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Den Feind kennen

Jour fixe vom 08.07.13 - Arbeit und Reichtum, Kapitel IV, 2 a und b


Weiter geht es mit IV, 2a.
   — Die Besonderheit des Finanzgewerbes ist, dass das Geld in seinen Händen durch das Verleihen zu Kapital wird. Es besitzt so einen Rechtstitel auf Vermehrung seines verliehenen Geldes. Verglichen damit investiert ein produktives Unternehmen seinen Vorschuss in eine Industrieanlage und lässt so geldförmigen Reichtum schaffen, um damit einen Überschuss über die vorgeschossene Summe zu erzielen. Das Finanzgewerbe macht die Geldvermehrung getrennt von dem materiellen Verwertungsprozess rein durch den Akt des Verleihens. Die Potenz des Kapitals, mittels eines produktiven Prozesses aus einem Vorschuss einen Überschuss zu generieren, liegt bei dem Stand des Artikels in der Hand des Finanzkapitals, das über den Akt des Verleihens an die produktiven Unternehmen sein Geld zu Kapital macht.
   — Hier steht aber, dass getrennt von diesem materiellen Verwertungsprozess verselbständigt der Rechtsanspruch auf die Vermehrung der Summe erhoben wird. Wie ist dieses verselbständigt zu erklären, nachdem gerade auf den Zusammenhang hingewiesen worden ist? Ich verstehe auch die Fußnote 29 nicht, in der es heißt: „Die Absurdität … bekommt im Kredit ihre selbständige Gestalt ...“ (S. 80.) Hier ist doch kein Bezug mehr auf einen Zusammenhang mit der produktiven Sphäre.
   — Die Absurdität des kapitalistischen Systems überhaupt besteht darin, dass es die Arbeit unter das Geld subsumiert; produziert wird für Geld, damit dieses Geld sich vermehrt. Beim Finanzkapital hat sich das so verselbständigt, dass sein Geld mehr Geld wird.
   — Subsumtion, weil die Arbeit komplett dem Kapital untergeordnet, nur ein Teil des Kapitalvorschusses ist. Deshalb spielt die Arbeit so gesehen keine Rolle mehr. Da ist das Kapital voll auf sich selbst bezogen, es kauft alles ein, um aus Vorschuss einen Profit zu erwirtschaften. Nur wegen dieser Subsumtion geht die Rechnung überhaupt.
   — Wenn eine Summe einfach mehr werden kann –  man gibt Geld her und hat damit schon den Anspruch, mehr Geld zurückzubekommen –, ist schon unterstellt, dass mit dem Geld produktiv produziert, es in der Gesellschaft erfolgreich verwendet wird. Das ist dann, was als Eigenschaft am Geld erscheint, nämlich dass Geld mehr Geld erzeugt.
   — Die Fußnote 29 entwickelt die Macht des Eigentums. Beginnend mit der Ware, bekommt das Eigentum an einem Ding, von dem andere ausgeschlossen sind, ökonomische Macht. Die verselbständigt sich weiter im Geld als abstrakte Zugriffsmacht auf die Ökonomie. Beim Kapital bewährt sich die Macht des Eigentums als Zugriffsmittel auf die Arbeit, die gekauft wird zum Zwecke der Vermehrung des Eigentums des Besitzers der Produktionsmittel. Wenn dies die Ökonomie der Gesellschaft ausmacht, wenn also die Arbeit dem Kapital so vollständig subsumiert ist, dass es bloß eine Frage des Vorschusses ist, um sie für die Kapitalvermehrung wirken zu lassen, dann ist pur die Verfügung über das Geld die Potenz, es durch den Akt des Verleihens an diejenigen, die das Kapital produktiv verwenden, zur Quelle seiner Vermehrung zu machen.
Bzw. noch eine Stufe vorher: Dann ist schon beim produktiven Kapital zu sagen, dass nicht die Arbeit, sondern das vorgeschossene Kapital der Grund für den Überschuss ist. Diese Umdrehung kommt dadurch zustande, dass die Arbeit überhaupt von allen Mitteln getrennt ist und daher nur stattfindet, wenn sie Bestandteil des Kapitals ist. Das ist die Voraussetzung, worauf sich der vorangegangene Beitrag richtet.
   — Mich hat auch die Formulierung irritiert, dass die Arbeit ganz unter ihre Bezahlung subsumiert wird. Das soll doch heißen, dass die Arbeit von dem Geldbesitzer, der sie kauft, entsprechend seinem Zweck behandelt wird, eben nur als Kost. Auf der Grundlage erscheint dann die Vermehrung tatsächlich als Realisierung der Potenz des Kapitals. Das existiert jetzt verselbständigt im Kreditgeschäft.
   — Hier will man erklären, wieso es die Verselbständigung von G – G’ völlig getrennt von einem Produktionsprozess gibt. Die Verselbständigung liegt darin, dass als Grund für die Vermehrung beim produktiven Kapital die Bezahlung existiert. Die Arbeit erscheint deswegen gar nicht als Quelle, weil sie gekauft wurde. Das Geld, mit dem sie gekauft wurde, die Bezahlung, ist die Quelle. Somit braucht es den Kostengedanken gar nicht.
   — Wenn der Zweck ist, dass die verausgabte Arbeit das Geld vermehren soll, dann ist es nicht nur, dass sie als Kost zählt, dann müssen sich diese Kosten auch rechtfertigen durch das, was die Arbeit dann bringt. Dann muss die Bezahlung eine sein, die sich lohnt. Dabei erscheint das Kapital als das Subjekt seiner eigenen Vermehrung.
   — Der Punkt, dass die Arbeit dann schon den Profit erbringen soll, ist hier insofern nachrangig, als hier ganz die Form der ökonomischen Macht erläutert wird. Kapital ist die Macht über die Arbeit. Der Kredit ist eine weitere Stufe. Weil die ganze Ökonomie der Macht des Kapitals subsumiert ist, ist glatt die Verfügung über das Geld als Kredit die Macht, daraus mehr zu machen. Geld wird als Kapital verliehen und dafür wird der Zins verlangt.
   — In dem letzten Satz der Fußnote 29 ist die Subsumtion oder Bezahlung der Arbeit gleichgesetzt mit der Potenz des Kapitals, die jetzt als Grund seiner Vermehrung erscheint.
Ja, das Einzige, was etwas weggeführt hat, ist der Gedanke, was das für die Arbeit heißt. Wie kommt Arbeit vor, wie zählt sie praktisch? Eben als lohnende Kosten, die das Kapital für sie verauslagt. Damit ist der Grund für die Vermehrung eben das verauslagte Kapital und nicht die von ihm gekaufte Arbeit.
   — Man muss ja nicht über das Sachliche streiten, das ist klar. Es ist zu klären, worum es an dieser Stelle geht. Hier soll erklärt werden, worin die Kapitalpotenz besteht. Sie besteht darin, dass sie die Eigentum schaffende Arbeit kauft. Diese Subsumtion, dass die Arbeit gekauft werden kann, dass sie dem Geld unterliegt, dass das Geld die Macht hat, diese Potenz zu kaufen, das ist die Kapitalpotenz, die sich an dieser Stelle verselbständigt.
Ja, Arbeit ist bloß eine Frage der Kosten. Das ist derselbe Gedanke. Auf der anderen Seite ist es eben die Form der Bezahlung, wodurch sich der Geldbesitzer die Arbeit aneignet und für sich nutzbar macht. Mit der Bezahlung wird die Arbeit Eigentum des Kapitals und über diese Aneignung der Quelle ist das Kapital in der Lage, sich selbst zu vermehren.
Wenn man sagt, die Kosten sind der Grund für den Profit, fehlt etwas. Gemäß der Berechnung des Kapitalisten soll die ausgegebene Kost rentabel sein, so stellt er sich zu der Verausgabung seines Geldes. Wenn man fragt, was da ökonomisch passiert, ist zu sagen, dass es die Aneignung der Potenz der Arbeitskraft ist, die Reichtum vermehrt.
In dieser Aneignung passiert genau die Abstraktion davon. Das ist der Gedanke, um den es hier geht. Die Form, in der die Arbeit dienstbar gemacht wird, verleugnet, dass die Arbeit dienstbar gemacht wird. Das Kapital als Quelle seiner eigenen Vermehrung, verselbständigt sich im Kredit.
   — Mir ist klar, dass der Bezug zur Anwendung der produktiven Arbeit die Grundlage für die Verselbständigung ist, aber ich dachte mir, diese Verselbständigung sei noch einmal eine besondere Qualität, dass sie von jeglichem Zusammenhang mit der produktiven Sphäre absieht. Und das Recht des Geldgewerbes auf eine Vermehrung jeder beliebigen Geldsumme eine andere Qualität sei.
Das Problem scheint mir, dass man bei Verselbständigung denkt, da sei doch eigentlich der Zusammenhang zu seinem Ursprung gekappt. Aber dieser Zusammenhang ist nicht nur formal da, als Analogie zum Vorherigen, sondern das Kreditgewerbe ist bezogen auf das produktive Kapital. Es leiht jedem Geld und lebt von dessen Vermehrung und deswegen kann es auch jetzt als verselbständigtes einfach diese Vermehrung einfordern, egal ob das produktive Kapital dies hinbekommt oder nicht. Damit hat man einerseits den Zusammenhang und andererseits das, wie sich der Anspruch auf Vermehrung emanzipiert von dieser Vermehrung, die das produktive Kapital schafft.
Es ist die Verselbständigung eben dieser Absurdität, dass die Leistung der Arbeit, Eigentum zu vermehren, ganz in die Macht des Geldes über die Arbeit fällt. Deswegen ist an dieser Stelle das Wort Absurdität so berechtigt. Dieser Punkt war Gegenstand des III. Abschnittes. Dort ging es darum, dass die Macht des Kapitals über die Arbeit zu dem praktizierten Standpunkt führt, dass das Kapital die Arbeit gar nicht als Quelle seiner Vermehrung nimmt, sondern sich und dann die Arbeit entsprechend nur als Kost usw.: Die Subsumtion des Produktionsfaktors unter seine Eigenschaft als Kostenfaktor ...  Das ist der Inhalt von Verselbständigung. Rückwärts gelesen kann man sagen: dass das Kapital praktisch von diesem geltenden Standpunkt aus am Ende noch denkt, dass die erreichte Vermehrung aus der Einsparung von Arbeit kommt.
Auf jeder Ebene ist es so: dass der Verleiher von Geld sagen kann, er wolle mehr Geld zurück haben, geht nur deswegen, weil das Geld in dieser Gesellschaft laufend vermehrt wird. Und das geht eben durch die Kapitalvermehrung.
   — Der Fortschritt besteht darin, dass der produktive Kapitalist als Maßstab seines Erfolgs das Verhältnis von Überschuss zu Vorschuss nimmt (was er praktisch mit dem Produktionsprozess ins Werk setzt). Ausgehend davon, dass dies die gesellschaftliche Praxis ist, nimmt es der Finanzkapitalist als Rechtstitel, dass dem Geld die Eigenschaft innewohnt, sich zu vermehren.
Und es hat auch eigene Kriterien für die Formulierung seines Anspruchs auf Vermehrung, die mit dem produktiven Kapital nichts zu tun haben.
   — Mit den Finanzgeschäften ist man jetzt unmittelbar bei der Absurdität eines sich selbst vermehrenden Geldes. Die Fn. 29 erinnert daran: damit diese Gleichung aufgeht, ist eine andere absurde Gleichung unterstellt: die Arbeit in der Warenproduktion ist dem Zweck, mehr Geld zu machen, subsumiert: dieses  G – W – G' ist verselbständigt in G – G'.  Es gibt bei den Linken und Bürgerlichen eine falsche Vorstellung über dieses Verhältnis: Bei den Produktiven schaffe immerhin noch die Arbeit den Reichtum, das Finanzkapital sei pure Spekulation auf sich. Dagegen wird hier noch mal daran erinnert, dass es eine Verselbständigung dessen ist, worum es im Geld bereits geht: Eigentum zu vermehren.
Es gibt diese 'kritische' Beurteilung des Verhältnisses, dass gesagt wird, in der Realwirtschaft werde die Arbeit noch wertgeschätzt und das Finanzkapital behaupte abschätzig, den Wert selbst zu kreieren. Dazu hier noch mal die Klarstellung: Der Anknüpfungspunkt des finanzkapitalistischen Standpunkts der Geldvermehrung an den realen ist die Verachtung der Arbeit im produktiven Kapital.
Nur, bei den Bürgerlichen wird nicht die Arbeit, sondern das produktive Kapital gelobt, das schaffende gegen das raffende Kapital gehalten. Bei Linken kennt man es unter: Wertschätzung der Arbeit. (und bei Alt-Bundespräsident Köhler. 'Nur Arbeit schafft echte Werte'.)
   — Der 1. Abschnitt (S. 79.) hat angefangen: Geld erhält rein durch den Akt der Verleihung Kapitalpotenz. Die Fortsetzung ist: in das bezieht die Bank das Geld ein, das sie einsammelt von der Gesellschaft, bei der verschuldet sie sich. Im ersten Akt vermehren sich die Schulden anderer bei den Banken, im zweiten bekommen sie das Geld und werden darüber zu Schuldnern.
   — Die Bank ist so was wie die technische Schaltstelle aller Zahlungsverläufe der Gesellschaft. Sie bietet an, ihr Geld zu überlassen, dafür zahlt sie einen Zins als Verwalter der Gelder der Gesellschaft. Jeder hat ein Konto bei der Bank, alle Zahlungen einer modernen Marktwirtschaft laufen über die Bank. Aus diesem Geld bedient sie sich für ihr Kreditgeschäft. Das Geschäft der Bank ist, fremdes Geld zur Grundlage des Kreditgeschäfts zu machen.
Dieser Gedanke weitergedacht geht weit über das hinaus, dass sie technisch die Schaltstelle für alle Zahlungen ist. Die Überschrift hier ist ja: "Vergesellschaftung der Privatmacht des Geldes".
   — Die Bank zahlt ihren Einlegern Zinsen und verleiht es zur Verwertung ans Kapital. Aus der Differenz wächst ihr Reichtum. Weshalb kommt hier noch der Gedanke: sie ist überhaupt der Abwickler des Zahlungsverkehrs der Gesellschaft (Fn. 30)?
   — Die Bank verleiht nicht nur ihre Spar-Einlagen weiter, sondern auch alles, was bei ihr auf dem Girokonto hin- und hergebucht wird, alle kurzfristigen Ein- und Ausgänge.  
   — Bei ihr werden Ein- und Verkäufe als Gut- und Lastschriften verbucht. Das ist erst mal eine Ökonomisierung, dass Geld für Kauf und Verkehr ersetzt wird durch Kreditzeichen, und auf der anderen Seite hat die Bank auf der Grundlage die Basis für ihr Verleihgeld.
   — Also: Die Banken sichern sich die Verfügungsmacht über fremdes Geld als Manövriermasse für ihr Kreditgeschäft; dieses Schuldner- und Gläubiger-Verhältnis nach zwei Seiten ist das Wesentliche. Das erläutert Fn. 30. Das hat den Charakter eines allgemeinen Verfügens über die gesamten Zahlungen der Gesellschaft.
Die Reihenfolge hier ist umgekehrt: Sie ist der Gläubiger, der die anderen zu Schuldnern macht, daraus bezieht sie ihre Vermehrung. Gleichzeitig ist das Geld, das sie einsetzt, das, was sie von ihren Einlegern bekommt gegen die Zahlung von Zinsen. Sie ist Schuldner und Gläubiger in beide Richtungen. Die Fn. 30 ist die Erläuterung, wie das gesamte Geld der Gesellschaft der Bank zur Verfügung steht, um ihre Kreditgeschäfte zu bewerkstelligen.
   — Das bloße Kreditzeichen oder elektronische Geld ändert nichts an dem Schuldner-Gläubiger-Verhältnis, sondern ist eine  Erscheinungsform, an der sie noch mal extra verdient. Sie verleiht Kredit in Form elektronischer Mengen von Guthaben.
   — Kreditzeichen heißt nicht nur was Elektronisches, sondern es existiert ein Kreditverhältnis der Bank im Verhältnis zu ihren Schuldnern. Das stellt dann das gutgeschriebene Geld dar.
   — Das Entscheidende an der Stelle ist doch, dass man sagt, die Bank macht aus Geldverleihen ein Geschäft, nämlich mehr Geld. Das ist ein Angebot und gleichzeitig ihr Mittel, sich fremdes Geld verfügbar zu machen für ihr Geschäft, indem sie der Gesellschaft gegenübertritt als jemand, der ihr Geld überlässt, das dann für ihn wie Geldkapital wirkt: die Bank zahlt ihm für die Überlassung Zinsen. So tritt sie der Gesellschaft einerseits als Schuldner gegenüber, der Zins verspricht, und andererseits als Gläubiger mit ihren eigenen Verleihgeschäften.
   — Es geht hier aber v. a. um das, was in der Überschrift steht: "Das Finanzgewerbe etabliert Geldvermögen als ein jeder Geldsumme zugehöriges Recht". Das setzt sie so durch, dass sie auf ihre Einlagen einen Zins  zahlt. Damit wird durchgesetzt, jede Geldsumme hat den Anspruch mehr zu werden. So lässt auch der Kleinanleger bei der Bank 'sein Geld arbeiten'.
   — Also der Zusammenhang zwischen der Bank und ihren Kunden oder Einlegern ist, dass das Finanzkapital das Prinzip in der Gesellschaft etabliert, dass Geld angelegt gleich mehr Geld bedeutet, dass sie dieses Prinzip jetzt auf jede Geldsumme anwendet, auch auf die, die sie noch gar nicht in den Fingern hat, eben als Angebot an alle Geldbesitzer, ich bin der Agent dieses Prinzips und biete euch für die Überlassung des Geldes einen Dienst, mache aus euerm Geld Kapital. Das ist die Leistung der Bank, wie auch ihr Grundgeschäft.
Genau, sie ist der Agent dieses Prinzips, dass jedes Geld auch Geldvermehrung ist, nämlich so, dass sie jedes Geld zu ihrem Geld macht. Alles Geld der Gesellschaft ist jetzt Kapital der Bank. Kredit, den sie ausgibt, oder das Geld, das sie einnimmt. An dieser Vermehrung ihres bankmäßigen Geldkapitals beteiligt sie ihre Anleger. Das heißt da Vergesellschaftung der Privatmacht des Geldes.
Schuldner gibt es jetzt in zweierlei Hinsicht: Einerseits die Schuldner der Bank, andererseits bietet sie sich als Schuldner dem Publikum an. Das Angebot besteht in nichts anderem, als dass die Bank sagt, wenn du mir dein Geld gibst, bin ich dein Schuldner.
Alles Geld der Gesellschaft wird dadurch Kapital, dass es Kredit ist. Alle Kapitalverhältnisse sind Gläubiger-Schuldner-Verhältnisse. Diese Gleichung, dass Geld Kapital ist, geht nur über die Gleichung, die die Bank macht: nach allen Seiten hin Kreditverhältnisse einzurichten. Indem sie Kredit stiftet, wird aus Geld Kapital.
   — Indem sie alles Geld in Kreditmittel, in Schulden verwandelt. Da stehen die beiden Abteilungen im funktionellen Verhältnis. Wenn die Bank sich als Schuldner der Gesellschaft gegenüber aufstellt, ist es die Art, wie sie das Geld der Gesellschaft auf sich zieht und zu ihrem Kreditmittel macht. Dieser Akt in der Geschäftskalkulation der Banken ist die Voraussetzung dafür, dass sie das gesamte Geld der Gesellschaft jetzt zum Mittel ihres Kreditgeschäfts macht. Was man sonst im Schulbuch lesen kann: Die Bank nimmt denen, die zuviel Geld haben, das Geld gegen Zinsen ab, die sie bekommt, indem sie es andern borgt. In Wirklichkeit ist es dieses Subsumtionsverhältnis; das Einsammeln des gesellschaftlichen Reichtums hat den Zweck, ihn zu verwenden im Sinn von: Kreditvergabe als Stoff des Bankgeschäfts.
Und das aus Geld mehr Geld machen ist und bleibt das Geschäft der Bank. Verallgemeinerung heißt ja nicht, das kann jeder, sondern nur über die Bank findet diese Verallgemeinerung statt.
   — Die Vergesellschaftung ist das Privatgeschäft der Bank, das Mittel der Bank.
   — Die zugrundeliegenden Rechtsverhältnisse sind die zwei Seiten des Geschäfts der Bank, kein: zuerst das, dann das andere. Sondern sie zieht Geld an sich und zahlt dafür Zinsen – das ist bei ihr Kapital (bietet so gesehen also aller Welt ein Prinzip der Bereicherung an); diese Geld verleiht sie an andere – da ist das Verleihen Kapital.
   — Dabei gibt es aber eine logische Reihenfolge. Festhalten muss man, dass die Bank dieses Prinzip G – G' etabliert, indem sie sich darauf verlässt, dass das Kapital Arbeit subsumiert und mehr rauskommt. Das kommt logisch davor, dass sie mit dem Prinzip dann jedes Geld der Gesellschaft zu Kapital macht.
   — Es vergesellschaftet sich die Privatmacht des Geldes, weil das Finanzkapital sich als Schuldner der Gesellschaft zum Gläubiger der Gesellschaft positioniert. Also alle Gelder auf sich bezieht, Kreditverhältnisse zur Gesellschaft eingeht, um das Geld als Kapital wieder rauszugeben. Das ist die Vergesellschaftung der Privatmacht des Geldes auf dieser ersten Stufe. Sie macht das Angebot, ihr Geld zu überlassen gegen einen Zins. Und sie macht dieses fremde Geld zu ihrem Geldkapital. Und zwar das der ganzen Gesellschaft. So verstehe ich: da verallgemeinert sich ein Prinzip, dass jedes Geld Geldkapital wird. Die Bank tritt an als Gläubiger der Gesellschaft und Schuldner. Das ist also ein schuldrechtlicher Akt in beide Richtungen.
Alle, die über Geld verfügen, sind jetzt in diese Sorte Geldvermehrung eingespannt durch die Bank. Das ist die zweite Seite.
Im nächsten Abschnitt wird zum Verständnis von Verselbständigung extra betont: Was sich da "verselbständigt, ist dessen ökonomische Eigenart" (S. 81.)
   — Dieser Abschnitt erklärt (im Unterschied zur Fn. 21) noch mal substanziell, wie der Zusammenhang zum produktiven Kapital geht und zum Geld, in dem bereits das Recht auf seine Vermehrung steckt: Vom Standpunkt des Bankkapitals erscheint diese Verselbständigung als Risiko des ihm vorausgesetzten Geschäfts. Im Kreditverhältnis taucht so der gesamte Reproduktionsprozess der Gesellschaft auf. Für die Bank selber existiert das quasi vorausgesetzt und auf das bezieht sie sich in Form von: ihr Job besteht darin, Risiken abzuschätzen, die sie im Kredit vergibt.
Es geht also darum, wie drückt sich die Verselbständigung in dem Agieren der Bank aus. Oder wie drückt sich der Zusammenhang aus vom Standpunkt des selbständig kalkulierenden Bankkapitals: Dessen Grundlage nimmt es nicht als solche, sondern als mehr oder weniger großes Risiko wahr.
   — So vergleicht es seine Schuldner. Das ist auch noch mal ein Moment von Vergesellschaftung.
   — Vergleich ist zu wenig. Praktisch wird hier gesagt, die Bank berechnet Risiken von ihrem Standpunkt als Zinsunterschiede. Verselbständigung im Sinne von: was leistet die Gesellschaft für mich, was leisten die Geschäfte, die ich angestoßen habe.
   — Sie lässt nicht die Finger von einem großen Risiko, sondern preist es ein, kalkuliert, darüber Ausfälle wettzumachen.
b)
   — Die Risiken ihres Geschäfts bekommt die Bank natürlich nicht weg. Aber darüber, dass sie ihre Kreditverhältnisse ausweitet, schafft sie zugleich mehr Sicherheit für ihr Geschäft, weil mit der Ausdehnung wachsen nicht nur die Risiken einer möglichen Nichteinlösung der Forderungen, sondern andererseits auch der Umfang und die Masse von Forderungen, die die Bank an den Rückfluss von ihrem Geschäft stellen kann. Sie wird mit ihren Risiken dadurch fertig, dass sie mehr Risken eingeht und so wächst.
   — Für die Banken heißt das, sie können Gelder mehrfach verleihen, auch riskante Kreditgeschäfte eingehen – das ist ihr Geschäft – wichtig ist für sie, wenn Geldforderungen an sie gestellt werden, dass sie dann liquide ist und zahlen kann. Das macht sie über die Masse und die Zusammenarbeit mit den anderen Banken.
  — Hier ist noch mal die Logik des interessierten Standpunkts des Finanzkapitals gegenüber seiner Grundlage zu fassen. Der spekulative Charakter seines Kreditgeschäfts sieht in der Gefahr nie einen Einwand, sondern immer ein auszunutzendes Geschäftsmittel. Von dem Standpunkt aus betreibt es seine Fortentwicklungen. Das nimmt seinen Anfang schon in dem, dass das Ausfallrisiko eben eingepreist wird, dass es kein Einspruch gegen das Geschäft ist, sondern eine zu kalkulierende Größe, die man für sich gleich wieder produktiv macht, indem man sagt, dann muss dafür eben ein besonderer Preis gezahlt werden. Die nächste Stufe: Viele Kreditverhältnisse zu haben, bedeutet Sicherheiten, falls einige ausfallen; je mehr desto besser. Das hat die Kehrseite, dass dann mehr ausfallen können. Aber von der interessierten Logik des Finanzkapitals ist es die fortschrittliche Lösung, sein Kreditgeschäft zu erweitern, damit streut es quasi seine Risiken. So ist die Perspektive hier, was das Finanzgewerbe alles zustande bringt, um sein Geschäft zu bewerkstelligen.
Ihre Grundlage immer nur als Risiko zu nehmen, das man mit einer Zahl versehen kann, ist nicht begriffslos. Einerseits macht das Kreditgewerbe so alles zu seinem Geschäft. Umgekehrt vollbringt es so eine Leistung für die Sphäre der kapitalistischen Eigentumsvermehrung, die es kreditiert. Keine Ausbeutung muss ausfallen, nur weil sie riskant ist. Das ist Vergesellschaftung, der doppelte Dienst des Bankkapitals an sich und an der kreditierten Geschäftswelt. Das setzt was frei.
So macht sie immer den Bezug auf sich. Da sind die produktiven Kapitalisten nicht nur dafür da, dass sie Arbeiter ausbeuten und ihr Eigentum vermehren, sondern über ihre Beziehung zur Bank machen sie das Kreditgeschäft der Bank gut. So bezieht die Bank das Wirken aller kapitalistischen Eigentümer, zu denen sie diese wechselseitigen Gläubiger- und Schuldnerverhältnisse hat, aufeinander und stellt tatsächlich her, dass das Kapital als gesellschaftliche Größe der Arbeit gegenübertritt. Sie macht das Kapital des einen fürs Kapital des anderen gut und nützlich, ohne die Konkurrenz zwischen ihnen aufzuheben.
   — Die Betonung am Ende von a) (S. 81) ist, dass auf der Basis, dass alle vom Kredit der Banken abhängen, eine neue Sorte von Abhängigkeit entstanden ist. Andersrum: Die Selbständigkeit des ganzen Gewerbes über die Produktiven heißt, die Maßgabe, nach der die Kredit bekommen, hängt von der Rechnungsweise der Bank ab, nicht von deren Bedarf und Rechnungen. Das ist der Hinweis auf seine Grundlage.
Das Bankkapital vollbringt eine doppelte Leistung für die Freisetzung des Wirtschaftswachstums und für sich. Das macht es nicht aus einem übergeordneten Gesichtspunkt, sondern so ordnet es sich alle Geschäfte zu und unter. Das war ein Rückgriff  auf a).
   — Der Gedanke von b) war: Das Risiko ist ihr Geschäft. Die Masse der Geschäfte befähigt sie, mit den Risiken umzugehen. Dafür bedienen sich die Banken untereinander. Der Fortschritt geht auf das Innere, da machen sie sich selbst wechselseitig zu Gläubigern und Schuldnern, um dieses Geschäft zu betreiben.
   — Auf S. 82f. ist der Durchzieher, dass sie das Prinzip der Bereicherung zu einer eigenständigen Geschäftssphäre machen. Da geht es darum, das ist eine neue Form von Verselbständigung, dass die Banken das Bereichern untereinander praktizieren.
Das ist der Fortgang; der Anfang war, dass sie sich wechselseitig Geld leihen. Aber eben nicht nur das, sie machen auch einen ganz eigenständigen Finanzmarkt.
   — Dass die Banken im Interesse ihres Geschäfts einen Kapitalmarkt schaffen, ist der nächste Schritt. In der Hinsicht, dass sie Anspruchstitel auf zukünftigen Erfolg ihres Geschäfts als Geldkapital verkaufen, sich so ein Potential für die Ausdehnung ihrer Kreditgeschäfte verschaffen. Das machen sie auf beiden Seiten, treten auf als Emittenten und Investoren von Anrechtstiteln auf zukünftiges Geschäft. Also Wachstum des Geschäfts am Kapitalmarkt, damit gleichzeitig Stiften von mehr Sicherheit, insofern sie sich wechselseitig damit ihre Risiken beglaubigen.
   — Da werden Schulden als Wertpapiere gehandelt, verzinste Papiere, die nur darüber Anerkennung bekommen als Wertpapier, dass sie erfolgreich vermarktet werden.
   — Damit tritt an die Stelle des Gläubiger-Schuldner-Verhältnisses das Verhältnis Investor-Emittent. Dahingehend, dass sie das Versprechen auf zukünftige Erträge, die sie im Wertpapier anbieten, zu ihrer Einkommensquelle machen, darüber Geldkapital an sich ziehen. Das Wertpapier verspricht einen zukünftigen Geschäftserfolg. Der Investor kauft damit Geldkapital, der Emittent kommt so zu fremdem Geld.
   — So wird Kredit zur Ware. Der Unterschied zum vorigen ist, dass man ein Schuldverhältnis kauft und verkauft.
   — Kann man da von einer Umkehrung sprechen, weil im Wertpapier das Zahlungsversprechen selbst die Qualität des Kapitals erhält?
Ja, es beruht alles darauf, dass man eine Geldsumme einsetzt und die – produktiv eingesetzt oder verliehen – sorgt für ihre Vermehrung. Hier ist das Versprechen der Vermehrung das, was überhaupt das Kapital stiftet, in der Hand dessen, der es vermehrt. So verschaffen sie sich das Kapital, indem sie anbieten, es zu vermehren. Dann steht ein Zinsversprechen am Anfang und die Hauptsumme kommt dazu. Im Kauf bzw. Verkaufsakt des Wertpapiers.
   — Der Finanzmarkt ist der Ort, wo künftige Geschäftserträge als Kapital gehandelt werden. Der künftige Geschäftsertrag wird zu einem Gut, bei dem die Summe abgeleitet ist aus dem künftigen Ertrag. Dieses Geschäft existiert als ein auf dem Finanzmarkt  gehandeltes Papier.
Wozu ein Wertpapier dienen kann, nämlich zur Geldbeschaffung, ist hier aber untergeordnet. Die wichtige Bestimmung ist der Charakter des Wertpapiers selber: eine garantierte Geldvermehrung, die man kaufen kann. Wer das Wertpapier ausgibt, ist dabei nicht der Witz.
   — Das Wertpapier enthält das Versprechen des Emittenten, dieses über die Zahlung eines Zinses zu einer Geldquelle zu machen. Insofern ist ein Wertpapier ein Kapital, wenn es als ein solches gehandelt und diesem Versprechen im Kauf Recht gegeben wird.
Jetzt wurde über den Emittenten geredet. Was gibt es über den Investor zu sagen?
   — Der hat durch diesen Kauf sein Geld zu Geldkapital gemacht, wobei es da einen Fortschritt gibt: In a)  geht es um die Verselbständigung der Potenz des Geldes im Leihkapital und jetzt in b) gibt es eine neue Verselbständigung, die darin besteht, dass man pur die Sache, die sich vermehrt, kaufen kann, sie also als Ware angeboten wird.
Der Investor kauft sich also die Geldvermehrung, die ein anderer ihm anbietet. So setzt sich das Finanzkapital frei für die vorher besprochenen Leistungen. In diesen Kapitalmarktgeschäften untereinander verschafft es sich überhaupt die Kapitalmacht, als der Finanzier und universelle Schuldner der ganzen Gesellschaft aufzutreten – und zwar in beiderlei Hinsicht: Zum einen, dass sich die Bank Wertpapiere kauft, die für ein beständiges Einkommen sorgen, mit dem sie ihre Verpflichtungen erfüllen kann. Zum anderen umgekehrt als Emittent: Er beschafft sich das Geld, in dem er ein Wertpapier auflegt. Also in beiden Funktionen ist der Witz, dass beide Seiten sich jeweils ihre Grundlage verschaffen, indem sie wechselseitig ihre Risiken tragen. Es handelt sich also um eine Wechselseitigkeit der Geschäfte, die von den Banken gemacht werden: einerseits besorgen sie sich so das Geld, andererseits verdienen sie so Geld.
   — Eine Frage: Wieso wird das so betont, dass sich der Finanzmarkt nicht durch den Austausch von Äquivalenten auszeichnet?
   — Weil die Wertpapiere auf einem Markt als Waren angeboten werden, deren Inhalt aber die Vermehrung ist, man also Kapital als fertiges Ding kaufen kann.
Und zwar eines Dings, dessen Herstellung im Gegensatz zur normalen Ware nichts kostet – da steckt kein Wert drin und es hat keinen anderen Wert als den, der bezahlt wird: Sein Wert ist der im Tausch praktizierte Glaube – der an der Börse seinen Kurs bekommt –, dass das Vermehrungsversprechen aufgeht (weshalb man in Analogie zum ‚normalen’ Warenmarkt auch sagen kann, das Papier habe einen „Preis“, der sich eben im Augenblick des Kaufs, wenn das Papier zu Geldkapital wird, herstellt).
Das Wichtige an dem großen Absatz (S.82f.) ist, dass das Finanzkapital sich eine eigene Sphäre des Wachstums eröffnet hat, in der die Akteure sich wechselseitig die Macht zur Bereicherung beglaubigen, die sie so überhaupt erst schaffen; so machen sie diese Sphäre zu einer wechselseitigen Verdienstquelle und neuen Sphäre ihres Wachstums. Auf diese autonome Art und Weise lassen sie ihr Kapital als solches wirken, und zwar dadurch, dass sie sich das wechselseitig abkaufen, im wirklichen und übertragenen Sinn.
Die erste Form, die Risiken zu tragen, war die, dass sie wechselseitig Gläubiger und Schuldner sind. Auf der nächsten Stufe tragen sie die Risiken darüber, dass sie als Investor und Emittent sich wechselseitig Geschäftsgelegenheiten schaffen, das macht ihre Risiken haltbar.
   — Dabei liegt die Schranke im Agieren der Finanzakteure selber: es ist solange eine Sphäre für ihr weiteres Wachstum, solange sie darauf setzen, dass dies Geschäft untereinander auch klappt.
Das wird auch in der Fn. 31 verdeutlicht: Es geht nicht um dieses blöde psychologische Vertrauen pur, wie es immer in den Medien vorkommt, sondern eben Vertrauen darin, dass die Akteure dafür gerade stehen, diesen Reichtum zu schaffen.
   — Und mit diesem Vertrauen aufs Geschäft werden neue Sorten von Risiken auf der Ebene des Wertpapiers und Kapitalhandels aufgelegt und eingegangen, die ihrerseits auf vorher eingegangenen Risiken basieren. Also jedes Geschäft ist die Grundlage dafür, immer neue Formen von Risiken in die Welt zu setzen und auf der Ebene eine neue Wachstumssphäre zu erschließen.
   — Deshalb kommt es im Fortgang richtiggehend zu einer Umdrehung, nämlich dass das Gelingen der Finanzmarktgeschäfte darüber entscheidet, wie es mit dem normalen Kreditgeschäft weitergeht, weil sie zur entscheidenden Sphäre des Wachstums geworden sind.
Die diversen Geschäfte mit Derivaten (1. Abs. S. 126) werden nicht groß zum Thema gemacht, sondern nur erwähnt, um als Ergebnis festzuhalten, wie sich das Finanzkapital in Bezug auf  Arbeit und Reichtum verhält.   
   — Die Leistung der Aktionen des Finanzkapitals ist die Vergesellschaftung von Risiken und damit der Stiftung von Sicherheit für das Bankgeschäft selber; damit wirtschaften die Banken sich in eine Machtposition hinein, in der sie entscheiden, wohin Kredite fließen und wohin nicht. Das Witzige dabei: Diese Vergesellschaftung passiert über die Konkurrenz der Banken untereinander.
   — Das Finanzkapital existiert also gar nicht anders als in der Form einer ständig betriebenen Konkurrenz, in der jeder – verbunden mit den anderen durch diverse Geschäfte – nur an das Fortkommen des eigenen Geschäfts denkt. Das ist die Art und Weise, wie im Kapitalismus ausgerechnet so etwas wie Vergesellschaftung passiert.
   — Die Konkurrenz dort geht darüber, dass sie sich jeweils als Geschäftsgelegenheit benutzen und über dieses Hin und Her von Benutzung betreiben sie die besagte Vergesellschaftung. Ihren Reichtum bringen sie als diese konkurrierenden Finanzmarktakteure zustande und den garantieren sie als solche auch (auch wenn das von keinem der Zweck ist, aber alle hängen vom Gelingen dieses „paradoxen Kunstwerks“ ab hinsichtlich der Stichhaltigkeit ihres Reichtums).
   — Wobei die Leistung bei der Vergesellschaftung der Risiken ist, dass sie tatsächlich gesellschaftlich wahr machen: Kredit ist Geldkapital. Dass diese Gleichung Gültigkeit hat, beglaubigen sie sich untereinander.
   — Und dabei treten die Banken sowohl als Investoren wie als Emittenten auf, sind Konkurrenten, die sich wechselseitig benützen, misstrauisch beäugen und sich gleichzeitig als Geschäftsmittel benutzen und darüber eine Gesellschaftlichkeit herstellen. Für diese Bestimmung braucht man nicht das Verhältnis zur anderen Sphäre, also zum realen Kapital. Es genügt die Bestimmung, dass die Banken durch ihr Verhältnis untereinander eine Form der Vergesellschaftung des Kredits herbekommen.
Noch mal zur Klärung der Diskussion vom zweitletzten Absatz: Es ist nicht korrekt, zu sagen, dass der Emittent die anderen für die Risiken brauche. ‚Risikoreich’ ist der verwandelte Standpunkt des Finanzkapitals in Bezug auf die Abhängigkeit ihrer großkotzigen Gleichung: Vermehrungsversprechen ist schon selber das Mittel für Vermehrung, im Prinzip sei das mit einem jeweiligen Risiko verbunden und jetzt wird das eingegangene Risiko selber zum Gegenstand von Absicherung und geschäftsmäßigen Umgängen mit dem Risiko. Dafür – sich gegen ein Risiko mit einem Gegengeschäft und irgendeiner Spekulation auf Veränderungen abzusichern – braucht man dann die anderen. Auf diese Weise macht man z.B. mit Versicherungsgeschäften das eigene Risiko zum Risiko der anderen, die damit ihr Geschäft machen wollen.
Auf diese und andere derivate Geschäfte bezieht sich der zweitletzte Absatz, wenn er von den „Techniken und Milliardenumsätzen dieses – mitunter als ‚Zockerei’ verschrieenen – Geschäftszweigs“ redet, der vom ‚normalen Publikum’ endgültig nicht mehr verstanden wird. Es wird nach der ökonomischen Leistung dieses abgeleiteten finanzkapitalistischen Sondergeschäftszweigs für das Finanzkapital insgesamt gefragt und es stellt sich heraus: Das verschafft dem Finanzkapital überhaupt die Sicherheit dabei, einen Finanzmarkt als Quelle autonomer Bereicherung zu betreiben.
Dadurch, dass in dem Geschäft mit Derivaten – sozusagen als krönender Abschluss des ganzen Wertpapiergeschäfts – die Risiken vergesellschaftet werden, wird also das Finanzkapital in sich haltbar. Vergesellschaftet wird das Risiko darüber, dass es seinerseits zum Geschäft gemacht wird (dadurch, dass ein anderer aus seinen geschäftlichen Erwägungen heraus das Risiko übernimmt und die Gebühren oder Zinsen kassiert). Es gibt dann eine neue Quelle von Bereicherung, die darauf beruht und den Inhalt hat, dass finanzkapitalistische Bereicherung per se ein Risiko, eine Spekulation ist.
Man muss unterscheiden zwischen dem Inhalt und der Leistung der finanzkapitalistischen Aktionen; der Inhalt sind die Geschäfte, die sie machen für ihre Bereicherung und in Konkurrenz gegeneinander, und was sie damit insgesamt vollbringen, ist eben die Leistung für sich als Finanzkapital: So machen sie überhaupt ihr ganzes finanzkapitalistisches Geschäftswesen als eigene Branche haltbar. Der Standpunkt der Konkurrenz wird niemals aufgegeben – mit und in Praktizierung dieses Standpunkts kriegen sie die Vergesellschaftung des Privateigentums hin (in den Grenzen des Privateigentums).