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Den Feind kennen

Jour fixe vom 09.12.13 – Fortsetzung Arbeit und Reichtum

Zu IV, 3. (S. 87)

   — Im Protokoll steht als Übergang zur Krise, dass der Kredit das Kapital von seinen bisherigen Erfolgen freisetzt und mehr Ansprüche in die Welt setzt, als befriedigt werden können. Genauer muss gesagt werden: Mit dem Kredit werden die Kapitalisten für einen Konkurrenzkampf freigesetzt, dessen Mittel und Methoden dem Zweck der Profitmacherei entgegen laufen. Die Kapitalisten nützen den Kredit, um mit neuen Investitionen zur Stückkostensenkung andere nieder zu konkurrieren. Die Konkurrenten ziehen nach und verallgemeinern damit das neue Konkurrenzniveau. Das hat zum Ergebnis, dass insgesamt die Erwirtschaftung von Profit erschwert wird. Alle müssen ihren Vorschuss steigern in der Hoffnung, dass damit ihre Profiterwirtschaftung über einen gesunkenen Marktpreis gelingt und zugleich auch noch die gesteigerten Ansprüche befriedigt werden. Der Kredit facht eine ruinöse Konkurrenz an. Wie es am Anfang von 3. steht, die Erfolge addieren sich nicht einfach, denn Erfolge des einen gehen auf Kosten der anderen.

   — Mit diesem „die Erfolge addieren sich nicht einfach“, wird einerseits schon behauptet, dass sie sich addieren – aber eben nicht „einfach“. Wer addiert sie denn? Addieren sie sich bei den kreditierenden Finanzunternehmen oder vom Standpunkt der Nation? Gefragt ist nach dem Subjekt, das hier addiert.

   — Es wird doch nur gesagt, dass auch bei "insgesamt positiver Wachstumsbilanz – der betroffenen Bank und überhaupt" (S. 87.) Niederlagen in der Konkurrenz eintreten.

   — Als Konkurrenten stehen sie gegeneinander, als Klasse können sie aber insgesamt durchaus ein Wachstum produzieren, eine Leistung, die von dem Einzelnen getrennt ist, aber vom Staat bilanziert wird.

   — Im Text ist es noch einfacher gemeint. Die Banken kreditieren viele verschiedene Geschäfte. Und all diese kreditierten Geschäfte sind nicht einfach in der Summe eine Reihe von Erfolgen, sondern die gleichermaßen kreditierten Unternehmen verwenden den Kredit in Konkurrenz zueinander.

Der Widerspruch ist, dass eine Konkurrenz kreditiert wird. Dies von jeder einzelnen Bank und vom Finanzgewerbe als Ganzem. Und dass das ein Widerspruch ist, heißt überhaupt nicht und nicht andauernd, dass der Kredit nicht im Großen und Ganzen dann auch tatsächlich ein wachsendes Geschäft anstoßen, bewirken und dann auch bilanzieren kann. Aber auch wenn es im Großen und Ganzen aufgeht, bleibt der Widerspruch, dass nicht jeder mit dem Kredit in die Welt gesetzte Anspruch auf erfolgreiche geschäftliche Bewährung aufgehen kann, denn es werden ja Konkurrenten gegeneinander in Stand gesetzt. So hat dann auch die Fußnote 33 ihren Platz.

   — Das bringe ich schwer mit dem Begriff 'Widerspruch' zusammen. Muss man nicht eher sagen: Zu dieser Sorte Versorgung der gesellschaftlichen Zahlungsfähigkeit gehört es notwendig dazu, dass nicht alles Geld im Umlauf wirklich in erfolgreichen Geschäften realisiert wird, sondern immerzu Zahlungsfähigkeit über das hinaus vorhanden ist, was im Endeffekt tatsächlich als verdientes Geld da ist. Das ist kein Widerspruch, sondern gehört als Bedingung dazu.

1. Dazugehören und Widerspruch sind nichts Widersprüchliches. 2. Gemeint ist: Mit Notwendigkeit realisieren sich nicht alle Kredite erfolgreich als Kapital. Diese Notwendigkeit hat verschiedene Erscheinungsformen. Das eine sind die Pleiten, die zu jedem Aufschwung dazugehören, das andere ist die Inflation. Jetzt ist gleich noch (in Fn. 33) gesagt, die Inflation ist nicht die einzige Wirkung dieses Widerspruchs. Was man so als Teuerungsrate kennt, ist auch je nach Konjunkturzyklus nicht immer dasselbe, sondern Ausdruck von verschiedenen Sachen. Die Fn. geht so los, "dass das Kreditgewerbe insgesamt mehr Zahlungsfähigkeit schafft, als dann tatsächlich erfolgreich in Wachstum verwandelt … wird", das bedeutet aber dann mal das eine oder das andere. Es wird immer mit mehr gewirtschaftet als erwirtschaftet worden ist. Und so ist es in dem Fall, wo "eine entsprechende Wertzulage seiner Investments dem Zuwachs an geldwertem Eigentum" davoneilt, (nur) Ausdruck des Aufschwungs und der Erfolgsgewissheit.

   — In Zeiten des Booms ist reichlich Kredit vorhanden, der wird genommen. Von daher haben die Kapitalisten das Geld, erhöhte Preise beim Einkauf zu zahlen, weil sie darauf spekulieren, dass sie hinterher das auch auf ihren Preis aufschlagen und auch mit erhöhten Preisen Gewinn machen. Mit Blick auf diese Phase, in der etwas Inflation das Wachstum nur schmälert, aber nicht kaputt macht, befinden die Journalisten Inflation als wachstumsfördernd, und nicht als negativ.

   — Die befinden die Inflation nicht als negativ, denn sie schadet ja nur der Klasse, die die Endpreise zahlen und nicht als Preisaufschlag weitergeben können. Auf die kommt's bekanntlich nicht an und 2 - 3 % Inflation gelten als Geldwertstabilität.

Hier soll doch gesagt sein, dass es etwas total Begriffsloses ist, es an der Höhe der Inflation festzumachen. Dass man sich mal mit ihr zufrieden gibt und mal nicht, liegt daran, wovon sie Wirkung ist. Ist es die notwendige Begleiterscheinung eines Aufschwungs, wo die Kreditschöpfung dem vorauseilt, was es an Geschäft anstößt; oder ist es die Begleiterscheinung eines Abschwungs, in dem Inflation dann der Ausdruck davon ist, dass sich ganz viel geschaffener Kredit endgültig nur als unproduktive Zahlungsfähigkeit erwiesen hat? Dazu gehören auch alle Bemühungen, dieses Urteil nicht gelten zu lassen, sondern neuen Kredit dagegenzusetzen.

  — Mir leuchtet nicht ein, dass Inflation ein Ausdruck im Abschwung sein soll? Weil dann können die Unternehmen ihre erhöhten Preise nicht mehr am Markt durchsetzen, geben sogar immer höhere Preisnachlässe, dadurch geht doch die Inflation zurück?

   — In der Fn. 33 ist angesprochen: Inflation als Ausweis der Krisensituation. Da ist darauf hingewiesen, dass die per Kredit gestiftete Zahlungsfähigkeit nicht mehr Mittel für ein lohnendes Geschäft ist, sondern der Kredit nur dazu benutzt wird, steigende Preise zu zahlen. Dass der Kredit also gewährt wird und insofern auch Zahlungsfähigkeit da ist, aber dass der Kredit selbst gar nicht als lohnende Anwendung benutzt wird. Höhere Preise werden noch gezahlt, da man trotz Rückgang der Geschäftstätigkeit noch Kredit bekommt. Das andere ist, auf den sinkenden Absatz mit Preisnachlässen zu reagieren, so dass Preise fallen und die Befürchtung von Deflation aufkommt.

Man kann auch gar nicht so einseitig sagen: Kaum wird die Marktlage schlecht, müssten die Unternehmen als erstes ihr Geschäft kontrahieren und die Preise senken. Dann ist es genauso eine Strategie, mit vermehrtem Einsatz von Kapital um den insgesamt schrumpfenden Markt verschärft zu konkurrieren. Dann ist die Konkurrenz nicht eine um den wachsenden Markt, sondern gleich ein Verdrängungswettbewerb – aber auch der wird mit Kredit geführt. Und dann gibt es noch die 3. große Instanz: den Staat, der seinen Bedarf gar nicht davon abhängig macht, was seine Wirtschaft ihm an Steuereinnahmen ausschwitzt. Was er da an Mitteln weniger einnimmt, erhöht er an dem Kredit, den er sich gibt. Dazu kommt, dass Staaten in der Krise nicht einfach ihr normales Programm veranstalten, sondern ihrerseits mit großen Programmen gegen die Krise angehen.

Es wird ja auch nicht bestritten, dass im Abschwung die Kapitalisten vielleicht ihre Preise nicht realisieren können und Preisnachlässe anbieten. Aber hier ist nur die Frage angesprochen: Wenn dann noch Teuerung stattfindet, was signalisiert die im Abschwung? Eben dass der Staat durch Konjunkturprogramme etc. versucht, die Wirtschaft wieder zu beleben, durch staatlichen Kredit das Wachstum zu ersetzen.

   — Das grundsätzliche Verhältnis ist, dass Kredit reichlich vorhanden ist in der Konkurrenz der Kapitale und damit eine prinzipielle Differenz besteht zwischen dem abstrakten Reichtum, der sich realisiert, und Erwartungen auf diesen Reichtum. Und Geld als die Maßeinheit, das Maß der Werte wird pro Quanta kleiner. Das findet man auf den Markt dann als teurere Preise und umgekehrt auch mal in der Krise als Deflation, die Preise fallen.

   — Bisher ist Inflation ausgedrückt worden als steigende Preise. Eben wurde es nach der anderen Seite ausgedrückt: Das Geld wird weniger wert, man bekommt nicht mehr so viel dafür. Insofern ist es einmal am Geld und einmal an den Preisen ausgedrückt. Diese steigenden Preise oder der fallende Geldwert ist ein Missverhältnis zwischen Kredit und dem damit bewerkstelligtem Wachstum. Für die unterschiedlichen Konjunkturphasen heißt das: Im Aufschwung/Boom stellt sich das Missverhältnis dar als reichlich vorhandener Kredit, der genommen wird und auch erhöhte Preise realisiert, in Hinsicht auf ein noch nicht stattgefundenes Wachstum. Im Abschwung/Krise stellt sich das Missverhältnis von Kredit und Wachstum anders dar: Der Kredit wird nicht mehr als das Mittel benutzt, ein Wachstum zu erzielen, sondern es wird letztlich nur noch ein Kredit vergeben, mit dem nichts anders stattfindet, als dass nur höhere Preise gezahlt werden.

Zur Klärung: In der Fn. 33 geht es nicht um den Begriff der Inflation in Absetzung zu vorhandenen Missverständnissen (das ist in anderen Schriften der Fall). Hier geht es nur um den Hinweis: aus diesem Missverhältnis zwischen geschaffenem Kredit, der schon realisierter sein soll, und dem tatsächlichen Überschuss, ergibt sich die Inflation. Hier wird einfach der Witz von Inflation gesagt; mehr nicht, und dass diese Inflation in den verschiedenen Phasen der Konjunktur eine unterschiedliche Bedeutung hat. Und die zweite Sache ist, wen trifft die Inflation in den verschiedenen Phasen. Das ist Gegenstand der Fußnote, den soll man nicht mit einer Fragestellung belasten, die sie nicht hat.

Also: 1. Was ist im Kapitalismus eine ökonomische Krise und 2. Was ist ihr Grund (abgesehen davon, dass sie regelmäßig kommt, was man niemanden sagen muss)? Worin besteht der Abschwung, der seinen Grund im Aufschwung hat, und nicht in dem, dass im Aufschwung was entgleist? (S. 91 f.)

   — In der Krise zeigt sich die Absurdität, dass von allen nützlichen Gütern zuviel da ist, von Produktionsmitteln, Wohnraum, Lebensmitteln etc. Der gesellschaftliche Lebensprozess stockt, obwohl alles vorhanden ist. Wenn alle Güter, die hergestellt werden, nichts sind als ein Mittel dafür, kapitalistischen Reichtum herzustellen, dann taugen sie eben in der Krisen-Situation, wenn sie nicht zu verkaufen sind, nichts mehr. Das ist die absurde Konsequenz von diesem Prinzip und kein Versehen; da ist nichts schiefgegangen, sondern es ist konsequentes Ergebnis davon, dass die produzierten Güter nur funktional fürs Wachstum zu sein haben, oder eben zu nichts taugen.

Wenn man sich das Wort Überhitzung mal überlegt – das ist ja so ein Bild für: zuviel von dem, wo etwas weniger gut wäre –, dann tippt das einerseits das an, dass es in dem Vorherliegenden liegt und zugleich ist, durch diesen Formalismus des Bildes, jede sachliche Notwendigkeit – dass es an dem liegen muss, was da wächst – ausgeräumt. Jetzt ist man hier wieder da, wo man bei Kap. IV. 3. eingestiegen ist: Das Wachstum ist eines, das im Modus der Konkurrenz fabriziert wird, also liegt es auch daran, wenn das periodisch umschlägt: Der ganze Reichtum ist zu nichts zu gebrauchen, von daher zuviel. Das Wachstum tritt in Widerspruch zu seinem Zweck.

   — Auf S. 90 steht: "…mit dem Ergebnis, dass die Erfolgreichen mit mehr Kapital dessen Produktivkraft kaum oder gar nicht steigern, womöglich gar senken …" Die ganze Veranstaltung zielt doch darauf, dass sie in der Konkurrenz versuchen, durch eine gesteigerte Produktivität, sich durchzusetzen? Wieso senken die Erfolgreichen die Produktivität? Das leuchtet mir nicht ein."

   — Es ist ja die Produktivität des Kapitals gemeint, das ist die Rendite. Die sinkt, mit den Mitteln, sie zu steigern. Das wird als Widerspruch gekennzeichnet. Gemeint ist, dass das vorgeschossene Kapital deswegen weniger Gewinn auf sich zieht, weil zur Eroberung von größeren Marktanteilen die einzelne Ware weniger Gewinn in sich trägt. Die Profitrate sinkt.

Die technische Produktivität der Arbeit wird beständig erhöht durch immer mehr Kapital zum Zwecke der Senkung der Preise und der Erhöhung der Masse.

Auch (und gerade) die Erfolgreichen verwenden viel Aufwand darauf, die Quelle zu reduzieren, aus der sie den Gewinn machen. Es geht um die Produktivkraftsteigerung der Arbeit, die technische Produktivität der Arbeit, die wird gesteigert, insofern mit weniger Arbeit mehr Produkte hergestellt werden können. Die Folge davon ist das Sinken der Profitrate, das soll kompensiert werden durch die Profitmasse.

   — Auf S. 90 steht: "So widerstreitet die im Konkurrenzkampf angewandte Methode dem angestrebten Effekt, ein Widerspruch, dessen letzter Grund im vorigen Kapitel schon erläutert worden ist:" Dann kommt der Doppelpunkt: '…die Verringerung des Lohnanteils, verringert den produzierten Wert, und verringert den Wert des in der verkäuflichen Ware wiedererscheinenden Betriebskapitals'. Wieso letzter Grund?

   — Das ist die Anspielung auf die Armut der Arbeiter als "letzten Grund der Krise" bei Marx (K III, S. 501).

   — Vorher im Absatz wird das formuliert als das Verhältnis von Profitrate und -masse. Hinter dem Doppelpunkt wird es anders ausgedrückt als das Verhältnis von Eigentum und Arbeit. Das, was das Resultat des Produktionsprozesses ist und worauf es ankommt, ist, dass der Unternehmer das Eigentum am produzierten Produkt hat, das er in eine gewachsene Geldsumme verwandeln will. Dieser Gesichtspunkt heißt bezogen auf die Arbeit, dass er von dem, was er mit der Ware an Geld erzielen kann, möglichst wenig wegzahlen will für die Arbeit, er also die Produktion der Ware mit möglichst wenig bezahlter Arbeit vonstatten gehen lassen will, was die bittere Konsequenz hat – da ist man wieder beim gleichen Grund –, dass er damit die Arbeit als das, was überhaupt den neuen Wert der Ware produziert, ständig vermindert.

Umgekehrt, er vermindert den Wert der Ware, um möglichst einen großen Anteil von Mehrwert für sich zu behalten.

   — Er vermindert die Quelle des kapitalistischen Reichtums und damit auch die Quelle des Einkommens für die Arbeiter.

   — Im Hinblick auf den zu erzielenden Verkaufspreis der Ware erscheint jeder Euro, der bei der Produktion für Lohn weggegeben wird, als Abzug von dem zukünftigen Erlös.

   — Es sollte aber nicht so ausgedrückt werden, als wäre der Kapitalist besonders knauserig. Dass er weniger Lohn zahlt, kommt von seinen Bemühungen, sich in der Konkurrenz durchzusetzen durch Erhöhung der Produktivität, also erhöhtem Einsatz von Maschinerie, um die Lohnstückkosten zu senken, dadurch spart er Arbeiter ein.

Warum wird das dagegengesetzt? Was ist denn der Kampf gegen zu hohe Lohnstückkosten anderes als –wenn man dieses Wort gebrauchen will – Knauserigkeit? Die Arbeiter dürfen möglichst wenig von dem geldwerten Produkt haben, das sie schaffen. Das ist das Erfolgsmittel in der Konkurrenz (und keine Charakterfrage der Kapitalisten). Da kann man den Schluss daraus ziehen: Dann ist also die Ausbeutung der Arbeit Quelle und Substanz aller Gewinne.

   — Knauserig ist nicht so zu verstehen, dass der Kapitalist generell sparen würde. Er gibt ja mehr Geld aus, investiert mehr, um seine Produktivität zu steigern. Nur an den Lohnkosten spart er.

Er erspart sich die Bezahlung der Arbeit, durch ganz viel aufgewendetes Kapital. Das ist seins, und die Arbeit sorgt dafür, dass es sich als das Seine reproduziert.

   — Man kann es einmal als Gesetz der Konkurrenz ausdrücken, und einmal als das Interesse, das in dieser Konkurrenz waltet.

   — Man muss das Argument doch benennen. Das Mittel der Durchsetzung ist nun mal die Einsparung an den Arbeits-Löhnen, das benutzt er bewusst. Die Verarmung der Leute ist sein Mittel. Man darf nicht nur Konkurrenz sagen, sondern zeigen, wie sie vorgehen in der Konkurrenz, sonst bekommt es den Charakter von Entschuldigung.

Man kann nicht sagen, wegen der Konkurrenz kauft er teure Produktionsmittel und das hat dann eine Konsequenz für die Arbeit, weil doch schon der Kauf der Produktionsmittel darauf berechnet ist, die Arbeitskosten einzusparen. Es geht um Einsparung dessen, was man der Arbeit zahlt, dafür steigern sie die Produktivität, das lassen sie sich viel kosten: Der Arbeit möglichst wenig dafür zu bezahlen, dass sie ihnen ihr Eigentum erhält und mit Überschuss versieht.

Was hat das alles mit Kredit zu tun? (S. 90f.) Im Punkt vorher war gesagt, das, was das Finanzkapital kraft seiner Macht, die es hat und die es sich verschafft, kreditiert, ist eine Konkurrenz um Profit. Und was es kreditiert, ist diese Konkurrenz mit dem Widerspruch und der Schranke, die die sich selbst schafft. Wie und warum ist hier das Thema gewesen. Wie modifiziert der Kredit diesen Widerspruch?

   — Der Unternehmer muss den Kampf um den Zuspruch des Finanzkapitals gewinnen, muss Kreditwürdig sein. Da er die Mittel für die Produktivitätssteigerung nicht hat, ist sein Überleben von deren Entscheidungen abhängig. So ist seine Unternehmensstrategie Mittel für die Kreditvergabe, von vornherein am Finanzkapital orientiert.

   — Vorher kommt noch das Argument, wie der Kredit den Widerspruch auf eine neue Stufe hebt. "Er überwindet die Begrenzung des Wachstums auf die Größe des realisierten Ertrags" welches eigentlich vorher (begrifflich) die Mittel für das Weitertreiben dieses Widerspruchs nicht in dem Maße hat aufkommen lassen. Er verschärft den Widerspruch dadurch, dass er die Mittel liefert für das Wachstum, das sich selbst zur Schranke wird.

   — Solange die Kapitalisten noch Kredit bekommen, brauchen sie sich nicht um schwierige Absatzbedingungen zu scheren. Wenn sie beim Finanzkapital vorweisen, dass sie neue Konkurrenzanstrengen unternehmen können, neue Investitionen machen können, dann bekommen sie den Kredit. Auch die konkurrierenden Unternehmen bekommen Kredit von ihrer Bank für das Gegenmodell. So gesehen steckt in der Akkumulation die Überakkumulation drin.

   — Noch ein logisches Problem: Dass das Kapital den Fall der Profitrate selbst erzeugt, unterstellt, dass die Unternehmer nicht auf die Grenzen des Wachstum beschränkt sind, sondern immer schon Kredit haben. Was heißt es dann, dass das das Regime des Finanzgewerbes dadurch nicht nur verschärft, sondern "auf eine neue Stufe" gehoben wird. Dass sie es so weit treiben können und sich in die Krise manövrieren, unterstellt doch, dass sie Kredit haben, unabhängig von ihrem Rückfluss?

Der Einwand gegen das Argument "Verschärfung" kommt aus einem falschen Grund. Man kann ja sagen, in der Praxis ist die Erweiterung der Produktion oder die Anschaffung von neuen Maschinen immer schon eine, die mit Kredit gemacht wird. Jetzt kann man aber trotzdem unterscheiden, auch die Rückflüsse selbst geben eine Verbesserung der Maschinerie her. Die Rückflüsse heißen nicht nur, dass auf derselben Stufenleiter weiter produziert werden muss. Sondern sie geben die Möglichkeit für neue Maschinerie her, das wird aber verschärft dadurch, dass jetzt auch Kredit zur Verfügung steht, der das finanziert.

Dann würde ich auch die neue Stufe positiv ausdrücken, nicht gleich sagen, da hängt er dann vom Kredit ab, sondern dann leistet der Kredit die Befreiung der Abhängigkeit von dem realisierten Gewinn. Das hat dann die andere Seite, dass dann eben das Verfügen darüber von der Entscheidung des Finanzkapitals abhängt.

   — Insofern kann man es noch mal von dem Gedanken vorher aufnehmen: Profitrate und Profitmasse. Da war doch das Argument, dass der Kapitalist den Wert der Waren senkt, um mehr davon zu verkaufen. Dann muss er aber auch gegen die Konkurrenz viel von den verbilligten Waren verkaufen, damit sich der Überschuss einstellt. Der Kredit ist das Mittel, sich von dieser Schranke zu befreien. Wenn der Verkauf gelingt, dann kann er natürlich davon was Neues kaufen. Aber der Witz ist, dass sich der Verkauf, die Realisierung der Waren, gar nicht erst als Schranke auftut, sondern von vornherein mit dem Kredit das Problem der Realisierung am Markt übergangen wird.

   — Mir ist die neue Qualität nicht klar, die der Kredit an dieser Stelle haben soll – das Kapital hat doch immer schon Kredit genommen, um sich vom Rückfluss unabhängig zu machen. Geht das darüber, dass die Produktion erweitert, also gegen den Fall der Profitrate mit größerer Produktmasse weitergeführt wird?

Wenn man den Satz nimmt (S.90) „Der Konkurrenzkampf, mit dem die Unternehmen der ‚Realwirtschaft’ diesen Widerspruch praktisch durchsetzen, wird durch das Regime des Finanzgewerbes nicht bloß verschärft, sondern auf eine neue Stufe gehoben“ – und mit einer Zwischenerinnerung an das, worum es in III schon ging: die produzieren mit ihrer Akkumulation auch immer die Überakkumulation –, dann ist auch die Überakkumulation des realen Kapitals Sache des Finanzkapitals. Hier ist der neue Gegenstand, die Leistungen des Finanzkapitals in dieser Konjunktur-Phase zu bestimmen (wo es eben nicht mehr um das sich frei machen vom Rückfluss per Kredit geht). Das ‚Auf und Ab’ in der Konjunktur ist notwendig immer Überakkumulation: indem der Kredit die Akkumulation befeuert, befeuert er die Überakkumulation, macht es überhaupt haltbar, dass der Markt laufend überführt werden kann und in einer ganz anderen Größenordnung, nämlich je nach der Finanzkraft des Finanzkapitals.

Damit ruiniert das reale Kapital, indem es Erfolg hat, sich selbst tendenziell. Alles, was jetzt über das Finanzkapital und sein Verhältnis zum realen Kapital gesagt wird, muss man darauf beziehen – und da ist eben nicht nur Kreditwürdigkeit die neue Ebene. Also sowohl, dass ‚Kredit schon immer genommen wurde’ als auch die Kreditwürdigkeit und die Maßstäbe, denen der produktive Kapitalist gerecht werden muss, sind schon abgehandelt worden. Jetzt ging es drum: Wodurch bestimmt sich eigentlich die Krise? Eben aus der Konkurrenz und den Konkurrenzmitteln des produktiven Kapitals. Das wird dann verschärft durch den Kredit – so, wie es oben schon ausgeführt wurde –, insofern als die Rückflüsse nicht abgewartet, sondern mit Kredit überbrückt werden können und so erstmal nicht zur Kenntnis genommen werden müssen. Das Finanzkapital seinerseits ist mit den Konkurrenzanstrengungen des realen Kapitals konfrontiert und geht damit so um, dass es die jeweiligen Geschäftsvorhaben nach seinen eigenen Kriterien gegeneinander abwägt und ggf. den Kredithahn zudreht. Insofern ist das Finanzkapital ein wesentliches Moment der Verlaufsform der Krise: Es nimmt die Sortierung in Gewinner und Verlierer der Konkurrenz erstmal am einzelnen Unternehmen vor, entscheidet darüber, ob dieses entweder in einer ‚schwierigen, aber (mit Kredit) zu überbrückenden Phase’ ist, oder ob es doch dessen ‚geschäftliches Aus’ herannahen sieht. Genau so, wie es diese Sortierung zwischen den Unternehmen praktisch vornimmt, ist es die Instanz, die mit ihren Urteilen und Entscheidungen auch die Konjunkturphasen der Marktwirtschaft macht und damit ein allgemeines Urteil über das gesellschaftliche Wachstum fällt: „Wie den Aufschwung, so bewerkstelligt das Finanzwesen mit seinem Geschäftsgebaren auch den Umschlag des allgemeinen kreditgetriebenen Wachstums in Abschwung und Krise“ (S.91).

Konsequenterweise geht es im nächsten Abschnitt – jetzt auf dieser theoretischen Stufenleiter – um die neue Fassung von Krise: Was ist sie dann? Was ist womit in einen allgemeinen Widerspruch getreten?

   — Wie ist der Satz zu verstehen: “Angetrieben durch die Kreditschöpfung ... hat die Unternehmenswelt es wieder einmal dahin gebracht, mehr Ansprüche auf Wachstum des kapitalistischen Eigentums zu produzieren ... als sich realisieren lassen“ (auch S.91)? Ist die materielle Seite des hier genannten Anspruchs das investierte Kapital inklusive dem erwarteten Gewinn und dem, was man den Banken gegeben hat?

   — Das ist die Fortsetzung des vorherigen Gedankens: Das Bemühen um Senkung der Profitrate führt dazu, dass immer mehr – aber eben weniger profitträchtige – Waren verkauft werden müssen; das stößt an die Schranken der Kapitalverwertung. Diese Schranke wird durch die Vergabe von Kredit relativiert und zeitweise überwunden.

Und damit ist auch der Anspruch an das, was erzeugt werden soll, erhöht.

   — Weil sie den Kredit zurückzahlen müssen und weil ihr Kapital durch Kredit vergrößert ist, es muss sich reproduzieren und Gewinn machen.

Man darf den dem Realkapital gewährten Kredit nicht nur als Überbrückungsmittel denken, sondern auch, dass jetzt das zu erfüllende Anspruchsniveau höher geworden ist. Vorher ging es drum: Mit seiner Leistung unterwirft sich das Finanzkapital die gesamte gesellschaftliche Produktion; indem es seinen Kredit zu Kapital macht, sorgt es umgekehrt dafür, dass alles Kapital Kredit ist, also alles und alle für es produzieren. Der Realwirtschaft wird dann der Bescheid erteilt, dass nach dem maßgeblichen Urteil der Finanzmärkte die Produktivität des Kapitals nur ausnahmsweise befriedigend, insgesamt aber zu gering ist, um den für sie geschöpften und an sie vergebenen Kredit zu rechtfertigen und neue Kredite zu verdienen.

Die Realisierung des Warenwerts ist ‚zurückgeblieben’ hinter dem, was als Kredit investiert worden ist – ‚Überproduktion’ bezieht sich ja auch nur darauf, dass ersterer nicht realisiert werden kann. Darum nennt Marx das auch nicht Unterrealisation, sondern Überakkumulation, weil der Grund für das ‚zu wenig’ auf der einen Seite das ‚zuviel’ an Ansprüchen ist und wofür sie eingesetzt werden; es ist das Werk der Akkumulation, diese Schranke immer mit zu produzieren – sie stößt nicht auf diese.

Wie kommt das Finanzkapital zu dem allgemeinen Urteil über die Akkumulation, dass die es nicht mehr bringt? Phänomene wie die sog. Kettenreaktion (die eine Firma kann die andere nicht mehr bezahlen) sind schon Wirkungen dieser Entscheidung, die zwar in doppelter Hinsicht eine allgemeine ist, aber nicht gemeinsam gefällt wurde. Das scheint die negative Variante von dem zu sein, was vorher Gegenstand war: diese kryptische Vergemeinschaftung vermittels Konkurrenz – muss jetzt auch wirken. Der normale Verstand bebildert sich die mit dem „Herdentrieb“ der Anlegergemeinde, aber das ist nicht der ökonomische Inhalt dieser Aktionen: weil die einen anfangen, machen die anderen mit. Sondern es ist zu überlegen, was deren Kalkulation ist.

   — So wie die Kalkulationen in der Wachstumsphase darum gehen, möglichst vorn dabei zu sein, geht es auch jetzt – wenn die Kredite gefährdet sind – darum, diese Risiken rechtzeitig wieder los zu werden, bzw. zu minimieren.

Ja, „nicht zu früh, vor allem aber nicht zu spät müssen Gelder abgezogen und in Sicherheit gebracht werden“ (S.92) oder es wird gleich auf Pleiten und Verluste spekuliert – Geschäftsmöglichkeiten für das Finanzkapital gibt es eben auch in der Krise ...

   — Dass sich das so als eine Massenbewegung im Kreditgeschäft zeigt, hat seinen Grund darin, dass die Banken selber durch die diversen Kredit-, Refinanzierungs- und sonstigen Geschäfte untereinander verbandelt sind, das Kapital dafür also von ihresgleichen kommt und ihr eigenes Wachstum Gegenstand der Spekulation in ihrer Sphäre ist.

Sie verschaffen sich also gemeinsam diesen Stand gegenüber dem Rest der gesellschaftlichen Akkumulation. Die Macht eines einzelnen Kreditinstituts, seine Geschäfte zu machen in Kreditspekulationen auf die Geschäfte, die es kreditiert, beruht also darauf, dass die anderen ihm das glauben, dass seinesgleichen ihm abnimmt, dass es damit Erfolg hat. Und das heißt umgekehrt, dass die Macht, Geschäfte mit der Aussicht auf deren Erfolg anzustoßen, eben auch schwindet, wenn sie sich das wechselseitig nicht mehr zutrauen; es schwindet also mit der Sicherheit die Bereitschaft, Risiken fortzusetzen und neue einzugehen. Und mit dem schwindenden Interesse, sich bei der Konkurrenz und an den verschiedenen Finanzmärkten zu engagieren, schwindet auch die auf diese Art der Vergesellschaftung des kapitalistischen Reichtums gegründete Macht der Banken.

Aber erstmal versetzt sich das Finanzkapital eben in die Lage und das ist sein Dienst an der Akkumulation, dass es locker über eine Absatzschwäche hinweggeht unter dem Motto: die ist nur eine zeitweise, ich erkläre das per Kredit(vergabe) für eine bloße Phase, die auf diese Weise überwunden wird. Das geht aber nur und solange gut wie auch die anderen Banken das sagen.

   — Dann, nach dem Umschlag, ändert sich auch das Urteil des Finanzkapitals gegenüber dem produktiven Kapital, die Banken stellen fest, dass sich da zu wenig realisiert, die Geschäfte die gegebenen Kredite nicht mehr rechtfertigen – das hätten sie zwar vorher auch schon feststellen können; sie stellen es aber an der Stelle fest, wo sie selber das Problem bekommen, dass eine weitere Kreditvergabe sich nicht lohnt und ziehen sich aus dem Geschäft zurück, weil sie retten wollen, was geht. So setzen sie die Krise durch.

   — Die kritische Betrachtung des produktiven Kapitals findet eben jetzt statt, vorher haben sie auf den Aufschwung gesetzt, investiert und jetzt sagen sie, dass ihnen das zu riskant ist.

   — Man sollte das aber nicht in einen Voluntarismus des Finanzkapitals auflösen. Der Abschwung hat eine ökonomische Qualität: Wann treffen sie ihre Entscheidungen? Es platzen eben zunehmend Geschäfte.

   — Erstmal ist es ein Zweifel des Finanzkapitals, ob das, was sie an Ansprüchen auf die Bedienung ihrer Ertragsansprüche in die Welt gesetzt haben, auch wahr wird – mit der Folge, dass mit wachsendem Zweifel an der Werthaltigkeit der gebunkerten Titel das Kreditgeschäft immer mehr eingeschränkt und schließlich eingestellt wird; dass damit die Krise in allen Abteilungen der Gesellschaft stattfindet, ist also an dieser Stelle schon unterstellt.

Es ist also festzuhalten: Wenn sich die Krise verallgemeinert, ist eine Auflösung in Voluntarismus falsch – so nach dem Motto: Jetzt klappen wir den Hebel wieder um. Wenn das Finanzkapital aus der Spekulation auf und im Glauben an Wachstum auf Grundlage einer nicht nur erfolgreich stattfindenden, sondern sich auch erfolgreich realisierenden Ausbeutung der Arbeit seine Macht schöpft, an der es dann wechselseitig partizipiert, dann ist bei Abschwung und Krise genauso objektiv, dass die Geldmenschen sich diese Macht beschneiden. Sie vermögen es dann nicht mehr, aus der Spekulation auf wachsendes Geschäft auch das Mittel dafür zu machen – das zerstören sie sich wechselseitig. Davon legt die inzwischen schon jahrelang dauernde Krise so brachial Zeugnis ab: Wie oft haben die Finanzler sich schon einen Ruck gegeben unter dem Motto: Jetzt geht es wieder aufwärts! Das dekontaminiert aber ihre toxischen Papiere überhaupt nicht von alleine ...

Nächstes Mal (13.01.14) Punkt IV 4 und Einstieg in Punkt V (GS 4-12).