   — Es gibt die volkswirtschaftliche Vorstellung, dass sich der Lohn u. a. aus dem Produktivitätszuwachs, der Inflationsrate und dem Qualifikationsniveau der Beschäftigten zusammenzusetzen habe. So ist doch auch die Ausführung: 'nichts Objektives' als die Gegendarstellung zu dieser falschen Auffassung zu verstehen. Es ist eine Frage des Kräfteverhältnisses zwischen Arbeitgebern und -nehmern, und diese angeblich objektiven Größen sind eher Rechtfertigungen von Seiten des Kapitals, für die jeweiligen Arbeitskräfte so und soviel zahlen zu wollen und - je nach Angebot auch - müssen.

   — Anscheinend besteht hier Unklarheit über die Form des Lohns als Leistungslohn. Dazu wird der Lohn benannt als Mittel des Arbeiters, der ihn bekommt. Das heißt, es ist an ihm, die Leistung zu erbringen, die verlangt wird, damit er einen bestimmten Lohn bekommt.

Die Ideologie ist, die Arbeit wird bezahlt. Dazu kommen die Argumente. Wenn das Resultat der Arbeit bezahlt würde, dann wäre es witzlos fürs Kapital. Dass die Arbeit bezahlt wird, ist nur die Erscheinungsform. Es bezahlt etwas anderes und das hat objektiv gar keinen Bezug zur erbrachten Leistung.

   — Der Kapitalist zahlt die Verfügung über die Arbeitskraft. Das heißt, der Arbeiter bekommt einen Lohn, der ist Inhalt des Tarifvertrages. Dafür hat er die Leistung zu erbringen. Dazu steht hier: es ist nichts Objektives. Es wird auch immer wieder im Betrieb neu festgesetzt, was er für diesen Lohn zu tun hat.

Vor allem gibt es keinen Bezug zum Geld, das er dafür bekommt. Wie viel Geld er für den Verkauf seiner Arbeitskraft bekommt, das wird eben tarifvertraglich festgelegt, ist eine ganz eigene Geschichte und hängt nur von den Verhandlungen der Arbeitnehmerschaft mit den Unternehmern ab.

Das Argument trägt nur nicht sehr weit. Weil der Tarifstreit von der Gewerkschaft aus so begründet wird, dass in dem Streit die passende, gerechte Lohnhöhe ermittelt wird. Da muss man genauer sagen, was bezahlt wird. Als Stichwort ist schon angesprochen worden: Verfügung über Arbeitskraft. Dazu wurde gesagt: Das hat keine Entsprechung auf Seiten des Eingekauften. Warum kann das keine haben?

   — Das Kapital zahlt den Lohn nur dann, wenn ein Plus rauskommt, anders rechnet es sich nicht. Also kann es keine Entsprechung sein. Das Kapital kauft die Arbeit für eine Zeit ein, in der es die freie Verfügung darüber hat. Die Arbeit ist nach seiner Maßgabe zu verrichten.

   — Diese Verfügungsmacht ist eine Abstraktion nach beiden Seiten: Nach der gerade gesagten ist eine Bestimmung, was konkret von dem Arbeiter verlangt wird an Leistung, gar nicht enthalten. Und nach der Seite der geldmäßigen Entsprechung im Lohn ist auch keinerlei Bezug auf das, was er braucht.

Die Potenz der Arbeit, dass sie überhaupt loslegen kann, liegt beim Kapital. Alles, was die Arbeit braucht, was sie ausmacht, ist keine Potenz dessen, der arbeitet. Insofern tritt dem Kapital nichts gegenüber, woran man irgendeine Eigenschaft finden könnte, die für sich einen Preis-Bestimmungsgrund ablieferte. Sondern das, was die Arbeit dann ist, ist vollständig definiert durch den Produktionsprozess, den der Kapitalist kommandiert. Weil dieser und damit die Arbeit selbst das eingekaufte Eigentum des Anwenders ist.

   — Wenn gesagt wird, die Arbeit wird bezahlt, wird damit eine qualitative wie quantitative Identität behauptet. Marx sagt, Arbeit hat keinen Wert, sie produziert einen. Es ergäbe auch eine Tautologie, 10 Stunden Arbeit wären 10 Stunden Arbeit wert. Aber da Arbeit Wert schafft und nicht Wert hat, ist allemal eine quantitative Differenz unterstellt. Sonst würde sie nicht gekauft.

Ja, das sind die (richtigen) Argumente von Marx zur Arbeitswertlehre. Im Artikel hier wird aber gerade ohne Rückgriff auf die Kapitalkategorien argumentiert.

   — Wenn gesagt wird, die Arbeit würde bezahlt, liegt die behauptete Entsprechung doch darin, dass man sagt, eine Stunde Arbeit kostet 10 Euro. So wird die Arbeit ins Verhältnis zur Zeit und zu einem Geldbetrag gesetzt.

   —  Wenn man jemand fragt, wieso für die Arbeit soviel bezahlt wird, dann kommt: Das entspricht der Leistung dieser Arbeit. Das ist das Praktische, auf was man stößt.

Warum entspricht es denn der Leistung? Dann kommt die Tautologie: deswegen weil sie mit 10 Euro entgolten wird.

   — Aber real entwirft die Gewerkschaft ganze Bücher über die Leistungskriterien.

Da ist die Reihenfolge umgekehrt. Das fertige System unterstellt, lässt sich zu den Kriterien sagen, soviel kommt dabei raus. Aber welche Faktoren welchem Geldbetrag zugeordnet sind, ist völlig willkürlich.

Wenn man es so einrichtet, dann entsprechen eben die Kriterien einer bestimmten Lohnhöhe. Nur: es gibt keinen inneren Zusammenhang zwischen ihnen. Das wäre der Ausgangspunkt. Dass das eine praktische Bedeutung hat und zur Bestimmung und Senkung des Lohns genommen wird, ist unbestritten.

   — Der Fortgang im Artikel heißt: Die herrschende Auffassung ist, es gäbe ein Entsprechungsverhältnis zwischen Leistung und Bezahlung. Die mögen sich auch in Manteltarifverträgen darum streiten, wie viel ein Armheben, multipliziert mit Ausbildung und Verantwortung, wert ist. Egal. Ermittelt wird der Lohn über eine Gewaltfrage. Die Ermittlung der Lohnhöhe richtet sich von den Kapitalisten her allemal danach, wie viele Arbeiter sie für welche Verrichtung brauchen, kriegen und das wird entsprechend tarifvertraglich ausgehandelt. Da steht dann drin, dass Steine klopfen und tragen wenig wert ist (was nicht aus dem Kalorienverbrauch ermittelt wird).

Es geht um die praktische Durchsetzung der Festlegung der Lohnhöhe bei der Auseinandersetzung zwischen Gewerkschaft und Kapital. Ausgehend von einer Lohnhöhe, die bezahlt werden muss, damit der Kapitalist an die benötigte Arbeitskraft rankommt, werden dafür dann Kriterien entwickelt, die den Schein enthalten und die praktische Bedeutung haben, die Lohnhöhen für verschiedene Arbeiten zu differenzieren.

   — Worauf begründet sich eigentlich der Schein, dass alle Welt daran glaubt, dass die Leistung bezahlt wird?

Da war hier das Argument: Das liegt an der Form des Vertrags: Der Arbeiter wird für seine Arbeit bezahlt. Dabei ist das Unding, er gibt nicht das geldwerte Produkt seiner Arbeit ab, sondern verkauft seine Arbeitskraft oder die Verfügung über die Arbeit. Damit ist seine ganze Betätigung quasi das Eigentum des Kapitalisten.

Was ist das eigentlich, was bezahlt wird? Inwiefern kann man davon reden, dass der Lohn ein Kommandomittel ist, obwohl er in der Bilanz des Kapitals neben anderen Ausgaben (für Gebäude, Maschinen usw.) aufgelistet ist? Die Eigenart dieser Bezahlung hatten wir schon am Ende von Pkt. I: Eigentum ist die Zuschreibung des Produkts zu seinem Produzenten. Dieses Eigentumsgesetz existiert nur so, dass Arbeit nicht einfach Eigentum schafft, sondern – notwendigerweise – eine für fremdes Eigentum ist, weil der, der arbeiten muss, um Eigentum zu bekommen, gar nicht arbeiten kann, weil er über nichts verfügt, was seine Fähigkeit, Willen und Bereitschaft zu arbeiten in die praktische Tätigkeit überführt. Also liegt das Arbeitenkönnen ganz bei denen, die arbeiten lassen. Arbeit ist dann der Bestandteil neben der Maschine innerhalb des Produktionsprozesses. Aber: Wie kann man Arbeit abtreten? Das ist doch das, was man selber leistet mit Willen und Bewusstsein! Was aber abtrennbar ist, ist das Verfügungsrecht über die Arbeit, das Entscheidungsrecht darüber, was, wie lange, wofür gearbeitet wird. Die Zahlung dafür ist das Mittel, das Kommando über die Arbeitenden auszuüben. Dann ist Arbeiten selbst – dieses bewusste Sich-zu-schaffen-Machen an den Naturgegenständen – ein Beherrschungsverhältnis; und ausgerechnet die, die arbeiten, sind von den Anforderungen beherrscht, die ihnen sachlich gegenübertreten. Es kann also kein Entsprechungsverhältnis auf deren Seite geben, weil ihnen gerade das abgekauft wird. Das liegt an der Art der Zahlung, nämlich als Preis der Arbeit pro Zeit oder Stück. Diese praktische Verfremdung ist nicht nur eine üble Verfremdung und Anlass für allerlei theoretische Irrtümer, sondern auch praktisch notwendig für das, was der Zweck der Aktion ist. Jetzt kann man über die Lohnform reden.

Die Lohnformen haben immer zweierlei Bedeutung: Einerseits die ideologische Rechtfertigung dessen, dass damit auch die Leistung gerecht bezahlt wird. Andererseits die praktische Bedeutung, überhaupt dieses Verhältnis festzulegen und damit auch die Erpressung des Arbeiters, der diese Leistung erbringen soll, durchzusetzen.

Das Kapital kauft sich die freie Verfügung über die Arbeit ein. Dann leistet der Lohn, dass die Arbeit die absolut flexible Masse ist, die je nach Betriebsnotwendigkeit in jede Pore des Produktionsprozesses gedrückt wird. Dass die Arbeit das Anhängsel der Produktion ist – das mit sich machen zu lassen –, darauf hat man den Willen der Leute per Zahlung für Arbeit verpflichtet. Dem genügen zu sollen, dass sie das in Anspruch genommene Anhängsel sind, wird so zu deren Wollen (die Notwendigkeit ist es sowieso); einschließlich aller Sonderanforderungen wie Überstunden, Nachtschicht etc. Eine sehr passende, notwendige und produktive Verfremdung der Wirklichkeit.

Die Kalkulation des Kapitals ist, dass das vorgeschossene Eigentum sich vermehren soll. Dieser Kalkulation ist die Arbeit subsumiert und zwar so vollständig, dass sie für den Kapitalisten nur noch unter Maßgabe der Kalkulationen vorkommt, für die er die Arbeit anwendet. Nämlich gar nicht als der Aufwand, den die Leute betreiben müssen, sondern der geldmäßige Aufwand, den er dafür aufbringt, sich die Arbeit verfügbar zu machen. Dann sieht das Ausgestalten des Produktionsprozesses, das Anwenden der Arbeit, so aus, dass die konkrete, produktive Anwendung der Arbeit dem zu genügen hat, worunter man die Arbeit subsumiert hat. Nämlich unter die Kostenkalkulation, in der sie nur noch als Zahlungsposten auftaucht. Der Produktionsprozess hat das zu leisten, dass die Anwendung der Arbeit den geldmäßigen Aufwand für ihre Flüssigmachung rechtfertigt.

Darin, dass die Arbeit in der kapitalistischen Kalkulation als dieser Kostenpunkt vorkommt, ist zugleich der qualitative ökonomische Unterschied zu allen anderen Aufwendungen des Kapitalisten durchgestrichen. Davon, dass die Arbeit überhaupt nichts anderes machen kann, als das, was man ihr anschafft, geht das Kapital so sachgerecht aus, dass es glatt sich selbst mit seiner Zahlung als Grund des Überschusses behauptet. Weil die Arbeit so total unter den kapitalistischen Zweck subsumiert ist, für gar nichts anderes da, und nützlich und produktiv für diesen Zweck ist, genau deswegen verschwindet sie glatt als Quelle von dem, worauf der ganze Zweck geht. Und als Quelle des Überschusses erscheint dann nicht die Arbeit, sondern das aufgewendete Kapital.

Das ist der Übergang zum letzten Punkt von II, 2: Weil das Kapital sich als die Quelle seiner Vermehrung behandelt, weil jede bestimmte Form der ausbeuterischen Anwendung von Arbeit wie eine beliebige Form der rentablen Anwendung von Kapital erscheint, hat sich der verlangte Überschuss auch nicht an dem zu messen, wie viel oder wenig Arbeit er mit dem Lohn flüssig gemacht hat, sondern wie viel man mit einem Kapital der gegebenen Größe an einer beliebigen anderen Stelle der Gesellschaft, an einer beliebigen anderen Produktion auch an Überschuss machen könnte. Insofern ist die marktgängige Rendite (Durchschnittsprofit bei Marx), die man mit einem Kapital gegebener Größe erzielen kann, das, was die Arbeit zu erbringen hat. Das ist das Erfolgsmaß für das Kapital.

Im Protokoll hieß es: "Dabei geht es nicht darum, überhaupt Überschuss zu erzielen, sondern das Kapital vergleicht sich mit anderen, misst sich an dem, was die verdienen. So sind sie nicht mit überhaupt einem Überschuss zufrieden, sondern verlangt ist eine angemessene Rendite, die unabhängig vom einzelnen Unternehmen am Gesamtkapital gemessen ist: Durchschnittsprofit muss sein." Dagegen ist der Einwand: "Was heißt hier angemessene Rendite: ein Profit, der dem Kapital gerecht wird? Dies ist eine moralische Kategorie." Zum Durchschnittsprofit sagt er genauer: "Der ist das Resultat der Konkurrenz um Extraprofit und zufrieden sind die Kapitalisten nie, sie schmälern sich wechselseitig ihren Gewinn, der Durchschnittsprofit ist nicht die Absicht."

   — Den Kapitalisten geht es natürlich nicht darum, auf dem Markt den Durchschnittsprofit zu erreichen, aber indem sie um möglichst viel kämpfen, sie wegen der Konkurrenz nie mit etwas Profit zufrieden sein dürfen, ist das Ergebnis ein Durchschnittsprofit.

Damit ist aber die Argumentationsebene verlassen: Der Durchschnittsprofit ist eine Kategorie von Marx, der erklärt, wie sich die Profitraten ausgleichen: Jeder Kapitalist versucht einen Extraprofit zu machen, darüber stellt sich der Durchschnittsprofit her. Das ist hier nicht das Thema.

Der Ausgangspunkt hier ist, der Kapitalist will einen Gewinn erzielen und damit eine angemessene Rendite erwirtschaften. Das ist keine moralische Kategorie, sondern der Zweck des Kapitals. Er will möglichst viel Gewinn machen und vergleicht sich dabei mit seinen Konkurrenten, wie viel die machen. Über seine Kosten hinaus einen 'angemessenen' Gewinn zu erwirtschaften macht er dadurch, dass er die Arbeit entsprechend einsetzt. Ob das dann zu dem vorgestellten Ergebnis führt, erfährt er erst am Markt.

Der Witz ist hier der Vergleich von Kosten und Ertrag. Angemessen heißt, verglichen mit dem, was andere für ihre aufgewandten Kosten an Ertrag erwirtschaften. Und das stellt sich erst heraus. Der Kapitalist kann die Leute noch so rannehmen, ob er damit erfolgreich ist, hängt davon ab, ob er sich damit am Markt gegen die andern durchsetzen kann. Insofern erfährt er auch vom Markt die Notwendigkeit, wie er mit seiner angewandten Arbeit umgehen muss, damit die geforderte Rendite rauskommt. Das ist die umgekehrte Seite.

An der Stelle ist es der Abschluss der Argumentation. Die Überschrift (II, 2: "bedingte Wertschätzung und anspruchsvolle Inbetriebnahme") enthält das zweischneidige Verhältnis zur Arbeit. Einerseits wird als Quelle auf sie gnadenlos zugegriffen; praktisch behandelt wird sie andererseits nur unter Kostengesichtspunkten (unter der Voraussetzung, dass sie sowieso für alles tauglich ist, was man von ihr will). Deshalb kann das Kapital sich (als Ganzes) als Quelle des Ertrages setzen, nimmt sich als Maß für wirtschaftlichen Erfolg.

So widersprüchlich mit der Arbeit umzugehen, dass man ausgerechnet die Quelle immer als Kost betrachtet, ist schon in Fußnote 11 angesprochen. Jetzt ist sie das Mittel dafür, ein Eigentum zu erreichen, das gemessen am eingesetzten Kapital einen angemessenen Überschuss erbringt. Nur dazu muss der Unternehmer erst auf die Zahlungsfähigkeit der anderen zugreifen. Das liegt nicht nur an ihm. Das liegt auch nicht nur daran, wie er mit der Arbeit umgegangen ist, sondern daran, wie es seine Konkurrenten gehandhabt haben. Darauf stößt er jetzt. Damit, dass die Arbeit ganz kostengünstig ein Produkt hergestellt hat, ist es eben nicht rum; das Spannende beginnt mit dem Verkauf.

Jetzt ist man in III.

Vorher kommen die anderen Kapitale als Vergleichsmaßstab vor und nicht als Konkurrenten. Der Übergang auf III ist: dass er zehnmal kalkulieren kann, was die anderen erwirtschaften und wie er das bei sich erzielt: dabei kommen sie sich glatt noch in die Quere. Jetzt muss die Arbeit nicht nur dafür herhalten, dass sie rentabel produziert, sondern dass das Produzierte das Mittel dafür ist, gegen die anderen die Zahlungsfähigkeit der Gesellschaft auf sich zu ziehen. Das ist der Übergang.

   — Die Überschrift von III.1 heißt: Die Gesellschaft lebt vom und für den kapitalistischen Konkurrenzkampf. Vom ihm zu leben heißt, die Gesellschaft lebt von den Ergebnissen, die dieser Kampf um die Durchsetzung auf dem Markt liefert. Alles, was hergestellt wird, wie und in welcher Qualität es hergestellt wird, ist Ergebnis dieses Kampfes. Darüber – also über die Tätigkeiten gegeneinander arbeitender Privateigentümer – regelt sich die Versorgung der Gesellschaft. Von diesen lebt sie. Sie lebt andererseits für den kapitalistischen Konkurrenzkampf, weil der das allgemeingültige Interesse ist.

   — Die Gesellschaft lebt nicht nur von den Produkten dieses Gegeneinanders, sondern v. a. auch vom Geld, also von allem, was dabei rauskommt.

Den zweiten Teil der Überschrift sollte man noch genauer erklären.

   — Die ganze Gesellschaft ist dem kapitalistischen Konkurrenzkampf um den Zweck, das Geld, das es in ihm zu verdienen gibt, subsumiert. Die Ökonomie ist eine abhängige Variable dieses kapitalistischen Konkurrenzkampfs um ihre Zahlungsfähigkeit. Nur so kommt die Ökonomie dieser Gesellschaft vor, als zahlungskräftige Nachfrage, die dazu dient, kapitalistischen Unternehmern ihre Rendite zu versilbern.

Im ersten Absatz geht es um die Heuchelei, die diese Veranstaltung beständig begleitet: Die Indienstnahme der Gesellschaft für den kapitalistischen Zweck wird immer dargestellt als eine, der man zwangsweise ausgeliefert ist. Vorstellig machen sich da unternehmerische Zwecke als welche, die ohnmächtig dem Wettbewerb ausgeliefert sind. Als ob sie nicht selbst den Zweck hätten, diesen Wettbewerb für sich zu entscheiden. Als ob das nicht ihr Interesse ist, das sich in der Gesellschaft geltend macht, und sie versuchen, die Zahlungsfähigkeit der Gesellschaft für ihren Zweck in Beschlag zu nehmen.

   — Wenn die Ökonomie der Gesellschaft von diesem Zweck beherrscht ist, macht der sich gegen alle Teilnehmer als dieser Sachzwang geltend. Die andere Seite vom Zwang der Konkurrenz ist die Allgemeingültigkeit dieses Interesses, es sind beides Seiten derselben Medaille. Es lässt auch einen Schluss zu auf die Art und Weise, wie in dieser Gesellschaft produziert wird, wenn sich alle auf die Konkurrenz berufen, in der man sich bewähren muss, sonst geht man unter. Das, was sie als Reichtum produzieren, ist nichts, was sich wechselseitig addiert, sondern taugt dazu, dem anderen die Anteile am Markt streitig zu machen.

Von diesen Gegensätzen beim Kampf um die Zahlungsfähigkeit der Gesellschaft, die man auf sich ziehen will, ist im nächsten Abschnitt die Rede. Dazu kommen noch mehr (S. 42f.)

   — Die Konkurrenz um die Zahlungsfähigkeit ist nicht auf eine Branche beschränkt, sondern alle Kapitalisten konkurrieren untereinander um die Zahlungsfähigkeit, denn jede Ware misst sich in Geld. Da vergleichen sich nicht nur Autohersteller untereinander, es ist eine Branchen übergreifende, allgemeine Konkurrenz.

   — Wenn in einer Branche gut verdient wird, drängen die anderen da rein, und machen somit den Produzenten dort den überdurchschnittlichen Profit wieder zunichte.

Um wieder auf die erste Hälfte der Überschrift zu kommen: Aus der Konkurrenz darum, wo man am meisten Profit machen kann, ergibt sich dann auch, was in dieser Gesellschaft produziert wird, was lohnend ist für die Herstellung an Produkten.

   — Was für Bedürfnisse rauskommen, orientiert sich an der Produktion für den Profit. Dass die Bedürfnisse als gesellschaftliche Zahlungsfähigkeit Mittel für den Profit sind. Entsprechend stürzen sie sich auf die Bereiche, wo die Produktion für den Profit am lohnendsten ist.

Da hat man die Zahlungsfähigkeit allgemein. Jetzt wird im nächsten Abschnitt noch gesagt, wie sich die zur Verfügung stehende Zahlungsfähigkeit in dieser Gesellschaft bestimmt.

   — Die Kaufkraft ist selbst vom Kapital bestimmt. Für den Großteil der Mannschaft in Form von Lohnzahlungen, die selber eine abhängige Variable der Konkurrenz sind. Dabei bleibt der Lohn mit seiner Zahlungsfähigkeit beständig hinter dem zurück, was an gesellschaftlichem Reichtum produziert wird. Der Staat, der als Käufer auftritt, aber nichts herstellt, mindert die gesellschaftliche Zahlungsfähigkeit zunächst einmal, weil er die zu verdienen Einkommen besteuert.

   — Da ist doch entscheidend, ob ich Wert drauf lege zu betonen: Den Arbeitern fehlt die Zahlungsfähigkeit, oder ob ich sage: Die Zahlungsfähigkeit, aus der sich das Kapital bedient, hat einen Faktor: Damit das Kapital erfolgreich ist, entspricht es seiner Methode, diese Zahlungsfähigkeit zu vermindern. Nicht nur, dass die Zahlungsfähigkeit dadurch zustande kommt, dass sie in ihrer Konkurrenz sich diese wechselseitig streitig machen. Sondern die Art und Weise, wie sie sich die streitig machen, hat einen Unterpunkt in der kleinen Zirkulation, so dass die Zahlungsfähigkeit als v eine ist, die permanent sinkt.

Es gibt ein eigenartiges Doppelverhältnis wie Kapitalisten mit der gesellschaftlichen Zahlungsfähigkeit zu tun haben: 1. Konkurrieren alle um die Zahlungsfähigkeit, da kann sie nie genug sein, alle beziehen sich so darauf, als ob es die Zahlungsfähigkeit nur für sie gibt. 2. Es sind ausschließlich die Kapitalisten selber, die sie stiften. Aber als Stifter der Zahlungsfähigkeit handeln sie konträr zu ihrer Eigenschaft als Nutznießer, da sind sie knauserig. Das macht sich v. a. beim Lohn geltend. Aber auch beim Kauf der Produktionsmittel bei ihren Lieferanten und Klassenbrüdern agieren sie 'kostenbewusst'. Das ist der Widerspruch: Es ist ein beständiger Kampf um die Zahlungsfähigkeit und zugleich ist die Konkurrenz darum die Quelle, aus der sich überhaupt alles speist. Die Konkurrenz ist das Regulativ sowohl für das, was überhaupt sachlich an Bedürfnissen erfüllt wird, wie für das, was sich wo in der Gesellschaft an Zahlungsfähigkeit sammelt.

Da ist man beim Lohn. Einerseits ist das, was an Lohnzahlungen geleistet wird, eben das, was das Kapital dafür hergibt. Da ist klar, dass es darauf achtet, dass die aufgebrachten Kosten lohnend für einen möglichst großen Ertrag sein sollen. Also ist das, was darüber an Zahlungsfähigkeit gestiftet wird, bei den Lohnarbeitern auf jedem Fall immer wenig, v. a. in Relation zu dem, was überhaupt an verfügbarem Reichtum gestiftet wird.

Fest steht jedenfalls, dass das Verhältnis zwischen dem, was für den Lohn zur Verfügung steht, und dem, was an Kapitaleinkommen zur Verfügung steht, möglichst so ausfallen soll, dass für die 2. Hälfte, die sich dann aufteilt in Investitionen und Luxus, mehr da ist.

   — Aber das Argument ist doch hier, dass das auch im Prinzip nie reicht. Weil die generelle Beschränkung der Kaufkraft das Werk der Kapitalisten ist, für die alle Aufwendungen Kosten sind. Gleichzeitig wollen sie von der Gesellschaft einen Überschuss versilbert haben. Das ist doch das generelle Missverhältnis, weshalb die gesellschaftliche Zahlungsfähigkeit für den Bedarf des Kapitals immer zu niedrig ist. (Dass der Lohn eine Sonderrolle spielt, ist klar.) Dieser Gedanke, dass das der Widerspruch der beschränkten Kaufkraft ist, stand im alten Artikel explizit drin. In der Neufassung wird stattdessen darauf eingegangen, wie sich die gesellschaftliche Zahlungsfähigkeit auf die drei verschiedenen Faktoren, Arbeitskraft, Konsumtions- und Investitionsfond der Unternehmen und Staat aufspaltet. Im Endeffekt werden doch alle diese Töpfe vom Kapital gespeist.

   — Es ist mehr gesagt als dass die Zahlungsfähigkeit ein beschränkter Topf ist; es wird Wert darauf gelegt zu sagen, diese Ökonomie findet als ein Gegeneinander aller Interessen, die sich darin betätigen, statt. Unter dem Gesichtspunkt kommen alle Akteure vor.

Wenn das Geschäft aller Kapitalisten darauf beruht, dass sie der Gesellschaft mehr Zahlungsfähigkeit entziehen als sie in sie einspeisen, dann hat man darin – in dieser systematischen Beschränkung – den Motor der Konkurrenz; und das ist etwas anderes als ‚immer zu wenig’. Dieser dauernde Interessensgegensatz hat jetzt einen Namen, nämlich ‚Zahlungsfähigkeit’. Und da ist der Standpunkt des Kapitalisten gerade nicht, es sei zu wenig Zahlungsfähigkeit vorhanden – sein Schluss ist, dass er möglichst viel davon auf sich ziehen muss und das Mittel dafür ist, dass er möglichst wenig davon in der Hand der Lohnarbeiter stiftet.

Kein Kapitalist hat das Problem, dass er bedenklich auf die mangelnde gesellschaftliche Zahlungsfähigkeit schaut, sondern er hat die Stellung: Es gibt nur eine Schranke und das sind die Konkurrenten – sein Problem ist also, dass ein anderer die Zahlungsfähigkeit abgreift oder andersherum: wie viel Zahlungsfähigkeit er bei sich monopolisieren kann, hängt daran, ob und in welchem Maße er den/die anderen aus dem Feld schlagen kann. Dabei stellt er sich praktisch auf den Standpunkt, dass die gesellschaftliche Zahlungsfähigkeit ein riesiger Pool sei, auf den man zugreifen könne und es hänge nur an seinen Anstrengungen, ob das gelingt oder nicht.

Dabei kommt die Zahlungsfähigkeit, zu der die Kapitalisten sich als Faktum stellen, durch ihre Tätigkeit überhaupt erst zustande, und dieser Widerspruch macht sich geltend. Nirgendwo hat man mal seine Nische gefunden, weshalb „jeder erzielte Erfolg der Ausgangspunkt für die nächste Runde in diesem Konkurrenzkampf“ ist (S.41), aber man merkt: von seinem Standpunkt aus ist das Kapital da nicht auf eine absolute Schranke gestoßen, sondern eben auf eine Welt voller ‚Mitbewerber’.

Für jeden Kapitalisten wird es umso lohnender, je weniger er sich als Beiträger für und je mehr er sich als Abgreifer der gesellschaftlichen Zahlungsfähigkeit betätigen kann. Und diese Verrücktheit ist das Regulativ all dessen, was hierzulande hergestellt wird und was wer konsumieren und investieren kann und wer worüber in welchem Maße überhaupt verfügen kann – das ist der famose gesellschaftliche Zusammenhang, den sie stiften. Dass sich das dann auch noch als Widerspruch an ihrem Zweck geltend macht, wird später abgehandelt.

Die Bestimmung ‚zu wenig’ (gesellschaftliche Zahlungsfähigkeit, der sich die Kapitalisten gegenübersehen täten) ist schräg, weil da eine Vorstellung unterstellt ist, was man bräuchte und dafür sei es zu wenig.

   — ‚Zu wenig’ bezieht sich doch auf den Satz: “Was die Masse der Endverbraucher ausgeben kann, wird durch Lohnzahlungen gestiftet und unterliegt damit dem Sachgesetz, dass dieser Teil der gesellschaftlichen Zahlungsfähigkeit beständig hinter dem Wachstum des kapitalistischen Eigentums zurückbleibt, das die Unternehmen aus der entlohnten Arbeit herausholen und zu Geld machen wollen.“ (S.43) Also das, was das Kapital an Zahlungsfähigkeit stiftet, reicht nicht aus für das, was es an Reichtumsansprüchen in die Welt setzt und was es versilbert haben will – das ‚zu wenig’ ist also gemeint als Urteil über diesen objektiven Widerspruch.

   — Noch einmal zum alten Artikel (GS 4/96 und 1/97) - da steht dieser Widerspruch explizit drin: „Die konkurrierenden Warenproduzenten stellen immer größere Ansprüche auf das Geld der Gesellschaft, völlig unabhängig davon, was sie an Einkommen stiften und andere verdienen lassen“.

Der neue Artikel ist so eingeteilt: Er hält sich an den Standpunkt der Akteure und führt aus, was das für eine irrationale und gegensätzliche Angelegenheit ist, was als unsichtbare Hand des Marktes gefeiert wird – dieser unendlich komplizierte Zusammenhang, den sich keiner ausdenken kann, den aber die Marktwirtschaft ganz von alleine schafft. Nicht nur der Produktionsprozess in dem Gegensatz zwischen Arbeit und Eigentum, sondern auch, in welche absurden Verhältnisse sich das Eigentum mit sich selbst begibt, also die Eigentümer untereinander, weil ihr Zweck aufgeht im Zugriff auf Zahlungsfähigkeit, die sie sich wechselseitig streitig machen. Weiter geht es darum, bei wem, unter welchen Gesichtspunkten und wofür sie die Zahlungsfähigkeit stiften, auf die sich alle Akteure eben als gegeben beziehen. Dann wird auf S.45 oben das aus dem alten Artikel Zitierte aufgegriffen: „Dieses grundsätzlich schrankenlose Bedürfnis nach Absatz stößt, insgesamt gesehen, an die Grenzen der Geldsumme, die die Kundschaft hat und sich für ihre verschiedenartigen Bedürfnisse einteilen muss.“

Auf der einen Seite reduzieren die Kapitalisten die Zahlungsfähigkeit der Lohnarbeiter wegen ihrer Kostenkalkulation. Diese Kostenersparnis passiert auf der anderen Seite zu dem Zweck, den Gewinn so hoch wie möglich zu treiben – das Resultat ist ein Steigen der Zahlungsfähigkeit auf der Seite der Unternehmen. Das sind zwei Seiten derselben Maßnahme. Hier geht es darum: Wodurch ist die Zahlungsfähigkeit bestimmt? Wie bestimmen die Kapitalisten sie und nach welchen Kriterien wird darüber entschieden, wo wie viel Zahlungsfähigkeit sitzt?

   — Der Punkt fängt an mit: Die Kapitalisten berufen sich auf die Sachzwänge der Konkurrenz und dann wird ausgeführt, dass das, worauf sie sich beziehen und woran sie sich abarbeiten, Konkurrenz ist, in der sich ausschließlich gegensätzliche Interessen betätigen; der Gegensatz besteht nicht nur darin, dass sie um die Zahlungsfähigkeit konkurrieren, sondern wie diese zustande kommt, ist auch ein einziger Gegensatz: Auf der einen Seite will man sie benutzen, auf der anderen (Kosten-)Seite ist sie immer zu hoch. Konkurrenz ist also viel mehr als: in der muss man sich bewähren und hat da jede Menge Schwierigkeiten, sondern wo es um die Produktion zwecks Gelderwerb geht, gibt es die Konkurrenz mit dem Resultat, dass die ganze materielle Reproduktion der Gesellschaft von den Kalkulationen, mit denen die gegensätzlichen Interessen verfolgt werden, absolut abhängig ist.

Das ist also einerseits von denen verrückt, theoretisch sowieso und praktisch auch, aber es ist eben nicht so, dass dem Kapital sein eigenes Werk als Sachzwang gegenübertritt und damit ist es rum. Sondern der Skandal ist, dass sich die gesamte materielle Reproduktion der Gesellschaft als blindes Resultat der Notwendigkeiten einstellt (oder auch nicht), die das Kapital produziert. Es beruft sich auf die Sachzwänge als Rechtfertigung dafür, dass es völlig in Ordnung geht, dass die ganze Gesellschaft von seinen Kalkulationen abhängt.

 

   — Der Übergang zu 2.(S.45): Die Unternehmen, die um eine möglichst hohe Rendite konkurrieren, sind mit den Wirkungen dieser Konkurrenz um die Zahlungsfähigkeit der Gesellschaft konfrontiert: es gibt einen Marktpreis als dem Resultat ihrer bisherigen Konkurrenz, mit dem sich ihr jeweiliger Kostpreis vergleicht; die Differenz zum Marktpreis macht den Gewinn aus, der umso höher ist, je niedriger sein Kostpreis war und vice versa. Der Ort, um sich auf dem Markt einen Vorteil zu verschaffen, ist das eigene Unternehmen, wo der Kapitalist die Kommandomacht über die Arbeit hat, sie also so anwenden kann, dass es ihm gelingt, den Produktionspreis für die zu verkaufende Ware zu senken. Die Senkung der Stückkosten schmälert unmittelbar den Gewinn, er muss also über die Masse der verkauften Waren seinen Gewinn einfahren. Der abgesenkte Kostpreis wird auf dem Markt zur neuen verbindlichen Bezugsgröße.

   — Es geht weiter unter der Fragestellung (S.46), wie der Kostpreis gesenkt wird: Generell alles, was als Kost aufgewendet wird, wird überprüft und zu senken versucht, z. B. über erpresserische Preisvorgaben der größeren Konzerne an ihre Zulieferer. Der wichtigste Kostenposten und deshalb der entscheidende Faktor für das Kapital beim Kostensenken ist der Geldaufwand für Arbeit, weil er zwei wesentliche Angriffsflächen bietet: Die erste ist, dass die absolute Lohnhöhe gesenkt wird, und zwar über die Schaffung neuer Lohngruppen bzw. das geschickte Eingruppieren der Leute in die diversen Lohngruppen; über Verhandlungen mit den Gewerkschaften werden absolute Lohnsenkungen ausgehandelt. Womit klar ist, dass die Hierarchie der Lohngruppen ein Instrument der Lohnsenkung ist.  

   — Die Produktivität eines Unternehmens lässt sich also einfach darüber steigern, dass die dort angewendete Arbeit schlechter bezahlt wird – das bedeutet eine Steigerung der Kapitalrendite: Kapital wird allein schon darüber produktiver, dass es die, die arbeiten, billiger macht.

   — Wenn unterstellt ist, dass die Lohnhöhe eine Machtfrage ist, dann wird deutlich, dass man es mit einer Arbeitervertretung zu tun hat, die sich sehr schnell die vom Kapital aufgemachte Notwendigkeit der Lohnsenkung einleuchten lässt.

Und zwar, weil sie sagt: Gewinn muss sein; damit lassen sie sich auf die Kalkulationen des Kapitals ein – natürlich unter dem Motto: nur dann gibt’s überhaupt Löhne und damit Kaufkraft ...

Die zweite Möglichkeit, am Geldaufwand für Arbeit zu drehen, geht über die Einführung von neuer Technik und Maschinerie: Arbeitsabläufe und -inhalte werden neu definiert und bieten weiteres Material für Neueingruppierungen und -bestimmungen des Preises der Arbeit. Das wird im nächsten Punkt abgehandelt.