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(sommerpause)

 

 

 

Jour fixe vom 07.01.13, Artikel 'Arbeit und Reichtum' (GS 3-12), Ende Teil I, Anfang II.

   — Am Ende von I.1. heißt es: „Die allgemeine Gleichung von Nutzen und Eigentum ... Damit sie positiv aufgeht, das erworbene Eigentum wirklichen Nutzen garantiert, muss die Quantität des verfügbaren Privatvermögens schon eine ganz bestimmte Qualität erreichen.“ Allein die Quantität des Privatvermögens reicht also nicht aus, um diese Gleichung von Nutzen und Eigentum zu erfüllen. Mit bestimmter Qualität ist dann wohl gemeint, dass dann das Privatvermögen Kapital sein muss. Nur wenn es als Kapital angewandt wird, geht diese Gleichung auf.

   — Natürlich muss man Eigentum in Form ausreichender Produktionsmittel haben, um einen Vermehrungsprozess des Eigentums in Gang zu setzen und so einen Nutzen davon zu haben. Ist es hier nicht eher allgemein gemeint, dass über die Quantität des Eigentums sich entscheidet, ob überhaupt dieser Nutzen zustande kommt? Zur Qualität gehört dann wohl auch, dass es eine Menge Leute gibt, die kein Eigentum haben?

Es handelt sich bei dem Satz um den Hinweis, dass es bei der Quantität einen Fortgang gibt zu einer Qualität, bei der die Arbeit, die dort geleistet wird, eine andere ist. Mehr ist es für den Übergang nicht. Im Artikel steht hier noch nichts von Kapital; das soll erst erläutert werden. In I.2 wird an der Menge weiter gemacht, ob jemand Geld hat oder nicht. Daran wird dann besprochen, wo es einen qualitativen Unterschied gibt, der dann in seiner Bedeutung ausgeführt wird. Der Unterschied, ob für jemanden Arbeit das einzige Erwerbsmittel ist oder ob nicht schon das Geld, das man hat, die Grundlage für die Mehrung des eigenen Reichtums ist, macht sich daran fest, wie viel Geld man hat.

Weiter geht es mit dem Abschnitt in der Mitte von S. 24, wo es um das Produktionsverhältnis geht. Hier kommt zum ersten Mal Kapital vor: Das Kapital ist das Produktionsverhältnis, um das es hier geht. Was sind die dazukommenden Bestimmungen?

   — Kapital ist das Produktionsverhältnis, bei dem das Eigentum als Mittel eingesetzt wird, sich durch fremde Arbeit zu vergrößern. Der Zweck ist: Es geht um die Vermehrung des vorgeschossenen Geldes. Deswegen wird dies hier als Bestimmung des Produktionsverhältnisses angegeben.

   — Die einen lassen Eigentum herstellen, indem sie andere für sich arbeiten lassen. Dadurch können die ersteren ihr Eigentum vergrößern. Der Artikel argumentiert doch so, was dies für die Arbeit heißt. Die Eigentumslosen, die über nichts anderes verfügen als über sich als Person, sind auf solch eine Erwerbsquelle angewiesen. So wird die Arbeit zu einer doppelten Geldquelle: Auf der einen Seite verdienen die Arbeiter dort ihr Eigentum zum Leben, auf der anderen – und nur unter der Bedingung bekommen sie überhaupt ein Geld – vermehren sie deren Eigentum.

Damit ist noch einmal das im vorangegangenen Abschnitt Bezeichnete zusammengefasst. Der nächste Abschnitt redet erst mal noch gar nicht vom Kapital und auch nicht davon, dass fremde Arbeit benutzt wird. Sondern er redet davon, dass das Eigentum selber zum Erwerbsmittel wird. Zu klären ist der eigenartige Satz, „dass sich ihr Eigentum als Produktionsverhältnis bewährt“. Man denkt doch, dass ein Verhältnis immer zwei Seiten betrifft. Hier heißt es jedoch, dass das ganze Verhältnis auf der einen Seite liegt.

   — Auf der einen Seite ist das Eigentum Kapital, dies bestimmt darüber, ob die Arbeit überhaupt zu einer doppelten Geldquelle wird.

   — Mit Produktionsverhältnis ist ausgedrückt, dass es sich um die Verhältnisse handelt, unter denen die Produktion stattfindet: Die einen müssen arbeiten gehen, sich für andere einsetzen; die anderen haben die Mittel, um deren Arbeit für sich nützlich zu machen. Mit Eigentum und Produktionsverhältnis ist hier gemeint, dass hier bei der Produktion etwas geschieden ist: Die Produktionsmittelbesitzer sind mit dieser Sorte Eigentum in der Lage, andere für ihr Eigentum arbeiten zu lassen. Und weil die Produktionsmittel ihnen gehören, gehört das Produkt der Arbeit auch ihnen.

   — Ist hier nicht nur das quantitative Verhältnis von Geldvor- und -überschuss angesprochen? Das Kapital ist dadurch Kapital, dass das, was produziert ist, eine größere Geldmenge ergibt als die vorgeschossene Geldsumme.

   — Mit Produktionsverhältnis ist mehr gemeint als ein quantitativer Überschuss, der erarbeitet wird. Man hat hier schon die Klassenscheidung am Wickel. Bei den Eigentumslosen ist Arbeit nicht ihr Mittel. Sie ist Mittel nur unter einer Bedingung. Dann ist man auf der anderen Seite, bei den Eigentümern über Produktionsmittel. Deren Eigentum kann sich überhaupt nur über die Eigentum schaffende Arbeit der anderen Seite vermehren.

Alle erwähnten Momente: Aufwand und Ertrag, die Produktionsmittel, folgen später. Hier ist festzuhalten und das ist der Fortgang: Eigentum ist Zugriffsmittel auf fremde Arbeit. Das Eigentum ist Erwerbsquelle darüber, dass es Zugriffsmittel auf die Arbeit von denen ist, die selber über kein Eigentum verfügen. Das Produktionsverhältnis besteht darin, dass aus dem Eigentum das Recht, die Möglichkeit und auch der Zweck resultiert, sich selbst zu vermehren dadurch, dass man sich fremde Arbeit aneignet. Also Eigentum besteht überhaupt in der Macht, sich durch fremde Arbeit zu vermehren. Damit hat man eine neue Bestimmung dessen, was Eigentum ist.

   — Wenn hier steht, dass jetzt Eigentum und Nutzen zusammenfallen, ist man beim wirklichen Witz dieser Sorte Eigentum. Eigentum ist diese Macht, auf fremde Arbeit zugreifen zu können. Dies ist dann auch der Grund für die Existenz des Eigentums.

   — Hier werden die beiden Seiten zusammengeführt, und zwar über den Gebrauch des Eigentums. Dadurch können die Eigentümer Geld verdienen, ohne es selbst zu schaffen. Das ist das gesellschaftliche Verhältnis, dieses Produktionsverhältnis.

Das Eigentum für sich bedeutet überhaupt noch nichts, sondern sein Witz ergibt sich erst durch den Gebrauch der Arbeit. Was soll denn Eigentum für sich sein, ohne dass man damit fremde Arbeit anwendet? Der Artikel argumentiert, dass es Eigentum anders nicht gibt. Dann ist es auch die Bestimmung von Eigentum.

Es sind doch gar nicht zwei sich äußerliche Seiten, die sich treffen und in ein Produktionsverhältnis treten, sondern die eine Seite ist der negative Abklatsch der anderen. Das Verhältnis besteht für die eine Seite darin, von allem ausgeschlossen zu sein, was die andere Seite an Mitteln der Produktion hat, und kommt deswegen gar nicht anders vor, als in deren Dienst.

   — Die Trennung von Arbeit und Eigentum ist überhaupt die Grundlage der Benutzung der Arbeit durchs Eigentum. Man kann logisch die zwei Sachen auseinander halten, aber eines ist die Voraussetzung fürs andere. Und in der Verwendung der Arbeit betätigt das Eigentum seine Macht, die in der Trennung von Arbeit und Eigentum existiert. So gehören die beiden Sachen zusammen.

   — Durch diese spezielle Art der Anwendung reproduziert der Reichtum sich selbst als die Größe, die sich die andere Sorte Eigentum, die Arbeit, auf Dauer unterordnet. Bei der Anwendung kommt nicht nur raus, dass das Eigentum in Geldform sich vermehrt, sondern gleichzeitig, dass die Arbeit bleibt, was sie vorher war: eigentumslos. Damit hat sich das Kapital zum Herrn dieser Geschichte etabliert. Dieses Produktionsverhältnis funktioniert dauerhaft, weil es sich selbst reproduziert.

Zunächst war da vom Übergang von Quantität in Qualität die Rede. Wir reden jetzt über die neue Qualität des Eigentums, die sich aus der Quantität ergibt. Die ist Zugriffsmacht auf fremde Arbeit und hat damit die Fähigkeit, sich selbst zu vermehren. Das ist der Übergang von: Es ist nicht einfach mehr Geld, sondern dieses Eigentum hat jetzt die Qualität mit einem entscheidenden Unterschied zu dem, als was es für die Eigentumslosen existiert. Es ist ein Eigentum, das den Nutzen hat, fremde Arbeit einzusaugen. Damit ist die Umkehrung des Eigentumsrechts (Fußnote 8) besiegelt: Eigentum gibt es nicht aufgrund eigener Arbeit, sondern es ist das Resultat fremder Arbeit, hat seine Bestimmung darin, Einsaugungsmittel fremder Arbeit zu sein. Das macht das Produktionsverhältnis aus: Es gibt das Eigentumsrecht, das Eigentümer dazu befähigt, sich fremde Arbeit anzueignen.

   — Das Wort Umschlag ist der Hinweis darauf, was jetzt durch die Aneignung des Produkts fremder Arbeit passiert. Das ist erst mal ein Widerspruch zum Prinzip des Eigentums. Bisher ist Eigentum als exklusives Verfügungsrecht über die mir gehörende Sache vorgekommen. Jetzt wird durch die Anwendung des Eigentums als Vermehrungsprozess fremdes Produkt als eigenes Eigentum angeeignet. Umgekehrt muss sich derjenige, der die Arbeit abliefert, zu seinem Produkt als Fremd-Produkt stellen.

Gleichzeitig mit dem Umschlag ist aber klargestellt: es ist nicht ein Widerspruch, sondern die Fortentwicklung dessen. Dann erscheint das, wo es herkommt, als eine Angelegenheit, die ziemlich oberflächlich ist oder die Sache nicht mehr trifft. Mit eigener Arbeit Eigentum zu schaffen, geht überhaupt nicht mehr, wenn dieser Umschlag existiert. Dann ist es das Eigentum selbst, das sich die Arbeit aneignet. Das wird ja dann ausgeführt im Satz nach der Umkehrung (S. 24, 2. Abs.), dass jetzt auf einmal umgekehrt gilt: Man kann mit eigener Arbeit überhaupt kein Eigentum schaffen.

   — Der Umschlag ist die Konsequenz aus dem, was vorher als Ungleichung zwischen Arbeit und Nutzen bezeichnet wurde. Dazwischen setzt sich das Eigentum als Bestimmendes rein. Was man jetzt sieht, ist das Eigentum in Aktion, das seinen Nutzen – und einen anderen gibt es ja nicht – verfolgt, indem es die Arbeit verwendet. Insofern ist es die Realisierung dieser Ungleichung, die Konsequenz. Marx legt Wert drauf zu sagen, es ist ein Widerspruch zumindest zu der Vorstellung von Eigentum, dass jetzt die Konsequenz des Eigentums ist, der Eigentümer eignet sich fremdes Produkt an und der Produzent stellt sich zu seinem Produkt als gar nicht ihm gehörend.

Ja, Marx verweist darauf: Die eigentliche Vorstellung ist doch, Eigentum ist Resultat eigener Arbeit. Der Witz ist aber genau das Umgekehrte.

Eigentum ist eben gar nicht die Zugriffsmacht auf die Produkte der Arbeit, sondern auf die Arbeit selbst. Insofern gehört die Arbeit, die die Arbeiter verrichten, dem Eigentümer der Mittel, mit denen sie sie verrichten. Und insofern passt es dann auch wieder zusammen.

   — Die Potenz bleibt die Arbeit; sie ist die Quelle von Reichtum. Diese Potenz kann die Arbeit hier nur unter dieser komischen Bedingung bringen.

   — Die Ableitung im Artikel ist, dass nichts anderes Quelle von Reichtum sein kann, außer der Arbeit. Der andere Gedanke: der Arbeiter kann nur Eigentum schaffen, wenn es schon Eigentum gibt, eben dieses, das die Eigenschaft hat, groß genug zu sein, um damit andere für sich arbeiten zu lassen. Dann schafft er Eigentum, aber nicht für sich selbst. Die Arbeit für sich nützt gar nichts. So geht die Logik und so kommt der Satz zustande: 'Diese Potenz entfaltet die Arbeit erst wenn …' Haben tut er sie ja, entfalten kann er sie jetzt nur noch unter der Bedingung, dass ihn ein Eigentümer anwendet. Das ist doch jetzt die Auflösung Da fällt dann Eigentum und Nutzen zusammen.

Noch genauer: Er kann es wegen des Eigentumsrechts nicht schaffen. Das ist der Zusammenhang. Die Arbeit schafft unter dem Recht des Eigentums Eigentum, wenn sie selber Bestandteil der Eigentumsseite ist. Arbeit als dem Arbeiter enteignete, dem Kapital inkorporierte (Marx), oder 'vom Kapitaleigentümer als Zubehör seines Produktionsapparats eingekaufte' (S. 94, u.), schafft dann Eigentum.

   — Noch mal zum Übergang von der Quantität in Qualität (S. 24, Abs. 2): Die Entwicklung zum Produktionsverhältnis heißt: Eigentum ab einer bestimmten Größe kann (entsprechend eingesetzt) diese Kraft entwickeln. Wenn einer über genügend Eigentum verfügt, dann kann er die Macht des Rechts des Eigentums auf Vermehrung wirken lassen. Dazu ist das Produktionsverhältnis, also das Anwenden von Eigentumslosen, notwendig. Der Eigentümer bestimmt dann über dieses Verhältnis. Zu diesem Punkt wird es doch hier entwickelt.

   — Genügend Geld heißt, genügend, um Produktionsmittel zu haben und Geld, um Löhne zu zahlen. Dann kann er das Produktionsverhältnis betätigen. Nicht gemeint ist hier eine bestimmte Größe, um sich in der Konkurrenz durchzusetzen.

Es geht hier darum, was diese Eigentumsordnung charakterisiert. Da sind Formen, wie früher schon Eigentum existiert hat, Vorformen dessen, wie Eigentum jetzt existiert und seine ökonomische Qualität entfaltet. Der Witz vom Eigentum ist jetzt – nach dem Umschlag – gegeben. Er liegt nicht alleine im Ausschluss der anderen, sondern darin, dass das Eigentum selbst die Potenz hat, sich fremde Arbeit anzueignen, sich darüber zu vermehren.

Das Eigentum ist der Zweck der Produktion, der Zweck der Arbeit, die Bestimmung aller Produkte. Eben so, dass das Eigentum der Arbeit gegenübersteht, die Gesellschaft scheidet in diese beiden gegensätzlichen Charaktere. So gibt es das, dass Arbeit gar nicht anders stattfindet als im Dienst am Eigentum, dass es immer der Dienst eigentumsloser Arbeit am fremden Eigentum ist. Das ist nicht irgendeine Konsequenz, die sich dann mit mehr oder weniger Notwendigkeit einstellt, sondern das ist dann Eigentum, seine ökonomische Bestimmung und Wahrheit. Und deswegen bewährt sich das Eigentum als Mittel, diese Scheidung zu reproduzieren. (Wenn der Lohn nur die Art wäre, wie über das Eigentum vermittelt wird, dass die Arbeit ihr Produkt erhält, wär's blöd.) Man kann noch so viel Geld haben, wenn die anderen nicht eigentumslos sind, kommen sie nie zur Arbeit.Das Eigentum ist eben der Reichtum, der unter der verbindlichen Vorgabe hergestellt wird, dass er denen, die ihn schaffen, nicht gehört (S. 25).

Wenn man daran denkt, dass es vor dem Kapitalismus auch Eigentumsformen (vgl. K I S. 90 u. S. 742 ff.) gab, dann war das kein Eigentum in dem Sinne, wie es jetzt das existierende Produktionsverhältnis bestimmt. Wie man bei Marx erfährt, war der Leibeigene z.B. in dem Sinne auch (unbewusster) Eigentümer seiner Produktionsmittel, hat über seine Produktionsmittel verfügt. Die wurden ihm dann weggenommen und das Eigentum derer, die daraus die Vermehrung ihres Eigentums gemacht haben. Es gab auch das Privateigentum und wenn sie getauscht haben, haben sie sich wohl auch als Eigentümer aufgeführt. Ob sie aber in dem Sinne Eigentum als das verstanden haben, wie es im Kapitalismus gilt, ist unwahrscheinlich.

   — Dass der Witz von Eigentum nicht der Ausschluss ist, sondern die Leistung, die dieses Eigentum aufbringt, nämlich die Macht zu haben, fremde Arbeit sich einzuverleiben.

Gerade das bewirkt ja der Ausschluss von den Produktionsmitteln. Er schließt aus von allen Potenzen, die jemand überhaupt Reichtum schaffen lassen. Ausschluss hat diese harte Bedeutung.

   — Dieser Ausschluss ist das ökonomisch Entscheidende. Das rechtliche Verfügen – Eigentum soll gelten – macht ja überhaupt keinen Unterschied, da ist die Zahnbürste genauso gut wie die Maschine. Die rechtliche Kategorie ist da ganz gleichmacherisch. Aber die ökonomische Wahrheit ist, dass das Eigentum an den Produktionsmitteln die Macht des Eigentums begründet. Dass die in den Händen derjenigen sind, die Eigentum haben, und die anderen eben damit auch nicht die Macht haben, mit ihrer Arbeit an Produktionsmittel ranzukommen.

Als rechtliche Kategorie wird es ja gerade akzeptiert und eingehalten.

   — Der Artikel führt den Gedanken aus: Wenn Eigentum nur bedeutet: ' gehört mir und nicht anderen', dann besteht der Nutzen nur in etwas Negativem. Deswegen kann aber dieses Verhältnis (Übergang von 1 auf 2), nicht der wirkliche Grund sein, warum es das Eigentum gibt. Die positive Fassung, warum es das Eigentum gibt, ist, dass Nutzen und Eigentum zusammenfallen, und das passiert eben bei den Produktionsmittelbesitzern. Sonst ist es nur Ausschluss.

   — Wichtig ist die andere Seite, der Zugriff, der im Eigentum gegeben ist. Da ist doch jetzt der Witz bei der Frage nach der Menge des Geldes, die in Qualität umschlägt, dass die einen gar keine Zugriffsmacht haben. Die anderen können Produktionsmittel erwerben und Arbeiter beschäftigen. Die Zugriffsmacht der einen reduziert sich auf das, was sie im Lohn verdienen.

Dass der Ausschluss seine ökonomische Wirkung darüber entfaltet, dass er zum Hebel für Zugriff wird, und dass diese Zugriffsmacht ihre letzte gültige Fassung im Geld hat, also sich alles darum dreht, diese Zugriffsmacht zu erwerben, war schon geklärt. Der Fortgang hier ist, dass dieser universelle Ausschluss für und wegen Zugriff seine eigentliche ökonomische Fassung hat: Ausschluss von allen Produktionsmitteln für Zugriff auf Arbeit. Oder: Zugriff auf Arbeit als der Witz, ist die produktive, potenzmäßige Seite davon, dass die andere Seite von allen Mitteln ausgeschlossen ist, sich überhaupt ans Werk machen zu können.

   — Der Absatz auf S. 26 enthält die Schwierigkeit, dass man sonst Produktivkraft kennt als Effektivitätssteigerung. Es ist aber hier im grundsätzlichen Sinn gemeint. Produktivkraft steht da für die entscheidende Leistung dieser Scheidung von Arbeit und Eigentum. Produktivkraft der Produktionsmittel ist Vermehrung des Eigentums.

   — Der ganze Witz von den Geräten und technischen Produktionsverfahren in dieser Gesellschaft ist, dass man damit Eigentum herstellt. Das ist die Bedeutung des Worts Produktivkraft.

   — Andersrum: Was tun eigentlich die Eigentumsgröße, die Qualität des Eigentums zum (natürlichen) Verhältnis von: mit Arbeit produziert man, dazu? Nichts! Mit Arbeit stellt man weiterhin (effektiv beim gegebenen Stand der Produktionsverhältnisse) Gegenstände her. Der Witz vom Eigentum liegt woanders.

Wenn die Maschine dir nicht gehört, kannst du mit der kein Auto herstellen lassen. Dass die Arbeit an der Maschine die Produktivkraft entfaltet, Nützliches und (hier immer auch) Verkäufliches zu produzieren, das tut sie nur dann und für den, dem sie gehört. Das einzige, das sie da macht, ist: Eigentum zu vermehren.

Dass es technisch notwendige Produktionsmittel sein müssen, wobei an Effektivierung gedacht wird, ist aber nur die Unterabteilung. Das Mittel, worauf es ankommt, ist Eigentum – eben dann ergibt sich die Produktivkraftsteigerung für Gewinn.

   — Unter Produktivkraftsteigerung versteht man Effektivierung. Von der technischen Seite her mögen durchaus mehr Produkte auch in kürzerer Zeit produziert werden, nur der Witz im kapitalistischen Produktionsverhältnis, der ganze Sinn und Zweck liegt darin, das Kapital zu vermehren.

Es wird doch klargestellt: Das, was die Unternehmer leisten, wenn sie 'Maschinerie zur Verfügung stellen', ist nicht darauf bezogen, dass immer bessere Güter hergestellt werden. An diese stoffliche Seite der Produktivkraftsteigerung denkt ja der Normalmensch immer. Das ist aber nicht der Witz. Die Produktivkraft ist hier bestimmt als: Die Produktionsmittel sind Mittel, um Eigentum zu vermehren. Das ist hier die einzige Bestimmung, die wird später im nächsten Kapitel näher ausgeführt.

   — Zu S. 26, Fußnote 7: Wenn man die Klassen erklärt und dass die Einen für Dienst an den Anderen hergenommen werden, kommt oft der Einwand: Es gibt ja noch andere: Bauern, Selbständige, die ganze Zwischenschicht. Aber, dass es noch andere gibt, - bei denen eine eigentümliche Kombination von Eigentum und Arbeit vorliegt – ist keine Widerlegung des grundsätzlichen Produktionsverhältnisses.

Es ist schon eine Kombination, aber worauf ist die jeweils bezogen? Der ganze Zweck dieser Berufsgruppen besteht in nichts anderem, als Dienstleister an je einer oder auch beiden Seiten zu sein; an deren Funktion.

   — Mit dem Einwand, ich kenne noch andere, soll ja die Klassenfrage bestritten sein. Da kenne ich andere, die nicht nur von der Arbeit leben müssen oder nur Eigentum kommandieren. Da ist darauf hinzuweisen, dass damit die Klassenfrage überhaupt nicht bestritten ist. Sondern es ist zu klären, wie die im Verhältnis zu den Klassen stehen.

Die Einwände funktionieren dann so, dass alles auf eine Klassendefinition runtergebracht wird, an der wird rumgemäkelt. Dabei wurde gesagt: Das ist nicht tangiert davon, dass es auch welche gibt, die die betreuen, die ihre Arbeitskraft in der Fabrik verschleißen, und welche, die für den Staat tätig sind. Wo man doch gesagt hat, Klassengesellschaft ist es darin, dass die materielle Reproduktion dieser Gesellschaft so abläuft, dass alles Arbeiten wegen des Eigentums an Produktionsmitteln ein Dienst am Eigentum ist, dass umgekehrt der Eingangs- und Ausgangspunkt allen Produzierens die Reproduktion dieses Verhältnisses ist; dass das Resultat der Produktion (S. 25) darin besteht, möglichst viel von dem herstellen zu lassen, was nicht ihnen, sondern dem Eigentümer der Produktionsmittel gehört. Alles, was den ökonomischen Inhalt der Klassenfrage ausmacht, muss man um die Ecke bringen, um so ein Einteilungswesen daraus zu machen. Dann ist es billig zu sagen, es fallen einem viele andere ein. Aber beim Argument, dass diese Zwischenschichtler oft auch irgendwie Selbstausbeuter sind, muss man aufpassen, dass man sich nicht auf das Definitionswesen einlässt, weil man ja was anderes gesagt haben will, als dass es welche gibt, die haben Eigentum, und welche haben keines.

Wenn im vorletzten Abschnitt (S.27) die Rede von weltfremden Vorstellungen ist, dann geht es hier nicht um eine Agitation oder Kritik von Bewegungen wie Attac o.ä., die „umfairteilen“ wollen, sondern um deren Einordnung: Dass das Produktionsverhältnis so gestaltet ist, wie es jetzt besprochen worden ist, und einen bestimmten Zweck verfolgt, wird nicht zur Kenntnis genommen bzw. das Eigentum, dessen unschöne Wirkungen man dann weg haben will, wird einfach unterstellt, wenn gesagt wird: Es müsste nicht sein, dass die einen viel Eigentum und die anderen wenig bis nichts haben, wenn man nur ordentlich umverteilen würde. Dieses ewige: müsste nicht, sollte doch, gesteht ja ein, dass es nicht so ist, erspart es sich aber, nach dem Grund zu fragen.  

   — Es wird also nicht zur Kenntnis genommen, dass der Staat die Arbeit der Eigentumsordnung und den Produktionsverhältnissen, wie sie bestimmt worden sind, unterwirft, bevor er sich dann um irgendwelche Folgeerscheinungen als soziales Problem kümmert.

   — Der Fehler ist doch, dass ‚Verteilung’ als eine Sache genommen wird, die selbständig geregelt werden könne, deswegen ist der Hinweis hier, das die Kritik viel zu spät einsetzt, wenn sie erst bei der Verteilung einsetzt, weil die Verteilung nichts anderes als eine Folge der Produktion ist. Das Produktionsverhältnis ist also das, was geändert werden muss. Über die Verteilung ist schon längst entschieden, sie ist eigentlich gar keine Verteilung in dem Sinne.

Es ist etwas ungenau, die Verteilung als Folge zu bestimmen – es ist ja gerade der Zweck dieser Produktionsweise, die Leute von den Produktionsmitteln zu trennen, ohne diese Trennung geht sie nicht. Und ohne dass sich das Ergebnis der Arbeit von den Produktionsmittelbesitzern angeeignet wird, geht sie auch nicht. Der Zweck ist nicht der, den Reichtum, der da produziert wird, zu etwas anderem zu benutzen als zur Vermehrung des Eigentums.

*

Zu II. Bei der Überschrift „Arbeit unter dem Regime fremden Eigentums“ geht es hier (auch in der Fußnote 9) darum, was für eine Qualität die Arbeit – und nicht nur ihr Ergebnis – unter dem Regime fremden Eigentums hat. Die Arbeit zählt als fremdes Eigentum und das hat Konsequenzen für sie. Der Arbeiter geht ja nicht in die Fabrik und arbeitet, so wie er es sich vorstellt, vor sich hin und das Ergebnis gehört dann dem Kapitalisten.

   — Physisch hängt die Arbeit natürlich am Arbeiter, aber wie und in welchem Umfang er arbeiten muss, wird von der anderen Seite festgelegt. Insoweit zählt die Arbeit als fremdes Eigentum, weil die ganzen Bestimmungen, was sie leisten soll und wie sie auszusehen hat, gar nicht am Arbeiter hängen.

Dass sie für Lohn eingekauft wird, ist die Voraussetzung dafür, denn mit dem Lohn erwirbt sich der Produktionsmittelbesitzer das Recht, über diese Arbeit zu verfügen und die konkrete Tätigkeit samt ‚Verausgabung von Hirn, Muskel und Nerv’ nach seinen Kriterien zu nutzen. Diese ist also schon fremdes Eigentum. Die Arbeit wird zugerichtet für den Zweck – sie hat ihren Zweck nicht in sich (Herstellung von irgendetwas Nützlichem), sondern ein der Arbeit nicht innewohnender Zweck soll durch die Tätigkeit realisiert werden (Schaffung von fremdem Eigentum) .

Wenn die Arbeit so bestimmt ist, dann ist logisch, dass sich der Kapitalist auch das Eigentumsrecht auf das Produkt erwirbt. Das ist eine nähere Bestimmung dessen, was schon vorher zu Aneignung fremder Arbeit und dem Verfügen über das Produkt gesagt worden ist.

Das Eigentümliche dabei ist: für die, die die Arbeit verrichten, sieht es immer so aus, als ob sie gerade mal so das leistet, dass sie ihren Mann ernährt; in Wirklichkeit tut sie etwas ganz anderes – siehe der Verweis auf die „vollen Läden“. Ihrer Potenz nach ist die Arbeit leicht in der Lage, viel mehr herzustellen als die Arbeitskraft zu reproduzieren. Wieso kommt der Arbeiter nie über die notwendige Arbeit hinaus, über das zu seiner Reproduktion notwendige Produkt? Das liegt daran, dass er eben nicht notwendiges Produkt für sich herstellt und das Mehrprodukt für den Kapitalisten, sondern dass das ganze Produkt diesem gehört und der Arbeiter das für ihn Notwendige im Nachhinein im Tauschakt erwerben muss.

   — Im ersten Kapitel kam es schon mal vor, dass Arbeit unter dem Regime des Eigentums eine doppelte Geldquelle ist, nämlich einmal für den immer zu knapp bemessenen Lebensunterhalt desjenigen, der seine Arbeit verkaufen muss, und zum anderen vermehrt sie als Produkt das fremde Eigentum.

Aber da konnte man sich noch vorstellen, dass der Arbeiter einerseits sich selbst am Leben erhält und andererseits noch fremdes Eigentum schafft. Jetzt war aber der Fortgang: diese Arbeit, die er leistet, steht nicht unter seinem Kommando – entsprechend ist auch das Produkt, das er schafft, nicht seines.

In Kapitel II (S.28) geht es um die Subsumtion der Produktivkraft der Arbeit unter ihre Wirkung für den Geschäftserfolg. Von der Produktivkraft war auch in Kapitel I schon die Rede: Ihr Nutzen für den Kapitalisten besteht darin, dass sie ihm einen Betrag einspielt, um die Vermehrung seines Eigentums zu bewerkstelligen, und das schlägt sich in seiner Bilanz nieder. Im Fortgang geht es darum, wie diese Bilanz aussieht.

   — In dieser Bilanz befindet sich ganz systemgerecht unter ‚Aufwand’ nicht der Aufwand, der in der Produktivkraft des Arbeiters liegt, die dieser zwecks Eigentumsvermehrung des Kapitals verausgabt, sondern kommt nur in Geldform vor, nämlich als die Summe, die der Unternehmer aufwenden muss, damit er die Produktivkraft, die in der Arbeit liegt, anwenden kann. Die kommt genauso als Aufwand vor wie die Summe, die er für die Produktionsmittel, die Maschinen, die Gebäude etc. aufwenden muss.

Dass der Unternehmer eine Geldsumme zahlen muss, ist nur die eine Seite. Er ‚verliert’ diese Summe ja nicht in dem Sinn.

   — Der Wert dieses Aufwands wird auf das Endprodukt übertragen. Oder anders ausgedrückt, es ist als selbstverständlich unterstellt – was Marx die Gratisgabe der Arbeitskraft nennt –, dass durch den Produktionsprozess der Wert der vorgeschossenen Produktionsmittel sukzessive und jeweils proportional auf das Produkt übertragen wird.

Der Reichtum, den er einsetzt, wird dem Kapitalisten also erhalten – er kehrt zu ihm zurück. Der im Produktionsprozess übertragene Wert scheint im Preis der hergestellten Ware (den er auf dem Markt erst noch erlösen muss) wieder auf. Also von wegen, es gehe um einen beiderseitigen zeitweisen Verzicht! (s. Fußnote 10, S.35)

   — Wenn der Reichtum nicht vergrößert werden würde, gäbe es ja auch gar keine kapitalistische Produktion...

Nächstes Mal (21.1.) weiter mit dem Lohn (S. 33).