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Den Feind kennen

 

Jour fixe vom 04.02.13 -Arbeit und Reichtum' (GS 3-12), II, 2

 

Arbeit und Reichtum, II. 2, Schluss

Im Absatz vorher war vom ideologischen Nährwert dessen die Rede, dass der Lohn bezahlt wird pro Arbeitszeit oder -menge, jetzt (S. 36, o.) geht es damit weiter, was er praktisch leistet.

— Eine Frage zu den Ideologien über den Wert der Arbeit: Hier wird die Ideologie ausgeführt, die Arbeit wäre ein gerechter Anteil an dem Wert, den sie schafft. Ich kenne das anders, nämlich als gäbe es getrennt davon einen Wert, zum einen durch Ausbildung, Verantwortung, zum andern durch Kriterien der Art der Benutzung im Betrieb, Anstrengung, Gefahren usw. Das wird aufsummiert und in Punkte umgesetzt und soll dann einen objektiven Wert ergeben. Nicht vom Preis des Produkts her, sondern als (wertbestimmende) Qualität der Arbeit an sich.

Das ist im hier Erwähnten mit enthalten, als Entlohnung für den sich betätigenden Faktor Arbeit; der Beitrag, den die Arbeit zum Unternehmenserfolg beiträgt. Daher kommt die Auseinandersetzung darum, ist der Lohn gerecht, wenn (z.B.) anstrengende Arbeit nur so und soviel bewertet wird? Solche Diskussionen bauen sich auf die jetzt zu behandelnden Lohnformen auf.

— Sie sind auch ein Mittel, weniger zu bezahlen, wenn jemand diese Leistungen und Kriterien nicht erfüllt. Das ist in den Lohntafeln aufgebaut.

Erstmal ist das die Art der Lohnfindung. Die geht so, dass man unterscheidet, wie viel Verantwortung hat der Mensch, wie viel Dreck muss er aushalten. Das ist keine Ideologie, sondern der Streit der Gewerkschaft, wie (unterschiedlich) setzt sich der Lohn zusammen, und so was ergibt die Hierarchie der Lohnarbeit.

Dass diese Kriterien ein Mittel der Lohndrückerei sind, ist eine Konsequenz. Hier ist erstmal gesagt, die praktische Bedeutung besteht 1. darin, dass die Arbeit entgolten ist, es ein Tauschverhältnis ist, in welchem beide Seiten das bekommen, was ihnen zusteht. 2. in der Form der Lohnzahlung wird dem Lohnempfänger ein Angebot gemacht (das ist das neue Argument): Er hat es in der Hand, über die Höhe seines Lohn zu entscheiden, indem er sich entsprechend betätigt. Hier steckt im Lohn nicht nur, dass der Arbeiter freiwillig arbeiten geht – es ist ein Vertragsverhältnis, das auch die Freiwilligkeit, das Geforderte zu machen, erzwingt. Hier wird ihm über die Lohnform der Anreiz geboten, darüber mit zu entscheiden, wie viel er kriegt. Die praktische Bedeutung ist, dass der Lohnempfänger den Eindruck hat: der Lohn ist auch sein Mittel. Das ist die praktische Erpressung, die darin liegt und die ist natürlich überhaupt nichts Objektives, sondern damit wird festgesetzt, woran er sich bewähren muss. Darüber kommt wieder der Streit auf: Ist das gerecht aufgeteilt; gibt es nicht noch andere Gesichtspunkte, nach denen man die bezahlte Leistung bewerten müsste, usw.?

Der Aufwand ist abgehakt, jetzt kommt der Ertrag.

— Beim Ertrag gibt es zwei Sachen. Zum einen ist gearbeitet worden, zum anderen ist damit aber überhaupt nicht entschieden, was auf der anderen Seite als Ertrag steht. Das Hergestellte will erst noch verkauft werden. Inwieweit und zu welchem Preis das verkauft wird, liegt gar nicht im Bereich der Produktion, sondern daran, ob es überhaupt am Markt eine zahlungsfähige Nachfrage danach gibt. Die 2. Abteilung vom Ertrag ist, dass das, was dann auf dem Markt als Preis erzielt wird, ins Verhältnis gesetzt wird zu dem, was als Aufwand verbucht ist. Der Ertrag ist überhaupt nur dann ein wirklicher, wenn er sich bezüglich des eingesetzten Kapitals als Gewinn ausweist.

Zum Einen ist hier erst einmal davon die Rede: Der Ertrag der Arbeit ist überhaupt nicht das Produkt, sondern das Geld, das sich damit erzielen lässt. Genau dafür ist gearbeitet worden. Der Aufwand, der an Arbeit getrieben worden ist, zählt sowieso nicht als der, den die Arbeiter hatten, sondern als Aufwand, den der Kapitalist geldmäßig hatte, die Arbeit anzueignen. Zum Zweiten ist dann das Kriterium, ob dieser Aufwand produktiv war, rein in dem Verhältnis zum geldmäßig gemessenen, als Geld auch vorliegenden Ertrag der Arbeit. (S. 103, 1. Abs.)

— Aber mit dem Abschluss der Arbeit ist dieser Ertrag nicht einfach gegeben. Dieser Ertrag liegt erst mal als Rechengröße, als Preis, den der Kapitalist für seine Ware verlangt, vor.

Hier geht es darum, dass der Ertrag, der sich erstmal auf den Aufwand bezieht, der ist, der in Geld rauskommt. Der nächste Abschnitt geht darum, woran sich die Rendite eigentlich misst. Die bezieht sich auf den Ertrag bezogen auf das Gesamtkapital, nicht einfach auf den Lohn. Die Arbeit muss für den Gesamtaufwand, den der Kapitalist leistet, gerade stehen und einen Ertrag bringen. Aber damit nicht genug; der Witz ist nicht, dass es sich innerhalb eines kapitalistischen Betriebs so rechnet, dass die Arbeit einen rechnerischen Überschuss erbringt. Das muss sich auf den Markt bewähren.

Die Arbeit wird dem subsumiert, sie kommt in der Rechnung so vor, dass der Kapitalist einen Geldaufwand leistet, um sich die Arbeit verfügbar zu machen. Das weist auf den Widerspruch (FN 12) hin, dass einerseits die Arbeit als Geldaufwand vorkommt, dieser Aufwand aber zugleich die Quelle dafür ist, einen den Aufwand überschießenden Ertrag zu erzielen. Dann rangiert aber der Geldaufwand, den der Kapitalist hat, in dieser Rechnung als der Grund und die Quelle des gemachten Gewinns. Das ist die Widerspruch, dass einerseits – insofern die bezahlte Arbeit Quelle des Gewinns ist – es von ihr gar nicht genug geben kann, aber andererseits, insofern die Bezahlung Abzug vom Gewinn innerhalb dieses Verhältnisses ist, ist Sparsamkeit geboten.

Dabei geht es nicht darum, überhaupt Gewinn, Überschuss zu erzielen, sondern das Kapital vergleicht sich mit anderen, misst sich an dem, was die anderen verdienen. So sind sie nicht mit überhaupt einem Überschuss zufrieden, sondern verlangt ist eine angemessene Rendite, die unabhängig vom einzelnen Unternehmen am Gesamtkapital gemessen ist: Durchschnittsprofit muss sein.