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Trump und Putins Russland (GS 3-18)

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Den Feind kennen

Arbeit und Reichtum Kap. IV, 4.  und Anfang Kap. V 

— Eine Zusammenfassung des Kapitels IV, 4: Es enthält eigentlich nicht so viel Neues: Wie die Konjunkturen des industriellen Kapitals vom Finanzkapital gemacht werden, wie es den Lauf bestimmt und die Wirkungen auf die Lohnarbeiterklasse, haben wir schon behandelt – hier geht’s hauptsächlich darum, die unsägliche Kritik am Finanzkapital auseinander zu nehmen: "Das sind Zocker, denen geht’s nicht um Beschäftigung."

Von der Überschrift (S. 94) ausgehend, kann man sagen: Die Antwort der Arbeiter auf die "Die Verachtung des Kredits für seine Grundlage die Lohnarbeit" – die Verachtung besteht schlicht darin, von ihr als Quelle des Reichtums abzusehen, einfach davon auszugehen: Geld ist seine eigene Quelle. Geld (ausreichend) schafft Reichtum – besteht sehr systemgemäß darin, sich nicht gegen die zu wenden, die sie in Krisenzeiten ausgiebig benutzen und dann massenhaft entlassen, sondern im Gegenteil Partei zu nehmen für ihre Ausbeuter. Die produktiven Kapitalisten müssten so handeln, weil das Finanzkapital ihnen die nötigen Kredite vorenthält: 'Denen geht es nur ums Geld statt um Beschäftigung' – dagegen wird festgestellt: Diese Kritik ist 1. pervers, (S. 134, oben), weil man so eine Arbeit nach kapitalistischen Ansprüchen eigentlich keinem wünschen möchte. Dass sich die Leute dennoch massenhaft um so was reißen, zeigt ihre Zwangslage/Not. Falsch ist es auch, die Kapitalistenmafia in gute und böse Kapitalis- ten zu teilen, denn: Für die produktiven Kapitalisten ist Arbeiter beschäftigen Mittel für den Zweck, möglichst hohen Gewinn zu erwirtschaften, diesen arbeiterfeindlichen Zweck teilen sie mit dem Finanzkap- ital.

2. (S. 95f.): Die Kritik ist auch ungerecht, weil alles, was sich das Kapital so hinstellt an Produktionsanlagen, Maschinenparks, Bürotürmen etc., die Leistung des Kredits ist (vgl. Kap. VI, 3). Also "verdanken" die Arbeiter ihre (vermehrte und vielleicht sogar besser entlohnte) Beschäftigung im Boom – dem Gelingen der Finanzgeschäfte. Die Unternehmen können dank des reichlichen Kredits mehr von dieser komprimierten Arbeit nutzen - das wollen sie ja unbedingt, sich gleichzeitig weiterhin der Lohnstückkostensenkung widmen und Konkurrenten aus den Markt drängen. Was die Arbeitsplätze auch in besseren Zeiten nicht wesentlich erhöht.

Mehr noch: (S.96f.) Diesen Konkurrenzkampf verlangt das Finanzkapital den Unternehmen sogar als Bedingung ihrer Kreditwürdigkeit ab, nötigt ihnen den Einsatz immer sparsamerer/produktiverer Arbeit auf bei Strafe ihres Untergangs. Es besteht gleichzeitig auf der Erfüllung seiner Ansprüche aus den zu produzierenden Gewinnen aus der Lohnarbeit. Die immer produktiver eingesetzte und reduzierte Arbeit soll den Berg von Krediten/Aktien/Wertpapieren (die verschiedensten Spekulationen auf erfolgreiches Wachstum) rentabel machen, soll die teuren Arbeitsplätze und Zins und Tilgung als Grundlagen weiterer Spekulationsgeschäfte rechtfertigen. Für die Lohnarbeit wird mit den Mitteln der Produktivkraftsteigerung der Arbeit ein allgemeingültiger Maßstab nach immer anspruchsvolleren Kriterien in die Welt gesetzt, dem sie genügen muss.

Diese Kritik ist also auch verharmlosend (S. 97), denn der Kredit ermöglicht und fordert nicht nur all die Gemeinheiten des produktiven Kapitals, sondern heizt den Konkurrenzkampf und damit den Widerspruch an, dass immer weniger Arbeit immer mehr Kapital rentabel machen soll.

Weiter heißt es: "Diese Ansprüche des Finanzkapitals sind ... so hoch, dass immer weniger Arbeit ihnen genügt": (S. 97) Also: 1. Es verlangt im Stückpreis die Lohnkosten bis gegen Null zu drücken, gleichzeitig den verbliebenen Arbeitern mehr Leistung auszupressen, 2. Das treiben sie wegen dieser Ansprüche bis zum Crash: Die verbliebenen Arbeiter sollen an den knapp kalkulierten Arbeitsplätzen mit Überstunden, Mehrschichten etc. schuften – dies solange bis sich immer wieder mal rausstellt, dass das Ergebnis der mühevollen Arbeitsstunden nur unverkäuflicher Schrott ist. Durch den Kredit wurde insgesamt zuviel Arbeit geleistet, im Verhältnis zur zahlungsfähigen Nachfrage. Was offenbart, dass auch stinknormale Kredite an kreuzbrave Produzenten "auf nichts anderes als seine (des Finanzkapitals) Spekulation gegründet sind, die zeit- und phasenweise nicht recht aufgehen will". Die Entscheidung darüber, wann das der Fall ist und welche Firmen und wie viele es trifft, fällt der Kreditgeber. Also das Finanzkapital ermöglicht, fördert und erzwingt auch den systematischen Kreislauf von Boom, Überpro- duktion und Krise, es ist der Herr des Zyklus.

Wenn das geschrumpfte Geschäftsleben mit Hilfe des Kredits auf reduzierter Stufenleiter wieder Zuwachs erreichen kann, geht die Wirtschaft wieder aufwärts, aber das in der Krise produzierte Heer von Arbeitslosen ohne Aussicht auf ein ausreichendes Auskommen für lange Zeit wird deshalb nicht abgebaut. Die Arbeit findet mit den vorher erreichten effektiven Produktionstechniken statt, an denen weniger Arbeit mehr Kapital rentabel macht. Die periodisch produzierte Überproduktion schafft eine beständige Reservearmee: eine Überbevölkerung, die nicht nach den Maßstäben hinreichender Rentabilität benutzbar ist. (Zusammenfassung bis S. 98)

Das Neue in diesem Kapitel ist, wie man die gängige Kritik am Finanzkapital zurückweist; es geht um Argumente dagegen, wenn Lohnarbeiter Partei nehmen fürs Realkapital gegen das Finanzkapital: Beim Unterschied zwischen Finanzkapital und Produktiven muss ihr gemeinsamer Zweck klar sein: die Vermehrung des Geldes auf Basis der Ausbeutung von Arbeit. Das ist, was erstens als pervers bezeichnet ist. Die beiden nächsten Punkte gehen auf die Rolle, die das Finanzkapital tatsächlich gegenüber dem Produktiven Kapital hat. Dass da so getan wird, als wäre das Finanzkapital eine nutzlose, bloß parasitäre Veranstaltungzudem,wasdasproduktiveKapitelleistet,dasist 2.ungerecht:ImmodernenKapitalismus

ist es die Rolle des Finanzkapitals, überhaupt die Ökonomie zu bestimmen, den Einsatz des produktiven Kapitals zu lenken und damit die Maßstäbe für dessen Einsatz und seine Kreditwürdigkeit aufzustellen.

Noch eine Ergänzung zum Anfang: Es ist mehr als eine falsche Auffassung über das Finanzkapital: Gleich im ersten Absatz steht – nur in der Parenthese, aber es sollte nicht überlesen werden – so etwas wie ein Leitfaden der falschen Kritik am Finanzkapital: "durch nichts als das eigene Interesse an Lohnarbeit motiviert" (S. 94). Das ist die Logik von diesen drei Punkten. Das einzige Argument, das sie auf ihrer Seite haben für ihre Kritik am Finanzkapital, ist, dass sie darauf angewiesen sind, beschäftigt zu werden. Und diese Abhängigkeit machen sie zum Urteil, von dem aus sie die ganze kapitalistische Welt beurteilen, auch das Verhältnis zwischen Finanz- und dem produktiven Kapital. Das ist im Einstieg gemeint mit pervers. Die Lohnabhängigen wissen, dass die Arbeit ihr Leben auffrisst, dass die unangenehm, anstrengend ist und das Geld zu wenig (das muss man ihnen nicht sagen), aber wenn es für sie mal noch härter kommt – und sie wegen 'rücksichtslosen Rechnungen des Finanzkapitals' nicht angewendet werden –, dann machen ausgerechnet die sich stark für ein Verhältnis, an dem sie ansonsten genug zu meckern haben.

Richtig pervers wird es, wenn nicht die Arbeitnehmer so schimpfen, sondern der frühere Präsident des BDI, Henkel im Fernsehen erzählt, er sei die Ikone des deutschen Mittelstands, was dasselbe sein soll wie: Er sei der Arbeitervertreter gegenüber dem Finanzkapital. Dass ansonsten der deutsche Mittelstand sagt, die Lohnnebenkosten fressen ihn auf; eigentlich darf alles nichts kosten, was den Lebensunterhalt der Lohnarbeiter ausmacht, das soll dann wieder nicht gelten. Gegen diese Logik der Beschwerde aus der Perspektive der Abhängigkeit, sind diese paar Abschnitte aufgeschrieben.

— Es geht doch darum, die Leistung der Lohnabhängigen zu charakterisieren, aus der eigenen Abhängigkeit einen Anspruch zu erheben an die Seite, die die Macht über die eigenen Lebensverhältnisse hat. Dass sie die gefälligst so zu gebrauchen hat, dass dabei Beschäftigung für die Lohnabhängigen rauskommt. Und dass das dem Zweck der Wirtschaftsweise diametral entgegensteht. Die kennt nicht den Zweck, lohnabhängige Menschen zu beschäftigen. Aber die stellen sich so zu den Verhältnissen, dass sie sich glatt noch mit dem produktiven Kapital solidarisieren, weil sie da eben deren Abhängigkeit vom Finanzkapital als den Motor der ganzen Wirtschaft sehen und anerkennen und gegen den polemisieren. Aber wie schon gesagt: Beiden Sphären geht es nicht darum, Lohnabhängige in Lohn und Brot zu bringen, abgesehen davon, was das für Arbeitsplätze sind, die die auszuhalten haben.

— Das Finanzkapital setzt die Maßstäbe für die Ausbeutung, ist durchaus ihr Gegner, aber anders als dass es ihre guten Arbeitgeber an ihren Wohltaten hindern würde. Denn das Finanzkapital diktiert die fortschrittlichsten Formen der Ausbeutung. Da haben sie es unmittelbar mit dessen Kriterien zu tun, die Kriterien, die das Finanzkapital für die Kreditwürdigkeit aufstellt. Die Kritik tut aber so, als wäre das Finanzkapital quasi etwas Externes zum Proletariat.

— Die Kritik der Arbeitnehmer am Finanzkapital ist aber doch, dass es dazu da ist, die Wirtschaft mit Geld zu versorgen; sie werfen ihm vor, das v. a. in der Krise nicht zu tun. Das Finanzkapital wird nicht als etwas völlig Externes verstanden.

— Mit extern ist gemeint: Das Interesse des Finanzkapitals erscheint in dieser Sichtweise nicht einfach als: Das sind die Kriterien, die es dem realen Kapital, wenn es Kredit haben möchte, diktiert und damit ist es bis in den Produktionsprozess hinein zuständig für das, was als fortschrittlichste Ausbeutung gilt. Sondern, dass das ein von diesem Interesse getrenntes Zocker-Interesse ist.

— Natürlich haben die Lohnabhängigen ein Bewusstsein davon, dass sie am eigenen Leib verspüren, dass alles bis zum letzten Arbeitsplatz von denen abhängt. Nur was sie draus machen, ist schon eigentümlich. Nämlich, dieser Branche, die alles von sich abhängig gemacht hat, mit dem Vorwurf zu begegnen, sie sei verantwortungslos. Sie zockt heißt doch, hier findet eine Zweckentfremdung ihrer finanziellen Macht statt. Dieser Fortgang ist die Verrücktheit, der eigentliche Zweck wäre, dass das Geld nicht einfach das Finanzkapital bereichert, sondern Beschäftigung schafft, und wäre ausgerechnet für die da, die den Reichtum mehren sollen. Diese Verrücktheit folgt nicht aus den praktischen Erfahrungen, dass man der letzte Depp des Finanzkapitals ist.

Man muss festhalten, dass die Kritik nicht nur eine Linie verfolgt. Sicher wird der Punkt vertreten, dass sie ihren Dienst nicht leisten. Genauso gibt es aber die Kritik: Das Finanzkapital verdient sich dumm und dämlich, dabei leistet es nichts. Da ist ein Gegensatz zwischen dem Schaffen von Reichtum und dem 'bloßen' Abgreifen von Reichtum (weil man Reichtum hat) aufgemacht. Davon gibt es eine falsche Vorstellung, nämlich: das wäre unmoralisch. Die Leute haben keine fertige Theorie vom Finanzkapital im Kopf, nein, sie wenden lauter moralische Maßstäbe auf das Finanzkapital an. Das erste ist: das ist ein parasitäres Geschäft. Das zweite ist: sie verrichten nicht den Dienst, zu dem sie da wären. Das darf man nicht gegeneinander ausspielen, es kommt nebeneinander vor: so geht Kritik in dieser Gesellschaft.

— Einmal sagen sie, das Finanzkapital leistet den Dienst nicht, den es leisten müsste. Diesen Dienstgedanken gibt es nur als Negation. Normalerweise denken sie nicht: das Finanzkapital leistet einen Dienst, nur wenn es brisant wird, dann heißt es, dass es seinen Dienst schuldig bleibt. Die andere Kritik heißt: das Finanzkapital ist selbstsüchtig und lässt wegen seiner Spekulation die ganze Realwirtschaft den Bach runter gehen. Das ist derselbe Standpunkt nur andersrum gesagt, dass das Finanzkapital eigentlich für den Dienst da wäre, aber schändlicherweise nur seine eigenen selbstsüchtigen Interessen verfolgt. Das

sind die beiden Seiten, dass beim Finanzkapital sowohl Dienst wie Eigennutz gedacht wird.

Dabei kümmert sich der bürgerliche Verstand nicht drum, ob es zusammenpasst, oder nicht.

Wenn man sich die Gesellschaft so vorstellt, ist sie erstens eine Ansammlung konzentrischer, vom eigenen, abhängigen Interesse her gedachter Dienstleistungen für die Leute. Das: 'Ich brauche einen Job, der muss her, dafür ist das Unternehmertum da', ist der bleibende Ausgangspunkt. Ohne Geld kann und hat man nichts, das kriegt man nur, wenn einen einer gebrauchen kann. Wenn man das nicht kritisiert, sondern verlangt, das solle aufgehen, dann verwandelt sich die eigene Abhängigkeit von dem Unternehmerinteresse in einen Beruf, den der Unternehmer eigentlich zu leisten hätte. Dann muss der rentabel auf der Welt wirtschaften. Und das Finanzkapital hat den Beruf, die Unternehmer dabei zu unterstützen. Und die Politik hat den Beruf, den Unternehmern dabei zu helfen usw. Es ist die Fiktion, sich die Gesellschaft, bloß, weil man die letzte abhängige Variable ist, genau umgekehrt positiv als ein Bedingungsgefüge zu denken, als das wäre ihre Aufgabe. So viel wie es Dienstzuschreibungen gibt, gibt es Feststellungen, dass jemand seiner Verantwortung nicht nachkommt: Die Nieten in Nadelstreifen, die Bankster usw. Überall kann man feststellen, sie kommen dem nicht nach, was sie zu tun hätten, und richten sogar noch lauter Schaden an.

Eine andere Abteilung von Kritik ist es, diese Figuren an einem Gerechtigkeitsideal zu messen. Wenn man sagt: 'Eigennutz ist ok, jeder ist es ein bisschen – aber der Profit muss doch irgendwie in einem Verhältnis zu einer Leistung stehen! Tut es das noch, wenn der Eigenhandel mit Derivaten ein Vielfaches innerhalb der Bilanzsumme einer Bank ist, davon, was sie überhaupt noch an Krediten für Brötchenbäcker rausrücken?', oder: 'Wie viel darf ein Investmentbanker verdienen?', entdeckt man die Nichterfüllung eines auch nur wieder fiktiven – wie gesagt wurde – ex negativo konstruierten Entsprechungsverhältnisses zwischen dem, was einer anständiger Weise verdienen dürfte, was ihm zustünde – und dem was er kriegt.

— Eine Frage zu dem "gegen Null" auf S. 97: Der Gedanke geht los damit zu sagen, die Ansprüche des Kreditgewerbes sind so beschaffen, "dass immer weniger Arbeit ihnen genügt, in zweifachem Sinn", die Erklärung geht so: "Rentabel genug kann Arbeit nur sein, wenn der Lohnanteil am geschaffenen Warenwert gegen Null geht". Vorher ist erklärt, dass das Kreditgewerbe das produzierende Gewerbe zur Anlagesphäre macht und damit seinen Maßstab dort verankert. Wie ist der Maßstab beschaffen? Hier heißt es: jeder erreichte Stand des Überflüssigmachens von Arbeit und des Lohnkostensenkens ist vom Standpunkt des Kreditgewerbes immer zugleich der Ausgangspunkt eines Anspruchs auf weitere Senkung.

— Im Artikel steht: Das Kreditgewerbe ... nötigt den Warenproduzenten "den Maßstab des immer ausgiebigeren Gebrauchs von immer sparsamerer, also produktiver eingesetzten Arbeit" auf (S. 134 unten), das ist ein anderer Ausdruck für das Gegen Null. Der Anspruch, den sie dem produktiven Gewerbe aufnötigen, ist für sich maßlos; jeder erreichte Stand der Lohnstückkostensenkung ist immer zugleich der Anspruch auf eine erweitere und neue ebensolche Senkung."

— Das ist aber doch kein Maßstab, der dem produktiven Kapitalisten fremd ist, das sind doch auch seine Maßstäbe, die seine, vom Finanzkapital beurteilte, Kreditwürdigkeit ausmachen. Es sind die Gesetze des produktiven Kapitals selber.

— Nein, sie haben zwar eine Identität im Interesse, aber ihr Verhältnis ist ein widersprüchliches. Der Widerspruch in dem symbiotischen Verhältnis ist der, dass tatsächlich das Finanzkapital dem produktiven Kapital diesen Maßstab aufnötigt, in der Art und Weise, dass, sofern die Produktiven dem Maßstab nicht nachkommen, das Kreditgewerbe sie zugrunde gehen lässt. Also, dass sie dasselbe Interesse verfolgen, ist nicht die Zurückweisung davon, dass es innerhalb dieses Interesses einen Widerspruch gibt.

— Die Banker fordern, dass ihre Zockerei und ihre Spekulation, die sie ins produktive Kapital setzen, sicher ist. Die wollen eine Sicherheit ihrer Spekulation, und die Sicherheit haben sie darin, dass die Arbeit möglichst produktiv benutzt wird, wenn sie ihre Mittel schon einsetzen. Schon allein die Sicherheit ihrer Spekulationsgeschäfte verlangt einen Bezug auf die Arbeit, dass die Beschäftigung rentabel zu sein hat. Die Sicherheit für ihre Spekulation bekommen sie, indem sie das Interesse des produktiven Kapitals an der Senkung der Lohnkost immer schon fordern.

— Ausgangspunkt ist: Es ist eine Verharmlosung zu sagen, dem Finanzkapital ginge es nicht um Arbeitsplätze, denn der Hammer ist, wie es dem Kapital um Arbeitsplätze geht. Deren Anspruch an die Arbeitsplätze kann die Arbeit immer weniger genügen. Und das in zweifacher Hinsicht: 1. Die Arbeit kann dem immer weniger genügen, weil immer weniger Arbeit genügt, die Ansprüche des Finanzkapital zu befriedigen (es diktiert den Standard der Ausnutzung aller technischen Mittel zur Steigerung der Produktivität), die Warenproduktion kommt mit immer weniger Arbeit aus. 2. Das andere ist die Fortsetzung in dem Absatz, der zur Krise überleitet. Es bereitet damit auch das "Zuviel" in der Krise vor. Da wird gesagt: die Arbeit genügt den Ansprüchen des Finanzkapitals in dem Sinne immer weniger, weil immer weniger Arbeit rentabel angewendet werden kann. Überakkumulation heißt ja, dass es sich nicht mehr lohnt. Die Arbeit kann all die Ansprüche, die akkumuliert werden, nicht mehr befriedigen. Insofern genügt sie immer weniger den Ansprüchen des Finanzkapitals.

Es ist an der Arbeit ausgedrückt, was im Absatz drüber steht mit dem Verhältnis von Mittel und Maßstab, was die Rolle des Kredits angeht. Der Kredit ist das in immer größerem Umfang einsetzbare Mittel, und in dem Maße, wie er das ist, ist er der beständig verschärfte Maßstab für den erfolgreichen Einsatz. Als Mittel sorgt er dafür, dass sie mit immer weniger Arbeit rentable Produktion auf immer größerem Maßstab

durchführen können. Dass aber umgekehrt auch immer weniger reicht, um dem zu genügen, was an Kreditmäßigen Ansprüchen daran mitakkumuliert ist.

— Zum Rest vom Kapitel ist noch zu sagen: dass die Parteinahme für Arbeitsplätze dazu führt, den Arbeitsplatz jenseits dessen, wofür man ihn vom Ausgangspunkt her haben will, zur Forderung wird, wenn die Gewerkschaft sich dieses Interesses annimmt. Mit allen Konsequenzen, was Lohnhöhe und Arbeitsbedingungen betrifft.

— Der andere Punkt auf S. 99 geht allgemeiner auf die Anwälte, die sich der Arbeitersache annehmen. Wenn die CSU sich als deren Anwalt aufstellt und fordert "Sozial ist, was Arbeit schafft", kämpft sie gegen den Irrglauben, dass man vom Lohn leben können soll. Das ist der Standpunkt: alle Ansprüche sind Beschäftigungshindernisse. Für die Arbeiter ist der Ruf nach Beschäftigung die praktische Notwendigkeit, ohne ein Mittel dafür zu haben. Ihren Anwälten geht’s dagegen darum, die Arbeiter müssen auf alle Ansprüche verzichten.

Es tritt als Forderung auf, aber was da gefordert wird: dass man angewandt werden will, ist ja gar nichts, was man fordern kann. Anders ausgedrückt zum Zusammenhang vorhin: Wenn man sich auf den Standpunkt der Abhängigkeit stellt und von da aus seine Urteile und Forderungen bastelt, ist man schnell dabei, dass man sich, obwohl man so anfängt: Es ist doch nur die Bedingung von meinem Interesse, sich dann eben auf den Standpunkt der Bedingungen gegen das eigene Interesse schlägt. Dann ist man umgekehrt für jede Bedingung sehr offen, die von der anderen Seite aufgetischt wird, was nötig wäre dafür, dass sie Arbeitsplätze schafft. Als Einzelner sowieso, der sich nach der Decke strecken muss, und blöderweise auch als moderne Gewerkschaft. Dann hat man zwei Feinde, der eine ist das Finanzkapital, der andere sind die im Ausland, die einem angeblich die Arbeitsplätze wegnehmen.

— Es ist die Logik dieser Sorte Sichstellens zur eigenen Abhängigkeit von einer Sache in fremden Händen, für fremde Zwecke nach Arbeiter feindlichen Kriterien. Der Ruf danach, das soll aber meine Bedingung sein, beinhaltet notwendigerweise die Anerkenntnis, dass dann aber auch die Kriterien der Sache, die meine Bedingung sein soll, zu ihrem Recht kommen müssen. Und das ist der allgemeine Grundfehler dieser Stellung zur Bedingung. Dann ist man bei all dem, was nötig ist für die Funktion der Bedingung, die die Gegenseite definiert.

Um es weniger formell auszudrücken. Was die Sache ist, ist eben doch nicht Arbeit. Das ist der Bogen zurück zur Einleitung: Da, wo es um nichts als Arbeit geht, geht es eben nicht einfach um Arbeit, sondern um rentable Arbeit.

— Zur Fußnote 35. Da geht es um das eben Ausgeführte: Die Kriterien der Beschäftigung liegen auf der anderen Seite. Aber inwiefern ist die Forderung eigentlich systemfremd? Man tut so, als wenn man die Ware hätte, die die andere Seite will. Jetzt will aber die andere Seite gar nicht Beschäftigung, sondern Arbeit im Umfang und auf die Art und Weise, dass sie einen befriedigenden Überschuss abwirft. Rentabilität ist das Kriterium.

— Sie stellen sich auf den Standpunkt der Alternativlosigkeit, das macht die Härte. Alternativlosigkeit heißt Systemfrage. Als Arbeiter ist man auf die Bedingungen angewiesen, das ist kein theoretisches Problem: Er muss auf die Kriterien der Gegenseite eingehen; ein Arbeitsplatz ist die Bedingung für seinen Lebensunterhalt. Wenn ich da sage: 'Es muss so sein', dann habe ich keine andere Wahl, als die Kriterien der Gegenseite zu meinen zu machen.

Es ist der Unterschied zwischen dem Ruf nach Beschäftigung und dem nach rentabler Arbeit.

— Der Gedanke heißt doch, wenn Beschäftigung als Zweck gefordert wird, passt das nicht zum System der Lohnarbeit, weil sie dort die abhängige Variable der Rentabilität ist. Das ist der Gehalt, es liegt am Kapital, die Kriterien zu definieren, unter denen es die Arbeit verwenden will.

Praktisch herrscht ja inzwischen die Einsicht, dass man sich nicht mit Forderungen gegen das Kapital wenden kann, sondern da ist der Ruf nach Arbeit die Begleitmusik dazu, sich auf jeden Mist einzulassen, den das Kapital fordert.

— Im Kampf der Gewerkschaften gegen drohende Standortschließungen, den die Arbeiter mit Son- derangeboten in Sachen Willigkeit und Billigkeit gewinnen sollen, lassen sie sich in einen Vergleich bringen mit der Alternative: sie oder die Kollegen anderswo. Da wird so getan, als ob sie es in der Hand hätten zu bestimmen, wo ihr Arbeitgeber anlegt. Dabei liegt der Maßstab für den rentablen Gebrauch, dem sie genügen müssen, schon über den weltweiten Vergleich der international tätigen Unternehmen, beraten vom Finanzkapital, fest. Womit schon das nächste Kapitel angesprochen ist.

V. Der Weltmarkt (I.) 

— Was zu klären ist: Wenn das Geschäft nicht nur national, sondern international stattfindet – also Kauf und Verkauf von Waren auf dem Weltmarkt –, dann ist das nicht nur eine quantitative Ausweitung der Konkurrenz, sondern das Geschäft und in Konsequenz davon die Arbeit bekommt es nicht nur mit der Konkurrenz im eigenen Land, sondern mit der weltweit zu tun. Die Rentabilität, an der sich das Kapital jetzt misst, ist die Rentabilität weltweit. Die Konkurrenz wird jetzt modifiziert darüber, dass es verschiedene Gelder gibt, mit denen das Geschäft betrieben wird. "Die Nationalität des Geldes tritt als neue Geschäftsbedingung auf" (S. 103).

Zu klären ist, was es mit dieser Modifikation oder der neuen Bedingung für die Konkurrenz auf sich hat.

Was sie bewirkt und was nicht.

— Um mit dem anzufangen, was sie bewirkt: Es kommt eine neue Geschäftsbedingung dazu: dass es unter dem Gesichtspunkt der Internationalisierung nicht mehr ausreicht, für eine rentable Produktion (am Standort) zu sorgen in der Sicherheit, dass sich die Ware dann auf dem Markt erfolgreich versilbern lässt. Jetzt tritt dazu, dass z.B. Waren, die bisher erfolgreich in den USA verkauft worden sind, auf einmal kein lohnendes Geschäft mehr sind, entweder, weil die Ware zu dem Preis, den sie hat, in den USA nicht mehr abgesetzt werden kann oder nur zu einem Preis, der das Geschäft nicht mehr lohnend macht – eben, weil der Wechselkurs zwischen Euro und Dollar sich geändert hat. Wobei das Interessante am Wechselkurs ist, dass er keine feste Größe ist, die man als solche in die Kalkulation einbeziehen könnte, sondern ein Verhältnis darstellt, das sich laufend ändert; einerseits ist der Wechselkurs Bedingung fürs Geschäftemachen, modifiziert dessen Erfolg, andererseits ist er seinerseits Resultat der Geschäfte, die da laufen.

— Unter der modifizierenden Bedingung der Wechselkurse sich einstellende (Miss)Erfolge haben also selber eine Rückwirkung auf den Wechselkurs eines Landes: vermittelt darüber, wie sich der Erfolg national, also an einem Standort, niederschlägt oder nicht. Er ist also eine Bedingung, der der einzelne Kapitalist auch insofern enthoben ist, als sie die Rückwirkung des Gesamterfolgs des Standorts auf den Wechselkurs ist, die dann wieder als neue Bedingung von jedem Kapitalisten für seinen grenzüberschreit- enden Warenverkehr in Rechnung gestellt werden muss.

Und wie sieht dieses Hin und Her zwischen Wirkung und Rückwirkung inhaltlich aus? Worin besteht die Rückwirkung?

— Darin, dass die Währung eines Landes, das – insgesamt betrachtet – mehr exportiert als importiert, stärker wird und umgekehrt.

Vorher ging es darum, inwiefern der sich ändernde Wechselkurs eine Wirkung auf die Konkurrenz hat: Eben insofern, als ein steigender Kurs der eigenen Währung die eigenen Produkte verteuert und so die Konkur- renz für den einzelnen Exporteur erschwert, umgekehrt erleichtert ein Sinken des Kurses der eigenen Währung dem einzelnen Exporteur, seine Produkte los zu werden, während für den Importeur die importierte Ware teurer wird. Das sind die Modifikationen des Wechselkurses, die sich auf das Konkurren- zgebaren der Kapitalisten niederschlagen. Die Seite des Bewirkten ist: Häufen sich Erfolge bzw. Misser- folge in einer Nation, dann schlägt sich das in der besagten Weise auf deren Wechselkurs nieder. Was gerade als ‚dem Kapitalisten enthoben’ gekennzeichnet wurde, ist – positiv ausgedrückt: Der einzelne Kapitalist hat es in der Währung mit einem Aggregat des relativen Konkurrenzerfolgs seiner nationalen Klassenbrüder zu tun.

— ‚Aggregat’ heißt also: Eine harte Währung ist eine Auskunft über die Kapitalproduktion an diesem Standort, und zwar in dem Sinne, dass da nicht ein Kapitalist mal erfolgreich exportiert hat, sondern das, was an diesem Standort insgesamt ökonomisch passiert, sich dadurch auszeichnet, dass es von überlegener Rentabilität ist, dass das dort Produzierte weltweit erfolgreich verkauft werden kann, und das drückt sich an der Qualität der Währung, eben dem steigenden Kurs, aus.

— Für die Seite der Arbeit bedeutet der Übergang zum internationalen Geschäftsverkehr: schon wieder kommt es auf sie und ihre rentable Benutzung an, denn nur, wenn auch die Arbeit international verglichen wird, ist internationaler Handel als: man betätigt sich erfolgreich auf dem Weltmarkt, möglich.

Im internationalen Handel, wenn der Kapitalist den Preis seiner Waren im Ausland realisieren will, misst sich also die Arbeitsproduktivität eines Landes unmittelbar mit der anderer Länder, vermittelt über die Wechselkurse. Und wodurch sind die bestimmt? Der Ausdruck in der Währung modifiziert dann auch noch mal unmittelbar das Verhältnis der verschiedenen Produktivitäten. (An der Art der Kalkulationen hinsichtlich der Arbeit – wie sie verglichen wird, was sie kostet und was sie leistet – ändert sich nichts, wenn sie sich auf die ganze Welt bezieht).

Der Vergleich der Standorte kommt genauso vor: als die Bedingung, die dem Kapitalisten in der Konkurrenz, in der er steckt, in Form des Wechselkurses gegenübertritt, in dem sich ausdrückt, wie die zusammengefassten Konkurrenz(miss)erfolge eines Standorts auf die Währung rückwirken. Der ‚Perspek- tivwechsel zur Konkurrenz der Standorte’ ist hier noch nicht Gegenstand (erst in VI). An dieser Stelle konkurriert immer noch Chrysler gegen Mercedes (die in der besagten Weise mit den Resultaten des Standortvergleichs zu tun haben).

Der Wechselkurs, also das sich verändernde Verhältnis von nationalen Geldern, ist versachlichtes Resultat des Geschäftsgangs: Einerseits ist dieser der Rentabilitätsvergleich über Grenzen hinweg, aber weil es auch der Rentabilitätsvergleich über Währungen hinweg ist, hat der Vergleich diese verselbständigte Form des Vergleichs zwischen den Geldern, was dann seinerseits eine Modifikation ist (kommt später).

Dass sich ändernde Wechselkurse das eine Geschäft erleichtern, das andere behindern, hat zu der wirtschaftswissenschaftlichen Auffassung geführt, es gäbe „einen Marktmechanismus zur Korrektur außenwirtschaftlicher Ungleichgewichte“ (S. 104), der einen wunderbaren Ausgleich darstellen würde dadurch, dass bei einem Handelsbilanzüberschuss der Wechselkurs steige, das aber würde das Exportieren dadurch erschweren, dass die Waren auf dem anderen Standort verteuert würden. Abgesehen davon, dass das so etwas von kontrafaktisch ist, ist das eine sehr selektive Betrachtung, weil nicht nur die Exporte verteuert, sondern auch die Importe verbilligt werden. Was da als ‚teuer’ ausgedrückt wird, ist ja

nichts anderes als eine gewachsene Zugriffsmacht des nationalen Geldes auf den Reichtum der Welt. Das machtesfürdieImporteurebilliger– dasistschonmaldergegenwirkendeEffekt.DasUnsachlichebeider obigen Auffassung ist, dass die Modifikation gegen das gehalten wird, wo sie herkommt. Angesichts dessen, dass der Wechselkurs Resultat einer überlegenen Rentabilität und Konkurrenzfähigkeit eines (gesamten) nationalen Kapitals ist, ist es albern zu sagen, das könne sich dann auch wieder in dem Steigen des Wechselkurses aufheben. Das tut so, als ob die Ursache: überlegene Anwendung von Kredit für die immer rentablere Anwendung von Arbeit, sich in einem quantitativ veränderten Wechselkursverhältnis aufheben würde. Das leugnet, was der Wechselkurs repräsentiert.

— Ich habe eine Frage, wobei mir nicht klar ist, ob sie an diese Stelle gehört: Es gibt gerade in Krisenzeiten den sog. Abwertungswettlauf als Instrument zur Eroberung von Weltmarktanteilen, z.B. wird China seit Jahren vorgeworfen, dass es sich durch die Anbindung seiner Währung (die eigentlich höher bewertet werden müsste) an den Dollar ungerechtfertigte Konkurrenzvorteile verschaffe.

— Es gehört insofern nicht hierher, als es sich um einen Vorwurf an das staatliche Handeln Chinas handelt und darum geht es hier noch nicht, sondern hier geht es um die Modifikationen bei Import und Export durch den Wechselkurs. Es geht hier noch nicht darum, dass der Staat dieser internationalen Konkurrenz nicht tatenlos gegenübersteht und in der Krise dann sein Geld betätigt.

Es schlägt sich eben nieder, dass es keinen ‚Ausgleichsmechanismus’ gibt, sondern dass die internationale Konkurrenz zu einer Sortierung der Währungen in tendenziell stärkere bzw. schwächere führt – mit den für die Unternehmen einschlägigen Konkurrenzbedingungen (die sich sofort für sie in Konkurren- znotwendigkeiten übersetzen). Der Erlös für die erfolgreich exportierten Waren wird seinem Wert nach zunehmend fraglich, und zwar in dem Sinn: „Ökonomisch ist es deswegen völlig in Ordnung, wenn die in fremder Währung realisierten Erträge eines Unternehmens aus einem exportstarken Land, in dessen heimischer Währung gemessen, tendenziell sinken“ (S.105) Das eine ist: dann muss man für Abhilfe sorgen, andererseits hat man es ja wirklich mit einem Widerspruch zu tun: Überlegene Ausbeutung rentabler Arbeit wird realisiert in Geld und gerade dadurch wird das, worin es realisiert wird, tendenziell dem Wert nach weniger: Gerade mit den Absatzerfolgen ruiniert das Kapital das (fremde) Geld, in dem es diese Erfolge einstreichen will, oder zumindest senkt es dessen Wert. Da sagt der Artikel: Das ist in entscheidend neuer Form ein dem Kapitalismus immanenter Widerspruch, der an früherer Stelle schon ausgiebig besprochen worden ist.

— Nämlich so, wie das Kapital im Inneren durch seine Konkurrenzanstrengungen seinen Reichtum tendenziell untergräbt, so untergräbt es durch seine Exporterfolge die Zahlungskraft der unterlegenen Nation, wobei sich dieser Widerspruch auf zwei Länder verteilt: die Nachteile des Widerspruchs (die Minderung des geschaffenen Geldreichtums) hat diejenige Nation zu verkraften, die in diesem Vergleich unterlegen ist, während die überlegene an Geldreichtum gewinnt ohne überhaupt mehr produziert haben zu müssen.

Die erfolgreiche Konkurrenz mindert also gerade das, worum sie sich dreht, weil sie in zwei gegeneinander selbständigen Uniformen von Geldreichtum stattfindet, so dass sich die beiden Seiten des Widerspruchs auf die beiden Gelder und damit auf die beiden Nationen verteilen: Die eine wird durch die Konkurrenz und deren Wirkung auf den Wechselkurs reicher, einfach dadurch, dass der relative Wert der nationalen Uniform des Reichtums im Verhältnis zu den anderen Uniformen wächst, während die andere Nation, obwohl auch da von früh bis spät gearbeitet wird, einfach dadurch ärmer wird, dass ihre Währung im Verhältnis zu der anderen sinkt.

— Also der ökonomische Erfolg einer Nation – die „insgesamt rentabler ausgenutzte Arbeit“ – schlägt sich in der Wertsteigerung ihrer Währung nieder, das verdiente Geld repräsentiert mehr Geldreichtum, mehr Zugriffsmacht auf die ganze Welt, „ohne dass auch nur ein Stück wirkliches Eigentum mehr produziert werden musste“ (S.29 oben).

Weil eben die ökonomische Natur des Reichtums Zugriffsmacht ist, wie viel davon in ihm enthalten ist – das ist der kapitalistische Reichtum und nichts anderes.

— Und für den Lohn heißt das: Er wird über die ‚Härte’ der eigenen Währung auch ein Stück mächtiger, wenn der Arbeiter auf Mallorca fliegt – das ist die Rückwirkung des nationalen Standorterfol- gs auf die Währung und ihren Wert, die sich beim Arbeiter (jedenfalls im währungsschwächeren Ausland) positiv niederschlägt, aber es ist sozusagen nur das Derivat dessen, dass seine Arbeit (mehr oder weniger) rentabel ausgebeutet wird, und zwar international.

— Das andere Argument zum Lohn ist: Wenn dieser Widerspruch sich auf zwei Nationen verteilt, die eine reicher und die andere ärmer wird, dann wird die hergestellte relative Verarmung der anderen Nation – einschließlich der darin eingeschlossenen Verbilligung der Löhne – zum Argument gegen die Löhne, die in der reicheren Nation gezahlt werden; also ausgerechnet die Nation, die die Arbeitskraft am produktivsten verwendet, macht den Effekt, dass eine andere Nation darüber verarmt, zum Argument gegen die einheimischen Löhne: sie wären zu hoch.

Und da ist es auch – die gewerkschaftliche Lohnzurückhaltung mal unterstellt – ein Beitrag zur Verbilli- gung der nationalen Arbeitskraft, wenn man sie mit – wegen der international vergleichsweise niedriger werdenden Preise – billigen Lebensmitteln versorgt.

Dass die gerade erwähnte Einlassung von Unternehmens- und Staatsseite bezüglich des nationalen

Lohnniveaus nicht nur ein rhetorisches Argument, sondern die Begleitmusik zu einer entsprechenden Praxis ist, darum geht es im 2. Punkt (am 27.1.)